Bedeutendes Bürgerhaus: Wertvoll bis in den Keller hinein

Keller, Krypten, Katakomben: In unserer Adventsserie öffnen wir täglich eine Tür, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleibt, und zeigen verborgene Orte in der Region. Heute: der Keller des Doos'schen Palais in Wilster.

Sie ist die wohl mit Abstand größte Wohltäterin der Stadt Wilster. Als Charlotte Doos 1829 im Alter von 71 Jahren starb, hinterließ sie mangels eigener Erben ein Millionenvermögen. In ihrem Testament vermachte die gebürtige Glückstädterin der Stadt eines des bedeutendsten Bürgerhäuser im Norden, ihre herausragende Bibliothek, einen wunderbar angelegten Garten sowie Stiftungen und Geld für Stipendien. Ihr Wohnhaus in der Stadtmitte diente fortan als Sitz der Verwaltung und dem jeweiligen Bürgermeister als Wohnraum. Die wertvollen Räume sind zum Teil bereits restauriert oder gerade in Arbeit.

In dem Doos'schen Palais oder dem Neuen Rathaus lohnt sich allerdings auch ein Blick in den Keller. Hier waren einst das Personal von Charlotte Doos und die Küche untergebracht. Dank großer Fenster zu Straße hin sind selbst diese eher als Souterrain einzustufenden Räume gut belichtet. Heimatforscher wissen, dass die Wilsteranerin sich auch gegenüber ihren Bediensteten ausgesprochen großherzig gezeigt hat. Das wird in den im Vergleich zum Rest des Hauses nicht minder wertvollen Wandverkleidungen deutlich.
Ein Raum ist komplett mit handbemalten Fliesen ausgestattet, deren Wert sich kaum bemessen lässt. Das Schöne: Die Wände haben die zwei Jahrhunderte fast unbeschadet überstanden. Als das Neue Rathaus noch Verwaltungssitz war, tagten im Keller die Fraktionen. Nach dem Auszug der Verwaltung konnten die Sitzungen in obere Etagen verlegt werden. Zurzeit stehen die Kellerräume dem Förderverein historische Rathäuser als Unterstellmöglichkeit zur Verfügung, womit auch das Keller-Erbe in guten Händen ist.

Spiegelsaal bleibt bis Jahresende gesperrt
Wilster
Noch bis zum Jahresende können Ratsversammlungen und Ausschusssitzungen wegen Sanierungsarbeiten nicht im Spiegelsaal des Neuen Rathauses stattfinden. Das teilte jetzt Bürgermeister Walter Schulz mit. Ausweichquartiert ist das Amtsgebäude. Lediglich die Fraktionen können an gewohnter Stelle tagen.
vm

Balkenköpfe werden saniert
Arbeiten am Neuen Rathaus gehen weiter / Fördergelder in Höhe von 140 000 Euro stehen zur Verfügung
Wilster

Für die Sanierung des Neuen Rathauses laufen gegenwärtig die konstruktiven Arbeiten. Für diesen Abschnitt stehen Fördergelder von 140 000 Euro zur Verfügung. An den Seitenwänden sind die schadhaften Balkenköpfe im Außenmauerwerk des Roten Salons und in der Küche vor dem Spiegelsaal freigestemmt worden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die beschädigten Köpfe vor der Außenwand abgeschnitten und beidseitig durch angeschraubte Stahlträger verlängert werden können, damit es dann wieder möglich ist, sie auf dem Wandauflager zu positionieren.

Über diesen Sachstandsbericht informierte Bürgermeister Walter Schulz den städtischen Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Nach seinen Worten sind auch zwei seitliche Balkenköpfe des Spiegelsaals zur Parkplatz- und zur Wulff-Seite freigelegt worden. „Diese vier traufseitigen Balkenköpfe weisen die größten Schäden auf", hieß es im Sachstandsbericht des Bürgermeisters. Deren Sanierung ist in den bewilligten Fördergeldern von 140 000 Euro berücksichtigt. Dazu wird allerdings die Offenlegung des Spiegelsaales an den beiden Saalenden erforderlich.

Darüber hinaus befinden sich giebelseitig zur Straßenseite hin weitere Balkenköpfe, der sogenannten Stichbalken. Auch dort rechnet man mit Schäden, obwohl der Zustand nicht vorhergesagt werden kann. Die dafür anfallenden Kosten sind in den jetzt zur Verfügung stehenden Zuschüssen nicht enthalten. Diese Maßnahme müsste in einem dritten Bauabschnitt mit neu zu beantragenden Fördergeldern durchgeführt werden, kündigte Schulz an.

„Bis zur Durchführung des dritten Bauabschnitts bleibt der Spiegelsaal weiter benutzbar", versicherte der Bürgermeister. Standesamtliche Trauungen und Lesungen von Stadtbücherei und Leselust seien dort weiterhin möglich. „Der Fußboden wird erst geöffnet, wenn die Fördermittel fließen." Es gebe zwar Setzungen im Bereich der Balkenköpfe von bis zu eineinhalb Zentimetern, doch könne man durch Stützen wieder Stabilität in das Gebäude bringen.

Ratsherr Mark Dethlefs erinnerte daran, dass man die bisherigen Maßnahmen ausnahmslos ohne Eigenmittel aus Fördergeldern habe bestreiten können. Er regte einen Beschluss der Ratsversammlung an, die jetzt anstehende Sanierung der giebelseitigen Balkenköpfe aus eigenen Mitteln zu bestreiten. „Ein solcher Beschluss ist durchaus mehrheitsfähig", betonte Dethlefs.


Walter Schulz dagegen hielt es für denkbar, zunächst nur Fördermittel für die konstruktiven Arbeiten im Bereich des Spiegelsaals zu beantragen und die dekorativen Arbeiten erst folgen zu lassen, wenn dafür Mittel verfügbar seien.
Jochen Schwarck

 

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