Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

Für die Stadt Wilster bedeutete das Jahr 1914 den Abschluss einer im Allgemeinen ergebnisreichen Epoche in der Stadtgeschichte. Ergebnisreich im positiven Sinne, wenn man von den allerdings fatalen Rückschlägen im industriellen Bereich absieht. Wilster ist damals wirklich, wie Bürgermeister Dethlefsen festgestellt hat, eine moderne Stadt geworden. Diese Epoche endete zugleich mit einem für das ganze Reich, nicht etwa nur für Wilster folgenreichen tragischen Ereignis. Die Träger der Verantwortung in der europäischen Staatenwelt vermochten, nachdem der Kontinent schon jahrelang von Krise zu Krise getaumelt war, die sich ballenden Konfliktstoffe zwischen den Staaten nicht mehr unter Kontrolle zu halten. Im entscheidenden Augenblick vermochte keiner von ihnen zurückzustecken, und der Kontinent und mit ihm die übrige Erde schlitterte in den 1. Weltkrieg (Aug. 1914). Für eine Stadt wie Wilster bedeutete dieses, dass nunmehr die vielen Probleme des Winkels, so wichtig sie für diesen auch gewesen sein mochten und auch einmal wieder werden sollten, vor dem einem großen Probleme zurückzustehen hatten. Die wehrfähigen Männer fanden sich in verlustreichen Materialschlachten wieder, die Daheimgebliebenen hatten vor allem für sie die Versorgung mit allem dafür Notwendigen zu gewährleisten. Leben mit dem Mangel, teilweise regelrechter Hunger, Versorgungswirtschaft waren hier das Dasein, wenn auch in einer Landstadt wie Wilster die Ernährungsnot des blockierten Landes nicht so stark gewesen ist, wie in den Großstädten und Industriezonen. Natürlich war der Blutzoll, der im jahrelangen Ringen zu erbringen war, auch für die Wilsteraner erheblich. Es fielen, von den Verwundeten und Kriegsinvaliden, die zusammen ein Vielfaches ergaben, abgesehen, im Jahre 1914 1, 1915 21, 1916 13, 1917 28 und 1918 16. Es erlagen noch ihren Verwundungen 1919 8, 1920 2 und 1921 1. Das waren zusammen 90. Der Staat bezahlte die Kriegskosten vor allem mittels sog. Kriegsanleihen, die nach dem Kriege zurückgezahlt werden sollten. Sie wurden in patriotischer Haltung von allen Parteien des Reichstages geschlossen bewilligt. Unter „Schulden“ sind sie im Verwaltungsbericht aufgeführt. Am 26.9.1916 war es schon die 5. (98 000 Mark), die 6. Vom 21.4.1917 musste mit 196 000 Mark unter Schulden verrechnet werden. Noch am 26.11.1918, als schon alles vorbei war, ergaben sich auf „Zeichnung der 9. Kriegsanleihe“ weitere 117 600 Mark Schulden. Man hatte Schulden gemacht, um dem Staate zu geben. Dieser zahlte dann 1923 zurück mit inzwischen restlos wertlosem Gelde. Die Nation fühlte sich in diesem Kriege eingekreist und angegriffen. Im „Burgfrieden“ standen alle Parteien zusammen, taten alle, gerade auch Arbeiter, eine patriotische Pflicht. Doch musste man zuletzt feststellen, dass alle Anstrengungen und Opfer umsonst gewesen waren angesichts einer feindlichen Übermacht an Menschen und Material. Vor allem seit dem Eingreifen der USA 1917 war der Krieg kaum mehr zu gewinnen, und im August 1919 wusste man in der Heeresleitung, dass die Niederlage unumgänglich war. Als im Oktober 1918 das Reich um Waffenstillstand bat, sahen Matrosen und Heimattruppen eine Fortführung des Kampfes nicht mehr ein und meuterten. Die Industriearbeiterschaft schloss sich allenthalben an. Die Novemberrevolution stürzte das Kaiserreich über den Haufen. Deutschland wurde eine Republik, nach einigem Schwanken war aus ihm bald danach eine parlamentarische Demokratie geworden, nach dem Ort, an dem die Nationalversammlung die neue Verfassung schuf, die Weimarer Republik benannt. Die Deutschen hatten endlich auch eine ausgeprägte Demokratie, leider wurde diese Tatsache hatten endlich auch eine ausgeprägte Demokratie, leider wurde diese Tatsache dadurch beeinträchtigt, dass dieses Ereignis mit einer nationalen Niederlage zusammenfiel, die sie finanziell und wirtschaftlich belastete, solange sie existiert hat.

Die Städteverordnung blieb die vom 14. April 1869. Geändert wurde aber das Wahlrecht, auch was die Stadt selber betraf, zunächst provisorisch, dann gesetzlich, nämlich am 9.4.1923 und 12.2.1924, festgelegt im Gemeindewahlgesetz. Alle mündigen Bürger, Männer und nun auch Frauen, die 6 Monate in Wilster wohnhaft waren, hatten gleiches, geheimes, direktes Wahlrecht, das so auch allgemein war. Es blieb beim hauptamtlichen, auf 12 Jahre zu wählenden Bürgermeister, den ehrenamtlich tätigen städtischen Kollegien, dem zu wählenden Stadtverordnetenkollegium, aus dem der Magistrat durch Wahl hervorzugehen hatte. Demokratisch war jetzt nicht nur, wie schon bisher die Reichstagswahl, sondern auch die für den preußischen Landtag. Diese Wendung war der Bevölkerung Schleswig-Holsteins und Wilsters durchaus genehm. Man hat ihr nach 1945 unterstellt, dass sie für autoritäre Strukturen besonders anfällig sei. Das Gegenteil ist allenfalls richtig. Die Marschen vor allem hatten durch Jahrhunderte ihre Selbstverwaltungsorgane, als andere Teile an derartiges noch nicht zu denken vermochten. Während der gesamten Zeit, in der das Land zu Preußen gehörte und einen Landtag und seit 1871 einen Reichstag mitwählen konnte, haben die Schleswig-Holsteiner mit großer Mehrheit immer liberal gewählt. Im Kreise Steinburg wählte man meistens „fortschrittlich“, d.h. linksliberal, manchmal auch national-liberal (rechtsliberal), konservativ dagegen nie. Dass dieses einmal anders wurde, ist ein Ergebnis besonderer Notsituationen, die in den Jahren der Weimarer Republik entstanden. Die Wahlen für die Weimarer Nationalversammlung am 19.1.1919 waren für diese Haltung der Wilsteraner kennzeichnend. Es wählten damals 1108 die SPD, 1128 die DDP (linksliberal), nur 61 die rechtsliberale Volkspartei (DVP), „rechts“ wählten ganz 128 (die Deutsch Nationalen der DNVP). Die Zahlen haben dann bei den zahlreichen Wahlen der folgenden Jahre geschwankt. Die Stimmen für die SPD gingen etwas zurück, schwankten aber immer zwischen 700 und 900, wofür sich denn daneben die KPD auf dem linken Flügel einstellte mit allerdings nur zwischen 40 und 80 Stimmen. Die DDP schrumpfte wie überall im Reich auch in Wilster zusammen von 1000 auf gut 100 Stimmen, dafür stieg vorübergehend die Deutsche Volkspartei Gustav Stresemanns auf 600 und mehr Stimmen an. Die rechten Deutsch-nationalen kamen vorübergehend auf ebensoviele Stimmen. Sie erreichten normalerweise doch nur um die 400 Wahlstimmen. Die Hitlerpartei zuletzt brachte es 1924 erstmals auf ganze 55 Stimmen in einer angeblich für Rechtsradikalismus anfälligen Bevölkerung. Derartige Behauptungen gehören also in den Bereich der Legende. Im kommunalen Bereich standen sich Sozialdemokraten und Bürgerliche, die sich hier zu einem Wahlblock zusammenschlossen, etwa im Verhältnis 4:6 gegenüber wie auch schon vor dem Kriege, wie es auch etwa der Gliederung in der Bevölkerung, in der es neben Arbeitern besonders viele Kleinbürger gab, entsprach. Die Kommunalwahlen ergaben am 2. März 1919 9 Mitglieder der „Bürgerlichen Fraktion“ und 7 Sozialdemokraten. 1924 war das Verhältnis 10:6 und 1929 dann schließlich 1:7. 1929 waren die bürgerlichen Vertreter 3 Kaufleute, 1 Rektor, 4 Handwerksmeister und 1 Gastwirt. Bei den Sozialdemokraten waren es 2 kleine Beamte, 3 gelernte Arbeiter und 2 ungelernte Arbeiter. Dem Magistrat gehörten 4 Mitglieder an, die jetzt eine „Aufwandsentschädigung“ von je 100 Mark jährlich erhielten. Es waren meist 3 Bürgerliche und 1 Sozialdemokrat. Seit dem 9.3. 1926 war Stadtverordneter der Sozialdemokraten der Maurergeselle Hans Prox, der dann dem Hitlerregime ja besonders gegen den Strich ging. Da Arbeitern kaum zuzumuten war, unentgeltlich an den Sitzungen teilzunehmen, gab es Regelungen der Entschädigung. Zuletzt seit 1923 bekamen alle Dienstaufwandsentschädigungen, bzw. Erstattung des Arbeitsverdienstes, der versäumt wurde. Mit dem Wachsen der kommunalen Aufgaben wuchsen auch die städtischen Kommissionen an, zu denen jeder Abgeordnete gehörte. Es waren in der Zeit der Weimarer Republik 17 an der Zahl.691)
Zögernd setzte nach dem Kriege das öffentliche kommunale Leben wieder ein. So wurde ja gleich im Winter 1918/19 die Restaurierung des Alten Rathauses zu Ende geführt. Das war noch in den Zeiten, die nach erfolgter Novemberrevolution auch in Wilster ein Arbeiterrat die Macht übernommen hatte und dem Bürgermeister als Beigeordneten den Maurergesellen (späteren Meister) August Bredfeld an die Seite setzte. Diese Zeit verging, als sich dann schnell der Wille im Lande durchsetzte, keine Räterepublik sondern eine parlamentarische Demokratie zu schaffen. Dann wandte man sich dem Gedenken der Gefallenen zu. Zur Erläuterung ist es wohl notwendig, festzustellen, dass damals das deutsche Volk etwa so dachte, wie die anderen europäischen Völker noch heute denken. Vertreten wurde ein Haltung, die man bei sich selber Patriotismus nannte, beim Feinde dagegen abwertend Nationalismus. Das Volk ging aus dem Kriege mit der Überzeugung hervor, einen gerechten Verteidigungskampf geführt zu haben. Als man im Friedensvertrag von Versailles gezwungen wurde, eine deutsche Kriegsschuld zu unterschreiben, sprach die gesamte Nation unabhängig von ihrer parteipolitischen Einstellung von der Kriegsschuldlüge. Die Gemeinde wollte ihre Toten, die für die Heimat gefallen waren, auch in der Kirche bei sich haben (ähnlich übrigens auch in Itzehoe). Um dafür Platz zu schaffen, wurden Logen beseitigt. Am 9. Januar 1921 konnte die vom Architekten Brandes entworfene Gedächtnistafel für die im 1. Weltkriege gefallenen Söhne des Kirchspiels Wilster feierlich eingeweiht werden.

Sonst wurde mehr eingespart und der Not begegnet. Als der Archidiakon oder Kompastor, wie die Bezeichnung seit 1893 war, Heinrich August Meyer am 7.2. 1920 starb, blieb seine Stelle seitdem unbesetzt, man begnügte sich seitdem mit 2 Pastoren.692) Auch kam es 1918 zum Verkauf sämtlicher Pastoratsländereien. Für Wilsters Kirchenwesen wichtig war, dass 1925 der Magistrat sein Patronats-recht an den jeweiligen Kirchenvorstand abtrat.693) Einsparungen auch im Schulsystem. Als am 1. Oktober 1917 Rektor Plagmann, der Leiter der Mädchenschule, sich pensionieren ließ, wurden die Rektoratsgeschäfte der Mädchenschule dem Rektor Hansen an der Knabenschule mit übertragen.694) Das war unschwer möglich, lagen doch beide Anstalten seit 1913/14 benachbart im Gelände der alten Landschule vom Landrecht. Sie blieben dann auch zusammen, wie es ja auch andern Orts der Fall war. Es gab hier jetzt einen Rektor (seit 1925 Rektor Lindschau) und 2 Konrektoren. Die Mittel-schule in der alten Knabenschule am Stadtpark entwickelte sich gut, wurde 1918 als solche vom Ministerium voll anerkannt. „Die Mittelschule entwickelte sich unter der Leitung des zum Rektor gewählten Mittelschullehrers Schulz aus Lüneburg zu einer Musteranstalt“, so schreibt Altbürgermeister Dethlefsen in seinem Rechenschaftsbericht895) und fährt fort: „Die Gründung der Mittelschule und die Zusammenlegung der beiden Volksschulen haben das ganze Schulwesen auf eine bessere Grundlage gestellt. Der größte Verdienst um die Hebung der Volksschulen erwarb sich Rektor Lindschau. Die Schulen wurden der Stolz der Stadt.“
Vollendet wurde seitens der staatlichen Instanzen das in der Vorkriegszeit schon weitgehend fertiggestellte Unternehmen zur Verlagerung der Marschenbahn nach Hochdonn über Wilster. Der neue Bahnhof wurde nordöstlich vor der Stadt angelegt. Die Bahnverwaltung legte an und pflasterte eine neue Bahnhofstraße. Durch Vertrag vom 21.12.1917/16.1.1918 wurde sie sodann mit allen Rechten und Pflichten von der Stadt übernommen. Der Bau des Bahnhofes, eines attraktiven, architektonisch gelungenen Baus, erfolgte trotz Warnung seitens der staatlichen Behörden in falsch verstandener Sparsamkeit. Der Bau wurde nicht gegründet, er hat so denn auch nicht lange gehalten, musste dann durch den jetzigen Bau ersetzt werden. Am 1. Juni 1920 konnten dann der neue Bahnhof und die gesamte neue Bahnstrecke eröffnet werden.696) Dieser Bahnhof war nunmehr ein Umsteigebahnhof, denn von hier aus fuhren die Züge nach Brunsbüttelkoog-Süd. Wichtig auch, weil daher hier auch Eil- und D-Züge hielten (damals). Das Gelände des neuen Bahnhofes und der neuen Bahnhofstraße wurde am 8.10.1921 von der Gemeinde Landrecht in die Stadt eingemeindet mit 18 ha 46 a 63 qm. Die Gesamtfläche des Stadtareals wuchs somit auf 203 ha 48 a 65 qm.697)

Das Jahr 1923 konnten die Zeitgenossen nie ganz vergessen. Es ist das Jahr der Inflation, wo der Wert der Reichsmark (normal im Wert 1 Dollar = 4 RM gehandelt) derart an Wert einbüßte, dass im November des Jahres 1 Dollar im Werte betrug 4,2 Billionen Reichsmark. Die neue Staatsver-schuldung während des Krieges, die hohen Reparationslasten, von den Siegermächten verhängt, die Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen als „Sanktion“, das alles wirkte hier zusammen. Die Inflation war der Preis, den jeder einzelne Einwohner eines besiegten Landes zwangsläufig zu entrichten hatte, vor allem die Geldwertbesitzer naturgemäß. „Die Entwertung traf die Einwohner unserer Stadt“, heißt es im Verwaltungsbericht,698) „die zu einem sehr großen Teile Rentner sind, in schwerster Form. Viele alte Leute, die sich durch ihren Fleiß und ihre Sparsamkeit ein kleines Vermögen erworben hatten, um an ihrem Lebensabend keine Not zu leiden, sahen ihre Ersparnisse dahinschwinden. --- Es gab Zeiten, wo die ganze Verwaltung einfach eine Unmöglichkeit wurde. Die städtischen Gelder schrumpften zu einem Nichts zusammen. Erst durch die Stabilisierung der Renten-(Reichs)-Mark im Herbst 1923“, der Währungs-Schnitt also, der aus 1 Billion Reichsmark 1 Rentenmark machte, „konnte wieder mit festen Beträgen gerechnet werden. Die Folgen des verlorenen Krieges lasten schwer auf uns.“ Zwei besonders eklatante Folgen der Inflation werden hier heraus gehoben. Einmal die weitgehende Verarmung des Rentnerstandes, bedeutsam für eine Landstadt, die in der Kaiserzeit immer mehr auch zum Wohnsitz von Rentnern aus der umliegenden Marsch geworden war. Das Adressbuch aus dem Jahres 1926, welches im Archiv der Stadt vorliegt, verzeichnet für die Stadt bei seinen 4196 Einwohnern nicht weniger als 99 Rentner. Zum anderen hörte Wilster damals auf, eine wohlhabende Stadt zu sein. Stiftungen und Legate von Jahrhunderten verflogen in wenigen Monaten zu Staub. Dabei waren nach den Geschwistern Tagg 1914 noch einige Stifter hinzu gekommen. 1917 starb der Rentner Johann Eggers und hinterließ ein Wohnhaus in der Burger Straße, das 2 alleinstehenden und bedürftigen Frauen aus der Stadt Wohnung sein sollte. 1918 stifteten das Ehepaar Johann Heutmann nach Ableben 10 000 Mark. Die Zinsen sollten zu gleichen Teilen an die Armen vom Stadt- und Landarmenhaus verteilt werden. Im August stiftete Emma Margareta Magdalena Schütt 1/3 ihres Nachlasses für Wilsteraner Studierende, 1/3 weiter an unverheiratete Pastoren-, Organisten-, Lehrer- oder Beamtentöchter und 1/3 für die Insassen im Doosschen Stift. Im Verwaltungsbericht der Stadt (1911-30 S. 201-205) werden die Stiftungen angegeben. Es sind 15, „an denen die Stadt als solche beteiligt oder doch stark interessiert ist“. Unter den einzelnen Punkten sind oft zahlreiche Legate zusammengefasst. Unter 1. Sind es 23 insgesamt, die zusammen 9780 „Papiermark“ ausmachten, aus denen nunmehr 13,18 Rentenmark wurden. Ähnlich gingen es das „kleine Wilstersche Stipendium“ und das „große Wilstersche Stipendium“, das erstere Sühnegeld aus dem Jahre 1574, das letztere „zur Unterstützung Studierender“ aus 4 Beiträgen 1629-1684, dahin, ebenso die Gelder für das Doossche Gasthaus und für das Bürgermeisterhaus. Von den 187 00 Mark der Taggstiftung blieben noch 3600 Rentenmark. Das war die eine Seite der Medaille. Am 16. Juli 1925 trat das Reichsgesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen in Kraft. Die alten Papiermarkanleihen wurden in Ablösungsschuld umgewandelt. Vorhanden waren Papiermarkschulden der Stadt von 4 067 701 Mark damals. Und nach Abschluss der Aufwertung gab es an städtischen Schulden noch 63 698 Mark für die Stadt. Betreibswerke (?) und 4 705 Mark für die allgemeine Verwaltung. Auch die Stadt wurde ihre Schulden durch die Entwertung (sie hatte anschließend Schulden von 3 322 000 Papiermark „sofort in bar zurückgezahlt“) los, nicht nur ihre Guthaben.

1925 waren die ersten schweren Jahre vorbei, und es folgten die wenigen „goldenen 20er Jahre“, die sich für Reich und Volk letzten Endes allerdings nur als eine Scheinblüte auf Basis geliehenen Auslandsgeldes herausstellen sollten. Wilster zählte damals 4182 Einwohner. Noch immer waren von ihnen 4119 evangelisch-lutherisch, nur ganze 19 waren katholisch, 11 gehörten Sekten an, 33 waren glaubenslos, Juden gab es auch jetzt keine. Die Geburten sanken in dieser Epoche laufend erklärlicherweise. 1911 gab es noch 108 in der Stadt, 1929 nur noch 62. In der Nachkriegszeit gab es Wohnungsnot und eine erste Zwangsbewirtschaftung. Am 26. 7. 1923 erfolgte das Wohnungs-mangelgesetz. Die Baukommission wurde zum Wohnungsamt. Die Stadt errichtete in Form von An-und Ausbauten 34 Wohnungen, machte zum Beispiel aus der Turnhalle am Markt 3 Wohnungen. 1.4.1924 gab es eine Hauszinssteuer. Hausbesitzer mussten eine Hauszinssteuer aufbringen, um neue Wohnungen zu schaffen. Dadurch waren sie oft nicht im Stande, die eigenen Wohnungen zu unterhalten. Die städtische Sparkasse stellte daher ihnen zinsgünstige Darlehen zur Instandsetzung von Altwohnungen zur Verfügung. Die Wohnungszwangswirtschaft konnte für Wilster (Gemeinden bis zu 8000 Einwohner) am 29. Mai 1929 aufgehoben werden. – An Beamten hatte bei steigenden Anforderungen die Stadt in leicht an steigender Tendenz den Bürgermeister (bis 1932 Christian Dethlefsen), den Stadtsekretär (seit 1930 Oberstadtsekretär Nikolaus Bokelmann), den Stadtkassierer (bzw. Stadtkassenrendant, einen Oberpolizeisergeanten und einen Polizeisergeaanten. An ihre Stelle treten als neue Dienstgradbezeichnungen Polizeihauptwachtmeister und Polizeiwachtmeister. Als im Jahre 1925 eine Änderung des Polizeiaußendienstes erfolgte, erloschen die 4 Wächterstellen, die es bis dahin noch gegeben hatte. An der Spitze der Städtischen Betriebswerke stand ein Stadtbau-techniker, an der Spitze der Sparkasse der Sparkassenrendant. Es gab dann noch in der Verwaltung zwei Verwaltungssekretäre und zwei Verwaltungsgehilfen, in der Kasse einen Kassensekretär, bei der Sparkasse ein Sparkassengegenbuchführer, einen Technischen Leiter bei den Betriebswerken, schließlich noch zwei Amtsgehilfen. Fürs Altersheim blieb es beim Armenhausökonom. 9 Arbeiter wurden von der Stadt beschäftigt (4 Arbeiter, 4 Monteure und 1 Rohrleger), für sie gab es seit 1928 Reichsmanteltarif und Lokaltarif für die Provinz S.-H. (Übrigens waren 2 Lehrer, 4 Bürogehilfen und 1 Arbeiter der Stadt im Kriege gefallen). Das Archiv der Stadt kam 1925 in den oberen Saal des Gartenhauses des Doosschen Anwesens.699)

Eine der wenigen von der Stadt erwünschten Folgen hatte die Inflation von 1923. Die Wilster Spar- und Leihkasse von 1841 kam in finanzielle Schwierigkeiten wegen der Geldentwertung und war nunmehr verhandlungsbereit. Der Vorstand trat deshalb am 5.8.1922 an den Magistrat heran. Es kam am 12. Oktober 1922 zu dem Vertrag über die Verschmelzung mit der städtischen Kasse zustande, der für den 1.1.1923 wirksam wurde. Die Leitung übernahm der aus der Kasse übernommene Sparkassenrendant Johannes Busch, unter dessen Leitung die städtische Spar- und Leihkasse sich zum ersten Geldinstitut der Stadt aufschwang. Übernommen wurde auch das Sparkassengrundstück Kohlmarkt 4. Um eine notwendige Erweiterung der Geschäftsräume durchführen zu können, wurden die Grundstücke Kohlmarkt 56 und 57 erworben, wo 1930 der Neubau aufgeführt wurde. Das Reinvermögen wuchs von (1924) 140 399,91 Mark auf (1929) 2 375 441,07 Mark, ein Zeichen für das Gedeihen des Instituts.

Eine der Folgen der Erschütterung durch den 1. Weltkrieg und die mit ihm verbundenen Erschütterungen war ein neues Erwachen des Heimatgedankens auch in der heimatbewußten Wilstermarsch. Voran ging schon 1919 Johann Schwarck mit seinem im eigenen Verlag herausge-gebenen Buch „Wilster vor hundert Jahren“. Dann war es vor allem der Pastor W. Jensen aus St. Margarethen, der forschend und organisierend wirkte. Er schuf den Heimatverein der Wilstermarsch und hat auch über die Stadt Wilster und ihre Geschichte geschrieben. Er war wohl der fundierteste Kenner der Wilstermarsch und seiner Geschichte bis heute. 1925 gab er „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ heraus mit vorangesetzten Artikeln über „Das alte Wilster“, „Die Gründungsurkunden der Stadt“, und als Nachtrag „Die Stadtpläne“ von 1775 und 1860 und „Die Wappen der Stadt Wilster und der Wilstermarsch“. 1926 gab er Gregorius Culemanns „Denk-Mahl von den hohen Wasser-Fluthen“ (1728) heraus und 1932 „Aus der alten Stadt Wilster. Urkunden und Einwohnerverzeichnisse“ zum 650-Jahr Jubiläum. Wesentlich hat er auch an dem großen Haupt-produkt dieser Heimatbewegung im Kreise, am „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ mit ausführ-lichen Artikeln über Wilster und der Wilstermarsch beigetragen (1925/26). Dazu sind noch zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und seine „Chronik von St. Margarethen“ zu nennen. Im Heimatbuch zeigte sich, dass D. Dethlefsen und W. Jensen Schule gemacht hatten. Aus dem historisch aufgeschlossenen Elbmarschen gab es zahlreiche Artikel aus kompetenter Hand. In Wilster selbst wirkte bis zu seinem Tode 1937 der Mittelschulrektor H. Schulz, auch er im Heimatbuche vertreten. Er hat 1932 eine Geschichte der Stadt Wilster geschrieben, noch 1936 eine Abhandlung über „Die Bürgergilde in Wilster“. Man hat ihn für „nicht seriös“ gehalten. Er galt als Mann schneller Urteile. Manche von ihnen mögen allerdings anfechtbar sein. Ganz sicher ist aber, dass wir seinem unermüdlichen Forschen unendlich viele Einzelkenntnisse verdanken, viele auf mannigfachen Zetteln unverarbeitet hingeschrieben. In der vielleicht wichtigsten Edition zur 650-Jahr-Feier der Stadt „Die Sonninkirche zu Wilster“, in der auch W. Jensen und H. Schwede schrieben, trug er den großen Hauptteil bei. Eine Fundgrube, was er über die Lehrer der Großen Stadtschule, die Pastoren, Organisten, die alte Kirche, das Wirken Sonnins, die Familienstammbäume der Doose und Michaelsen, der Sommer und Breide zusammentrug, was er über die Kriegsgeschichte als Leidensgeschichte der Stadt zwischen 1627 und 1713 zusammengetragen hat usw. Eine derartige Aufgeschlossenheit der eigenen engeren Heimat gegenüber wie damals hat es nie wieder gegeben seitdem, ihr vor allem verdanken wir einen Großteil der Kenntnisse, welche wir über Wilster und die Wilstermarsch besitzen.

