100 000 Euro für den alten Speicher
Stadt Wilster saniert ihre Bausubstanz/ Arbeiten am Neuen Rathaus in der Endphase
Wilster

Die Stadt Wilster steckt weiter Geld in den Erhalt ihres kulturellen Erbes. Zustimmend nahm der Bauausschuss jetzt eine Kostenaufstellung für umfangreiche Renovierungsarbeiten am Rathaushausspeicher zur Kenntnis. Gut 100 000 Euro sollen hier investiert werden. „Das ist eine Menge Geld", stellte Roman Stöckmann vom Bauamt beim Amt Wilstermarsch fest. Die guten Nachrichten aber: Das Gebäude ist nach Feststellung der Wewelsflether Architektin Christine Scheer statisch und konstruktiv in gutem Zustand. Und: 80 Prozent der Ausgaben könnten über eine Sonderbedarfszuweisung wieder reinkommen.

Nach Einschätzung von SPD-Fraktionschef Helmut Jacobs ist es „in Deutschland ziemlich einmalig, dass ein Rathaus aus gleich zwei Gebäuden besteht". Der Speicher unmittelbar hinter dem Alten Rathaus erinnert an die Blütezeiten der Stadt im 16. Jahrhundert. Heute ist hier ein Naturkundemuseum untergebracht. Jacobs regte einen Antrag auf einen Zuschuss aus den im Land zu verteilenden Bingo-Mitteln an. Da lägen jährlich zwei bis drei Millionen Euro bereit. So könnte die Stadt auch noch ihren Eigenanteil von rund 20 000 Euro weiter reduzieren. Das soll nun geprüft werden.

Nach einer Aufstellung von Christine Scheer fließt der Löwenanteil von den Sanierungsausgaben in Tischler- und Malerarbeiten. So müssten allein 25 Zargen mit insgesamt 43 Fensterflügeln grundlegend überholt werden. Kleinere Ausgaben fallen für eine Erneuerung von Anschlussfugen, Ausbesserungen bei der Dacheindeckung und Reparaturen am Fachwerk an. Für die Arbeiten soll das Gebäude zudem komplett eingerüstet werden.

Derweil gehen die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Neuen Rathaus in die Endphase. Aktuell ist Restaurator Jarek Kulicki mit der Fertigstellung eines Nebenraumes des grünen Gartensaales befasst. Das soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Die maroden Balkenköpfe und die Fußböden in der ersten Etage sind wieder hergestellt. Bis zum Sommer sollen die Restarbeiten an der Fassade, die dafür noch einmal eingerüstet wird, abgeschlossen sein. Laut Bürgermeister Walter Schulz gab es bei den Kosten eine Punktlandung. Rund 140 000 Euro seien in Erhalt und Verschönerung der wertvollen Bausubstanz gesteckt worden – und die Stadt musste dabei fast keinen Cent hinzubezahlen. Wegen großzügiger Zuschüsse aus der Denkmalpflege lag der Eigenanteil von Wilster bei gerade einmal 705 Euro. Glücksfall für die Stadt: Weil andere Projekte im Lande kurzfristig weggefallen waren, konnte Wilster in die Lücke springen und Mittel aus den Denkmalpflegetöpfen abgreifen. Schulz geht allerdings davon aus, dass jetzt erst einmal eine Pause eingelegt werden müsse. Erwartet wird allerdings noch ein kleinerer Zuschuss für eine Expertise für das noch nicht sanierte Bürgermeisterzimmer.

Wiederhergestellt werden sollen allerdings zuvor noch die Supraporte im Flur der ersten Etage. Hierbei handelt es sich um über Türen angebrachte Gemälde. Die Ölgemälde auf Leinwand sind nach einer Untersuchung durch Jarek Kulicki eher rustikal mit Nägeln durch die Bildmotive an der Wand befestigt worden. Die Rahmen mit filigranen Ornamentleisten sind mit einer minderwertigen Bronzierung überzogen. Dahinter verbirgt sich aber eine gut erhaltene Vergoldung. Eine Restaurierung der Gemälde würde gut 14 000 Euro kosten. Laut Schulz hat das Landesamt für Denkmalpflege dafür bereits einen 50-Prozent-Zuschuss in Aussicht gestellt. „Da sollten wir ein Zeichen setzen", sprach sich Bauausschuss-Vorsitzender Sven Horstmann für ein finanzielles Engagement auch der Stadt aus.
Dass die Arbeiten im Neuen Rathaus so gut vorangehen, ist offenbar auch dem Umstand zu verdanken, dass Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege sich wohl ein bisschen in das Gebäude verliebt hat. „Künftig soll es aber auch verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", beschreibt Schulz eine entsprechende Erwartungshaltung. Scheinbar ist das Neue Rathaus nicht nur für amtliche Experten ein beliebtes Objekt. Auch Restaurator Jarek Kulicki schwärmt immer wieder in den höchsten Tönen. Wegen seines besonderen persönlichen Interesses an dem Gebäude gewährt er der Stadt sogar zehn Prozent Nachlass auf die Restaurierungsarbeiten an den Supraporten.
Volker Mehmel

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