Aufschluss über das Wilster der 20er-Jahres gibt uns das Adressbuch von 1926 vorliegend im Stadtarchiv. Von den 4196 Einwohnern gab es an Akademikern den 1 Apotheker (die Schwan-Apotheke Kohlmarkt 59), 1 Architekten, 4 Ärzte, 2 Tierärzte, 1 Zahnarzt und natürlich den Amtsgerichtsrat (aber die Beamten sollen hier einmal ausgeschlossen werden zunächst). Es bestanden inzwischen 6 Banken in der Stadt, nämlich 1. G. Bockelmann, Komm. Ges. Am Markt 14, 2. die Beamtenbank e.G.m.b.H. Burger Str. 25, 3. Calmann, E. Marktstraße 31, 4. Schleswig-Holsteinische Bank Markt 4, 5. Die Westholsteinische Bank Schmiedestraße 5, schließlich die Wilster Kreditbank von 1869 Klosterhof 37. Weiter bestanden die beiden Sparkassen: 1. Die Städtische Sparkasse (Wilster) 1841 Kohlmarkt 3 und 2. Die Spar- und Darlehnskasse für die Wilstermarsch Rathausstr. 11. Das Amtgericht lag Rathausstr. 1, 2 Rechtsanwälte und Notare als weitere Akademiker verdienten in der Stadt ihr Brot. Es gab auch, wenn auch in verringerter Ausgabe, die Industrie: zunächst die Lederfabriken, nämlich die Vachelederwerke Ballin G.m.b.H. Rumflether Str. 29 und Falk und Schütt, Lederwerke G.m.b.H. Rumflether Str. 6. Auch gab es noch eine Brauerei, die Tivoli-Brauerei A.G. Deichstraße 71. Die Maschinenfabrik Apel (Rudolf) und Sachau (Johannes) Steindamm 22/23 baute die Windmotoren und Windturbinen, die allmählich Hollers Schöpfmühlen ersetzten, (um dann selber durch große Pumpwerke ersetzt zu werden). Heinrich Simonsen vom Krumwehl 1 nannte sich Fabrikant. Er war als Zigarrenfabrikant ein Vertreter eines aussterbenden Gewerbes. Dann gab es noch die Holzwerke von H. Langfeld (schon 1867 gab es einen Zimmermeister Nicolaus Langfeld, der auf dem Klosterhof eine Sägerei betrieb). Schließlich gab es in der Rumflether Straße 6 noch einen Betrieb der Nachkriegszeit in der Stadt, die Schleswig-Holsteinischen Trocknungs- und Mahlwerke m.b.H., „die“, so Walter C. Bröcker als Referent für Industrie im Heimatbuch des Kreises Steinburg (Bd. I S. 227), „einen eigenartigen und bedeutenden Sonderbetrieb darstellen.“ 2 Ingenieure waren in Wilster tätig, weiter 2 Bauunternehmer. Es gab 2 Buchdruckereien in der Stadt, die eine war die von Peter Schwarck im Kohlmarkt 12, wo die Wilstersche Zeitung gedruckt wurde. Nun zum Handwerk: Es gab an Betrieben 5 Barbiere, 1 Böttcher, 2 Buchbinder, 1 Bürstenmacher, 1 Drechsler, 1 Elektriker, 3 Gärtner, 3 Gerber, 1 Glaser, 1 Goldschmied, 1 Imker, 2 Installateure, 4 Klempner, 1 Korbmacher, 3 Konditoren, 1 Maschinenbauer, 15 Maler, 14 Maurer, 4 Mechaniker, 3 Meieristen, 3 Müller, 1 Ofensetzer, 3 Photographen, 2 Putz-machereien, 7 Sattler, 14 Schlachter (in 5 Schlachtereien), 3 Schlosser, 9 Schmiede, 14 Schneider, 2 Schornsteinfeger, 17 Schuhmacher, 1 Steinmetz, 4 Stellmacher, 4 Techniker, 11 Tischler, 8 Uhrmacher, 1 Zigarrenmacher und 19 Zimmerer. Das waren 190 Handwerksmeister und Gesellen mit eigener Adresse. Dann kamen die Kaufleute. Größtes Geschäft war „J.P.T. Andersen. Größtes Geschäft am Platze (Kaufhaus für Damen-, Mädchen-, Herren- und Knaben-Bekleidung, Teppiche, Gardinen, Kurzwaren, Besatzartikel, Kleider- und Seidenstoffe, Aussteuer-Artikel) gegründet 1797“ am Markt 28/29 (in der Tat gab es schon 1867 „Andersen J.P.F., Manuf.-W.-Hdlg, Färberei und Druckerei, Markt“). Es gab 53 „Kaufleute“, nämlich 6 am Markt, 14 in der Deichstraße, 9 am Kohlmarkt, 4 in der Bürger Straße, 2 in der Taggstraße, 4 in der Schmiedestraße, 1 am Klosterhof, 5 in der Rathausstraße, 1 in der Blumenstraße. In der Neustadt und in der Schulstraße (Zingelstr.) gab es keine. Weiter gab es 56 „Händler“, nämlich 13 Viehhändler, 2 Fischhändler, 1 Weinhändler, 1 Bierhändler u.a.m.. Es wohnten allerdings nur 33 in der Stadt, der Rest an der Peripherie. Im Manufakturhandel gab es 2 große und 3 Höker-Läden. Es gab 1 Schuhgeschäft, 1 Zigarrengeschäft, 2 Kohlenhändler, 1 Gütermakler, 3 Drogisten. In der Stadt gab es 1 Musiklehrer und 7 Musiker. Eine Hebamme war vorhanden. Dann gab es in der Gastronomie und im Beherbungswesen 27 Gastwirte. Noch immer stark war die Schifffahrt. Es gab, einschließlich „Reeder“, noch immer 20 Schiffer, viele wohnten Hinter der Stadt, der Straße auf der anderen Auseite, Deichstraße und Landrecht gegenüber. Auch gab es noch 5 Fuhrmänner. Schließlich gab es noch die Adressen von 207 Arbeitern (an- und ungelernten), nämlich Hinter der Stadt allein 31, in der Rumflether Straße 24, am Rumflether Deich 26, im Landrecht 21, auf dem Bischofer Deich 14 und in der Haackstr. 13; d.h. aus den 1896 neu eingemeindeten Gebiet kamen allein 129. Es waren Adressen angegeben vom Markt 47, dem Kohlmarkt 78, der Burger Str. 64, der Deichstr. 109, der Schulstr. 22, der Taggstr. 20, der Rathausstr. 79, der Blumenstr. 25, dem Klosterhof 70, der Schmiedestr. 48, dem Rosengarten 6, der Neustadt 45, Hinter der Stadt 70, Am Steindamm 33, der Rumflether Str. 49, dem Rumflether Deich 36, der Neuen Burger Straße 31, dem Krumwehl 46, der Haackstraße 20, dem Bischofer Deich 38, Am Neudeich 1, der Bahnhofstr. Erst 5, der Mühlenstr. 24, dem Audeich 6, der Langen Reihe 21, der Allee 6 und dem Landrecht 66. Dass es 99 Rentner davon gab, wurde schon andern Ortes erwähnt, ebenso die Stadtbeamten. Die beiden Pastoren hatte ihre Amtssitze Am Markt 17 und Taggstr. 7. Das Krankenhaus „Menckestift“ lag Klosterhof 28 und die Städtischen Elektrizitäts- Gas- und Wasserwerke ebenda Nr. 38. Soweit das Adressbuch.700)

Insgesamt konnte man Wilster eine Landstadt mit ausgewogener Struktur nennen. Eine Industriestadt war es allerdings einmal gewesen, doch fehlten Fabriken nicht, war das Sortiment hier etwas vielseitiger angelegt. Schwerpunkt lag bei Handwerk und kleinbürgerlichem Handel. Beachtlich das Dienstleistungsgewerbe für Stadt und Umland. Diese Stadt schien mit 4000 Einwohnern sich ausgewachsen zu haben.
In den wenigen besseren Jahren der Weimarer Republik wurden einige wichtige wasserbauliche Maßnahmen durchgeführt. Das wichtigste Erfordernis war der Neubau einer den Anforderungen genügenden Schleuse für die Wilsterau in Kasenort. Als 1914 der Staat verpflichtet war, die Au als Wasserlauf I. Ordnung zu unterhalten, hatte man versucht dem Staat auch die Schleuse aufzubürden, jedoch legte 1924 das Oberverwaltungsgericht fest, dass die Wilsterauschleusenkommune auch in Zukunft unterhaltspflichtig sei. Sachverständige hatten schon vor dem Kriege festgesetzt, dass der Neubau der Schleuse dringend nötig sei. Der Krieg kam dazwischen. Am 4. September 1920 setzte sich ein Schiff in der Schleuse fest, weil die die Schleusendecke gesenkt hatte. Sie konnte deswegen nicht geschlossen werden. Es bestand Überschwemmungsgefahr. Man konnte schließlich das Schiff herausziehen. Die nächsten Jahre waren indessen von Inflation und Not gekennzeichnet. Am 25. März 1925 kam dann endlich ein Vertrag zwischen den beiden Wilsterauschleusenkommunen (Neue und Alte Seite) und der Stadt Wilster zustande. Man wollte an die Stelle der alten Au-Schleuse eine neue Kammerschleuse errichten. Dazu wollten die Kommunen 90 000 Mark beitragen, auch wollten sie in Zukunft jährlich 400 Mark den Unterhalt der Schleuse beitragen. Der Schleusenbetrieb ging an die Stadt über, der auch die Gebühren für die Schiffe zufielen in Zukunft. Wilster setzte sich so in das Eigentum der Schleuse. Der Staat gab zum Bau 75 000 Mark, die Provinz 50 000 Mark und der Kreis 25000 Mark. Den Rest von 60 000 Mark hatte die Stadt zu tragen. Der Bau dauerte vom 1. Juli 1925 bis zum 11. August 1926. Die Gesamtkosten betrugen für die Stadt dann doch rund 155 000 Mark. Schwierigkeiten machte nunmehr eine wasserpolizeiliche Anordnung, in welcher der Kreis auf ein Regulativ vom 3. März 1869 zurückgriff. Dieses war seiner Zeit erlassen bzw. abgeschlossen worden, als das Burg-Kudenseer Niederungsgebiet von der Au abgedämmt wurde. Ihr wurde damals auferlegt, eventuell Wasser von der Au abzunehmen durch die damalige Bebeker Schleuse, wenn hier ein Staumaß von 3 ½ Fuss über Glückstädter Null am Pegel war, ein Vertrag, der schon lange Zeit gegenstandslos geworden war. Kreis und Schleusenkommune kamen jedoch nunmehr darauf zurück. Es wurde, um Stau beim Öffnen der Schleuse zu verhindern, daher nun angeordnet, dass die Schleuse nur bei Tiefstand der Ebbe, „wenn der Strom kantelt, d.h. also, wenn der Flutstrom einsetzt“, geöffnet werden dürfe. Weiter dürfe während des Ebbstromes, um die Entwässerung zu gewährleisten, kein Schiff zwischen Schleuse und der Stadt in Bergfahrt befinden. Damit wurde eine Schifffahrt weitgehend lahmgelegt. Daher beschwerte sich die Stadt am 27. Mai 1927 beim Oberpräsidenten der Provinz. Es wurde dabei festgestellt, dass das Regulativ von 1869 nicht mehr existiere, dass derartige wasserpolizeiliche Anordnung Sache des Regierungspräsidenten sei, dass die Stadt sich mit der Wilsterauschleusenkommune voll einig sei, vor allem: „ Die wasserpolizeiliche Anordnung unterbindet den Schiffsverkehr auf der Wilsterau vollständig.“ Die wasserpolizeiliche Anordnung wurde darauf am 23. August 1928 abgeändert. Entscheidend an dem Neubau der Schleuse ist, dass, während früher die Schiffe bei Ebbe vor der Schleuse liegen mussten, da die Schleuse dann zu wenig Tiefgang hatte, nunmehr die Schiffe ungestört passieren können.701) Auch über die Größe der Schleuse hatte es beim Neubau Kampf gegeben.702) Die alte Schleuse war nur 4 Meter breit, ein veraltertes Maß für die Schifffahrt. Daher wollte die Stadt nicht eine bloße Wiederher-stellung in alten Maßen zu 90 000 Mark. „Diesen Neubau musste die Stadt Wilster verhindern, da er jede Entwicklung auf Jahrhunderte hinaus verhinderte. „Die Schleusenkommune willigte ein, zahlte die 90 000 Mark der Stadt, welche den Neubau durchführen wollte, und zwar sollte die Schleuse 7 Meter breit werden. Das lehnte aber die Wasserbaubehörde ab, sie wollte nur eine Breite von 5 Metern bewilligen. „Zum Glück hat die Stadt ihre Ziele erreicht. „Verlagert hatte sich das Schwergewicht des Warentransportes auf der Au. 1911 fuhren 635 Schiffe beladen und nur 50 leer hinein, aber 563 beladen und 87 leer hinaus. In cbm kamen 38 744 herein und dagegen 36 838 cbm hinaus, eine ziemlich ausgeglichene Angelegenheit. 1929 war es anders. Es kamen 499 Schiffe beladen herein und nur 61 leer. Hinaus aber fuhren nur 85 beladen und dagegen 446 leer. Die Schiffe transportierten also vor allem nach der Stadt hin nunmehr.

Auseinandersetzungen mit dem Staat gab es auch, nachdem dieser seit 1914 verpflichtet war, den schiffbaren Fluß Wilsterau zu unterhalten. Er musste sich jedoch immer wieder drängen lassen, musste dabei feststellen, dass es sich dabei um eine sehr mühselige und kostspielige Sache handelte. „Der Staat gab schließlich dem Drängen nach“, heißt es im Verwaltungsbericht der Stadt 1911 – 1930 auf Seite 167, „und begann zunächst mit der Ausbaggerung des Stadtarms. Es wurde im Jahre 1926 eine 6 Meter breite Rinne bis auf 2 ¼ Meter Tiefe gebaggert. Sodann wurde im Jahre 1927 die Baggerung stromaufwärts fortgesetzt. Aber was Laien vorausgesagt und was der Magistrat den Staatsbehörden vorher gemeldet hatte, geschah. Schon nach Jahresfrist war der alte Zustand im Stadtarm an mehreren Stellen wieder da. Im Frühjahr 1928 musste eine erneute Baggerung erfolgen, bei der die Rinne wohl etwas erweitert worden war, aber noch nicht ganze Arbeit geleistet wurde. Unterhalb der Stadt wurden nur auf einigen Stellen Untiefen entfernt, eine durchgreifende Aufräumung hielt der Staat dort nicht für erforderlich. Die Überschwemmungen im Stadtgebiet nehmen daher bei der mangelnden Aufräumung der Wilsterau und der erhöhten Wasserzufuhr einen bedrohlichen Charakter an. Wochenlang standen Ländereien und Keller unter Wasser. Leider müssen wir – feststellen, dass die unteren Staatsbehörden den Stadtbewohnern zur Behebung dieses Überstandes sehr wenig Entgegenkommen erwiesen. „Sie sind“, heißt es im Bericht 1930, „ bisher, obwohl der Übelstand schon länger als 10 Jahre besteht, nicht über Erwägungen hinausgekommen.“ Der ausreichende Unterhalt der Wilsterau als Entwässerungs- und Schifffahrtssystem blieb ein heißes Eisen auch in der Folgezeit. Die Stadt selber unterhielt und durfte laut Vertrag vom 26. Juni 1670 unterhalten die Verlatschleuse an der Brücke in Wilster Neustadt zum Zwecke einer dauernden Stauhöhe, wenn nötig durch Hemmung des Wasserlaufes. Die Stauhöhe ist geregelt durch die Toroberkante (gelegen bei -0,47 NN). Die Stadt unterhielt einen Lösch- und Ladeplatz mit Hafenmauer, Kahn und Lagerschuppen am Rosengarten. Die Stadt schickte ihre Abwässer der Wilsterau zu an 10 Stellen. Diese bestehende städtische Kanalisationsanlage stammte aus der Vorweltkriegszeit. Nunmehr gehörte auch die Öffnung der Kasenorter Schleuse in städtische Kompetenz. Seeschiffe besaß Wilster 1923 8, 1925 wieder 10 und 1930 7 Schiffe. In das Jahr 1926 fällt auch die Verrohrung des Burggrabens, die erste dieser Art, der später andere folgen sollten. Die einzelnen Arme der Wilsterau in und um die alte Stadt waren ein Kennzeichen derselben, die Stadt verlor bei ihrem Verschwinden vieles von ihrem Gesicht, doch wogen die Gegenargumente schwerer. Der Burggraben, ursprünglich von einer Interessentenschaft zu unterhalten, musste nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes vom 10. Mai 1912 als Teil der Wilsterau von der Stadt unterhalten werden. Durch das Wassergesetz vom 7. 4. 1913 ging dann die Unterhaltung auf den Staat über. Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes vom 20. März 1924 musste dem säumigen Staat klar machen, dass er auch den Burggraben als Teil der Wilsterau zu unterhalten habe. Der Staat trat nunmehr in Unterhandlung mit der Stadt wegen Übernahme der Unterhaltung des mittlerweile völlig verschlammten, übel stinkenden, die Gesundheit gefährdenden Burggrabens. In einem Vertrag vom 5. /14. Juni 1926 übernahm die Stadt dann die Unterhaltung mit allen Rechten und Pflichten, wofür der Staat eine einmalige Entschädigung von 25 000 Mark zahlte. Die Anlieger waren inzwischen reif dafür, einer Kanalisierung zuzustimmen. Diese erfolgte dann im Sommer 1926 für Kosten von 49 584,32 Mark. Das so gewonnene Land (27 a) wurde Eigentum der Stadt, die auf dem alten Burggraben vom Kohlmarkt zur Burger Straße, weiter zur Schulstraße und dem Stadtpark öffentliche Fußsteige errichten ließ, so ist der Verlauf des alten Burggrabens für jeden Kundigen unschwer zu erkennen.703)
In die „goldenen 20er Jahre“ fällt auch die Rettung des Giebels des Hudemannschen Hauses Schmiedestraße 24. Unter Vermittlung des Heimatverbandes der Wilstermarsch schenkte eine Erbengemeinschaft (Familie Lübbe) das durch Alter und Verwitterung stark gefährdete und mit einer Hypothekenlast belastete Haus im Inflationsjahr 1923 der Stadt. Diese konnte sich 1926 zur Restaurierung entschließen.704) Der Wiederaufbau wurde 1927 dann auch begonnen.

Weitere Maßnahmen, die noch in diese Zeit fallen: Mit dem Ausbau eines Netzes der Schleswig-Holsteinischen Elektrizitätsversorgung in Rendsburg, wodurch die fällige Elektrifizierung der Provinz endlich durchgeführt werden konnte, erfolgte auch der Anschluss Wilsters an die Überlandzentrale. 1922 wurden die notwendigen Maßnahmen für den Anschluss durchgeführt und dafür zweimal Anleihen aufgenommen. Im Februar 1932 wurde die Hochspannungsanlage dann mit dem Netz der Schleswag verbunden. 1928 konnte diese Verbindung mit der Überlandzentrale, bisher oberirdisch, durch Anschluss an ein neues 15000-Volt-Kabel von Itzehoe nach Ostermoor verbessert werden. – 1928 erfolgte der Bau einer Fußgängerbrücke über die Au hinter dem Haus Deichstraße 40. Hier bestand seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Privatsteg, der aber auch öffentlich genutzt wurde, nämlich als Verbindung zwischen der Deichstraße und der Straße an der anderen Au-Seite, die auch nach der Eingemeindung 1896 noch immer den Namen Hinter der Stadt trug. Der Hausbesitzer, ein Gastwirt hatte hieran naheliegendes Interesse. Als die Gaststätte einging, begann der Verfall des Steges. 1928 überließ der Hauseigentümer der Stadt den Zugang zur Fußgängerbrücke, wofür diese dieselbe neu erstellte.705) – 1925 erhielt die Feuerwehr (auch für die Landgemeinden) eine Automobil-feuerspritze, schon im Jahre 1922 gab es eine Feuersirene. – Am 16. Juli 1927 trat das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Kraft. Wilster erhielt eine Außenstelle des Arbeitsamtes Elmshorn. – Sehr bemüht war die Stadt in dieser Zeit, auch in den Besitz einer Badeanstalt zu kommen. Es gab allerdings das „Dianabad“, das seit dem 1.4.1893 schon öffentliche Badeanstalt geworden war, wogegen die Stadt einen jährlichen Zuschuss von 600 Mark zahlte. Am 26. März1918 übernahm die Stadt das Bad käuflich. Solche kommunalen Wannenbadeanstalten waren zu der Zeit wichtig, da nur wenige Wohnungen selber Badezimmer besaßen. Der Versuch, eine Freibadeanstalt zu errichten, scheiterte an den zu großen Problemen. 1921 hatte man in Rumfleth oberhalb der Stadt eine solche errichtet. Sie musste 1923 schon wieder aufgegeben werden. Die Stadt wollte eine Badeanstalt auf dem Brook errichten. Doch einer solchen, die nicht mit fließendem Wasser versehen ist, droht die Verschlickung. So wurde dieser Plan wieder fallengelassen. Im fließenden Wasser der Au unterhalb der Stadt konnte man ein Freibad deshalb nicht errichten, weil in dem Wasser „fließende Abgänge der Stadt“ enthalten werden, da die Stadt ja ihre Abwässer ungeklärt in die Au entließ. Ein solches Bad gab also „in gesundheitlicher Beziehung zu großen Bedenken Anlaß“. Oberhalb der Stadt besaß diese aber kein Land dafür. Die Stadt blieb also ohne Freibad. – Die Volksbibliothek wurde 1923 an den Verband Schleswig-Holsteinischer Büchereien angeschlossen. 1929 hatte sie immerhin 1330 Bände. – Am 15. September 1929 erstand im Stadtpark ein Denkmal zum Gedenken der 1914-18 Gefallenen aus dem Kirchspiel, aufgebracht durch Spenden, der Rest durch die Stadt. – Am 1. Januar 1924 ging das Krankenhaus in die Hand eines dafür gegründeten Zweckverbandes „Menckestift“ über, bestehend aus der Stadt Wilster, den Landgemeinden fast der gesamten Wilstermarsch. Das war eine bessere und leistungsstärkere Lösung. Der Kirchenvorstand stellte zur Pflege 2 Diakonissen.

Vom Jahre 1930 bis zum Jahre 1947 gibt es in den Beständen im Archiv einen großen Sprung, Verwaltungsberichte der Stadt Wilster für diese Jahre sind nicht vorhanden. Versucht man sich ein Bild über die Tätigkeit von Vereinen zu machen, oder sucht man nach Protokollen der Lehrerschaft aus diesen Jahren usw., so findet man immer wieder dieselbe Lücke, so als sollten diese Jahre, sehr inhaltsschwere Jahre für das deutsche Volk, ausgeklammert werden. Und so ist es wohl auch. In diese Jahre fallen der Untergang der Weimarer Republik, die Machtübernahme durch die National-sozialisten, das 3. Reich mit allem, was dieses enthält, den 2. Weltkrieg und den Zusammenbruch 1945 und die Übernahme durch die Militärregierung der Siegermächte am Ende. Gewiss ist dieses alles verständlich. Die Jahre waren außerordentlicher Art, von 1933 bis 1945 herrschte im Deutschen Reich ein totalitäres Regime, in dessen Namen Dinge geschahen, die man später lange Zeit kaum glauben wollte, andererseits hatte dasselbe Regime Erfolge aufzuweisen gehabt, die zur Folge hatten, dass es etliche Jahre die Masse der Bevölkerung, die von Verbrechen allerdings wenig erfuhr, gewinnen ließ. Als die Siegermächte das Land besetzten 1945, drohte ein großes Strafgericht, man hatte, obwohl in der Masse unbescholten, Ursache, vieles verschwinden zu lassen. Die Entnazifizierung der Nachkriegszeit machte die Dinge nicht übersichtlicher. Es wurde versucht, das Mitmachen zu verkleinern, zu leugnen, ins Gegenteil zu verkehren. Die eingehende Aufklärung über Verbrechen verschiedenster Art ließ die Generation dieser Zeit weiter schweigen, da ihr Handeln der Nachwelt nun immer unerklärlicher wurde, inzwischen sterben ihre Vertreter dahin und nehmen das Wissen mit ins Grab, wie es nun eigentlich z.B. in der Stadt Wilster gewesen ist. Für den Stadthistoriker ein Handikap.

Es bleibt zunächst nur ein Überblick, und der ist allerdings für diese Zeit auch für Wilster zu geben. Detaillierteres können allerdings nur speziellen Untersuchungen erbringen, die nicht vorliegen, die bald erfolgen müssten und zwar mit dem Ziel, auch diese Zeit, d.h. das Verhalten z.B. der Wilsteraner in dieser Zeit verständlich zu machen, denn sie waren Menschen, nicht schlechter und nicht besser als die Menschen davor und danach.

Mit der sogenannten Weltwirtschaftskrise 1929-32 setzte der Todeskampf der jungen weimarer Republik ein. Die Krise ging von den USA aus, war hier das Ergebnis einer ausgesprochenen Überproduktion. Nachdem der große Nachholbedarf nach dem 1. Weltkriege befriedigt worden war, geriet die amerikanische Wirtschaft in Absatzschwierigkeiten. In der Zeit der Konjunktur hatten amerikanische Wirtschaftsinstitute in großem Maße Kredite ins Ausland gegeben, vor allem auch nach Deutschland, wo man wegen drückender Tributleistungen (sog. „Reparationen“) an die Siegermächte solche Gelder brauchte, auch konnte Deutschland seinen Nachholbedarf in der Nachkriegszeit kaum anders befriedigen. So war man in Deutschland gegenüber den USA hoch verschuldet. Am 29.10.1929 war an der New Yorker Börse der sog. „Schwarze Freitag“, die Kurse sanken ins Bodenlose, die USA erlebten eine schwere Rezession, und – seine Geldleute forderten ihre Kredite zurück, rissen Deutschland, das sie kaum zurückerstatten konnte, mit sich. In den USA gab es eine Wirtschaftskrise aus Überfluss, den man nicht absetzen konnte. Im Reich wurde daraus eine Krise des Mangels, man konnte seine Schulden, weder Reparationen noch die Kredite, zurückerstatten. Das Reich erlebte eine Zeit der Pleiten, einer durch die Jahre immer mehr anwachsenden Arbeitslosigkeit, der bitteren Not, des massenhaften Ruins ganzer Berufsstände, der Radikalisierung.706)

In der Landwirtschaft setzte die Wirtschaftskrise schon 1928 ein. „Die landwirtschaftlichen Preise entwickelten sich trotz Abschirmung gegen die Folgen der weltweiten Überproduktion von Nahrungsmitteln – im Allgemeinen ungünstiger als die Kostenpreise der Landwirtschaft. 1925 bis 1928, in einer relativ günstigen Phase, waren die Durchschnittseinkommen der in der Landwirtschaft Tätigen nur noch etwa halb so hoch wie die Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen, gegenüber 2/3 in den Jahren 1910-1913.707) „Innerhalb des Zeitraumes 1924 -1928 war bei den meisten Erzeugnissen ein lebhafter Preisanstieg festzustellen, der im allgemeinen im Jahr 1928 den Gipfel erreichte. Kurz darauf verursachte der Ausbruch der Weltagrarkrise einen Preissturz auf der ganzen Linie. --- Bei den Erzeugnissen der Viehhaltung war die Preisentwicklung in vielen Punkten ungünstiger als bei den Feldfrüchten. -- - Mit dem Ausbruch der Weltagrarkrise fielen die Preise der tierischen Erzeugnisse noch erheblich tiefer als die der Agrarprodukte.“708) Das heißt also, dass die Landwirtschaft seit 1928 in einer Weltagrarkrise des Überflusses nicht genügend abgeschirmt werden konnte durch den Staat, damit in Schwierigkeiten geriet, wie man sie vor dem Weltkriege, vor der Republikzeit also, nicht gekannt hatte. Weiter traf dieses die Viehzuchtgebiete, das heißt besonders Schleswig-Holstein und in ihm vor allem die Marschen der Westküste und hier wiederum besonders die Wilstermarsch, ganz besonders. Die Landwirtschaft stand vor dem Ruin, organisierte sich in der „Landvolkbewegung“. „Landvolkbewegung, bäuerliche Protestbewegung in der Agrarkrise 1928-32“, so erläutert der Große Brockhaus (1979) Band 6 Seite 647, „ausgehend von Schleswig-Holstein unter der Führung der Bauern C. Heim und W. Hamkens. Steuerverweigerungen, Widerstand gegen Pfändungen und Versteigerungen, schließlich Bombenanschläge führten im Bombenlegerprozess (1930) zu Zuchthausstrafen für die Anführer, die jedoch bald amnestiert wurden. Der National-sozialismus nutzte die durch die Landvolkbewegung gesteigerte Verbitterung der Bauern seit 1930 erfolgreichaus. „Schon 1928 kam es bei Beidenfleth zum Zusammenstoß. Erzürnte Bauern hinderten den Gerichtsvollzieher und Polizeibeamte daran, für Steuerschulden gepfändetes Vieh wegzutreiben. Das Staatswappen, den Reichsadler, nannte man den „Pleitegeier“. Im April 1929 tagte das Landgericht, das von Altona deshalb extra nach Itzehoe gekommen war, im Ständesaal. Es gab den „Beidenflether Pfandbruch-Prozeß“. 25 bekamen Gefängnis- und Geldstrafen, was die Erregung steigen ließ. Seit dem 1. März 1929 wurde in Itzehoe als Tageszeitung „Das Landvolk“ herausgegeben.709) Am 24. Mai 1929 gab es (auf das Landratsamt zu Itzehoe) den ersten Bombenanschlag. Weitere Anschläge folgten nach. Die Bauern wollten auf diese Weise auf die verzweifelte Notlage ihres Standes aufmerksam machen. Sie wurden in Prozessen, die Aufsehen erregten, verurteilt. Die Not blieb, wurde von den Nationalsozialisten geschickt ausgenutzt. Schon seit dem 1. Januar 1929 wurde als zweite Zeitung von ihnen in Norddeutschland in Itzehoe die “Schleswig-Holsteinische Tageszeitung“ herausgegeben. Die Bauern fühlten sich von der Republik, ihren Parteien, verraten und verkauft. Hier griff die nationalsozialistische Bewegung ein. Die Bauern schlossen sich ihr beinahe geschlossen an. Dass von der Not der Bauern, besonders der Viehzucht treibenden Bauern ihrer Marsch, eine Landstadt wie Wilster, die von der Landbevölkerung lebte, auf das härteste betroffen war, liegt auf der Hand. Die Krise der Bauern zog eine Krise des Wilsteraner Kleinbürgertums (Krämer, Handwerker, Gastwirte usw.) nach sich. Auch hier drohte der „Pleitegeier“, auch hier folgte man den Bauern auf ihrem Weg nach rechts. Und dazu kam der wirtschaftliche Kollaps als Folge des New Yorker „Schwarzen Freitags“ hinzu, womit alle Zweige der Wirtschaft voll betroffen wurden. Auch die Industrie Wilsters spürte nun die Schwere der Zeit. Die Wilsteraner Lederindustrie, seit der Vorkriegszeit schon schwer angeschlagen, überlebte diese Krise nicht, sie hörte auf zu bestehen. 1929 stellten auch die Ballinschen Lederwerke ihren Betrieb ein. Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern, zuletzt bittere Not, wenn die Zeit der Arbeitslosenunterstützung ablief und man von der „Fürsorge“ leben musste, ohne Hoffnung in der Zukunft und durch Jahre hindurch, verbreitete auch hier den Radikalismus. Die Weimarer Demokratie war noch zu jung, hatte in den wenigen Jahren seines Bestehens zu viele Nackenschläge einstecken müssen (Versailler Friedensdiktat, Inflation und nun die Weltwirtschaftskrise), als dass sie viel Vertrauen in der Bevölkerung hatte erwerben können. So trat der Radikalismus von rechts und links auf und versprach die Wende. Sicherheit und Geborgenheit durch einen starken Staat, der sie durch Gebote und Verbote vor solchen Miseren wie einer jahrelangen Wirtschaftskrise bewahrte und zwar schnell, das wünschten sich Bauern und Kleinbürger und auch Arbeiter. Andere Arbeiter folgten den Kommunisten, der die Wende durch den Sozialismus versprach, was wieder von Bauern und Kleinbürgern als neue Gefahr angesehen wurde. Zwei Heilslehren prallten in einer „Kampfzeit“ aufeinander. Demonstrationen, Umzüge, Flugblätteraktionen, Massenversammlungen, und dann bald Saalschlachten, Schlägereien der organisierten und uniformierten Gegner bestimmten den Tag. Und von Monat zu Monat schwoll die „Fieberkurve“, mit der die Bürgerlichen diese Entwicklung verglichen, an. Am Ende dieser Entwicklung stand die „Machtübernahme“ durch Adolf Hitler am 30.1.1933.

Die Nationalsozialisten betrachteten dieses alles als Revolution, und so benahmen sie sich auch, wandten Gewalt an, um ihre politischen Gegner auszuschalten. Das traf vor allem die Linke. Den Reichstagsbrand im Februar 1933 benutzte man, um die Organisationen der Kommunisten, denen man einen Versuch einer Gegenrevolution vorwarf, auszuschalten. Als die Sozialdemokraten versuchten, vorsorglich eine Auslandsorganisation aufzubauen, wurde im Juni des Jahres auch diese Partei verboten, ihre Organisation zerschlagen. Im Mai 1933 nach dem zum Tag der Deutschen Arbeit umgewandelten 1. Mai beseitigten sie auch die Gewerkschaften, schufen dafür die Deutsche Arbeitsfront. Die Masse oder doch sehr viele aus allen diesen Organisationen wanderten in Konzentrationslager, wo sie grausamen Zeiten entgegengingen, sehr oft ihr Leben einbüßten. Diese Zerschlagungs- und Verhaftungswelle ging durch alle Orte, hat auch Wilster betroffen. An diese Vorkommnisse erinnert heute die Hans-Prox-Straße, wie die Straße Hinter der Stadt umgetauft wurde in unserer Zeit. Hans Prox war Sozialdemokrat und einer jener Konzentrationäre. Er litt und ist an seiner Gesundheit in solchen Lagern derartig geschädigt worden, dass er an diesen Folgen sterben musste. Als Konzentrationäre waren diese Gegner des 3. Reiches, wie die Nationalsozialisten ihre Diktatur benannten, aus den Augen der Bevölkerung, kehrte einer früher heim, so wusste er im eigenen Interesse zu schweigen. Widerstand fanden die Nationalsozialisten bei solchen Maßnahmen nicht mehr. Auch die Vertreter der Arbeiterbewegung waren zu oft nur noch Menschen, hinter denen kein entschlossener Anhang mehr stand. Noch stärker war dieses bei den Bürgerlichen der Fall, deren Parteien waren schon vor 1933 bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft. Als Politiker ohne jeden Einfluss ließ man sie.

Man hat Schleswig-Holstein vorgeworfen, eine Hochburg des Nationalsozialismus gewesen zu sein, besonders hat man dieses auch der Westküste vorgeworfen, und gewiss ist auch Wilster eine solche Hochburg des 3. Reiches gewesen. Andern Ortes siegten die Nationalsozialisten viel später, auch unvollkommener, wie etwa in katholischen Gegenden, wo der noch sehr feste christliche Glaube hinderte, oder in Industriestädten, wo jedenfalls Teile der Arbeiterschaft reservierter waren, oder in Orten, in denen Intellektuelle bestimmten, Angehörige einer Bevölkerungsschicht also, der Gedankenfreiheit, freie Rede und Schrift Lebensinhalt war. In Schleswig-Holstein bestimmte noch immer stark die Landwirtschaft, besser gesagt, das Bauerntum. Und dann bestand hier ein stark vertretenes Kleinbürgertum vor allem in den kleinen vielen Landstädten im Lande, zu denen Wilster gehörte. Wer behauptet, dass dieses Land, dass diese Wilstermarsch antidemokratisch von Natur aus immer gewesen sei, kennt von der Geschichte dieses Raumes kaum etwas. Das Gegenteil ist der Fall, das Land, die Marsch und die Landstadt Wilster waren stets liberale Hochburgen gewesen. Die Wilstermarsch ist eine Landschaft mit uralter Selbstverwaltung, aus Zeiten, in denen man an derartiges andern Ortes noch nicht dachte. Was hier nun in den letzten Jahren der Weimarer Republik geschah, ist etwas völlig anderes. Hier ging es um soziologisch-existenzielle Fragen. Bauerntum und Kleinbürgertum befanden sich in einer derartig verzweifelten Lage durch Inflation und besonders durch die Weltwirtschaftskrise, dass sie, um nicht gänzlich ruiniert zu werden, Schutz durch den Staat suchten vor derartig furchtbaren Erscheinungen einer Marktwirtschaft, wie sie die Weltwirtschaftskrise zeitigte, Schutz auch vor der Belastung durch nicht enden wollende „Reparationen“ an die Siegermächte des Krieges, die sie mit der eigenen Not in Zusammenhang brachten. Und viele Arbeiter wollten vor allem einmal „Arbeit und Brot“. In der Meinung, dass die Parteien der Weimarer Republik hier versagt hätten, wandten sie sich denen zu, die dieses alles versprachen und auch tatsächlich hielten (, wobei eine kräftige Aufrüstung, die als Schutz gegen weitere Unterdrückungen durch die Siegermächte zudem begrüßt wurde, nicht unbeträchtlich mitwirkte.) Daneben veranlassten die demokratischen Rechte, was wohl nur einer verstehen kann, der eine solche Notzeit voll durchgekostet hat. Hier lag der Grund dafür, dass, und jetzt nicht nur in Schleswig-Holstein, zuletzt eine große Mehrheit hinter den Nationalsozialisten stand, auch ihre Diktatur hinnahm, da sie ja Arbeit und Brot gaben, da sie Bauern und Kleinbürgern Sicherheit der Existenz garantierten. Was diese jetzt allein herrschende Partei dann sonst noch an Lehren zu verbreiten bestrebt war, fand viel weniger Resonanz, auch wenn sie ihren Vertretern noch wichtig erscheinen mochte. Die Nationalsozialisten waren Antisemiten und haben dieses in ihrem fanatischen Teil einschließlich ihres Führers in grausiger Weise während des 2. Weltkrieges durch die Tat bewiesen, durch die Ausrottung aller Juden, deren man damals in Europa habhaft werden konnte. Dieser Antisemitismus hat in Wilster, das kann mit Gewissheit gesagt werden, keine Rolle gespielt, gewiss auch nicht im übrigen Schleswig-Holstein. Das lag daran, dass es hier kaum Juden gab, für Wilster gesprochen, dass es hier überhaupt keine Juden gab. Im Jahre 1773 tauchen 2 Juden in einem Prozess in Wilster auf, wobei unklar bleibt, ob sie überhaupt in der Stadt wohnten. Dann gab es im Jahre 1900 in der Stadt 2 Juden, 1905 war es noch ein einziger. Auch er hat dann die Stadt bald verlassen. Weder vorher noch nachher gab es Juden in Wilster.710) Kleinbürgerlichen Hass gegen Juden, die wirtschaftlich oft geschickter waren, konnte es in der Stadt nicht geben. Das war ein Gebiet, welches die Bevölkerung weder im Negativen noch im Positiven berührte. Mehr schon ließ man sich von den schmeichelnden Charakteristiken beeindrucken, welche die neuen Herren des Reiches dem heimischen Menschenschlage angedeihen ließen, von der „Nordischen Rasse“ schwärmten Rassenforscher, Dichter und Denker und nat.soz. Politiker auch. Der Heimatgedanke erhielt einen neuen Inhalt. Blut und Boden gehörten ja zusammen (als „Blubo“ verspottet). In dieser Zeit des Dritten Reiches haben gewiss auch Wilsteraner eine beachtliche Position errungen. Ein Mittelschullehrer aus der Stadt, Dietrich Klagges, hat es sogar bis zum Ministerpräsidenten von Braunschweig gebracht. Er hatte sich schon 1926 nach Benneckenstein am Harz versetzen lassen,711) Ministerpräsident wurde er schon vor der Machtübernahme. Er ist es gewesen, der Hitler zum Beamten und damit zum deutschen Staatsbürger machte. Auch in der Hitlerjugend des „Gaues“ Schleswig-Holstein brachten es Wilsteraner Jugendliche zu hohen Dienstgraden. Viele traten der Partei auch wohl bei, um im Amt zu bleiben, zumal alles danach aussah, dass das neue Regime von Dauer sei. Bürgermeister Dethlefsen war 1932 abgetreten. Es folgte ihm im Amte Dr. Siegfried Küster. Er trat der NSDAP wie viele andere im März 1933 bei und blieb bis 1945 im Amte.

Der Start des Dritten Reiches bedeutete einen brutalen Einschnitt in der Entwicklungsgeschichte der Stadt, wie auch des Landes und des ganzen Reiches. Alles wurde nach dem „Führerprinzip“ ausgerichtet, nach dem Prinzip Befehl von oben und Gehorsam von unten, dieses herunter bis in die letzte Zelle der Gesellschaft. Die Partei war so durchorganisier, umfasste vom „Führer“ bis hinunter zum letzten PG (Parteigenossen) zuletzt wohl etwa 12 Millionen. Wer hier nicht erfasst war, war in den Formationen der Partei (SA, SS usw.), und wer auch hier nicht einbezogen war, der war es in seine Berufsorganisation (Deutsche Arbeitsfront usw.) oder in seinen ebenfalls erfassten Vereinen. Dem Führerprinzip unterworfen war auch die Kommunalverwaltung. Schon am 7.2.1933 wurden die Stadtparlamente aufgelöst, am 12. März Kommunalwahlen, in denen es noch die Parteien gab, durchgeführt. Das Führerprinzip setzte sich in der Folgezeit auch hier durch, war schon Realität, bevor dann am 1. Januar 1934 eine neue Gemeindeverfassung in Kraft trat. Jetzt war allein verantwortlicher Leiter der Stadtgemeinde der Bürgermeister. Ein Gemeinderat von Ratsherren stand neben ihm, aber nur mit beratender Stimme. Der Bürgermeister musste sie anhören, dann fasste er seinen einsamen Entschluss, niedergelegt in „Niederschriften über die Entschließungen des Bürgermeisters“, Protokollbücher über Verhandlungen der Ratsherren erübrigten sich. An die Stelle eines Magistrates traten Beigeordnete, die aber auch nur Vorschlagsrecht in ihrem Dezernat hatten. Alle diese Stadtvertreter wurden nicht mehr gewählt, sie wurden vom nationalsozialistischen Gauleiter und Kreisleiter vorgeschlagen, was verbindlich war, und dann vom Landrat des Kreises „berufen“. Die Berufung erfolgte für 6 Jahre, alle 2 Jahre sollte ein Drittel ausscheiden.
Wenn man bedenkt, dass das „1000-jährige Reich“ doch nur 12 Jahre Bestand gehabt hat, von denen auch nur 6 Jahre Frieden war, so wird klar, dass in dieser Zeit nicht allzuviel geschehen konnte, wenn man einmal, was durchaus nicht bagatellisiert werden soll, die Erreichung der Vollbeschäftigung ausnimmt. Der Bauernstand und das städtische Kleinbürgertum fühlten sich errettet, lebten im Rahmen einer auf Autarkie ausgerichteten Planwirtschaft. Für die Dauer über das Dritte Reich hinaus konnte wenig geschehen in diesen wenigen Jahren. Sehr beachtlich und erfreulich war, dass man 1938 das Neue Rathaus von seiner schändlichen wilhelminischen Fassade erlöste, die Straßenfront erneuerte, den heutigen Zustand herstellte. Dass manche Zentralisierungstendenzen schon damals über die Stadt hinweggingen, zeigte sich z.B. an dem Berufsschulwesen. Am 1.4.38 entstand die Kreisberufsschule in Itzehoe konzentriert, sinnvoll gewiss, aber die Kreisstadt stärkend auf Kosten der Regionalstädte, die ja bisher ihr eigenes Berufsschulwesen besaßen. Schon 1934 wurde das Straßenwesen neu geregelt in einer Weise, die auch heute noch Bestand hat, durch das Gesetz über Neuregelung des Straßenwesens wurde der Provinz ein Großteil der Straßen wieder genommen, die ihr der preußische Staat überlassen hatte. Autobahnen und Reichsstraßen wurden Sache des Reiches (heute entsprechend Bundesstraßen). Dem Lande blieben untergeordnete Straßen, dem Kreise weitere darunter, schließlich kamen die kommunalen Straßen. Die Stadt Wilster, an die Grenzen dessen gekommen, was sie im Rahmen einer regionalen Landstadt erreichen konnte, führte nach Erlösung von der Weltwirtschaftskrise wieder ein beschauliches Dasein, weiterhin bemerkenswert sauber, eine Stadt, von der auffiel, dass man das Straßenpflaster und die Hauswände schrubbte, wo ärgerlich auffiel, wenn ein Papierschnitzel im Rinnstein lag. Man entsann sich gerne holländischer Herkunft. Wachsen tat die Stadt schon lange nicht mehr. Es war eher das Gegenteil der Fall. Am 16.6. 1933 zählte die Stadt 4154 Einwohner, das war weniger als Kellinghusen, das mit 4635 die Stadt überrundet hatte. Und am 17. Mai 1939 zählte Wilster gar nur noch 3943 Einwohner.712) Kurz darauf brach der 2. Weltkrieg aus, von Hitler, wenn auch nicht in dieser Form angestrebt, keineswegs jedoch vom Deutschen Volke.

Der 2. Weltkrieg glich für Wilster in vieler Hinsicht dem 1. Weltkrieg. Auch diesesmal wurde die wehrfähige Bevölkerung weitgehend erfasst, brachte dabei ihren Blutzoll. Auch diesesmal und zwar gründlicher, wurden Stadt und Land von einer Kriegsbewirtschaftung erfasst. Und auch dieses mal war Wilster bis zum Kriegsende kein Kriegsschauplatz, erlebte in seiner Gemarkung keine Kampfhandlungen. Das heißt ganz so ungeschoren wie im 1. Kriege kam dieses mal die Stadt doch nicht davon. Das Ausbomben aus der Luft war an sich gegen volksreiche Städte und Industriezentren gerichtet, doch fielen Bomben verschiedentlich an Orten, wo man sie nicht erwartete, so auch einmal und mit Wirkung auf die Stadt Wilster. Das war am 15.6.1944 der Fall. Eine der Sprengbomben fiel direkt in die Kirche und richtete hier besonders in dem zum Turm gelegenen Teil schwere Verwüstungen an. Auch in den Garten des Neuen Rathauses fielen mehrere Bomben, eine dicht hinter dem Gebäude. Es gab jedoch nur einige Risse, da der weiche Marschboden die Erschütterung auffing. Das zweistöckige Gartenhaus dagegen fiel den Bomben zum Opfer.713) In den letzten Monaten des Krieges überrollten die Sowjets den deutschen Osten, wo vor ihnen eine Massenflucht begann. Zahlreiche Flüchtlinge wurden dabei auch gerade nach Schleswig-Holstein geschwemmt, wo vorher auch schon zahlreiche Ausgebombte Zuflucht gesucht hatten. Dieser Prozess war noch im Gange, als die deutsche Wehrmacht bedingungslos kapitulieren musste. Am 7. Mai 1945 kamen britische Truppen auch in den Kreis Steinburg und besetzten hier die Ortschaften. Das 3. Reich war zu Ende. Dafür kam nunmehr eine „Militärregierung“ für einige Jahre. Was nunmehr die Stadt regierte, bestimmten britische Offiziere. Die Bevölkerung, vor allem natürlich die Behörden, wurden entnazifiziert. Zumindest jeder, der ein Amt oder eine Position innehaben sollte oder wollte, im Grunde alle Erwachsenen, mussten Fragebogen ausfüllen, auf Grund von deren sie eingeteilt wurden in Betroffene verschiedenen Ausmaßes und in Entlastete. Es wurde entlassen und interniert, materiell gebüßt. Den Flüchtlingen folgten die Ausgesiedelten, die im deutschen Osten von der Roten Armee Überrollten wurden nach der Kapitulation ebenfalls vertrieben. Ihre Heimat kam unter „sowjetische“ und „polnische Verwaltung“. Das waren die Gebiete östlich der Oder-Neiße. So wuchs die Zahl der Flüchtlinge noch weiter an. Auch Wilster hatte mehrere tausend unterzubringen. Ein Wohnungsamt hatte die Vollmacht. Es herrschte strenge Wohnraumbewirtschaftung. Dann begann eine außerordentliche Versorgungsnot, der Hunger hielt Einzug. Nahrungsmittelbewirtschaftung gab es schon seit Kriegsbeginn. Sie wurde unter erheblich verschärften Bedingungen fortgeführt. So hatte für Jahre die Bevölkerung genug damit zu tun, sich das Notwendigste mühselig zu beschaffen. Das Abenteuer des 3. Reiches endete mit einem furchtbaren Zusammenbruch.
Und nun endlich beginnen die Nachrichten über Vorkommnisse in der Stadt wieder zu fließen, liegen seit 1947 wieder im Archiv der Stadt Verwaltungsberichte der Stadt Wilster vor, die einen etwas genaueren Einblick gewähren. Zunächst die Einwohnerzahlen: 1947 hatte die Stadt nach Abschluss der Flüchtlingsflut 7538 Einwohner, von den 47,6 % Flüchtlinge, vor allem Ostpreußen und Pommern, waren. Fast die Hälfte der Einwohner waren also Menschen, die „alles verloren hatten“, die nun vom Wohnungsamt Wohnraum der Alteingesessenen zugewiesen bekamen. So sollte es unvermindert etwa bis zum Jahre 1949 bleiben, wo die Zeit der Militärregierung endete, die Bundesrepublik Deutschland erstand, die deutschen Demokraten den zweiten Versuch machen durften. 1949 zählte Wilster gar 7544 Einwohner, das war der höchste Stand, der in dieser Hinsicht erreicht wurde. Eine Gemeindeverfassung erhielten die Städte von der britischen Militärregierung durch die Verordnung Nr. 21 vom 1.4.1946 (Amtsblatt Mil.Reg. Nr. 7 S. 128). Die Militärregierung habe „weitgehend Bestimmungen der Deutschen“, sprich nationalsozialistischen, „Gemeindeordnung“ übernommen, meint man im Verwaltungsbericht Seite 3. Nun, es war aber die britische Form der Selbstverwaltung, freilich wurden die Vertreter der Gemeindeselbstverwaltung zunächst nicht gewählt, sondern alle von der Militärregierung ernannt. Dieses ernannte Stadtparlament war die „Stadtvertretung“, die wiederum einen „Hauptausschuss“, dem Magistrat entsprechend etwa, wählte. Der Vorsitzende der Stadtvertretung, ein ehrenamtlicher Vertreter also, hieß Bürgermeister. An der Spitze der städtischen Beamten stand als wichtigste Persönlichkeit der Stadtdirektor. „Der Bürgermeister sollte politischer Repräsentant der Stadt und der Stadtdirektor der Verwaltungschef sein. Versuche des Landes Schleswig-Holstein“, das die Militärregierung 1946 bildete (das Land Preußen wurde aufgelöst), „eine bessere Gemeindeverfassung zu schaffen, scheiterten an der britischen Militärregierung“.714) Am 15.9.1946 durften dann erstmals wieder die Gemeindevertreter demokratisch frei gewählt werden, erstmals wieder seit 1933, nachdem sich demokratische Parteien wieder hatten bilden dürfen. Dabei stellte sich in etwa die politische Struktur ein, wie sie in Wilster schon durch Jahrzehnte bestanden hatte, ausgenommen die Jahre der Weltwirtschaftskrise, die ja die Menschen radikalisiert und ins Lager der Hitleranhänger getrieben hatte. Es ist zu wünschen, dass derartige wirtschaftlichen Notzeiten und damit Belastungen niemals wieder kommen. Damals sammelten sich die Bürgerlichen in der Freien Demokratischen Partei (FDP), die 10 Vertreter erhielt, die Arbeiterschaft war zur Sozial-demokratischen Partei Deutschlands zurückgekehrt, die SPD erhielt 7 Vertreter. Bürgermeister wurde der Malermeister Heinrich Büttner (SPD), im Hauptausschuss saßen 4 von der FDP und 3 von der SPD. Am 17.3.1947 wurde als Stadtdirektor gewählt der Oberinspektor Willy Oxwang. Schon am 24.10.1948 war dann auch die andere bürgerliche Partei, die Christlich Demokratische Union (CDU) da, sie erhielt 4, die FDP noch 8 und die SPD 5 (ein Tiefpunkt) Vertreter. Jetzt wurde Bürgermeister der Kaufmann Nikolaus Musfeldt (FDP) (vom 15. 11.1948 an).
Die Zeit der großen Not und der Fremdherrschaft dauerte zum Glück nur kurze Zeit. Schon im Juni 1948 wurde durch die Währungsreform die Volkswirtschaft Westdeutschlands auf eine gesunde Basis zum Wiederaufbau gestellt. Ein Jahr später konnte jedenfalls hier die parlamentarische Demokratie in Form der Bundesrepublik Deutschland hergestellt werden. Am 24. Januar 1950 wurde für das Land Schleswig-Holstein eine Gemeindeordnung beschlossen, die am 4.3. in Kraft trat. In ihr griff man auf die bewährte alte Steinsche Städteordnung wieder zurück, wie sie bis 1933 gegolten hatte, realisiert lokal durch die Hauptsatzung der Stadt Wilster. Die Gemeindevertretung wurde die „Ratsversammlung“, ihre Mitglieder die Ratsherren (nicht mehr Stadtverordnete). Aus ihnen ging wieder durch Wahl der „Magistrat“ als kollegialer Vorstand der städtischen Verwaltung hervor. Leiter der Verwaltung wurde wieder der auf 12 Jahre gewählte „Bürgermeister“. Am 23.3. 1950 wurde dann der einstige Oberinspektor und dann seit 1947 Stadtdirektor Willy Oxwang zum Bürgermeister der Stadt Wilster gewählt (zunächst auf 6 Jahre). Das, was unter der Militärregierung sich Bürgermeister nannte, der Präsident des Stadtparlaments, hieß jetzt sinngemäß „Bürgervorsteher“, Nikolaus Mußfeldt führte dieses Amt unter diesem neuen Namen bis zum 24.5. 1957 weiter, danach wurde der Malermeister Karl Huusfeldt sein Nachfolger.715)

Das Flüchtlingsproblem stand mit an erster Stelle in den Nachkriegsjahren. Als ein Land mit relativ geringen Kriegsschäden hatte Schleswig-Holstein besonders viele Vertriebene aus den verlorenen Ostgebieten aufnehmen müssen, jedenfalls was das platte Land einschließlich seiner Klein- und Mittelstädte betraf. Zusammenleben in qualvoller Enge kennzeichnete diese Zeit für Flüchtlinge und auch für Einheimische. Wilster bot hierfür ein typisches Beispiel, hatte es doch einige Jahre hindurch fast ebenso viele Vertriebene wie Einheimische in einem Wohnraum, der für die etwa 4000 zählenden eingesessenen Bewohner vorgesehen war, das heißt es fehlten zudem 35 Häuser, die 1944 durch Luftangriff zerstört worden waren. Schon am 27.11.1947 gab es ein Gesetz zur Behebung der Flüchtlingsnot. Es gab einen Flüchtlingsausschuss, eine Schlichtungsstelle, denn Streitigkeiten gab es naturgemäß in der qualvollen Enge der Unterbringung mit vielerlei Problemen, von denen sich derjenige, der sie nicht miterlebt hat, kaum eine Vorstellung zu machen vermag. Es gab eine Beratungsstelle für Vertriebene, es gab einen Flüchtlingsbeauftragten. Es wurden Vertriebenenaus-weise ausgestellt. Es gab einen Ausweis A, den 1175 erhielten, die von jenseits der Oder-Neiße-Linie stammten, dann gab es den Ausweis B für 97 und Ausweis C für noch einmal 29. Da das platte Land nur wenig Arbeitsmöglichkeiten für die Vertriebenen geben konnte, wurde die Umsiedlung drängend, seitdem seit 1948 der Wiederaufbau beginnen konnte. Es gab eine Bundesumsiedlung: es wurden bis 1957 452 Familien umgesiedelt. Dann gab es die Landesumsiedlung, hier waren es nur 33 Familien, die in Schleswig-Holstein in Orte umsiedelten, die mehr Arbeit zu bieten hatten. So sank die Bevölkerung wieder allmählich. 1950 waren noch 7348 (davon 45,3 % Flüchtlinge), 1952 waren es dann 6293 (mit 41,1 % Vertriebenen), 1954 sodann 5623 Einwohner (Flüchtlingsanteil 35,8 %) und 1956 waren es 5227, von denen immerhin 1/3 Flüchtlinge waren. Etwa 1600 Vertriebene blieben, für sie wurde Wilster im Laufe der Jahre zur neuen Heimat, und zwar in solchem Ausmaße, dass man heute beide Elemente kaum noch voneinander zu unterscheiden vermag, gewiss eine große Leistung von Staat, Stadt und Gesellschaft. Doch ging der Weg dorthin über Dornen. Zunächst musste das gesetzlich legitimierte Wohnungsamt den Mangel nach Kräften gerecht verteilen. Dann musste Wohnraum neu erstellt werden. So wurde die Schützenhalle in der Allee zu 3 Wohnungen umgebaut, nahm das Gebäude der Mädchenschule in Landrecht 5 Wohnungen auf, 2 weitere entstanden in der Deichstraße 54. Das war 1949. 1950 begann man, konnte man beginnen, da nunmehr Mittel dafür zur Verfügung standen, mit der „Ostlandsiedlung“, ein Straßenzug östlich der Johann-Meyer-Str. nördlich vom Kirchhof. Es sollte hierbei nicht bleiben. Qualvoll auch die Enge in den Schulen. 1950 gab es in der Volksschule 1519 Schüler(innen), 1947 gab es 27 Klassen, aber es gab nur 17 Klassenräume, Lehrer aber waren 16 da. Allmählich regulierte es sich. 1957 war die Zahl der Klassen wieder auf 19 gesunken, wofür 20 Klassenräume zur Verfügung standen und immerhin 14 Lehrkräfte (1953 waren es vorübergehend sogar 21 gewesen). Volkschulrektor dieser Drangzeit war Adolf Sievers, ein Mann aufgeschlossen dem Heimatgedanken. Entsprechend war das Wachsen und Zurückgehen in der Mittelschule, wo wir 1953 448 Schüler(innen) haben, 1957 dann 272.716) Diese Nachkriegsjahre waren die 3. „Überfremdungszeit“ für die Stadt, die ihre Einwohner sonst weitgehend aus der umliegenden Marsch erhielt. Die erste Welle fiel mit dem Dreißigjährigen Krieg und folgenden Schwedenkriegen zusammen. Viele kamen damals, etliche gingen wieder, eine Anzahl verblieb, neue Namen tauchten auf, sogar in den ratsfähigen Familien der Zeit. Die 2. Welle fiel zusammen mit der Industrialisierung am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Die Arbeiter kamen teilweise von weither. Etliche gingen wieder mit dem Verfall der Lederindustrie, eine Anzahl verblieb für immer, und neue Familiennamen gab es in der Stadt, die hier bisher unbekannt waren. Die 3. Welle, die der Flüchtlinge, war sicher aber die größte, nun gab es vor allem auch viele Namen aus den östlichen deutschen Gebieten. Auch die religiöse Zusammensetzung änderte sich in diesem Zusammenhang etwas. Etwas, denn die Masse der Flüchtlinge war wie die Einheimischen evangelisch. Immerhin 3 % der Einwohner aber waren jetzt römisch-katholisch, so nach der Volkszählung vom 13. 9. 1950, wo man 6889 Einwohner zählte (3101 männlich und 3788 weiblich, ein großer Frauenüberschuss infolge hoher Kriegsverluste, auch hielt man noch viele Jahre deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion zurück). Für die immerhin 210 Katholiken wurde 1950 ein eigener Kirchbau errichtet. Eine eigene katholische Gemeinde, wie in Glückstadt und Kellinghusen, gab es in Wilster nicht, dafür war die Anzahl zu gering. Zuständig war der Pfarrer der St. Ansgarkirche in Itzehoe.717)
Erhebliches musste in der Nachkriegszeit auch von der evangelisch-lutherischen Kirche, der immer noch 95 % der Bevölkerung angehörten, geleistet werden.718) Die Herstellung der schwergeschädigten Sonninkirche erfolgte in 2 Bauabschnitten, nämlich 1947-54 und 1963/64. „Der ornamentale Schmuck der Stuckdecke wurde bei deren Erneuerung nicht wieder angebracht. Hatte die alte Orgel auf der oberen Empore gestanden, die auch umlaufend geführt war, so erhielt die neue ihren Platz auf der ersten Empore. – Der Aufbau der Logen-Emporenfront zu beiden Seiten der Altare erfolgte zweigeschossig, gegenüber dem vorigen Zustand in der Form geschlossener. Die Zahl der Kirchen-plätze wurde einschneidend auf etwa 1200 herabgesetzt, und endlich brachte eine noble Farbgebung alles zu einem neuen Ausdruck. Das Äußere der Kirche bietet nach wie vor das gleiche Bild. Nur der Turmhelm bekam ein neues Gesicht. Seine 100 Jahre alte Schiefereindeckung, --- konnte 1968 durch ein Kupferdach ersetzt werden.“719) Da die drei Räume, die im Hauptpastorat für die aktive Gemeinde-arbeit zur Verfügung standen, kaum ausreichten, entschloss sich die Gemeinde 1976, ein Gemeindehaus zu errichten. Zur Verfügung dafür stand der Pastoratsgarten hinter dem Hauptpastorat zum ehemaligen Burggraben hin. Hier erstand 1978/79 ein 24 Meter langer und 15 Meter breiter Bau, sorgfältig gepfählt, da der Untergrund nicht sehr günstig hierfür war. Es enthält funktionsgerecht einen Jugendraum, eine Teeküche, einen Abstellraum, den Konfirmandenraum, einen Gemeindesaal, ein Magazin, weiter Vorraum, Garderobe, Windfang, Flur und Toiletten. „Es passt sich sehr gut in die städtebauliche Substanz zwischen unserer Sonninkirche und dem Michaelsenschen Gartenhaus (Trichter) ein, weil wir im Geiste des größten Baumeisters der evangelischen Kirche im 18. Jahrhundert bauten und dabei seine Ideen in die Erfordernisse der Neuzeit umsetzten. Hierbei hat sich der Architekt Friedrich Hain aus Neumünster ein würdiges Denkmal gesetzt.“720) Die Gemeinde wird weiterhin von zwei Geistlichen betreut.

Die Aufgaben der städtischen Verwaltung wuchsen mit vorübergehenden oder mit Aufgaben für die Dauer. So gab es das Ernährungs- und Wirtschaftsamt, das nach Ende der Zwangsbewirtschaftung aufgelöst wurde. Weiter gab es das Fürsorgeamt, mit welchem, nachdem die Vertriebenenprobleme mehr und mehr ihrer Lösung entgegengingen, das Vertriebenenamt zusammengelegt wurde. Dazu kam noch das Einwohnermeldeamt. Eine Aufgabe des Fürsorgeamtes war das Altersheim, das seinen Armenhaus-Charakter nach der Währungsreform 1948 ändern konnte. Aus ihm wurde ein städtisches Alters- und Pflegeheim, eine Pension für alte Leute. Die Schlafsäle verschwanden, seit 1949 begann eine Auflockerung in Einbett-, Zweibettzimmer. Natürlich konnte dieses nur schrittweise geschehen. 1957 gab es 78 Plätze. Dabei trägt sich das Altersheim selbst, wozu eine Schweinemast beitrug.721) Einen Höhepunkt an Arbeit gab es für die städtischen Organe natürlich 1947, dem Höhepunkt der Notzeit. Damals gab es 6 Beamte, aber 18 Angestellte und 11 Arbeiter. 1956 waren es dann nur noch 7 Beamte, 8 Angestellte und 6 Arbeiter. Bestimmen tat wieder die freigewählte Bürgervertretung. Es gab eine Bewegung in der Parteienwelt. Die Sozialdemokraten sanken, was die Zahl ihrer Wähler betraf, zunächst einmal ersichtlich. Erzielten sie 1946 noch 3635 Wähler, so waren es bei der nächsten Gemeindewahl nur noch 2782 im Jahre 1948, 1951 gar nur noch 1992. Dieses scheint zusammenzuhängen mit der Bildung einer eigenen Flüchtlingspartei, dem BHE, der 1951 1350 Wähler auf sich vereinigte. Die Bürgerlichen hatten 3 Parteien zeitweilig, neben der FDP und der CDU noch die DP (Deutsche Partei). Man trat dann gewöhnlich bei Gemeindewahlen in einem Wahlblock auf, der 1951 2701 Stimmen auf sich vereinigte und 1955 dann 2442 Stimmen.722) 1959 gab es getrennte Stimmen. CDU und FDP erzielten je 5 Mandate, die SPD 6 und der BHE nur noch 1. (CDU 2265 Stimmen, SPD 2883, FDP 2247, GDP (BHE) 416 und ein BdD 88).723) In den 60er-Jahren gab es sodann noch die 3 überlebenden Parteien. In der Kommunalwahl vom 11.3.1962 gab es an Mandaten 5 für die CDU, 7 für die SPD und 5 für die FDP, in der vom 13.3. 1966 dann 6 für die CDU, 7 für die SPD und 4 für die FDP.724)

Die Stadtvertreter haben vor einer Reihe wichtiger Fragen gestanden, die es zu lösen galt. Da war zunächst die Stadtkanalisation, die in Angriff zu nehmen war. Eine Mahnung dahingehend, dass die sanitären Verhältnisse keineswegs in Ordnung waren, dass Gefahren vor allem von der immer mehr verschmutzten Wilsterau herrührten, gab es in der Not der Nachkriegsjahre, die viele Krankheiten mit sich brachte, vor allem gab es 1946/47 eine Typhus-Epidemie in der Stadt. Noch immer standen die Dinge so: „In unserem Stadtgebiet befindet sich nur in einigen Straßen eine Regenwasser-kanalisation, deren Zustand teilweise sehr schlecht und besonders die Reinigung der Leitungen bis zum Jahre 1949 völlig vernachlässigt worden ist. Vor allem musste im Laufe der Jahre das erforderliche Reinigungsgerät angeschafft werden. Der verrohrte Burggraben und auch die Entwässerungsleitungen in der Bahnhofstraße werden zum großen Teil als Schmutzwasser-kanalisation benutzt. Die jährliche Reinigung macht große Schwierigkeiten, da die Rohre sich teilweise gesetzt haben. Für die Besserung der Abwässerverhältnisse wurde im Jahre 1951 von Ziv. Ing. Dr. Weise aus Lübeck ein Vorentwurf für die Ortsentwässerung Wilsters aufgestellt. Desgleichen bearbeitet derselbe die Entwurfsaufstellung für die Verrohrung des Wilsterau-Stadtarms, der als Hauptsammler für die Kanalisation im Jahre 1953/54 ausgebaut wurde (Verrohrung)“.725) Die Wilsterau in ihrem alten Hauptarm durch die Stadt am Alten Rathaus vorbei wurde zunächst einmal zusätzlich zu dem Burggraben verrohrt, vom Stadtbild her schwerwiegend nachteilig, vieles vom typischen Gesicht Wilsters ging so verloren. Es steht allerdings außer Zweifel, dass diese Maßnahmen notwendig waren. Es heißt über die Maßnahmen weiter: „Die Herstellungskosten einschließlich des Hauptpumpwerks Lange Reihe“, das damals also erstand, „und des Abschlussbauwerks Rosengarten betrugen 728 395 DM. Mit dem Hauptsammler wurde der Grundstock für die Vollkanalisation geschaffen“. Erfasst wurden von dieser Maßnahme allerdings vorerst nur 25 % der Einwohner. Eine Satzung über die Entwässerung und den Anschluss an den Hauptsammler wurde am 19. Sept. 1953 von den Stadtvertretern genehmigt. Am 28.12. 1955 wurde vom Ziv. Ing. Franke (Delmenhorst) ein Entwurf für ein Klärwerk aufgestellt, denn „die Fertigstellung des Hauptsammlers schließt auch weiterhin die Errichtung von Grundstücksklärgruben zur Vorklärung der Abwässer nicht aus. Erst mit der Fertigstellung und des zentralen Klärwerks können Abwässer ungeklärt in die Vollkanalisation gegeben werden. Der Ausbau der Vollkanalisation wird von der Stadt angestrebt und soll bei zur Verfügungsstellung tragbarer Förderungsmittel seitens des Landes und des Bundes nach Möglichkeit in den kommenden Jahren teilweise durchgeführt werden,“ so heißt es im Verwaltungsbericht im Jahre 1957. Und weiter für die Zwischenzeit weiter: „Die Reinigung der Grundstücksklärgruben wurde bis zum Jahre 1955 von der städtischen Abfuhr vorgenommen. Seit dieser Zeit ist die Klär-grubenreinigung einer Privatfirma übergeben worden.“ Schließlich heißt es über das Zwischenergebnis (Verrohrung des Wilsterau-Stadtarms und Bau eines Hauptsammlers): „Durch den Bau des Hauptsammlers wurden in den angeschlossenen Grundstücken die bisherigen Kellerüber-flutungen aufgehoben, desgleichen vor allem ein gefährlicher Seuchenherd beseitigt.“ Die Abwasser-kläranlage, genehmigt am 20.1.1958 vom Landesamt für Wasserwirtschaft, konnte ab November 1958 gebaut werden.726) Im April 1960 konnte das neue Klärwerk in Betrieb genommen werden. Im Verwaltungsbericht für die Jahre 1959-1961 ist vermerkt: „Das mechanisch-biologische Klärwerk einschließlich des für den Endausbau erweiterten Hauptpumpwerkes in der Langen Reihe konnte am 8. April 1960 in Betrieb genommen werden. (Baukosten 858 378,06 DM).“ Das war ein bedeutender Tag in der Geschichte der Stadt. Kanalisiert waren nunmehr Klosterhof, Marquardstraße, Zingelstraße, Kohlmarkt, Deichstraße (teilweise), Lange Reihe und Am Markt. Die kommenden Jahre brachten in diversen Baustufen den weiteren Ausbau der Vollkanalisation. Die 2. Stufe war 1962/63, die 3. Folgend 1964, die 4. Dann 1965/66. 1966 sind „rund 95 % der Gesamtmaßnahme erfüllt“. „Die Verrohrung des Bäckerstraßenflethes soll 1968 erfolgen“, heißt es sodann in der Haushaltssatzung von 1968. Aber in der von 1969 heißt es dann: „Die Verrohrung des Bäckerstraßenflethes konnte auch 1968 noch nichts erfolgen“, und weiter: „Die Kanalisation ist 1968 noch nicht zu Ende (wie erwartet)“. Auch dieses ist inzwischen geschehen, auch der Bäckerstraßenfleth ist nunmehr verrohrt. Es ist nunmehr so, dass die ehemaligen Sielwettern zur eigentlichen Au geworden sind, der Straßenzug „Am Audeich“ dortselbst trägt nunmehr also seinen Namen zu Recht. Mit der Vollkanalisation erübrigte sich allmählich ein unappetitliches Kapitel der Stadtgeschichte, die Fäkalienabfuhr. Die Fäkalien wurden in die Nähe des Sportplatzes Allee gebracht, dort in Gruben gesammelt, aufbereitet, nach genügender Ausfaulung per Schiff nach Glückstadt versandt, wo sich die Gemüsebauern seiner annahmen. In den letzten Jahren verfiel die Anlage mehr und mehr, zudem musste man dazu übergehen, sich Gedanken über die weitere Abfuhr zu machen, da der Dung nicht mehr abgenommen wurde (1958). So war die Vollkanalisation eine Erlösung. „Die Ausschaltung der Trockenaborte nach Fertigstellung der angelaufenen Vollkanalisation wird angestrebt“, vermeldet der Verwaltungsbericht von 1959-61. In dem betreffenden Bericht für 1962-66 heißt es erfreut: „Die Fäkalabfuhr nimmt mit Fortschritt der Vollkanalisation zusehends ab, nur noch 1 ½ Tage pro Woche werden Fäkalienkübel abgefahren. „Ein Problem steigenden Ausmaßes wurde die Müllbeseitigung. Darüber heißt es im Verwaltungsbericht von 1947-57: „Die Abfuhr wird mit Pferdefuhrwerken betrieben, 5 Mann beschäftigt, zuletzt 4 Mann. Das Abfuhrgebäude ist im schlechten Zustand. Die Müllabfuhr ist schwierig. Die Kübel werden auf offenen Planwagen entleert. Das System und die Art der Durchführung entsprechen nicht mehr den heutigen Erfordernissen der Stadthygiene, Abhilfe ist dringend geboten“. Am 22.2. 1949 erfolgte eine Gründung einer Fäkalien- und Müllabfuhr- und Verwertungsanstalt. 1958 versuchte man es mit einer „staubfreien Müllabfuhr“. Ein Schuttberg für die Müllabfuhr wurde 1960 auf dem Brook vom Bauern Heesch gepachtet, er reichte jedoch nur für einige Jahre, daher wurde „ein Ersatzplatz außerhalb der Stadt gesucht“. Der „staubfreie Müllwagen“ hatte sich nicht bewährt“. Endlich konnte „in Groß Kampen ein neuer Müllablagerungsplatz gepachtet und angelegt werden“, so der Verwaltungsbericht 1962-66. Die heute in Angriff genommene zentrale Mülldeponie bei Ecklak zeigt sich heute in mannigfacher Hinsicht als eine Notwendigkeit.
Geringen Erfolg hatte die Stadt in ihrem Bemühen, an dem Deutschen Wirtschaftswunder, wie man das Wiederaufblühen des Wirtschaftslebens in der Bundesrepublik seit 1948 genannt hat, teilzunehmen. Schon im Deutschen Reiche von 1867/71 bis 1945 lag Wilster als Stadt der holsteinischen Westküste nicht eben günstig. Diese Randlage war seit 1945 noch extremer geworden. Jetzt lag Schleswig-Holstein dicht am Eisernen Vorhang, der West- und Ostdeutschland hermetisch voneinander trennte. In der Bundesrepublik lag das Land im äußersten nordöstlichen Winkel, während sich andererseits durch die Bildung der EG die Grenzen nach West und Süd auftaten. Der Westen und Süden der Bundesrepublik profitierten von dieser neuen Lage, der Norden dagegen hatte Mühe, Anschluss zu halten. Dies alles wirkte sich auf die Westküste besonders aus. „Die Stadt Wilster“, so heißt es im Verwaltungsbericht der Stadt von 1947-57 auf Seite 61, „hat sich nach Beendigung des Krieges ständig bemüht, Industriebetriebe in Wilster anzusiedeln und dadurch die Wirtschaftskraft der Stadt zu heben. Diesen Bestrebungen ist leider nur zum Teil ein Erfolg beschieden. - - - Die Stadt Wilster hat nicht in dem Maße an dem Wirtschaftswunder Anteil gehabt wie andere Städte in besserer Verkehrs- und Bodenlage“. Dabei waren von der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten viele Schritte gemacht worden, die dem Gewerbe dienlich sein mussten. „Die Stadt liegt an der schiffbaren Wilsterau, an der Bundesstraße 5, an der Bundesbahnlinie Hamburg-Westerland und an der Bundesbahnnebenstrecke nach Brunsbüttelkoog“, zählt der Bericht auf, aber „trotz dieser Vorzüge wird der Raum um Hamburg von vielen Betrieben wegen der verkürzten Anfuhr der Rohstoffe und Lieferung der Fertigwaren der Vorzug gegeben.“ Eingeräumt werden auch die Nachteile, die im Marschboden liegen: „Der Marschboden erfordert bei Bauten, Straßenanlegungen und bei Kanalisationsarbeiten mehr Aufwendungen als in anderen Gegenden“. Niederlassen taten sich meist Unternehmen, denen es an Kapital mangelte. Der Bericht zählt auf: Eine Arzneimittelfabrik Erich Graef eröffnet 1947 ein Zweigwerk in Wilster mit rund 20 Beschäftigten, ging aber schon 1949 in Konkurs. Eine Stahlfensterfabrik mit 11 Beschäftigten gründete Firma Behrmann und Koopsch 1948, stellte den Betrieb jedoch schon 1953 wieder ein. Eine Lebensmittel-fabrik O. E. Anders bestand seit 1947 und ging schon 1948 ein. Die Firma Wilhelm Krause begann „in den Gebäuden der 1929 stillgelegten Ballinschen Lederwerke“ mit der Fabrikation von elektrischen Heiz- und Kochgeräten seit 1948, beschäftigte vielversprechend um die 100 Arbeiter und Angestellte, aber 1953 ging der Betrieb in den Konkurs. 1954 eröffnete in eben den Räumen der Ballinschen Lederwerke eine Herdfabrik der Hamburger Firma Wilhelm Ahlers, die „einen guten Start und aussichtsreiche Entwicklung“ hatte. Auch eine Hand- und Maschinenstrickerei Hermine Siegert, die 1953 in Wilster zu produzieren begann, „entwickelte sich gut“. Schließlich kam aus Bochum die Firma Friedrich Spieß und errichtete in der Rumflether Straße einen Zweigbetrieb einer Sack- und Planenfabrik. Sie „berechtigt zu den besten Hoffnungen“. Also waren nicht alle Neuansiedlungen Fehlschläge. Die Realität der Randlage in einem Wirtschaftsgebiet führte aber doch zu wehmütigen Betrachtungen im Verwaltungsbericht der Stadt von 1947-57 (auf Seite 62): „Früher gehörte Wilster mit seinem ausgedehnten Getreidehandel, seinem Hafen, der Lederindustrie, dem Futtermittelwerk und dem bedeutenden Viehhandel zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten des Kreises Steinburg. Die Stadt war der natürliche Mittelpunkt der Wilstermarsch. Hier ist durch die Zeitläufte ein Wandel eingetreten. Die zentralen Funktionen Wilsters sind nur noch von nebengeordneter Bedeutung. Die zurzeit ansässigen 385 Gewerbebetriebe setzen sich zu über 300 aus Klein- und aus Kleinstbetrieben zusammen. Die Kaufkraft der städtischen Bevölkerung und auch des benachbarten Hinterlandes sichert die Existenz des Gewerbes und des Handels allein nicht mehr. Die Betriebe mussten mehr und mehr dazu übergehen, ihren Absatz in anderen Gebieten zu suchen. Das ist im vollen Umfange gelungen. Unsere Betriebe haben sich durch saubere, gute und preiswerte Arbeit in der weiteren Umgebung einen guten Ruf erworben. Das Fehlen größerer arbeitsintensiver Industriebetriebe spiegelt sich auch in der Arbeitsmarktlage wieder. Die Statistik des Arbeitsamtes weist nach, dass der Anteil der Arbeitnehmer (Beschäftigte und Arbeitslose zusammen) an der Wohnbevölkerung beträgt: im Bundesdurchschnitt 38,5 %, in Schleswig-Holstein 35 %, im Arbeitsbezirk Elmshorn 35,6 %, im Arbeitsamtsnebenstellenbezirk Wilster aber nur 21,9 %. Dass die von der Stadt seit Jahren mit allen Mitteln unternommenen Versuche, die Wirtschaftskraft der Stadt durch Ansiedlung von Industrie zu heben, zum Teil Erfolg hatten, ist daraus ersichtlich, dass die Betriebe Ahlers, Spieß und Siegert sich hier niedergelassen haben. Die Unterstützung des Landes und des Kreises ist wiederholt zugesagt. Verschiedene größere Planungen sind vorgesehen, lassen sich zurzeit noch nicht wegen gewisser Schwierigkeiten auf Bundes- bzw. Landesebene verwirklichen. Schwierigkeiten hatte der gesamte Kreis. Er gehörte nicht zum eigentlichen Randgebiet der Stadt Hamburg, auch nicht zum Zonenrand-gebiet, dem Vergünstigungen zustanden wurde, auch nicht zum Gebiet des „Programms Nord“, dem Norden des Landes, dem eben dieses Land Hilfe zukommen lassen musste. Der Kreis Steinburg gehört zu den wenigen schleswig-holsteinischen Kreisen, für den dies alles nicht zutrifft. Der schwerste Schlag für Wilsters Wirtschaft erfolgte dann erst in den 60er Jahren. Im Jahre 1965 verlagerte die Firma Günther und Co. ihr Futtermittelwerk von Wilster nach Schleswig, und damit brach der bis dahin noch immer beachtliche Schifffahrtsverkehr auf der Au zusammen, abgesehen von dem schmerzlichen Verlust an Arbeitsplätzen. Die Hafen- und die Schleuseneinnahmen gingen von 1965 immerhin noch 2000 DM auf nur 200 DM im Jahre 1967 zurück. Die Wilsterau ist seitdem, wenn man einmal von Sportseglern absieht, recht leer geworden. Aufgeben taten die Stadtvertreter daraum freilich keineswegs. Es stimmt ja auch, wenn es in der „Haushaltssatzung für 1967“ heißt unter anderem: „Nachdem längere Zeit nur Klein- und Mittel-Gewerbe vorhanden war, haben sich in den letzten Jahren neue größere Betriebe angesiedelt und haben mehrere Betriebe einen für Wilster bedeutenden Umfang angenommen. Es ist zu hoffen, dass die Verlegung eines größeren Betriebes nach außerhalb sich nicht auf die Dauer nachteilig auswirkt, sondern als Ersatz ein anderer Betrieb für Wilster gewonnen werden kann.“ Zunächst allerdings bedeutete dieses, dass 1967 den 399 Einpendlern 499 Auspendler gegenüberstanden, dass Schleuse und Hafen im selben Jahre 24 000 DM Verlust verursachten.727)

Die Stadt hat sich nach der Aufschwemmung durch die Flüchtlingsflut bei Kriegsende auf eine Bevölkerungszahl eingependelt, die ihrer Situation gemäßer ist. 1965 gab es 4959 Einwohner (davon 31,2 % Vertriebene),728) 1967 waren es noch 4841 und 1970 schließlich noch 4678.729) „Auf einer Stadtgebietsfläche von nur 205 ha leben 4600 Einwohner“, so beschreibt auch noch im Jahre 1980 der damalige Bürgermeister Armin March die Stadt.730) Bürgermeister im Amt waren in dieser Zeit bis 1963 noch Willi Oxwang, anschließend der bisherige Kreisinspektor Johannes Handt bis 1972, sodann bis 1981 Armin March, dem 1981 der derzeitige Bürgermeister Wolfgang Noffke (bisher Amt Wilstermarsch) nachfolgte. Diese Stadt, der immerhin mehrere hundert neu Einwohner für Dauer verblieben, hat sein Siedlungsareal, sowie dieses bei anlaufender Konjunktur der Nachkriegsjahr-zehnte möglich wurde, entsprechend ausweiten müssen. Und sie hat dieses auch getan. Nach Entwurf (1951) und Ausbau (1952) der Ostlandsiedlung, der schon 1949 die Bebauung der Südseite der Allee (Bebauungsplan „Auf dem Brook“) vorangegangen war, ging man an die Bebauung des Gebietes „West-Landrecht“. Die Ratsversammlung beschloss hier am 20.2.1956 einen Teilbebauungsplan, der am 23.4. des Jahres vom Sozial-Ministerium genehmigt wurde. Gebaut wurde eine Straße von der Zingelstraße an der Volksschule entlang nach dem Landrecht herüber. Sie erhielt 1957 den Namen Etatsrat-Michaelsen-Straße, denn sie führte ja vor allem auch durch seinen ehemaligen Grundbesitz. Hier begann man in eben diesem Jahre mit dem Bau von 17 Wohnungen, ab 1958 von 10 Wohnungen in der Johann-Meyer-Straße. In den 60er Jahren lag der Schwerpunkt für Wohnbauten in der neu erstehenden Etatsrätin-Doos-Straße, von der Etatsrat-Michaelsen-Straße abzweigend um die Villa Schütt herum. Es erstanden an Wohnungen 1962 23, 1963 17, 1964 18, 1965 7 und 1966 noch einmal 14. Die in der Notzeit errichtete Obdachlosenbaracke wurde 1962 abgerissen und durch eine neue ersetzt in der Rumflether Str. 6 mit 16 Wohnräumen. 1966 wohnten dort 11 Parteien mit 23 Personen. Die Wohnraumnot war sonst damals behoben. Am 1. Juli 1966 wurde die Wohnraumbewirtschaftung für Wilster aufgehoben. Es gehörte zum „weißen Kreis“, wo solches geschehen konnte. Es waren Wohnblocks, die da entstanden, wie sie die Stadt bis dahin noch kaum kannte. So entstanden 1963-65 der Wohnblock Etatsrätin-Doos-Str. 12/13 mit 24 Wohnungen, 1964/65 ein Wohnblock in derselben Straße Nummer 8-11 mit 36 Rentnerwohnungen. Die Gesellschaft St. Pauli errichtete 1964/65 einen Block mit 24 Wohnungen.731) Auch an der Neuen Burger Straße wurde gebaut. 1975 kam es sodann zur Erschließung des Neubaugebietes Am Fleeth. Und nunmehr erhielt Wilster auch dem Zeitgeist entsprechend „Hochhäuser“. Zwei von ihnen wuchsen 1975 Am Fleeth heran.732) Und seit 1980 heißt ein neues Erschließungsgebiet „Hohler Zahn“, ein Gebiet mit 44 Grundstücken. Die Stadt hatte entdeckt, dass sie als Wohnort attraktiv sein konnte auch für Menschen, die andern Ortes ihr Brot verdienten, denen Ruhe und schöne Wohnlage einen längeren Weg zur Arbeitsstätte aufwog, Rentnerstadt war Wilster ja schon eine geraume Zeit gewesen und blieb es auch. So erwuchs südlich der Dammflether Brücke das „Bebauungsgebiet Nr. 11“ mit dem deutschen Osten gewidmeten Straßennamen, noch weitere Straßen zweigten von der Neuen Burger Straße ab. Aber damit wäre schon beinahe das Jubiläumsjahr 1982 erreicht.

Die Zeit des sogenannten Deutschen Wirtschaftswunders ist zugleich auch die Epoche in unserer Geschichte, in der sich der Kraftwagen als vorherrschendes Verkehrsmittel in unserer Gesellschaft durchsetzte, es ist die Zeit der Motorisierung, die nunmehr erfolgte, nachdem sie durch Kriege und Nachkriegsnöte im Unterschied z.B. zu den USA immer wieder hinausgezögert worden war. Am 3.12.1949 gab es in Wilster immerhin noch 158 Pferde, ganz überwiegend zuständig für den Warentransport. Bis zum 3.12.1957 sank diese Zahl auf nur 37 herab.733) Auch in Wilster mit seinen vielfach ausgesprochen schmalen Straßen bestand zwischen rasch zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr und dem vorhandenen Verkehrsnetz eine Diskrepanz. Straßeninstandsetzungen nehmen in ihrer Bedeutung für das Gemeinwesen zu. Verbindungsstraßen werden geschaffen, um den Verkehrsfluss durch die Stadt hindurch zügiger zu gestalten, die B 5 führte ja durch die Stadt hindurch, von Itzehoe herein durch die Burger Straße und dorthin heraus durch den Kohlmarkt. 1953 erstand eine Stichstraße als Verbindungsstraße vom Steindamm nach der Burger Straße, die nach Fertigstellung als Bundesstraße (B 5) ausgewiesen wurde. Ein Haus musste deshalb abgebrochen werden. Der Inhaber erhielt in der Bahnhofstr. Ersatz dafür. Dann gab es zahlreiche Abrundungen, so schon 1952 Rumfletherstr – Rumflether Deich. So worden 1958 abgebrochen wegen Baufälligkeit und Abrundung Haus Schmiedestraße 33 (Ecke Op de Göten-Schmiedestraße), wurden die Grundstücke Rathausstraße 68/69 und 72/73 zum selben Zwecke erworben und Nr. 68 und 72/73 auch tatsächlich schon abgebrochen. Erwerb und Abbruch zum Zwecke der Abrundung im selben Jahr auch bei Neustadt 37 (vorher Stegemannsche Stiftung).734) Ein mühsames Herumlaborieren, bezeichnend für eine alte Stadt, die erstanden war unter anderen Verkehrsbedingungen. So tauchten zwei Bestrebungen auf, einmal erstrebte man eine Stadtsanierung, um den Ort bewohnbarer zu machen, weiter musste man bestrebt sein, den Durchgangsverkehr, der immer mehr anwuchs, was die Kraftwagen betraf, aus der Stadt herauszunehmen, indem man eine Umgehungsstraße erwirkte. Für eine Stadtsanierung standen, wenn die Stadt entsprechende Vorschläge und Eigenmittel erstellte, Mittel von höherer Instanz zur Verfügung. War doch, nachdem erst einmal die größte Wohnraumnot überwunden war, die Sanierung oft ganzer Stadtteile in deutschen Städten ein drängendes Anliegen. Auch Wilster hat eine solche Sanierung geplant. Sie tauchte in der Haushaltssatzung für 1969 auf. „Die unrentierlichen Kosten dürften insgesamt etwa 1 Mio. DM betragen, zur Hälfte vom Bund zu tragen“.735) Dass dabei eine gewisse Besorgnis erwachsen kann, dass die Stadt, die schon durch Verrohrung ihrer Au-Arme einiges von ihrem Charakter verlor, nunmehr bis zur Unkenntlichkeit verwandelt werden könne, liegt natürlich auf der Hand. Ruth-E. Mohrmann schreibt in diesem Sinne in ihrem „Volksleben in Wilster im 16. Und 17. Jahrhundert“ auf Seite 30 folgend: „Nachdem bereits das Verrohren der Burggräben und der Wilsterau im längsten Bereich ihres innerstädtischen Verlaufs dem Stadtkern eines seiner typischen Merkmale genommen hat, stehen Wilster in naher Zukunft sehr viel weiterreichende Veränderungen bevor. So wird die Verlegung der Bundesstraße, über deren kurvenreichen Verlauf durch die alte Haferstraße, Op den Göten und Schmiedestraße täglich hunterte von LKWs und PKWs rollen, den innerstädtischen Straßen eine spürbare Entlastung bringen und den Stadtkern wieder bevorrechtigt dem Fussgänger zugänglich machen. Einen tiefer gehenden Einschnitt in das bisherige Stadtbild wird aber die geplante Altstadtsanierung mit sich bringen. Während heute noch der Besucher Wilsters sich ohne Schwierigkeiten am Friederichschen Stadtplan von 1775 bei einem Rundgang orientieren kann, werden nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ganze Straßenzüge verschwunden und Plätze verändert sein. „Inwieweit diese schwierigste Aufgabe, die Wilster in der Neuzeit zu lösen hat (so Bürgermeister Armin March anlässlich der Beratung der Bebauungspläne in der öffentlichen Ratsversammlung in Wilster am 21.3. 1974), zum Wohle der Stadt Wilster und ihrer Bewohner erfüllt werden kann, wird die Zukunft zeigen müssen.“ Finanzielle Schwierigkeiten haben dann das gesamte Sanierungsprojekt nicht nur hinausgezögert, es auch erheblich reduziert. Am 20. Februar 1982 berichtete die Norddeutsche Rundschau über Ausführungen des damaligen Ersten Stadtrates Helmut Jacobs, der den damals beurlaubten Bürgermeister der Stadt zu vertreten hatte, über das Problem der Wilsterschen Stadtsanierung, gehalten vor seinen Parteigenossen von der SPD im „Holsteinischen Haus“. Da heißt es folgend: „ Leider sei es nicht möglich gewesen, die Sanierung der Wilsterau oder die Stadtsanierung zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Die Stadtsanierung ziehe sich bereits mehr als 10 Jahre hin und es sei immer noch kein Ende zu erkennen. Die Stadt sei vom Bund und Land aufgefordert worden, die Sanierung kurzfristig zu einem Abschluss zu bringen, da andernfalls bereits bewilligte Mittel anderen Gemeinden zur Verfügung gestellt würden. Die Ratsversammlung habe durch entsprechende Beschlüsse frühere Sanierungsvorhaben erheblich reduziert. Übrig geblieben sei eine Neutrassierung des Klosterhofes mit dem Ziel, auf Kosten minderer Bausubstanz eine Verkehrsberuhigung im Innerstadtbereich zu erreichen, um dort wertvollere Bausubstanz zu erhalten. Die noch zur Verfügung stehenden Mittel sollen zum Erwerb einiger Schlüsselgrundstücke und zur Modernisierung mehrerer bereits erworbener Grundstücke eingesetzt werden. Auf die Sanierung der Wilsterau eingehend, meinte Jacobs, dass auf diesem Gebiet deshalb keine Verbesserungen in Angriff genommen worden seien, weil in einem seit Jahren andauernden Rechtsstreit ungeklärt sei, wer – Stadt oder Land – für die Kosten der Sanierung aufzukommen habe.“ Hierzu meldete dieselbe Zeitung am 7. April 1982: „Die Stadt Wilster hat ihren Rechtsstreit mit dem Land Schleswig-Holstein über die Einstufung der Wilsterau verloren. Bürgermeister Wolfgang Noffke gab dieses Ergebnis auf der jüngsten Ratsversammlung bekannt. Die Stadt Wilster hatte eine Feststellungsklage erhoben, um deutlich zu machen, dass die Einstufung der Wilsterau als Bundeswasserstraße I. Ordnung begründet ist. Diese Einstufung, die für den Hauptlauf unumstritten ist, sollte auch für sämtliche Nebenarme der Au im Stadtgebiet gelten. In der ersten Instanz hatte die Stadt Wilster im Verwaltungsgericht Schleswig Recht bekommen. Daraufhin war das Land Schleswig-Holstein vor das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gezogen. In dieser zweiten und letzten Instanz unterlag nun die Stadt. „Erheblicher war das Ergebnis, was die Umgehungsstraße betraf. Die Stadtvertretung setzte sich von vornherein für eine südliche Umgehung ein, so 1949, bis dahin solle eine „Stichstraße“ erbaut werden. Aber noch am 27. Juni 1957 wurde festgestellt, dass eine Entscheidung über eine nördliche oder eine südliche Umgehung noch immer ausstehe. In den 70er Jahren kam man endlich zügig zum Ergebnis in Form einer großzügigen Südumgehung. 1976 war der Bau einer großen Stadtumgehungsstraße der B 5 voll im Gange. Und im Steinburger Jahrbuch 1977 konnte auf Seite 232 vermerkt werden: „Als Bundesmaßnahme wurde Ende September 1976 die Umgehungsstraße Wilster im Zuge der B 5 ihrer Bestimmung übergeben.“ Ein wichtiger, erlösender Abschluss hier.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Kriege litt die vorher so blühende Pflege des Heimatgedankens wie überhaupt jede Beschäftigung mit Geschichtlichem sehr. Die eigene Geschichte erschien als kaum mehr als eine Kette von nationalen Pleiten, zuletzt auch auf moralischem Gebiete. Man verdrängte das, was vor der berühmten Stunde Null gewesen war, lebte der Gegenwart und der Zukunft. Pflege des Heimatgedankens war vom 3. Reich in seinem Sinne betrieben worden, was zum Ergebnis hatte, dass man nunmehr ihm kaum noch ein Entgegenkommen erwies. Der Heimatverein der Wilstermarsch ging ein. Bücher, von ihm herausgegeben, landeten im wahrsten Sinne des Wortes in der Gosse. Heimatliebende Bürger fischten sie dort heraus, soweit sie konnten. Zum Glück ist hier ja inzwischen ein gewisser Wandel eingetreten. Eine gute Sache wird nicht deshalb schlecht, weil sie von dieser oder jener Seite für eigene Zwecke verwandt worden. Wenn auch der „Trend“ dem lange Zeit entgegenstand, so hat es doch immer in Wilster an maßgeblicher Stelle die Überzeugung gegeben, dass seine historischen Bauten und historisch überlieferten und weitergepflegten Bräuche nicht das schlechteste waren, welches Wilster der Mitwelt zu bieten hat. Schon am 1.4.1952 trat eine von den Stadtvertretern beschlossene Ortssatzung über die Baugestaltung und zum Schutze des Ortsbildes gegen Verunstaltung in Kraft. Das Ehrenmal für die Gefallenen von 1914-18 wurde 1955 erweitert, der Gedenkstein an den Frieden 1871 wurde von der Kirche in den Stadtpark verlegt. Des Archives nahm sich der Konrektor der Mittelschule Otto Neumann an, selber ein Flüchtling. Es wurde neu überarbeitet, wichtige Ordnungs- und Registrierarbeiten durchgeführt. Otto Neumann verließ dann die Stadt, um Kreisarchivar zu werden. Für das 675–jährige Jubiläum der Stadt schrieb er einige Arbeiten über Bereiche der Stadtgeschichte, die bisher weniger durchforscht worden waren. Sie wurden allerdings nicht gedruckt, sind in Maschinenschrift in der Hand des Stadtarchivars. Immerhin geschah zum mindesten eine Arbeit über das Neue Rathaus ausdrücklich auf Veranlassung der Stadt. Man pflegte Bausubstanz und Anlagen nach Kräften. Allerdings ließ sich das Balkenhaus neben dem Alten Rathaus wegen Baufälligkeit nicht halten, auch wohl nicht wegen notwendiger Kurvenab-flachung. Der Vorteil besteht darin, dass das Alte Rathaus stärker zur Geltung kommt, vor allem verschwindet heute nicht mehr der Speicher hinter anderer Bausubstanz. Auch Feiern im Zusammenhang Wilsterscher Tradition verstand man weiterhin zu begehen. Zum 675-jährigen Stadtjubiläum schrieb Rektor Adolf Sievers eigens ein Festspiel „De Rathusdör“, das am 8. August 1958 aufgeführt wurde und großen Anklang fand. Wenn jedenfalls auch in der Nachkriegszeit Tradition gepflegt wurde, so geschah es in den beiden Städten Krempe und Wilster. Hier waren es und sind es weiterhin vor allem die Gildefeste, welche Tradition und historische Überlieferung wach hielten und halten. „Auch die Bürger-Schützen-Gilde der Marschenstadt Wilster von 1380 feierte in altgewohnter Weise wieder ihr Gildefest“, heißt es im Steinburger Jahrbuch 1973 (Seite 208). „Wie schon seit Jahren begann das reichhaltige Programm mit dem traditionellen Ummarsch und Aufzug der Stadtwache vor dem Rathaus. Dort erlebten die Wilsteraner und Gäste das Spiel um die Etatsrätin Doose, der einstmaligen Wohltäterin der Marschenstadt. Der Gildemontag war wieder Höhepunkt des Gildefestes, das in seinem Ablauf von historischen Überlieferungen bestimmt wird. Zu Beginn des Tages rüttelt der Weckruf die Bürger aus dem Schlaf. Dann folgen Hauptmanns-, Königs- und Bürgermeistermarsch. Das traditionelle Fahnenschwenken auf dem Marktplatz vor der Sonnin-Kirche bot ein prachtvolles Bild und wurde mit starkem Beifall von den vielen auswärtigen Besuchern und Einheimischen belohnt. Die beiden Gildefeste in Krempe und Wilster sind immer Höhepunkte des heimatlichen Geschehens. Es wird dabei deutlich, dass diese Gilden sich um die Erhaltung des Brauchtums in unseren Marschen hochverdient machen.“736) Einige Dissertationen über Wilster stammen aus dieser Nachkriegszeit, die die Kenntnis über die Vergangenheit der Marschenstadt erweiterten. In der Zeitschrift für schleswig-holsteinische Geschichte erschien „Die Anfänge der Städte Itzehoe, Wilster und Krempe“737) von Marianne Hoffmann. Vor allem erschien 1977 von Ruth-E. Mohrmann „Volksleben in Wilster im 16. und 17. Jahrhundert“, für diese beiden Jahrhunderte und nicht nur für diese ein Standardwerk.

Von Bedeutung für Wilster wurde seit den 60er Jahren eine Gesetzgebung, die man unter dem Begriff „Raumordnung“ zusammenfassen kann.738) „Die Raumordnung ist eine junge, in rascher Entwicklung befindliche Aufgabe. Ihre Probleme und deren Bewältigung in raumordnungspolitischen Aufgabenstellungen werden mit dem steilen wirtschaftlichen Aufschwung seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland immer drängender. Seit 1960 ist das Bundesbaugesetz als Grundgesetz des Städtebaus in Kraft. Es enthält die rechtlichen Grundlagen für die Planung in den Gemeinden und Städten des Bundesgebietes. Schließlich konnte nach langjährigen Bemühungen 1965 das Bundes-ordnungsgesetz vom Bundestag verabschiedet werden.“739)
„Die räumliche Struktur der Gebiete mit gesunder Lebens- und Arbeitsbedingungen --- soll gesichert und weiter entwickelt werden“, heißt es im § 2 und : „In Gebieten, in denen eine solche Struktur nicht besteht, sollen Maßnahmen zur Strukturverbesserung ergriffen werden“, und weiterhin: „Eine Verdichtung von Wohn- und Arbeitsstätten, die dazu beiträgt, räumliche Strukturen mit gesunden Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie ausgewogenen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnissen zu erhalten, zu verbessern oder zu schaffen, soll angestrebt werden. --- In Gebieten, in denen die Lebensbedingungen in ihrer Gesamtheit im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt wesentlich zurückgeblieben sind, --- sollen Gemeinden mit zentralörtlicher Bedeutung einschließlich der zugehörigen Bildungs-, Kultur- und Verwaltungseinrichtungen gefördert werden.“ Zielsetzung ist also eine „Verdichtung“ der „Wohn- und Arbeitsstätten“ und die Förderung von „Gemeinden mit zentral-örtlicher Bedeutung“. Die Auswirkungen dieses Gesetzes waren in unserem Lande weniger tiefgreifend und einschneidend als in anderen Ländern der Bundesrepublik, aber sie bestanden durchaus. Am 16. Dezember 1969 beschloss der schleswig-holsteinische Landtag ein Gesetz zu einer „Neuordnung von Gemeinde- und von Kreisgrenzen sowie von Gerichtsbezirken“. Die Zahl der Kreise wurde dabei von 17 auf 12 verringert. Der Kreis Steinburg wurde davon wenig betroffen, er blieb als solcher bestehen, wurde nicht mit anderen Kreisen zusammengelegt, Itzehoe blieb Kreisstadt, neu war nur, dass die Ämter Schenefeld und Wacken zum Kreis hinzukamen, er also noch etwas ver-größert wurde. Stärker wirkte sich die Änderung der Gerichtsbezirke aus, in den folgenden Jahren verschwanden die Amtsgerichte in den Landstädten des Kreises, wurde das Gerichtswesen in einem mächtig angewachsenen Amtsgericht in Itzehoe zentralisiert. Hier zeigte sich die eine Seite der „Reform“. Eine Zentralisation ging oft auf Kosten der Landstädte, die einen Teil ihrer Funktionen zu Gunsten hier der Kreisstadt einbüßten. Das alte Amtsgerichtsgebäude Rathausstraße 1 wurde 1958 schon an die Amtsverwaltung des Amtes Wilstermarsch verkauft, das Amtsgericht lag in den letzten Jahren seines Bestehens in dem Gebäude Rathausstraße/Ecke Stadtmühlenweg, bis es jetzt als eines der ersten aufgehoben wurde. Die Stadt verblieb sonst ungeschmälert, aber auch nicht durch Einge-meindungen ausgeweitet zu einer Großgemeinde, die das ganze Umland umfasste, wie es in anderen Ländern der Fall war. Landstadt und Amt der umliegenden Landgemeinden blieben erhalten, zumal diese Organisation sich bewährt hatte. Wilster hat jedoch noch in anderer Hinsicht Einbußen an Bedeutung hin nehmen müssen, immer zu Gunsten der Kreisstadt. Es hat aber auch als sogenannter zentraler Ort Funktionen übernommen, die bis dahin Sache der Landgemeinden waren. Man unterschied im Gesetz von 1965 zentrale Orte verschiedener Ordnung: Die Oberzentren (Richtwert 100 000 Einwohner) in Schleswig-Holstein nur Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster, die Mittelzentren (ihr Richtwert betrug über 30 000 Einwohner) Itzehoe war ein solcher Ort. III. Ordnung waren die Unterzentren, IV. Ordnung schließlich die Kleinzentren. Durch Runderlaß des Innenministeriums des Landes vom 1.6.1965 wurde Wilster Mittelpunktsgemeinde und zwar gemäß Regionalplan für den Planungsraum IV ein Zentraler Ort III. Ordnung, Wilster wurde „Unterzentrum“.

Eine Einbuße durch fortschreitende Zentralisierung erlitt Wilster auch auf sanitäterem Gebiet. Das Wilstersche Krankenhaus „Menckestift“, getragen von einem Zweckverband, unterstützt durch einen Krankenhaus-Lastenausgleich, hatte 1968 den Anstaltsarzt und einen Assistenzarzt, die Buchhalterin und eine kaufmännische Arzthelferin. An Schwestern waren vorhanden die Oberschwester, 2 Operations- und 2 Stationsschwestern, eine Nachtschwester, 4 Schwesterhelferinnen, sodann eine med. techn. Assistentin. Dann gab es noch den Hausmeister und Krankenwagenfahrer, eine Wirtschafterin, 6 Gehilfinnen und 3 stundenweise beschäftigte Aushilfskräfte. Dieses Krankenhaus war gewiss nicht groß, aber es hatte sich seit Jahrzehnten bewährt. Damals bestand schon der Plan, ein Kreiskrankenhaus in Itzehoe am Hackstruck zu errichten. Am 24. Oktober 1972 fasste der dafür gebildete Zwecksverbandsausschuss den Beschluss, mit dem Bau sofort zu beginnen. Schon am 12. September 1974 war dort das Richtfest. 1976 konnte dann das Schwerpunktkrankenhaus in Itzehoe in Betrieb genommen werden, worauf die „Schließung der überalterten kleinen Krankenhäuser in Kellinghusen und Wilster“ erfolgen konnte.741) Aus dem Menckestift wurde eine Sozial- und Pflegestation. Im Adressbuch 1980 erscheint es als „Pflegeabteilung Wilster Klosterhof 28“. Dazu besteht eine Rettungswache des Roten Kreuzes, weiter eine Klinik ebenda.

Auf schulischem Gebiet hat sich die Rolle Wilsters für das Umland dagegen beachtlich verbessert. Schon 1967 kam es zur Gründung eines Schulverbandes Realschule Wilster, der von der Stadt Wilster die Trägerschaft für die Schule übernahm. Dem folgte schon 1969 die Gründung des Schulverbandes Wilstermarsch, bestehend aus 16 Gemeinden hier. Er übernahm die Trägerschaft aller in der Wilstermarsch vorhandenen Schulen. Dies geschah im Zusammenhang mit der Schulreform. Es gab nunmehr die 4-jährigen Grundschulen als eigene Anstalten und die weiterführenden Schulen, nämlich Haupt-, Realschule (bisher Mittelschule) und Gymnasium. Letzteres gab es nur in Itzehoe und Glückstadt. Für die in der Wilstermarsch bestehenden Schularten (ohne die Grundschulen, die in den einzelnen Orten verbleiben sollten), plante man eine Zusammenfassung, naturgemäß konnte sie nur in der Stadt Wilster erfolgen. Zu vermerken wäre noch aus der Zeit vor Bildung des Schulzentrums, dass schon 1963 eine zunächst zweiklassige Sonderschule gebildet wurde. Am 20.12. 1965 erhielt Wilsters Schule seinen heutigen Namen Wolfgang-Ratke-Schule. 1963 wurde die alte Turnhalle Am Markt abgebrochen. Sorgen um Platz gab es in dem Gebäude der Realschule bei wachsender Schülerzahl, davon fast die Hälfte Auswärtige vor allem aus den Marschgemeinden. Die alten Gebäude von 1885 entsprachen kaum mehr modernen Anforderungen. So wurde ein Neubau als unerlässlicher angesehen, dazu sollte eine neue Turnhalle zugleich mit einem Lehrschwimmbecken geschaffen werden. Als Standort dafür wurde das frühere Peemöllersche Gelände vorgesehen. Hierhin sollte auch die Dörfergemeinschaftsschule (Hauptschule) kommen.742) Der Schulverband für die Realschule wurde wegen der zahlreichen Auswärtigen 1967 eine Notwendigkeit, es war nun ein Verband der Gemeinden der Träger, dies erfolgte am 1.7. des Jahres, 15 Gemeinden wurden zahlende Mitglieder. Nachdem 1969 für die Volksschule ein Schulverband Wilstermarsch erstanden war, begannen die Maßnahmen für den Bau eines Schulzentrums in Wilster. Dieses enthielt die Realschule, Hauptschule, Sonderschule, eine Großturnhalle. Angeschlossen wurde das Sportlerheim, dahinter ein Sportplatz. 1972 erfolgte die Fertigstellung des 1. Bauabschnittes, nämlich das Gebäude der Hauptschule und von 3 Klassen der Realschule. 1975 war der 2. Bauabschnitt mit den restlichen Klassen und Fachräumen der Realschule fertig und konnten bezogen werden. Die Arbeiten für den Sportplatz laufen zugleich. Bis dahin gab es nur den Sportplatz am Brook, einen Rasenplatz. Weiter wurde der Colosseumplatz benutzt, der dann auch „Sportplatz“ genannt wurde. Er war aber nichts anderes als ein befestigter Schlackenplatz. Am 11. /12. September 1976 konnte dann die Einweihung des Platzes an der Rumflether Straße erfolgen. 1977 begann man mit dem Bau des Sportlerheimes, vor allem aber auch mit dem Bau des Hallenbades. Das Hallenbad kostete 3 Millionen DM, das Sportlerheim 300 000 DM, der 2. Bauabschnitt der Realschule 1 Million DM. 1978 war das Schul- und Sportzentrum Wilstermarsch fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte dan am 26.1. 1979. Vor allem in diesem Zentrum dokumentiert sich Wilster heute als Mittelpunktsgemeinde für die umliegende Wilstermarsch.
Zu erwähnen wären schließlich noch die „Stadtwerke“ als ein bis zum heutigen Tage florierendes Unternehmen. 1956 waren hier beschäftigt ein leitender Ingenieur, ein Werkleiter, ein Hauptbuchhalter, 2 Angestellte und 1 Angestellte (Frau), ein Ableser und Kassierer und eine Reinmachefrau. 1951 wurde das Haus Klosterhof 36 erworben und 1954 als Werkleiterwohnung ausgebaut. In der Gasversorgung trat eine wesentliche Veränderung am 10. Mai 1965 ein. Der Gasbezug von den Stadtwerken von Itzehoe wurde eingestellt, dafür die Eigenerzeugung von einem Propan/Luft Gemisch aufgenommen. Die Flüssiggasanlage ergab gegenüber dem bisherigen Fremdbezug eine erhebliche Einsparung. Vom Bahnhof führte eine Propan-Doppelleitung direkt zum Werk, zum Mischergebäude. 1979 erfolgte für die Stadtwerke am Klosterhof die Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes, das auch Betriebswohnungen mit einbeschloss. 1977 erfolgte eine erneute Umstellung im Gasbezug. Wilster erhält seitdem von der Schleswag Erdgas. Daneben blieb eine Mischanlage weiter bestehen, um in Spitzenzeiten dem Erdgas das Flüssiggas/Luft Gemisch hinzuzufügen, um so den Leistungspreis für Erdgas zu reduzieren. Durch Feuer fielen jedoch im Dezember 1981 sämtliche Anlagen im Mischergebäude aus. Seitdem regelt eine Kompaktanlage, die von der Schleswag erstellt wurde, die Versorgung.
Zum Schluss mag ein kurzer Ausblick auf die Situation erfolgen, in der sich Wilster heute im Jahre 1982 befindet. Verkehrsferne innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und noch mehr innerhalb des Wirtschaftsgebietes der EG kennzeichnet Schleswig-Holstein und hier besonders die Westküste und damit auch Wilster. Hamburg und sein Umland üben eine große Anzugskraft aus. Das alles ist nicht immer so gewesen, war aber zumindest im letzten Jahrhundert bestimmend gewesen für Wilster und zwar eher in steigendem Ausmaße. Sogar als Mittelpunkt einer begrenzten Landschaft hat die Stadt immer mehr Einbußen hinnehmen müssen. Erfolgreiche Bemühungen um Anschluss an das Verkehrsnetz zu Wasser, im Eisenbahnverkehr, im Straßennetz haben diese Grundtatsachen nur mildern, nicht dagegen beseitigen können. Es ist aber keinesfalls so, dass sich die Lage Wilsters im Raum, im Wirtschafts- und Verkehrsraum gar nicht geändert hätte. Auch im letzten Jahrzehnt hat sich diese Lage nicht unerheblich geändert. Nur 10 km weiter östlich hat sich die Kreisstadt immer mehr ausgeweitet. Zusammen mit den Itzehoe umgebenden, von Städtern übersiedelten Dorfschaften hat sich hier ein Ballungsraum von über 50 000 Menschen mit entsprechendem wirtschaftlichen, kulturellen, administrativen und gesellschaftlichen Angebot herausgebildet. Das Störsperrwerk, die Antwort auf die Wassernöte von 1962 und 1976, wird sicher Auswirkungen dahingehend haben, dass die südöstliche Wilstermarsch mehr in den Einzugsbereich Glückstadts kommen wird. Von der Landesregierung stärkstens gefördert ist erstanden und entsteht immer noch weiter ein Industrieraum in und um Brunsbüttel mit gutem Hafen. Man nutzte „den Trend der Grundstoffindustrie zu Standorten am seeschifftiefen Wasser zur Lösung der Beschäftigungs-probleme an der weitgehend schwach industrialisierten Westküste Schleswig-Holsteins“.743) Eine Industrielandschaft erstreckt sich schon jetzt bis in den Südwesten der Wilstermarsch hinein. Sicher wird dieser Teil der Marsch auf länger in den Einzugsbereich Brunsbüttels geraten, wenn erst einmal die nötige Infrastruktur erstellt worden ist. An der Elbe entlang aber wächst eine Kette von Atomreaktoren heran. Der erste direkt bei Brunsbüttel steht schon seit Jahren, der zweite in Brokdorf ist im Bau und erregt viele Menschen, besonders Jugendliche, die ökologische Bedenken haben. Leidenschaftliche Debatten, Massendemonstrationen fanden statt. Brokdorf wurde hier für viele bundesweit zum Symbol. Auch und gerade die Wilstermarsch und die Stadt Wilster haben inzwischen ihre „Grünen“, die hier aufbegehren. Der Atomreaktor wächst indessen zügig weiter. Dazwischen liegt noch immer eine offenbar blühende Marsch mit seiner auf Milchviehzucht abgestellten Landwirtschaft. Und in der Mitte von dem allen liegt die Landstadt Wilster, an der vorbei die Anschlussstraße (B 5) von Brunsbüttel zur Autobahn, die inzwischen Itzehoe (1981) erreicht hat, führt. Diese neue Situation wird in der Zukunft das Schicksal dieser Stadt sein. Wird die Stadt zwischen stärkeren wirtschaftlichen Potenzen in Ost und West zur Bedeutungslosigkeit herabsinken? Wird es zum Idyll im Winkel werden, gut gerade noch für Folklore, an dem der große Verkehr vorbeirauscht? Ein verträumter Winkel in der großen Welt? Wird diese Stadt zur begehrten Wohnstadt werden für Menschen, die gute zentrale Verkehrslage mit Schönheit des Wohnens verbunden zu schätzen wissen? Wird es der Stadt gelingen, ihre Mittellage auszunutzen, Ort für Zubringerindustrien und für Dienstleistungsbetriebe und –unternehmen für einen größeren Raum rundum werden? Wir wissen die Antwort noch nicht. Sicher jedoch ist, dass Wilster zurzeit mitten in einem Raume gelegen ist, der wieder einmal einen gewichtigen Wandel über sich ergehen lässt. Die Zukunft wird uns die Antwort geben.

Mit den Jahren 1813 – 15, durch eine kriegerische Invasion, endete für Stadt und Marsch die zweite Blütezeit. Die nächsten Jahre waren schwer, denn der Dänische Gesamtstaat hatte sich völlig übernommen. War er auch erst in den letzten Jahren vom Kriege überzogen worden, so waren die militärischen Anstrengungen zunächst, um die Neutralität zu wahren, dann aber an der Seite Napoleons, erheblich gewesen. Als Seemacht hatte es unter Zugriffen der Briten schwer zu leiden gehabt, die Kontinentalsperre wirkte sich wirtschaftlich sehr negativ aus, war der Export von Agrar-produkten doch gerade nach England erheblich gewesen, der Landwirtschaft fehlten diese Absatzquellen in dieser Zeit sehr. Negativ zu Buche schlug auch, dass Dänemark in dieser Zeit eine recht unglückliche Politik betrieb und mit Verlust aus der Epoche hervorging. Der Staat war bankrott und das Land und seine Bewohner wurden da mitgerissen. Während der Kriegsjahre hatten die Ausgaben für die Streitkräfte ungefähr den fünffachen Betrag der sämtlichen Staatseinnahmen beider Königreiche Dänemark und Norwegen und der beiden „deutschen“ Herzogtümer betragen. 1807 war man darauf zunächst nur in Dänemark zur Papiergeldwirtschaft übergegangen, die zuletzt jeden Wert verlor. In den Herzogtümern war die Währung an die der Hansestadt gebunden. Erst am 5. Januar 1813 wurde durch die „Verordnung wegen einer Veränderung im Geldwesen der Königreiche Dänemark und Norwegen und der Herzogtümer Schleswig und Holstein“ eine gemeinsame Reichsbank gegründet, sollte an die Stelle des „schleswig-holsteinischen Kuranthalers“ zu 48 Schillingen der gesamtdänischen Reichsbanktaler zu 30 Schillingen treten, so nach lübischem Maß, er selber zerfiel in 6 Reichsbankmark zu 16 Reichsbankschillingen. 6 % vom Werte allen unbeweglichen Eigentums sollte in Silber für den Reichsbankfonds dienen. So wurden die Herzogtümer verspätet auch in das Dilemma hineingezogen.555)
Der Staat kam den Schleswig-Holsteinern wohl insoweit entgegen, dass er ein zunächst verfügtes Verbot anderer Geldmittel, da wohl undurchführbar, zurücknahm, d.h. die schleswig-holsteinische Kurantnote blieb im Umlauf. Die große Belastung allen unbeweglichen Eigentums führte dennoch zu hoher wirtschaftlicher Not, so dass es zu einem starken Wechsel des landwirtschaftlichen Besitzes kam. „Nach der Napoleonischen Zeit hat auch die Wilstermarsch unter dem allgemeinen Niedergang schwer leiden müssen. Es war die Zeit, in der man für einen Lavendelstrauß einen stattlichen Bauernhof in Neufeld mit seinen Lasten zu Eigen erhalten konnte.“556) Klar war, dass diese Not der Marsch Folgen für die Stadt Wilster, die zudem auch selbst schwer durch den Krieg gelitten hatte, wie oben ausgeführt, haben musste. Stadt und Land litten sehr. Von 1810 bis s1830 sanken die Getreidepreise (Weizen, Gerste und Hafer in den Marschen) bis zu einem Viertel. Diese Talfahrt hielt bis etwa 1825 an. Dann erst war das Wellental erreicht, die Preise begannen sich wieder zu erholen. Um 1828 etwa war dann die Krise überstanden, stellten sich dann ab 1835 wieder günstige Zeiten für die Landwirtschaft ein und direkt damit auch für Städte wie Wilster, die maßgeblich von dieser Landwirtschaft abhingen.
In dieser Lage kam die Stadt Wilster in den Besitz von Haus und Land des Etatsrates Michelsen. Nach seinem Tode war durch Testament Ersterbin die Etatsrätin Grieß geworden, wenn sie ihren Wohnsitz von Altona nach Wilster in sein Haus verlegen werde. Da sie hierzu nicht bereit gewesen war, war die damalige Kanzleirätin Doos aus diesem Wilster die Erbin geworden. Falls diese jedoch ohne Kinder sterben werde, so sollte die Stadt Wilster der Erbe sein. Eben dieses war aber 1807 mit dem Tode ihres Sohnes Johann Diederich eingetreten, nachdem ihr Mann, der Kanzleirat Doos schon 3 Jahre früher verstorben war. Es war zu übersehen, wann das Michaelsensche Erbe an die Stadt fallen werde. Daher erbat der Rat von Frau Doos 1810 ein Inventarium vom Nachlass. Sie konnte keines aushändigen, da sie keines empfangen hatte.557) Im September 1813 erschien der dänische Kapitän von Bretevil als Direktor eines Feldlazarettes und beanspruchte das Michaelsensche Haus binnen 2 Tagen. Frau Doos bat darauf, dass die Stadt Wilster schon jetzt gleich Haus und Grundstücke übernehmen möge. Die Stadt jedoch lehnte angesichts der Lage ab, forderte erneut ein Inventar. In der Folgezeit wurde das Michaelsensche Haus in der Tat mit einem Lazarett belegt, 120 – 130 Kranke und Versehrte lagen ständig im Hause, dass natürlich auf diese Weise ganz erheblich zu leiden hatte. 1814 erklärte sich die Stadt dann doch auf wiederholte Bitten der Frau Kanzleirätin bereit, Haus und Grundstück mit allen Mobilien, dem Silberzeug und allem, was in den Wohnräumen vorhanden war, die Ländereien mit dem Park und dem Lusthause und dessen Einrichtungen zu übernehmen. Die Kanzleirätin nahm nur einige besondere Erinnerungsstücke (Goldringe mit Diamanten, Porzellanfiguren, einige Möbelstücke) an sich. Wichtig war jedoch, dass sie das Kapital, das Vermögen behielt. Sie bildeten aber eigentlich die finanzielle Grundlage zum Unterhalt des ganzen Anwesens. Die Russen, die im Jahre 1814 bis Dezember in der Stadt im Quartier lagen, benutzten das Haus weiter als Lazarett, während im Lusthaus die Möbel untergestellt waren. Gebäude und Einrichtungen litten sehr. Die Stadt, die durch das Anwesen keinen Vorteil, sondern nur größere Ausgaben hatte, wandte sich an den König mit der Bitte um eine Verkaufsgenehmigung. Die Regierung in Gottorf wünschte dazu den Brandversicherungswert der Gebäude und ungefähren Wert der Mobilien. Der Magistrat wandte dazu ein, dass der Wert schwer einschätzbar sei, da die Stücke der Mode unterlägen, oft nur für Liebhaber in Frage kämen. Er gab den Wert mit 3000 – 4000 Rthlr. (dem entsprechend etwa auch der des Dooseschen Hauses), das Gewächshaus und Stall neben und hinter dem Hause je 800, das Lusthaus (Trichter) im Garten ebenfalls 800 Rthlr. . Erst im November 1815 traf die Verkaufsgenehmigung ein, worauf der Verkauf auf den 6.2. 1816 im (Alten) Rathaus festgesetzt wurde und zwar in verschiedenen Zeitungen des Herzogtums und in Hamburg. Aufgezählt wurden die geräumige Diele, die Küche, der Keller, die Speisekammer, 2 „Regenbäche“ im Hause, 17 verschiedene große Zimmer mit vergipsten Decken und Öfen. Auf dem Hofe 2 Ställe, von denen der eine als Gewächshaus eingerichtet war, ein etwa 2 Morgen großer Garten mit vielen Hecken und Fruchtbäumen versehen. Ein großes Lusthaus mit gewölbten Keller, Salon und 4 Zimmern, mit Turm mit Galerie und Schlaguhr und Glockenspiel. Dazu kamen die Mobilien einschließlich den Statuen, sowie der Kegelbahn im Park. Die Angebote waren derart mäßig (14 500 Rthlr.), dass der Rat ersuchte, da der Verlust für die Stadt so viel zu hoch, die Regierung darum, dem Verkauf die Genehmigung zu verweigern, was denn auch geschah. Der Verkauf der Mobilien, die so in alle Himmelsrichtungen verschwanden, erbrachte bald darauf 31 603 Mark. Das war dann etwa so viel, wie Wilster sich in den Kriegsjahren an Schulden hatte aufladen lassen müssen. Man deckte diese denn auch mit dem Auktionsgewinn ab.558) Die Schlaguhr des Gartenhauses wurde auf dem (Alten) Rathaus im Erker nach der Brücke hin angebracht und die Glocke wurde auch im (Alten) Rathaus aufgehängt. Das Glockenspiel wurde ebenfalls entfernt und der Turm des Trichters wurde entfernt. Die Kosten wurden mit den anfallenden Materialien gedeckt. Park und Garten mit dem Lusthaus aber wurden nunmehr verpachtet.
Das Michaelsensche Wohnhaus hatte in Wilster nun noch eine Gnadenfrist von einem Jahrzehnt.559) Da der Verfall der Hauses drohte, es gab keinen, der das Haus hier erwerben oder nutzen wollte, wurde das Haus dann 1826 auf Abbruch verkauft, ein schwerer Verlust für die Stadt bis zum heutigen Tage. Nach dem Versteigerungsprotokoll vom 6. Februar 1826 erhielt Kaufmann Hinrich Schlüter den Zuschlag für den Betrag von 2275 Mark. Möglicherweise war dieser aber nur ein Strohmann, als Käufer vorgeschickt, denn der Itzehoer Kaufmann Carsten Hinrich Meyer ließ es abbrechen und Stück für Stück, nunmehr allerdings klassizistisch überformt, in Itzehoe in der Neustadt wieder aufbauen. Es ist dort das Gebäude Reichenstraße 41. (Eigentümer Rechtsanwalt Jochen Roggenbock) Er war als Sohn eines wohlhabenden Senators Itzehoes und Stifter des dortigen Meyer-Stiftes dazu imstande. Für R. Haupt ist die Lücke, die sich am Kirchplatz dort auftat, wo bisher das stattliche Großbürgerhaus stand, „betrübend“, dort, so führt er aus, „wo das Wohnhaus gestanden hat, am Kirchplatze, ist eine Art Schule oder Turnsaal“ getreten (zu seiner Zeit, er schrieb dieses 1926).560)
Wenden wir uns nunmehr dem weiteren Schicksal des Michaelsenschen Parks zu, das kaum weniger betrüblich für das Image der Stadt gewesen ist. 1814 wurde das Gartengelände zum ersten Mal verpachtet.561) Das Lusthaus wurde zunächst noch ausgenommen. Dabei sollte der Garten unterhalten und erhalten werden, auch sind die Steuern aufzubringen. In diesem Rahmen konnte auf dem Gelände Gemüsebau (Obst und Spargel werden erwähnt) betrieben werden. Ab 1817 wurde auch das Lusthaus mit verpachtet. Der Turm wurde in dieser Zeit abgenommen, das Gebäude in bewohnbaren Zustand gesetzt. Jetzt dürfen schon Hecken entfernt werden. Es gibt größere Freiheit für die landwirtschaftliche Nutzung. Die Pachtverträge laufen normalerweise für 12 Jahre. 1829 wird eine vom Pächter angelegte Kegelbahn erwähnt, die außerhalb des Pachtverhältnisses steht. Es deutet sich also eine Betätigung der Pächter auf dem Gebiete der Gastronomie an. Die Pächter investieren nicht unerheblich. Nach Ablauf der Pacht stellen sie deswegen Ansprüche. 1829 wird so erwähnt: Ein Waschsteg am Burggraben, ein „Appartement“ (Abort), Statuen, vor allem aber noch auf gärtnerischem Gebiet: Da gibt es 45 Apfel-, 9 Birn-, 6 Kirsch-, 6 Zwetschgen- und 4 Pflaumenbäume. Dann werden 70 junge Weiden in Rechnung gestellt. Vorher sei es „bloß voll von großen , das Land aussaugenden Hecken und trockenen breiten Sandsteigen“ gewesen, nunmehr gäbe es „circa ¾ Morgen des fruchtreichsten, besten urbaren Gartenlandes“. Gewiss geschahen die Investitionen nicht zum Vorteil der Parkanlagen, dessen Umwandlung in eine Art Großgärtnerei voll im Gange gewesen zu sein scheint. Bis 1840 erstand im Gelände noch ein Schießstand für einen Schützenverein. Hier ahnt man Engagement auf gastronomischem Gebiete. Und in dieser Richtung ging es in der Tat auch weiter, die Pächter zeigten sich hier recht geschäftstüchtig. 1842 erhielt der Trichter durch Dachreparatur sein heutiges Gesicht. Um 1850 muss dann der Gedanke einer Umgestaltung von Lusthaus und Garten zu einem Tanz- und Wirtschaftslokal vorgelegen haben. 1852 nämlich beschweren sich schon 7 „Wirtschafts- und Tanzlokalbesitzer“. Der neue Pächter ab 1853 solle nicht befugt sein, irgendein vergrößertes Wirtschaft- oder Tanzlokal, als sich gegenwärtig im Lusthaus befindet, zu erbauen und einzurichten. „Der jetzige Afterpächter und kommender Pächter beabsichtige „noch in diesem Sommer ein sehr ausgedehntes Tanz- und Wirtschaftslokal in besagtem Garten anzulegen, welches jedes unserer Locale gänzlich dominieren solle“. Es sei eine Ungerechtigkeit gegenüber steuerzahlenden Gastwirten, wenn der Magistrat „einem Stadtpachtstücke die Befugnis einräume, zum Ruin für eine Anzahl hiesiger Concurrenten ein großartiges Tanz- und Wirtschaftslokal begründen zu helfen.“ In dieser Zeit ist das „Colosseum“ erstanden, ein umfangreicher Saalbau. Die Pachtverträge sagen hierüber wenig aus. In ihnen wird als Privateigentum z.B. 1877 angegeben: Das Colosseum, das Kegelhaus mit Kegelschauer, Kegelbahn und Planke, das Privat (Abort), die Brücke über den Burggraben, der Wassersteg, der Steindamm vom Colosseum nach der Zingelstraße, der Steindamm von der Brücke bis zum Kegelhaus, die Zeugpfähle, die Gartentische, die Lampe und Stange an der Treppe, der Windfang im jetzigen großen Gastzimmer, die Schenkeinrichtung, die ganze Kellereinrichtung, sämtliche Öfen im Wohnhause, die Glockenzüge, die Lüftungen im Dach. 1889 übernahm dann die Stadt diese festen Einrichtungen käuflich. Colosseum einschließlich Trichter erlangten so allmählich ihr heutiges Gesicht; ebenso der „Colosseumplatz“. 1888 werden freilich zur Neuverpachtung noch von der Stadt angepriesen die Baulichkeiten mit „einem großen – Parkanlagen, Alleen, Garten mit Wiesenland in sich umfassenden - Landareal.“ Aber das waren damals schon Reste. Der Park Michaelsens verschwand völlig, und an seine Stelle trat ein ausgedehnter Platz. Das war schon eine Entwicklung, die einen Kunsthistoriker verbittern musste. R. Haupt schreibt denn im Jahre 1926 im Heimatbuch des Kreises Steinburg: „Heute ist für unser Gefühl der Anblick betrübend, fast abstoßend. Denn den schönen, edlen Garten haben sie zu einer abscheulich öden Vergnügungsstelle gemacht, mit Musikmuscheln und üblen Wirtschaftsgebäuden.“562) Das ist sicherlich eine Seite der Medaille; der Schönheit der Stadt dient dieses alles ganz gewiss nicht. Andererseits übte das Colosseum eine große Bedeutung als gesellschaftliches und geselliges Zentrum aus, der im leeren Zustande so ungepflegt öde Colosseumsplatz aber hat seine große Bedeutung für die Stadt, und das nicht nur wie 1863 als Turnplatz. Ein für eine Kleinstadt wie Wilster auffällig umfangreicher Jahrmarkt und die für die Marsch so gewichtigen Viehmärkte sind hier möglich.
Eine Bürgerstadt wie Wilster konnte ein Großbürgerhaus, wie das von Etatsrat Michaelsen, nicht halten, sondern musste es zuletzt auf Abbruch verkaufen. Einer von zahlreichen Marschbauern, wohnhaft in Neufeld, konnte seinen Hof nicht halten. Er veräußerte ihn für einen Lavendelstrauß der Überlieferung nach. Beide Stadt und Großbauer waren froh, ihre Schuldenlast, das Ergebnis einer unglücklichen Staatspolitik, abtragen zu können. In einer Notzeit wie dieser im ersten Jahrzehnt nach den Napoleonischen Kriegen konnte auch bürgerliches Gewerbe nicht gedeihen. Zwischen 1776 und 1823 blühte in den Elbmarschen, nicht zuletzt in der Stadt Wilster das Goldschmiedehandwerk. „Nirgends finden wir das Drahtwerk zierlicher und sauberer gearbeitet, nirgends einen feineren Geschmack in dem Wechsel des Silbers mit der Vergoldung.“563) 1818 gab es in der kleinen Stadt Wilster allein 4 Goldschmiedemeister, die sich gegen den Goldschmiedegesellen Matthias Maaß wenden, der eine Freimeisterstelle in der Stadt anstrebte.564) Maaß wurde Meister, wie sich aus den Amtsakten für das Jahr 1836 ergibt. Er wurde sogar Ältermann. Die Goldschmiedekunst blühte auf, als die Marsch rundum im Wohlstand lebte, sie hatte ihren Höhepunkt überschritten, als die Notzeit einsetzte. Ebenso war es mit der Schnitzerei bzw. Schreinerei, die in derselben Zeit hier blühte. „Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts setzt der gewaltige Aufschwung ein.“ Mit dem Aufblühen der Elbmarschen Mitte des 18. Jahrhunderts begann diese Epoche großer heimischer Kunst, in der Notzeit nach 1814 erlosch sie, um in dieser Form niemals wiederzukehren.565) Ähnliches ließe sich von der Weberei und dem Steinmetzgewerbe sagen. Als dann der Wohlstand zurückkehrte, waren die Ansprüche anders geworden.
Auch die letzten Lebensjahre der Kanzleirätin Doos fallen in die Notzeit der Nachkriegsjahre.566) 22 Jahre überlebte sie ihren 1807 verstorbenen Sohn, um dessen Erziehung sie sich so sehr bemüht hatte, wie die sehr zahlreichen in der Dooseschen Bibliothek vorhandenen pädagogischen und Jugendschriften ausweisen. Als einsame, kinderlose Witwe lebte sie hinfort in ihrem großen Hause, immer bereit, Notleidenden zu helfen. Zwei Mädchen und ein Kutscher wurden von ihr beschäftigt. Eine Kutschfahrt nachmittags, abends eine Vorlesestunde, sonntags der Gottesdienst und anschließend ein Besuch bei ihrem Vertrauten, dem Bürgermeister Wichmann, einmal im Jahre ein Besuch bei einem befreundeten Arzt in Schleswig. Wohltaten an Armen, an mittellosen begabten Studenten, das war der Inhalt ihrer letzten Jahre. Zur legendären Persönlichkeit für ihren Wohnort, die Stadt Wilster, wurde sie sodann noch im Tode, nachdem die Stadt Wilster noch vorher ihre Ernennung zur Etatsrätin erwirkt hatte. Sie wurde es durch ihr Testament vom 20. Februar 1829. Sie verstarb am 15. Juni 1829.
„Ihre edle Gesinnung, ihre Hochherzigkeit, ihre Liebe zu den Mitmenschen kommt durch dieses Testament so deutlich zum Ausdruck.“567) Wohl schon, damit ihr Haus nicht das Schicksal des Michaelsenschen Hauses ereilen würde, war dieses Testament so abgefasst worden, dass dieses Haus wirtschaftlich abgesichert das Eigentum der Stadt Wilster wurde und vor allem auch blieb, es bleiben musste. Der tiefe Dank der Stadt ist also mehr als berechtigt. Im Testament heißt es: „Aus Liebe zu meinem seeligen Ehemann, der das - - - Haus für sich und seine Nachkommen, wie auch zur Zierde der Stadt Wilster aus seinen eigenen Mitteln von Grund aus neu erbaut hat und zwar so solide und dauerhaft, dass es länger als ein Menschenleben stehen kann, - - und da ich nach meiner festen Überzeugung glaube, seinen Willen am besten zu erfüllen, wenn ich dafür sorge, dass dies sein Lieblingswerk nach meinem Tode nicht muthwilligerweise zerstört, sondern zu einem Andenken so lange erhalten werden möge, als ein Werk von Menschenhänden bestehen kann, so legire und vermache ich - - - mein Wohnhaus cum pert., als Garten, Gartenhäuser, Stall und den dahinter liegenden zwey Stück Grasland, der Stadt Wilster, bestimme jedoch, dass der jedesmalige Bürgermeister von Wilster das Haus cum pert. - - - bewohne und benutze und dass in der zweiten Etage das große Zimmer nach hinten zur Ratsversammlung und das daran stoßende kleine Zimmer zur Kämmerey eingerichtet und benutzt werde; alle übrigen Zimmer behält der jedesmalige Bürgermeister zu seinem eigenen Gebrauch, darf jedoch in der Hauptsache nichts daran ändern. Damit aber diejenigen, welche außer den Magistratspersonen, die sich des Haupteingangs bedienen dürfen, auf dem Rathause Geschäfte haben, sich eines andern Eingangs bedienen können, so soll an der Südseite des Hauses eine Tür angebracht werden, so wie auch eine Treppe, vermittelst welcher man zu den anderen Treppen, die nach oben führen gelangen kann.“568)
Es war ein reichhaltiger Spendenkatalog, dieses Testament: Es lebten 5 Kinder einer Schwester, von den jedes 36 000 Mark erhielt. Für „ewige Zeiten“ wurde für diese 5 Erben ein „Fideikommis“ von 108 000 Mark ausgesetzt. Die Stadt Wilster erhielt, wie oben aufgeführt, das Wohnhaus mit Garten mit der Bestimmung, dass es als Bürgermeisterhaus hinfort dienen solle. Darum bekam es denn auch den Namen „Bürgermeisterhaus“. Damit ihrem Hause das Schicksal des Michaelsenschen Hauses erspart bliebe, setzte sie für die Unterhaltung des Gebäudes die Zinsen von 72 000 Mark aus, das war zu 4 % 2880 Mark pro Jahr, nach damaligem Werte eine stattliche Summe. Dieses Kapital durfte nie angegriffen werden. Das Haus durfte nicht abgebrochen noch wesentlich verändert werden. Für 8 Witwen, welche sich durch Reinlichkeit und Ordnungsliebe auszeichneten, sollte in der Bäckerstraße (heute Rathausstraße) ein Gasthaus bebaut werden (was auch 1831 geschehen ist), dazu wurden 36000 Mark ausgesetzt. Die Kirche erhielt 18 000 Mark, die Zinsen sollten jährlich an die drei Pastoren verteilt werden. 18 000 Mark wurden für die 5 (damaligen) Lehrer bestimmt. Das waren bei 4 % 720 Mark, für jeden Lehrer 144 Mark, bei zehnfachem Wert nach heutigem Gelde (geschätzt für 1957) eine sehr wesentliche Gehaltserhöhung. Das hatte zur Folge, dass sich bereits beim Freiwerden der ersten Lehrerstelle nach dem Toder der Etatsrätin über 40 Lehrer bewarben. Zur Unterstützung von Studierenden wurden 18 000 Mark bestimmt, abwechselnd je 4 aus Wilster, der Wilstermarsch, aus Glückstadt, Itzehoe, Krempe, sie sollten jeweils 4 Jahre die Zinsen erhalten. Zur Unterstützung armer seminaristen wurden 7200 Mark bestimmt, an arme Primaner gingen 3600 Mark. Die Zinsen von weiteren 3600 Mark waren für die Kranken der Stadt; je 3600 Mark galten den beiden „Gasthäusern“, dem städtischen in der Haberstraße (Burgerstraße) und dem des Landrechtes in der Langen Reihe. An 27 Personen wurden zur Belohnung treuer Dienste und Anhänglichkeit einmalige Geschenke von zusammen 59 280 Mark gemacht. 125 000 Mark, die Frau Doos vom Etatsrat Michaelsen geerbt hatte, erhielt die Stadt Wilster. An Erben kamen zur Verteilung zusammen 288000 Mark. Die Stadt Wilster erhielt verschiedene Legate von insgesamt 183 600 Mark; für speziell genannte Erben gab es 59 280 Mark. „Es waren also in summa 530 880 Mark, für die heutige Maßgabe (1957) muss man den zehnfachen Wert einsetzen. Dazu kommen noch die Realwerte des Hauses und des Gartens, die lebenslänglichen Pensionen und die Bibliothek.“569)
Zur berühmten Dooseschen Bibliothek hieß es im Testament: „Meine Bibliothek vermache ich der hiesigen Stadtschule, welche für die Jugend brauchbare und passliche Werke so wie solche, welche sich durch ihre Seltenheit oder die Schönheit der Ausgaben auszeichnen, heraussuchen und in dem großen Lokal des neuen Schulhauses passlich aufstellen soll. Das Nichtbrauch bare soll allmählich verkauft werden und für das daraus gelöste Geld sollen wieder neue und für die Jugend passliche Bücher angeschafft werden. Die 4 Schullehrer haben unter Aufsicht und unter Anordnung des Rektors abwechselnd die Aussortierung und das Verzeichnis der Bücher zu besorgen. Alljährlich soll einer der Schullehrer die spezielle Aufsicht über diese Bibliothek und die Protokollführung übernehmen. Es können nur dann Bücher aus dieser Bibliothek ausgeliehen werden, wenn ein hiesiger sicherer Bürger den Empfangsschein unterschreibt und sich anheischig macht, falls das Buch nicht zurückgegeben wurde, den vollen Wert zu ersetzen. Es könne nicht länger als auf 2 Monate verliehen werden, Kupferwerke und Landkarten können überall nicht ausgeliehen werden.“570) Da passliche Bücher verkauft werden sollten, hat sich von den gut 10 000 Büchern der einstigen Bibliothek leider nur noch ein Rest von ganzen 2673 Bänden erhalten. 571)
Ein Ereignis wurde die Versteigerung der Mobilien (Wäsche, Kleider, Stoffe, Möbel und Hausgerät. Begehrt wurden das Tafelservice ( oft zu je 36 oder gar 48 Personen gedacht), dann die Spiegel, die Kristallkronen. So hat sich das Mobiliar in alle Winde zerstreut.
Dadurch, dass die Bürgermeisterwohnung zuerst eingeschränkt und zuletzt gar ganz aus dem Dooseschen Hause verlegt wurde, wurde nach und nach Platz für weitere Geschäftszimmer gemacht, wurde aus dem Bürgermeisterhaus allmählich das Neue Rathaus. Das war wichtig, als das schadhaft werdende Alte Rathaus nicht mehr genügte. Die Stadt wurde dadurch gezwungen, ein neues Verwaltungsgebäude zu errichten, eventuell das alte abzureißen. Bisher konnte auch die städtische Verwaltung im Neuen Rathause untergebracht werden. So ist vielleicht auch die Erhaltung des Alten Rathauses der Etatsrätin Doos zu verdanken. „Sie schwebt als unsichtbare Spenderin über diesen beiden Kulturdenkmälern“.572)
Die folgenden Jahrzehnte sind gekennzeichnet einmal durch einen Wandel auf dem Gebiet des Verkehrswesens, weiter durch das Erstarken liberaler und nationaler Gedanken. Beides hat sich natürlich auch für Wilster ausgewirkt. Die Entstehung einer Stadt als zentraler Ort beruht natürlich wesentlich auch auf Voraussetzungen auf dem Gebiete des Verkehrs. Ein zentraler Ort muss verkehrsmäßig günstig liegen. Nun beruhte durch die Jahrhunderte der Warenverkehr überwiegend auf den Wasserstraßen, da Landwege ausgesprochen schlecht waren, sie waren nur bessere Naturpfade, soweit man sie nicht für kurze Routen zum „Steindamm“ machte. Auf seiner Lage an der schiffbaren Wilsterau, weiter der günstigen Verbindung zur Stör und zur Niederelbe beruhte die Bedeutung Wilsters. So war es auch noch immer im Jahre 1835, von dem wir eine gute „Momentaufnahme“ besitzen, kurz vor Einsetzen neuer Verkehrsverhältnisse gleichsam. Zunächst gab es für dieses Jahr die dritte Bevölkerungszählung, die für die Herzogtümer überliefert ist, nach denen von 1769 und von 1803 also. Am 1.2.1835 zählte Wilster 2622 Einwohner (Glückstadt 5988, Itzehoe 5495, Krempe 1230 Einwohner). Die Stadt hatte also beachtlich an Bewohnern zugenommen, in gut drei Jahrzehnten um über 800 Einwohner. In der Rantzauischen Schloßbibliothek fand Otto Neumann ein Buch, das 1835 in Schleswig erschien, herausgegeben „von einigen Männern vom Fach nach zuverlässigen Nachrichten“. Dieses Buch trug den Titel: „Die Statistik des Handels der Schifffahrt und der Industrie der Herzogtümer Schleswig und Holstein“. In ihm wurde auch Wilster behandelt.573) Die Einwohnerzahl wird hier noch mit 2004 angegeben, muss also doch wohl aus der Zeit um 1830 handeln, wie Otto Neumann meint. Da zu dieser Zeit der Warenverkehr sich noch ganz überwiegend auf dem Wasserwege abwickelte, kamen die Herausgeber zu folgendem Urteil: „Die Stadt Wilster ist nach ihrer natürlichen Lage gleichsam für den Handel geschaffen.“ Über den Handel heißt es da: „Bis zum Ablaufe des vorigen Jahrhunderts bestand Wilsters Handel in der Ausfuhr der Produkte der Gegend, wozu hauptsächlich Hafer, Butter und Vieh zu rechnen war, die nach Hamburg und Altona versandt wurden. In späterer Zeit hat sich der Geschäftsverkehr erweitert, und seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts gehen auch Getreide- und Rapssaatladungen von hier aus direkt nach England und Holland. Schiffe hat Wilster durch den von 1807 bis 1814 fortdauernden Krieg nicht verloren. Seit 1814 hat ein sonst hier wenig gekannter Handel mit Brennholz und Torf einen neuen Erwerbszweig abgegeben. Zu dem Ankaufe des Ersteren bieten die Hölzungen des Gutes Hanerau, wie zu Letzterem die vielen Moorgegenden oberhalb der Stadt bis nach Hohenhörn Gelegenheit dar. Das Holz schwindet zwar zusehends, das Moor lässt aber keine Furcht vor zukünftigem Mangel aufkommen. Ohne die Wilsterau, auf welcher der Transport nach beiden Seiten geschieht, ließe sich freilich ein solcher Handel nicht nach Wilster ziehen“. „Ausgeführt wird diese Feuerung nach der umliegenden Marsch, Altona und Hamburg.“ Über die Wasser- und Schifffahrtsverhältnisse heisst es: „Bei dem Ausflusse der Wilsterau in die Stör ist eine 11 ½ Fuß breite Schleuse. Die gewöhnliche Tiefe der Aue von da bis Wilster ist 4 bis 5 Fuß, bei vielem Regen schwellt sie an zu 7 bis 8 Fuß. Oberhalb der Stadt bis in die Nähe von Hohenhörn (3 Meilen von Wilster) ist 3 bis 4 Fuß Wasser. Wilster hat 25 Fahrzeuge zu 4 bis 8 Commerzlasten“ (bei Itzehoe wurden 24 Schiffe angegeben). Über die Agrarprodukte, mit denen Wilsters Handel zu tun hat, heißt es: „Der Getreidebau ist ansehnlich in der Gegend, und vieles davon, sowie von dem aus Dithmarschen zu Wasser eingeführten Getreide, wird auf vorbesagte Weise direkt von hier aus verschifft. Beträchtlicher Pferdehandel wird in Wilster getrieben, nicht nur in den beiden Pferdemärkten, welche hier jährlich gehalten werden, sondern durch hiesige Pferdehändler, welche zu jeder Zeit von den besseren Pferden ankaufen und wieder an die hier oft eintreffenden französischen, holländischen und italienischen Pferdehändler verkaufen. Die Anzahl von Ochsen und Kühen, welche von hier getrieben werden und deren Geldertrag durch die Hände hiesiger Kaufleute geht, ist ebenfalls nicht unbedeutend. Mehr durch ihre Quantität als Qualität haben die Wilsterbutter und der Käse sich den ausgebreiteten Ruf erworben. Erstere hat ganz ihre Bestimmung nach Hamburg, von dahin sie in Foustagen, Staven genannt, von 20 bis 50 Pfund und in halben Tonnen abgeht. 150 000 bis 200000 Pfund Butter gehen wenigstens jährlich von hier nach Hamburg. Frisch ist sie stark und wohlschmeckend wie die holländische, hält aber nicht lange. Der Käse breitet sich mehr im In- und Auslande aus und geht aus der Wilstermarsch nach Kiel, Schleswig, Rendsburg, Flensburg, Angeln, Kopenhagen, Hamburg, Lüneburg usw. Dieser Käse könnte gewiss viel besser sein, wollten die Landleute bei der Anfertigung desselben sich die holländische Methode aneignen, ihm eine stärkere Pressung geben und ihn regelmäßig ein ganzes Jahr in einem geräumigen Lokal liegen lassen. Sodann würde solcher Käse sich nicht nur besser zur Versendung eignen, sondern auch in der Güte dem holländischen nicht nachstehen.“ Es wird dann weiter geklagt darüber, dass Wilster durch die Zollfreiheit der umgebenden Marsch (weiterhin) benachteiligt werde. „Der Landhandel ist hier“ daher „unbedeutend, da derselbe eigentlich nur auf die Stadt berechnet sein kann.“ Zum Import heißt es: „Zu Wasser ist der Verkehr zwischen Hamburg, Altona und wilster lebhaft, so lange die Jahreszeit es zulässt.“ Weiter: „Holzwaren werden in Flößen von Hamburg oder zu Schiffe von Rendsburg bezogen, erstere werden hier gesägt und zum Gebrauch verarbeitet.“ Die große Bedeutung der Störgebiete auf diesem Gebiete gehörte offenbar jetzt der Vergangenheit an. Sie wird nicht erwähnt. „Salz wird von Lüneburg und von Altonaer und von Friedrichstädter Fabriken eingeführt“. Kurz wird der Verkehr zu Lande gestreift. Es heißt da: „Täglich fährt ein Wagen von hier nach Itzehoe, durch welchen die hiesige Post nach und von Itzehoe gesorgt wird, jedoch ist in Wilster jetzt ein Brief-Comptoir errichtet worden“, eine Briefannahmestelle. Damals also hatte Wilster gerade eine eigene Poststation erhalten, natürlich noch keine Postkutschenverbindung. „Durch einen ½ Meile langen Steindamm“, heißt es weiter, „hat sich Wilster die Kommunikation mit der Geest zu jeder Jahreszeit gesichert. Die übrigen Wege in der Gegend sind entweder sehr gut oder sehr schlecht und ganz von Witterung abhängig.“ Das Industriezeitalter kündigte sich in der Ferne an: H. Meyer hat eine Brennerei, die, mittels Dampf getrieben, bloß Genever fabriziert, der sämtlich nach Südamerika und Westindien ausgeführt wird. 8 Tabakfabriken sind in Wilster“, freilich meinte man mit „fabriken damals noch etwas anderes in Kleinstädten Holsteins als wir heute, es waren technisierte Kleinbetriebe. Wilster hatte sich also um 1835 voll erholt, sich seine Position als Handelsstadt unter überlieferten Verkehrsbedingungen wieder zurückgewonnen. Dass sich übrigens auch auf dem Gebiete des Handwerkes nichts gegenüber früheren Jahrhunderten geändert hatte, dass den Stadthandwerkern in denen der Kirchdörfer der Marsch eine erhebliche Konkurrenz geblieben war, sogar (im Landrecht) unmittelbar vor den Stadttoren, zeigt für das Jahr 1840 W. Jensen:574) Es hatten an Handwerkern die Alte Seite 11, die Neue Seite 10, Beidenfleth 28, dazu 8 Gesellen, Wewelsfleth 82 mit 21 Gesellen, Brokdorf 30 mit 8 Gesellen und alles übertreffend St. Margarethen 93 mit 36 Gesellen. Einmannbetriebe überwogen also, aber ihre Zahl war sehr erheblich.
Zwei Rückschläge, zurückzuführen auf Naturgewalten, fallen in diese Zeit und müssen erwähnt werden. 1825 brachen zum letzten mal in erheblichem Umfange bei einer Sturmflut die Deiche. Es gab umfangreiche Überschwemmungen in der Wilstermarsch.5759 In der Nacht vom2. Zum 3. Februar setzte Südweststurm ein, sprang später anhaltend auf Nordwesten um, und brach in der Nacht vom 3. Auf 4. Februar weithin die Deiche. Wieder wie die früheren dergleichen Katastrophen stand die Marsch weithin unter Wasser. „Alles Land von Beidenfleth, Wewelsfleth, Brokdorf, St. Margarethen, sowie Rotenmeer, Neufeld, Poßfeld, Schotten und am Rehwege bis an die Hohe Brücke war unter Wasser gesetzt. An den niedrigen stellen stand es fünf bis sechs Fuß hoch auf dem Felde.“ Das Wegenetz und das Deichband wurden an zahlreichen Stellen unterbrochen. „Von einer Breite, worauf zwei Wagen sich bequem vorbeifahren konnten, blieben an mehreren Stellen nicht mehr stehen, als für einen Fußgänger erforderlich ist.“576) Das hochgelegene Wilster blieb wie auch sonst ebenfalls diesmal im Grunde verschont. Der Deichinspektor C.H. Christensen (durch das Patent vom 29. Januar 1800 nahm die Regierung das Deichaufsichtsrecht in Anspruch und setzte zu dem Zwecke technische Deichinspektoren ein)577) versuchte, sich am 4. Februar ein Bild von den Schäden in der Wilstermarsch zu machen. Er gelangte glatt nach Wilster selbst, als er weiter wollte, kamen die Schwierigkeiten. „Um 9 Uhr morgens ward Wilster verlassen, um dem Wege längs dem Stördeiche zu folgen. Hier fanden wir im Deiche viele Kammstürzungen ……“578) Und dann wurde es immer katastrophaler. Eine Stadt wie z.B. Itzehoe, von Glückstadt ganz zu schweigen, hat, was Wassernot betrifft, auch 1825 mehr erdulden müssen als Wilster, vor dem die Fluten Halt machten. Die Februarflut 1825 war „die höchte der beobachteten Sturmfluten. Sie überstieg den mittleren Hochwasserstand um 4,11 m. Durchbrochen wurden die Deich durchweg bei den Stöpen. Seit dieser Zeit führen in der Wilstermarsch (mit Ausnahme der Stördeiche) die Übergänge nur in einer schrägen Linie über den Elbdeich“.579)
Die andere Heimsuchung kam durch die „jüngste der epidemischen Krankheiten“, die Europa erfassten, durch die Cholera. Sie kam aus dem Osten nach Europa, erreichte 1831 Hamburg und verschonte gerade auch Wilster nicht. „Am 31. Mai 1832 zeigte sie sich in der Stadt Wilster und raffte binnen 4 Wochen gegen 120 Menschen weg. Am 2. Pfingsttage wurden dort 13 Leichen nacheinander beerdigt. Sehr strenge Maßregeln wurden ergriffen, um die Ansteckung der Krankheit zu verhindern, Gesundheitskommissionen gebildet. Die Küsten wurden durch das Militär beobachtet. 1833 war die Cholera nur in Wilster und Altona verbreitet. Wilster verlor von seinen 2500 Einwohnern 126, besonders herrschte die Cholera an der Aue und den Kanälen, ebenso in Glückstadt und Itzehoe an der Stör.“580) Es waren die fragwürdigen sanitären Verhältnisse am Gewässernetz, welche seuchenerzeugend waren, so sollte es in gewisser Hinsicht bis zur Verrohrung im 20. Jahrhundert bleiben, wenn auch solche Seuchen aufgehört hatten.
Anderer Krankheiten wurde man damals besser Herr. Die Pocken waren als gefährliche Krankheit verbreitet, bis die Impfung eingeführt wurde. 1832 starben noch einzelne Menschen im Amt an den Blattern. Fleckfieber war eine andere gefährliche Krankheit, die früher „oft mit anderen Krankheiten zusammen geworfen“ wurde, so berichtete Culeman in seinem „Denkmal der hohen Wasserfluten“ auf Seite 287 aus dem Jahre 1720: „Dieses heftige, wahrscheinlich giftige Fieber brachte dem Leibe nach viele in einen ganz erbärmlichen Zustand und viele mussten sich damit eine lange Zeit schleppen; andere aber, weil böse Zufälle dazu schlugen, mussten daran krepieren und sterben, besonders diejenigen, welche das hitzige Fieber ergriff. „Alle 3 Lehrer starben damals innerhalb eines Vierteljahres in Wilster. Die Malaria oder das Wechselfieber“ war früher bei uns die häufigste Krankheit, fast jeder Marschbewohner musste es durchmachen, auf der Geest war es selten. Die Erkrankungen begannen meist im April. Man kann deshalb die Krankheit im Jahre 1720 in der Wilstermarsch vielleicht auf Malaria beziehen, weil das allgemeine Fieber im Frühling anfing. Fleckfieber tritt meist im Winter am stärksten auf wegen der Beteiligung der Läuse dabei.“ „Meist setzte das Fieber“, das Wechselfieber, „mit Schüttelfrost ein, schon vorher waren die Nägel und die Nasenspitze ganz blaß und eiskalt geworden. Das dreitägige Wechselfieber (Drüddendagsfieber) war zu unterscheiden von solchem, welches ein um den andern Tag kam (Anderndagsfeber).“ Enorme Mengen von Chinin wurden dagegen aufgewandt. „Damals hieß es immer, die Wilstermarsch sei zu früh eingedeicht, sie schwämme noch auf dem Wasser, dadurch käme die ungesunde Feuchtigkeit“. Urheber waren wohl die Mückenscharen, es wird geradezu von Mückenplagen berichtet. Nach 1887 hörte die Malaria fast ganz auf.581) Der Rektor G.F. Schumacher berichtet in seinen „Genrebildern“, wie ihn einmal das Wechselfieber packte: „Ich bekam im ersten Sommer ein capitales Marschfieber. Wenn mein schlimmer Tag war, lag ich im Bette, die Hausthür und untere Stube war preisgegeben, denn meine Wärterin kam nur zu gewissen Stunden. Ob Jemand unten sei, darum kümmerte ich mich nicht, und verließ mich darauf, dass keiner so dreist sein würde, was zu stehlen, da, wo nichts zu stehlen war. Mein bißchen Geld und Kleider waren im Koffer oben bei meinem Bette. So trieb ich das Wesen an 6 Wochen, Tag und Nacht, ging den guten Tag zur Schule, den bösen zu Bett, und ward zuletzt dabei so abgezehrt und so dumm und dämlich, dass man mich nicht wieder kannte.“ Ihn half eine gehörige Portion Chinin schließlich wieder auf die Beine. Das Volk habe damals damit noch wenig im Sinn gehabt, es habe die Krankheit lieber „besprechen“ lassen.
Erheblich veränderte Verkehrsbedingungen bahnten sich an, als man begann, an die Stelle der alten Naturwege, im Lande auch oft als „Ochsenwege“ bezeichnet, feste Kunststraßen zu errichten. Die napoleonische Herrschaft ließ in Frankreich „Chausseen“ erstehen. Wenn auf solchem Straßenunterbau 2 Pferde nunmehr soviel fortzuziehen vermochten wie auf den alten Wegen 16, so wurde klar, dass damit eine erhebliche Verlagerung des Warenverkehrs zugunsten der Straße einsetzen werde. Ein Staat nach dem anderen hat derartige Chausseen nachgebaut. In den Herzogtümern erstand die erste von 1830 bis 1834, sie führte von Altona nach Kiel, wurde fortan Muster für alle später angelegten Kunststraßen. Am 1. März 1842 erhielten die Herzogtümer durch König Christian VIII. die erste allgemeine Wegeordnung. Die öffentlichen Fahrwege wurden in drei Hauptklassen eingeteilt, 1. Hauptlandstraßen, 2. Nebenlandstraßen und 3. Nebenwege. Hauptlandstraßen waren solche, die die Herzogtümer miteinander und mit dem Auslande oder großen Häfen, auch großen Handels- und Waffenplätzen überhaupt verbanden. Nebenlandstraßen verbanden die Städte, verkehrswichtigen Orte, Häfen usw. miteinander, die Nebenwege führten dann zu den übrigen Orten des Landes. Die beiden ersten Klassen sollten befestigt werden, die Hauptstraßen vom Staate, die Nebenstraßen von sog. Distrikten. Es wurde nun natürlich wichtig, welche Routen als Landstraßen erhoben wurden. Davon hing ganz wesentlich in Zukunft das Gedeihen der Orte ab. Vor allem wurde natürlich wichtig, welche Straße nun wirklich als Chaussee ausgebaut wurde. Bis 1848 wurde im Gebiet, das uns hier interessiert, nur eine Chaussee fertiggestellt. 1846-48 erstand die Chaussee Elmshorn-Steinburg-Itzehoe-Rendsburg. Immerhin war ja Wilster durch seinen Steindamm selber an das Netz fester Straßen schon angeschlossen, aber gewiss nur am Rande.582)
Während ein Netz fester Chausseen erst in einigen Ansätzen bestand, tauchte schon ein weiteres, schnelleres Verkehrsmittel auf, dem dann für lange Zeit das Hauptgewicht im Personen- und Waren-verkehr zufiel, die Eisenbahn. Das Eisenbahnnetz gewichtete die wirtschaftliche Bedeutung der Orte, so wie es in den bisherigen Jahrhunderten die natürlichen Wasserwege vor allem getan hatten. Am 18. September 1844 erfolgte die Eröffnung der „Christian-VIII.-Ostseebahn“ von Altona wieder nach Kiel. Man kann nun durchaus nicht sagen, dass die durch diese ganze Entwicklung benachteiligten Städte der Westküste den Wert dieser neuen Verkehrsmittel, vor allem der Eisenbahn nicht erkannt hätten. Das Gegenteil ist der Fall gewesen. Schon 1845 erlangte Glückstadt, noch immer der staatlich bevorzugte Ort der Westküste seinen Anschluss von Elmshorn her. Freilich war es als Festung schon 1816 geschleift worden, im Jahre 1834 wurde das Oberappellationsgericht nach Kiel verlegt, das Obergericht in Glückstadt war nur noch eine Mittelinstanz. Gewichtig wurde nun, wie diese Eisenbahn nun an der Westküste weitergehen würde, ob etwa, und derartige Erwägungen gab es in Glückstadt, diese von Glückstadt aus über die Stör direkt weiter und damit an Itzehoe und natürlich auch an Wilster vorbei, oder eben über diese Städte, oder, und so dachte man in Itzehoe, dass die Glückstädter Bahn eine Sackgasse bliebe, die Westküstenbahn von Hackelshörn (Horst) von der Altona-Kieler Strecke abzweigen würde, um, unter Beiseitelassung von Glückstadt direkt über Itzehoe zu führen.583) „Je nach Lage war der eine Ort für Hackelshörn, der andere für Glückstadt“. Wilster musste seiner ganzen Lage nach hinter Itzehoe stehen. Noch bevor der Anschluss der Bahn für Glückstadt fertiggestellt war, entstand schon der Plan einer Weiterführung dieser Strecke über Wilster, Meldorf und Heide. „Nur so konnten die Erzeugnisse des Raumes zwischen Eider und Stör rasch auf den Hamburger Markt gelangen; denn die Marschwege, damals überall noch miserabel, waren bei nassem Wetter unbenutzbar. Auch die Beförderung zu Schiff war angesichts der schlechten Hafenverhältnisse an der Westküste und der Elbmündung nur mit kleinen Fahrzeugen möglich und daher so umständlich und gefahrenreich, dass die Versicherungsprämien für Entfernungen zwischen Tönning und Hamburg ebenso hoch oder höher waren als die Transporte nach Amerika“, so schreibt von Rehdern in „Die Eisenbahnen Deutschlands“ (Berlin 1843/44, S. 1955). Am 30.4. 1845 erfolgte die Gründung einer „Holsteinischen Westbahn-Gesellschaft“, einer Aktiengesellschaft, in die die interessierten Ortschaften einstiegen. Auch die Regierung zeigte Interesse, versprach eine Beteiligung mit 300 000 Talern, dachte an eine Fortführung der Bahn im Schleswigschen nach Flensburg. Im Januar 1848 lag sodann die Bahnlinie im Projekt vor, sie sollte, dafür hatte die Regierung schon am 2. Mai 1844 den Auftrag für das Nivellement gegeben, von Glückstadt über Krempe, Itzehoe, Wilster (hier nördlich vorbei), Flethsee, Kudensee, Taterpfahl, St. Michaelisdonn, Meldorf nach Heide gehen. „So schien die Westbahn so gut wie gesichert“, aber „vor allem die Wirren der Jahre 1848-1851 ließen sie scheitern. Am 25. März 1851 beschloss die Generalversammlung der Glückstadt-Heider Eisenbahngesellschaft ihre Auflösung.“584) Wilster sollte noch viele Jahre auf den Bahnanschluss warten.
Eine andere wichtige Folge hatte die Bahn Altona-Kiel. Sie erfasste das obere Störgebiet, ließ für dieses die alte Verkehrsverbindung auf dem Wasserwege vorbei am Itzehoer Stapel zurücktreten. „Erst die neue Zollordnung vom 1.3.1838 scheint den Itzehoer Störbaum endgültig zerbrochen zu haben“, meint H. Schulz.585) Nun, es war gewiss die Eisenbahn, die den Störbaum uninteressant werden ließ. Die letzten Angriffe gegen ihn erfolgten übrigens mehr mehr durch Wilster, bisher dem hartnäckigsten Verfechter einer Beseitigung, sondern durch Kellinghusen. Der erste Antrag von hier erfolgte 1824 und wurde vom Glückstädter Obergericht abgelehnt.586) Ein zweiter Antrag des Fleckens wurde von der inzwischen entstandenen Holsteinischen Ständeversammlung angenommen (Antrag 1840, Annahme 1844). Die Resolution König Christians VIII. vom 3. Juli 1846 hob daraufhin das Itzehoer Stapelrecht auf, wo seine Beseitigung für Wilster sehr viel von seinem Wert verloren hatte. Freilich behielt der Wasserweg, wo das moderne Verkehrsnetz noch so sehr Stückwerk geblieben war, noch seine beachtliche Bedeutung, waren Stör und Nebenflüsse vom „Störprahm“, später vom Ewer fleißig genutzt.587) Es waren flachbodige Segler, die somit auch bei Trockenfallen bei Ebbe stets im aufrechten Zustande überstanden. Da ein Kiel nicht vorhanden war, führte der Schiffstyp Seitenschwerter, von denen jeweils das auf der Leeseite zu Wasser gelassen wurde.
Es seien noch einige Punkte und Zahlen für di Zeit bis 1848 hier kurz vermerkt. Volkszählungen fanden, mit Ausnahme der Jahre der Erhebung 1848-51, nunmehr alle fünf Jahre statt. Die Stadt Wilster wuchs langsam weiter an. Die Stadt zählte 1840 2779 Einwohner, 2871 waren es dann 1845 (im letzteren Jahre zählte Glückstadt 5884, Itzehoe 5835, Krempe 1252 und Kellinghusen 1452 Einwohner).588) Im Jahre 1840 erhielt der Magistrat für sämtliche Schulen der Stadt das Präsentations-recht, was verständlich war, da ja die Große Stadtschule inzwischen wirklich, was den Besuch betraf, eine reine Stadtschule geworden war. Freilich wurden die Lehreranwärter weiterhin vom Propsten in „Schulwissenschaften“ geprüft.589) In den Jahren nach 1840 wurden im Kirchspiel Wilster „Kirchen- und Schulsteige“ angelegt, um jedenfalls in dieser dringlichen Angelegenheit Allwetterverbindungen zu haben.
Liberalismus und Nationalismus wuchsen als Bewegungen in der Zeit von 1814 bis 1848 heran. Holstein wurde auf dem Wiener Kongress 1814/15 Teil des Deutschen Bundes, eines Staatenbundes, der an die Stelle des 1806 erloschenen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation getreten war. Die Bundesakte vom 8. Juni 1815 verlangte, dass in allen Bundesstaaten eine landständische Verfassung eingeführt werde. Daraufhin machte die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft, die sich in besonderem Ausmaße, da lange Zeit die ausschlaggebende Kraft unter den alten Ständen der Herzogtümer, der alten Privilegien bewusst war, am 8. Oktober 1816 durch ihren Sekretär, den Professor F.C. Dahlmann, eine „unmittelbare Vorstellung“. Darin wurde vor allem das Steuerbe-willigungsrecht gefordert. Als der Staat nicht reagierte, wandte sich die Ritterschaft 1822 an den Deutschen Bund, wo man jedoch, da hier inzwischen ein stramm reaktionärer Kurs gesteuert wurde, keinen Erfolg hatte. Der Bundestag zu Frankfurt lehnte am 27. November ab, da „die alte Verfassung in anerkannter Wirksamkeit nicht bestehe.“ Am 1. November 1830 legte der bisherige Kanzleirat in der Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgischen Kanzlei in Kopenhagen (gemeinhin Deutsche Kanzlei genannt) Uwe Jens Lornsen in Kiel seine Schrift „Über das Verfassungswerk in Schleswig-Holstein“ vor. Der Dänische Gesamtstaat reagierte hart, denn Lornsen, einst Mitglied der Deutschen Burschenschaft, wollte Schleswig-Holstein und Dänemark unter jeweils eigenen Verfassungsordnungen stehen lassen, „nur der König und der Feind sei uns gemeinschaftlich“.590) Lornsen scheiterte offenbar. Er fand damals noch nicht die breite Resonanz, die er sich erhofft hatte. Der Staat jedoch sah sich veranlasst, den Strömungen der Zeit entgegenzukommen. So erschien am 28. Mai 1831 das „Allgemeine Gesetz wegen Anordnung von Provinzialständen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein“. Jeder Teil bekam für sich eine ständische Verfassung. Die holsteinischen Stände sollten in Itzehoe tagen, zählten 48 Mitglieder. Eines, der Besitzer der Herrschaft Hessenstein, war festes Mitglied. 7 wurden vom König ernannt (4 Vertreter der Ritterschaft, 2 Geistliche und ein Vertreter der Universität Kiel). Die übrigen Abgeordneten wurden in drei Klassen gewählt, vom Großgrundbesitz, vom kleinen Landbesitz und von den Städten. Diese Stände hatten nur beratende Stimme, ihre Beschlüsse waren nicht verbindlich für den Staat, doch wurden durch sie die politischen Dinge mächtig belebt. Am 15. Mai 1834 trat die ständische Verfassung in Kraft. 1836 traten die Stände der beiden Herzogtümer in Schleswig und in Itzehoe zum ersten Mal zusammen.591)
Über das Wahlrecht wurde folgendes bestimmt: Man musste 10 Jahre mindestens in der Monarchie gelebt haben, 25 Jahre alt sein, unbescholten sein, über sein Eigen disponieren können, d.h. nicht etwa ohne eigenen Herd dienen oder auf Unterstützung des Armenwesens angewiesen, man musste weiter wenigstens 2 Jahre im Wahlbezirk gelebt haben, musste in den Städten Eigentümer eines Grundstückes sein, das wenigstens „zu 800 Thlr. R.M. in der Brandkasse versichert“ war, dazu hatte man das Bürgerrecht zu besitzen oder doch „für eigene Rechnung“ den „Betrieb eines bürgerlichen Nahrungszweiges“ zu haben. Von den 48 Mitgliedern der Stände Holsteins waren 15 von den Städten und Flecken in 12 Wahldistricten zu wählen. Der 7. Distrikt war „der gemeinschaftliche Polizeidistrict der Stadt Wilster, der Stadt Crempe, der Flecken Elmshorn mit Vormstegen und Klostersande und des Fleckens Uetersen.“592) Hier hatten Wilsteraner, nach Censuswahlrecht allerdings, ihre Vertreter, und zwar war der Wahlort abwechselnd Wilster und Elmshorn, wählen, was beim eigenen Rat nach altem Herkommen noch immer nicht der Fall war.
Der „Dänische Gesamtstaat“ war ein Gebilde, bestehend aus einer Anzahl sich eigenständiger Staatsgebilde, die weniger durch Eroberung als vielmehr durch dynastisches Erbrecht zusammengekommen waren, die in „Personalunion“ unter einem gemeinsamen Herrscher lebten, der ihr König, Herzog, Graf oder ähnliches war. Sein höchster Rang war hier der eines Königs von Dänemark. Dieses Territorium stellte nicht nur den höchsten Rang, sondern war auch weitaus das größte Territorium, zumal nachdem dieser Staat schon durch Landverlust sehr zusammengeschrumpft war. So sprach man vom „König etc,“ und vom „dänischen“ Staat. Auch in Schleswig-Holstein fühlte man sich in dieser Beziehung als dänische Staatsbürger und Patrioten. Das besondere an diesem Gebilde war nun, dass es von verschiedenen Nationalitäten bewohnt wurde, von Dänen, Deutschen, Isländern (und bis 1814 Norwegern). Das tat dem Patriotismus diesem Herrscher und seinem Staat gegenüber jedoch solange keinen Abbruch, solange das Nationale nur eine untergeordnete Rolle spielte. Das änderte sich jedoch seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, als im eigentlichen Dänemark eine antideutsche Bewegung heranwuchs, zunächst mit dem Ziel, sich gegen deutsche kulturelle Überfremdung zu wehren. In der Folgezeit war man bemüht, und, was entscheidend wichtig wurde, der Staat stand immer mehr unter dem Einfluss dieser Bewegung, war man also bemüht, dem immer weiter nach Norden im Herzogtum Schleswig vordringenden deutschen Sprachgebrauch zu stoppen und umgekehrt, Schleswig wieder dänisch zu machen, einen, übrigens friedlichen, Prozess von vielen Jahrhunderten wieder rückgängig zu machen. Es ist um einen Nationalitätenstaat aber sehr schlecht bestellt, wenn eine dieser Nationalitäten die Staatsmacht missbraucht, um einer anderen Nationalität zu schaden. So ein Staat wird zum Kampffeld und meistens zerbricht er dann auch. Nachdem die Regierung schon Jahrzehnte lang Schritte verordnet hatte, um das Dänische in Schleswig zu stärken oder wieder zu erwecken, erfolgte auch als Antwort hierauf die deutsche schleswig-holsteinische Bewegung, und auf beiden Seiten stieg die Erregung immer mehr an, wobei man sich der Geschichte, der Verträge (so des Vertrages von Ripen 1460) und des Erbrechtes bediente. Die Deutschen erhofften eine Trennung durch unterschiedliches Erbrecht (Friedrich VII. hatte keinen Erben, in Dänemark aber galt seit 1665 die weibliche Erbfolge, in den Herzogtümern die männliche). Die Dänen wollten Schleswig bis zur Eider mit Dänemark territorial vereinigen, Holstein eventuell aufgeben, was ein Ende einer jahrhundertelangen „up ewig ungedeelten“ Existenz bedeutet hätte, wenn die „Eiderdänen“ ihren Willen bekämen. Die Entwicklung führte schließlich zur gewaltsamen Entladung im Jahre 1848.
Eine staatliche Gemeinsamkeit von 4 Jahrhunderten in guten und schlechten Zeiten führt zusammen. So war es auch im Dänischen Gesamtstaat. Es brauchte schon einiges, bis dieses Gemeinschaftsgefühl erlosch. Vor allem in Holstein, wo man ja weiter vom Schuss war, dauerte es seine Zeit. Die Elbmarschen des Amtes Steinburg hatten immer zum „königlichen Anteil“ gehört, die Könige hatten ihnen besonders ihre Aufmerksamkeit geschenkt. So hielten sich hier die alten Bindungen bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein, auch in der Stadt Wilster. Für die Bürgergilde wurde z.B. noch im Jahre 1840 „von den sämtlichen gegenwärtigen Frauen der Interessenten eine neue Fahne von rothem Seidenzeuge, mit ein paar seidenen Quasten daran, und dem Namenszeichen: Christian VIII. an die Gilde zum Geschenk gegeben.“593) Zum Schießen der Gilde heißt es: „Nachdem nun daselbst zuerst die 3 Schüsse für Sr. Majestät. Unsern allergnädigsten König, als Ehren-Mitglied der Schützengesellschaft geschehen“, folgen die weiteren nach.594) Ehrenmitglied der Bürgergilde war der dänische König seit 1825 auf „Antrag des derzeitigen Hauptmanns der Schützengilde, des Kriegs-As. Lic. Groth, eines hiesigen Arztes“, dessen Antrag dem König unterbreitet wurde, worauf derselbige „es zu erlauben geruhet“, geschehen „Glückstadt, den 24. Juni 1825“.595) Noch in den Jahren 1843 und 1845 war der König persönlich in Wilster. Alle 8 Glocken läuteten, die Kirche war mit Busch geschmückt.596) Ein feierlicher Empfang König Christians VIII. also 3 Jahre vor der Erhebung, ein Jahr allerdings vor seinem „Offenen Brief“ (1846), in dem er erklärte, dass in Schleswig die weibliche Erbfolge gelte, also die feste Verbindung mit Dänemark, während in Holstein für einige Teile die Frage unklar sei. Seitdem stieß der König in den Herzogtümern weithin auf Ablehnung.
Die Erhebung der (deutschen) Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen im Jahre 1848 war ein für die Landesgeschichte überaus wichtiges Ereignis. Wichtig in den Jahren davor waren Gründungen von Organisationen, Parteien als solche konnten ja kaum wirken, die zu Vorkämpfern des Schleswig-Holsteinismus wurden, in denen sich deutsche Gesinnung zeigen konnte. Dieses waren Studentenverbindungen, Turnvereine und Liedertafeln. Vor allem die letzteren wurden in den 40er Jahren bedeutsam. Studentenverbindungen gab es natürlicherweise nur in Kiel. Turnvereine gab es damals auch nur in den großen Städten, also z.B. in Kiel. Beide waren denn auch im ersten Gefecht im April 1848 (bei Bau) stark vertreten. Liedertafeln gab es damals schon viele, sie schossen in den 40er Jahren fast wie Pilze aus der Erde.597) 1835 bildete sich in Kellinghusen die erste Liedertafel in Schleswig-Holstein.598) 1839 wurde die Liedertafel in Schleswig gegründet, Vorbild für viele Gründungen im Lande.599) „Zwischen 1835 und 1845 entstanden in Schleswig-Holstein etwa 100 Liedertafeln über das ganze Land verteilt bis in die kleinsten Ortschaften.“ Die Itzehoer erstand z.B. 1841, und die in Wilster schon ein Jahr später im Jahre 1842. Es war das Jahr, wo sich Liedertafeln aus dem Niederelberaum erstmals in Glückstadt trafen. Selbst hier zeigte sich, dass in Holstein die damit verbundene antidänische Haltung später als in Schleswig einsetzte, dass hier solche Feste ein musikalisch-geselliges Anliegen waren. Ein Festteilnehmer in Glückstadt schrieb darüber: „die erschienenen Liedertafeln hatten ihre Fahnen und Banner entfaltet zu beiden Seiten – nicht einer allgemeinen deutschen Fahne, sondern der dänischen als holsteinischen Landesfahne.“ Zwei Jahre später im Jahre 1844 auf dem Sängerfeste in Schleswig, wo 12 000 Menschen zusammengeströmt waren, erscholl zum ersten Mal und mit großem Jubel aufgenommen das damals neu komponierte Lied: „Schleswig-Holstein meerumschlungen, deutscher Sitte hohe Wacht“.600)
Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848-51 kann hier relativ kurz behandelt werden, da Wilster selbst niemals direkt von den Kampfhandlungen betroffen war. Der Kampf, an dem sich auch Wilsters Jungmannschaft zu beteiligen hatte – und ihre Blutopfer brachte, fand ausschliesslich im schleswigschen Landesteil statt. Zum Bruch kam es, als im März die Eiderdänen in Kopenhagen den König veranlassten in einer Revolution, Dänemark einschließlich Schleswig eine liberale Verfassung zu geben, also Schleswig von Holstein zu trennen. Die Antwort war die Proklamation einer provisorischen Regierung für Schleswig-Holstein in Kiel am 24. März 1848, weil „der Wille des Landesherrn nicht mehr frei ist und das Land ohne Regierung“. Die „Insurgenten“, wie die Schleswig-Holsteiner von den Dänen genannt wurden, erhielten Rückhalt aus Deutschland, wo nach einer geglückten Revolution in Frankfurt durch eine Nationalversammlung in der Paulskirche der Versuch gemacht wurde, einem sich bildenden Deutschen Reich, zu dem auch Schleswig-Holstein gehören sollte, eine demokratische Verfassung zu geben. Hinter den Dänen aber standen fast das gesamte übrige Europa, Rußland, Schweden-Norwegen, Großbritannien und Österreich. Diese Mächte übten einen ganz erheblichen Druck aus, dem der König von Preußen, welcher das Hauptkontingent aus Deutschland stellte, zuletzt nachgab, um seinen Staat nicht in einen aussichtslosen Krieg zu führen. Die Schleswig-Holsteiner setzten zuletzt 1850 in der Punktation von Olmütz dem österreichischen Willen unterworfen hatte, erschienen bei der Statthalterschaft in Kiel am 6. Januar 1851 Vertreter dieser beiden Mächte und forderte Unterwerfung, da sonst ihre Truppen dieser Forderung Nachdruck verleihen würden. Die Landesversammlung, das Parlament Schleswig-Holsteins, ist angesichts der aussichtslosen Situation dem in der Nacht vom 10. zum 11. Januar 1851 nachgekommen. Die dänische Herrschaft wurde also wiederhergestellt. Sie war jetzt aber im Gegensatz zu den vergangenen 4 Jahrhunderten kaum mehr als eine Fremdherrschaft.
In den letzten Jahren der Personalunion mit Dänemark hat sich nur noch weniges getan. Dazu war die Zeit zu kurz. Auch gab es Belastungen durch den verlorenen Krieg. Das schleswig-holsteinische Papiergeld wurde für ungültig erklärt, die eigenen (und zum Teil die Dänemarks) Kriegskosten waren zu tragen. Auch wird der dänische Staat vor allem an Holstein nicht mehr dasselbe Interesse gehabt haben. Verfassungsmäßig blieb es bei der Ordnung von 1834. Doch wurde diese provinzialständische Verfassung am 11. Juni 1854 „reguliert“. Die Ständeversammlung, die nunmehr 51 Mitglieder zählte, tagte in jedem 3. Jahre in Itzehoe. Sie durfte gemeinnützige öffentliche Einrichtungen schaffen und unter Aufsicht eines vom dänischen Staate eingerichteten Ministeriums für Holstein verwalten lassen. Angelegenheiten, die zum amtlichen Wirkungskreis dieses Ministers für Holstein gehörten, sollten, wenn sie Änderungen beinhalteten, nur nach vorgängiger Zustimmung der Stände-versammlung möglich sein. Die Rechte waren also sehr kärglich.601) Einiges geschah schon auf dem Gebiet des Verkehrswesens, wenn auch weit weniger als wohl ohne die Erbetung geschehen wäre. So fiel in die Jahre 1852-54 der Chausseebau der Strecke Itzehoe-Wilster-St. Margarethen-Brunsbüttel, d.h. Wilster lag endlich an einer festen durchgehenden Allwetterstraße von Itzehoe, und damit von Hamburg (Altona), bis nach Dithmarschen, ein nicht zu überschätzender Gewinn.602) Die alte winklige Wegstrecke Wilster-Schotten-Stuven-Büttel konnte man nunmehr vergessen. Vom Neumarkt durch Neustadt und Krumwehl führte nun die neue Route schnurgerade nach Südwesten. 1854 erhielt auch Glückstadt seinen Anschluss, den es freilich mit seinem Steindamm schon längst im Grunde hatte. Für Wilster war wichtig, dass 1857 von der Strecke Itzehoe-Wilster bei der (damaligen) Büchsenkate eine weitere abzweigte über Hochdonn nach Meldorf. Es bestanden jetzt also immerhin 2 gute Verbindungen nach Dithmarschen. Im Bereich sicherer Landwege lag die Stadt nunmehr also nicht mehr in einer Sackgasse. Lange nicht so zügig ging es auf dem Gebiete der Eisenbahnen weiter. Hier holte Itzehoe 1853 sein altes Projekt einer Bahn Horst (Hackelshörn)-Itzehoe hervor, um auf Kosten von Glückstadt den Westküstenhandel an sich zu ziehen. Und am 3.2.1853 beschloss die Kiel-Altonaer Eisenbahngesellschaft tatsächlich, darauf einzugehen.603) Der rührige Itzehoer Bürgermeister gewann die Gemeinden, die von Itzehoes Bahnanschluss Vorteil hätten, wozu auch die Stadt Wilster gehörte. Aber es kam anders. Am 4. Oktober 1854 erlaubte die Regierungen, dass die Glückstadt-Elmshorner Eisenbahngesellschaft ihre Route von Glückstadt nach Itzehoe verlängere.604) Andere Projekte wurden nicht erlaubt. Diese Bahn wurde sodann bis 1857 erbaut. Am 6.10. war die Einweihungsfeier, am 15.10. wurde die Strecke in Betrieb genommen. Damit, und darüber kam man in dänischer Zeit nicht mehr hinaus, hatte sich die Eisenbahn bis auf 10 km an Wilster herangeschoben. Es wurde wohl 1856 in Meldorf ein ausführlicher Bauplan für einen Weiterbau nach Dithmarschen entwickelt, doch wurden derlei Planungen nicht weiter verfolgt. 1858 wurde aber immerhin vom Staate eine tägliche Personenpost für Wilster mit Itzehoe und Heide eingerichtet. Die Zeit der Postkutsche hatte also endlich Wilster auch erreicht. St. Margarethen, das ja an der Chaussee lag, erhielt 1854 eine „Briefsammelstelle“. Die Ortschaften „abseits der Postrouten waren weiter auf den Privatverkehr angewiesen.605) Das schiffbare Gewässernetz um Wilster wurde bis 1868 (bis in die preußische Zeit also) so optimal ausgebaut, wie seitdem nicht wieder. Bis zu diesem Jahre nämlich wurde der Bütteler Kanal bedeutend ausgebaut, die Schifffahrtsrinne durch den Kudensee abgestackt, die Burger Au, der Abfluss nach Norden wurde begradigt, und bei Bebek wurde schließlich eine Kammerschleuse in die Wilsterau gebaut. Man konnte nunmehr auch mit größeren Kähnen von Wilster bis in die Elbe bei Büttel fahren, eine wesentliche Verbesserung für den Warenverkehr mit dem Schiff.606)
Die Einwohnerzahl Wilsters stieg in den 50er Jahren zunächst vorübergehend auf über 3000 an. Nach den Volkszählungen waren es 1855 3047 und 1860 dann 3056 Einwohner. Am 3. Dezember 1864 wurde dann mit 3144 Einwohnern ein Höhepunkt erreicht (zur selben Zeit hatten Glückstadt 5041, Itzehoe 7356 Einwohner, womit es über Glückstadt hinausgewachsen war, Kellinghusen hatte nur 2f105 und Krempe 1203 Einwohner).607) Die Verfassung wich nicht wesentlich von dem Herkömmlichen ab, „der Magistrat besteht aus einem Bürgermeister, der zugleich Polizeimeister und Stadtsecretär ist, und 3 Rathsverwandten, das Collegium der Stadtdeputierten“, die Achtmänner, „zählt 8 Mitglieder, auch ist hier ein Stadtcassierer. Die Verfassung weicht im Wesentlichen nicht von der Verfassung der anderen holsteinischen Städte ab. Vorläufig gilt ein Localstatut vom 11. Februar 1850,“ also noch aus der Zeit der Erhebung.608) Dann gab es in der Stadt diverse staatliche Amtsträger: „In der Stadt wohnen ein Zollverwalter, ein Controlleur nebst Assistent, ein Postmeister, den Kirchspielvogt der Wilstermarsch. Johannes von Schröder und Hermann Biernatzki, denen wir aus dem Jahre 1856 eine „Topographie“ Holsteins verdanken, machen, gut informiert durch lokale fachlich beschlagene Persönlichkeiten, genaue und verlässliche Angaben auch über Wilster.609) So erfahren wir: „Wilster vormals Wilstera, Stadt im südwestlichen Theile des Herzogtums Holstein, in der Wilstermarsch und an der Wilsterau, etwa 1 Meile von der Elbe, Propstei Münsterdorf. Breite 53 Grad 55 Minuten 22 Sekunden, Länge 27 Grad 2 Minuten 15 Sekunden.“ Sehr genau bis auf die Erläuterung einstiger Ortsbezeichnung, denn Wilstera war die Wilsterau, Wilster hieß Wilstria. Auch über die historische Vergangenheit zeigten sich ihre Informanten recht gut informiert. Es habe bis 1282 hollisches Recht gehabt, Stadtrecht, eine Gründungsurkunde war damals ja weder im Original noch in Kopie im Archiv vorhanden, habe der Ort seit 1240 oder 1282. Erstmals wird auf Grund des Namens Burggraben angenommen, dass Wilster eine Burg gehabt habe. Weiter über den Gebäudebestand: „Die Anzahl der Häuser beträgt 358, welche wiederum in Vollhäuser bis zu Einachtelhäusern rücksichtlich des sogenannten Hausschosses abgetheilt werden.“ Jährlich finde erneut eine sogenannte „Hausschoßsetzung“ statt, in denen „die Häuser nach den Umständen des Vermögens der Besitzer“ neu klassifiziert würden. Gebäude im Besitze der Stadt seien: „das Rathaus, die Schulgebäude, das Wachthaus, Spritzenhaus und die Wohnungen der beiden Stadtdiener“, die alle „schoßfreie oder priviligierte Häuser“ seien, übrigens auch die Kirchenhäuser. Erwähnt wird, dass die erste Kirche 1160 erwähnt wird, dass die jetzige, eine „der größten und schönsten des Landes“, im Inneren „amphitheatralische“ angelegt sei, „so dass sie von der Kanzel nach allen Seiten hin übersehen werden“ könne, der Erbauer wird erwähnt, Bauzeit auf 1774 -1780 angegeben. Als Kirchhof wird noch der von 1604 angegeben. „ Die schöne Orgel enthält 40 Register“. Genau werden auch die vielen Bauernschaften, die zu Kirchspiel gehörten, angegeben. Es sind genau 50 an der Zahl. Die Straßen, welche vorhanden, werden in ihrer damaligen Bezeichnung vermerkt: „Deichstraße, Zingelstraße, Haberstraße (heute Burger Straße), Kohlmarkt, Oevelgönne (heute Kohlmarkt) und Honigflether Straße, Hinterstraße (die Verlängerung der Burger Straße am Kirchplatz), Hofstätte, Johannisstraße (zur heutigen Schmiedestraße), Klosterhof, Bäckerstraße (Rathausstraße), Schmiedestraße, Blumenstraße und Neustadt“, dann gäbe es noch eine „kurze Straße, welche keinen Namen führt“, an der die Apotheke läge, also der marktnahe Teil des Kohlmarktes. Schlaat oder Salat sei „eine Gegend in der Neustadt“. Als Plätze werden aufgeführt „der Marktplatz bei der Kirche (früher der alte Kirchhof) und Neumarkt“, der Kohlmarkt wird also nicht mehr als Platz verstanden. Eingegangen wird auf die „Sage“, dass Wilster ein Kloster gehabt habe, „jedenfalls war es nur ein Bettelkloster“. „An der südöstlichen Seite des Klosterhofes sind Überreste von starken Grundmauern gefunden“, der alte Mönkehof habe ja dort gelegen, hierauf nimmt übrigens noch J. Schwarck Bezug in seinem Buch „Wilster vor 100 Jahren“ (1919). Genau werden auch die „Armenstiftungen“ registriert: „Das alte Gast- und Armenhaus für 12 Verarmte, von denen aber zwei nur freie Wohnung erhalten. Es hat ein Vermögen von 6700 Reichstalern v. Ct. Das Doosesche Gasthaus, 1829 gestiftet, ist 1831 erbaut, worin 8 Witwen versorgt werden, und in dem Rehderschen Gasthause in der Langen Reihe vor Wilster, zum Amte Steinburg und der Stadt gehörig, werden zwei arme Frauen aus der Stadt versorgt. Außerdem ist hier eine Franke-Boyesche Stiftung zur Aussteuer armer Mädchen und eine Verpflegungs- und Arbeitsanstalt (in dem früheren Werkhause) seit 1850“, also ganz neu damals, ein Zeichen dafür, dass die Zahl bedürftiger Handwerksgesellen und Arbeitsleute an der Schwelle des industriellen Zeitalters auch hier im Anwachsen begriffen war, der sogenannte „Pauperismus“. Ausführlich wird auch der Dooseschen Stiftung gedacht, ihr Haus, „das ansehnliche schön erbaute“ sei „theils zum Rathause, theils zur Wohnung des damaligen Bürgermeisters bestimmt“, die Doosesche Bibliothek wird (damals) mit „8000 Bänden“ angegeben. Zur Steuerveranlagung heißt es: „Vormals stand die Stadt in der Landesmatrikel für 66 ½ Pflüge, jetzt aber weil mehrere ihrer Grundstücke von ihr abgekommen sein sollen“, eine irrige Vermutung, „nur für 44 Pflüge“. Über das Stadtareal wird angegeben: „Nach dem Landsteuer-Register besitzt die Stadt an Ländereien 125 Ton. 150 R., von denen aber einige unter Jurisdiktion des Amtes Steinburg belegen sind“, wie ja auch die Kirche „auf dem Steinburger Amtsgrunde liegend“ ist. „Zur Stadtjurisdiction gehören 103 Ton. 104 R.“, also weiterhin sehr wenig, „von denen 18 Ton. 204 R. bei der Stadt liegen“, alles andere gehört zum eigentlichen Siedlungsareal. Noch war damals, so Schröder-Biernatzki, auch das „Stadtmoor“ mit 84 Ton. 160 R. vorhanden. Zum Schluss wird noch auf einigen Landerwerb in historischer Zeit eingegangen, auf das Galgenland, das „im Jahre 1600“ der Stadt zugesprochen worden sei, und den Mönkehof, den das Kloster Bordesholm 1475 dem Rathmann Ratke verkaufte. An der Schweinebrücke solle einst (völlig unbelegt) ein Tor gestanden haben „Mönchsthor genannt“.
Für uns gewichtig ist das, was Schröder-Biernatzki über die Wirtschaft der Stadt zu berichten vermögen: „Die Einwohner ernähren sich vom Handel“, der auch hier wieder an erster Stelle steht, „den bürgerlichen Gewerben, dem Branntweinbrennen und Bierbrauen und etwas Viehzucht. Die Stadt besitzt 40 größere und kleinere Fahrzeuge“, Schiffe natürlich, noch immer an erster Stelle für den Warenverkehr stehend, „zum Versenden der Produkte auf der fahrbaren Au, auf der Stör und der Elbe. In Wilster sind 8 Tabackfabriken“ oder was man dafür damals hielt, „2 Essigfabriken und 2 Lohngebereien“, denen besonders eine bedeutsame Zukunft bevorstand. Damals im Jahre 1850 etwa ließ sich bei Wilster im Landrecht ein Nicolaus Böhme nieder, welcher dieses Gewerbe betrieb, nicht gerade zur Reinhaltung der Wasser der Au. Seinem Betrieb sollte eine bedeutsame Zukunft in besonderem Maße bevorstehen, anfangen tat er mit 4 bis 5 Leuten.610) Es heißt weiter: „Kaufleute sind hier 43, worunter 11 Manufakturhändler, 17 Colonial- und Farbewarenhändler, 7 Holzhändler, 6 Getreidehändler, 1 Glaswarenhändler und 1 Uhrenhändler. Hier ist eine Apotheke. Auch sind hier 2 ansehnliche Gasthäuser, das sogenannte Wilstermarschhaus und Nissens Hotel. Mit älteren Zunftartikeln versehene Handwerke sind: Schuster 30, Schneider 19, Tischler 11, Schmiede 16, Goldschmiede 5, Bäcker 18, Weber 8, Barbiere 3, Böttcher 9 und Schlachter 9. Mit neuen Zunftartikeln: Zimmerleute 19 und Maurer 8, welche beiden letzteren 40 Gesellen und 9 Lehrburschen“, der Wilsteraner Ausdruck für Lehrlinge, „beschäftigten. Brauer- und Brennereien sind hier 13.“ Weiter an anderer Stelle: „Wilster hält einen nicht unbedeutenden Krammarkt an Bartholomäi und an den folgenden Tagen, einen Pferdemarkt am 4. Januar und einen anderen Pferdemarkt am 31. Juli.“ Zum Schluss wird von Wilster noch über den Haushalt der Stadt ausgesagt: „Städtische Einnahmen 1838: 10 482 Reichstaler 3 Schilling R.M.; Ausgaben: 9 829 Reichstaler 95 Schilling R.M.; Stadtvermögen 1836: 33 249 Reichstaler 58 Schilling R.M.“ also erheblich, was bei der Beerbung aussterbender sehr reicher Familien nicht gerade verwundern mag;“ und „Königliche Steuern und Abgaben 1838: 6316 Reichstaler 84 Schilling R.M. Eine interessante Bemerkung Schröder-Bienatzkis soll hier nicht unterschlagen sein: „1855 hat man durch Bohrung im Marschgrunde einen Brunnen mit vorzüglichem Quellwasser erbaut, welcher die Einwohner mit Wasser versieht und von großer Wichtigkeit ist.“ Die Einsicht stieg offenbar, dass die Wasserversorgung aus der Au, in die ja auch Abwasser und Fäkalien gingen, nicht die beste gerade sein konnte. Da versuchte man es zunächst mit Brunnenbohrungen mit dem Ergebnis, dass solches Grundwasser nicht ungenießbar war. Derlei Versuche hatte es schon früher gegeben. So ließ sich ein Pastor so einen Brunnen erbohren, als das Wasser der Au vom Meere her stark in seinem Wert herabgesetzt worden war. Schröder-Biernatzkis Topographie ist als Zeitdokument der damaligen Verfassung Wilsters sehr wertvoll, die Quellen aus Archiv und anderen amtlichen Quellen waren verlässlich, die Informanten sehr gut informiert. Urteile über Vergangenes sind deshalb interessant, weil sie die Vermutungen und Deutungen im damaligen Wilster waren.
Zuletzt ist noch informativ, was Schröder-Biernatzki erwähnen über die Vororte Wilsters im Landrecht, die erst viel später eingemeindet worden sind. Über Landrecht berichten sie, dass es sich um einen „District im Amte Steinburg, Wilstermarsch, Kirchspiel auf der alten Seite und zur Neßducht gehörig“ handelte. Es „enthält 54 Stellen mit und ohne Land. Hier ist eine Königliche Kornwindmühle, Schule in 2 Klassen mit 190 Kindern, Wirtshaus, Hökerei und mehrere Handwerker. Volkszählung: 393 Einwohner. Eine Brücke über die Wilsterau“, welche einst die Wilsteraner Bürger vergeblich zu verhindern trachteten, „heißt Landrechter Brücke“.611) Eine beachtliche Siedlung also. Weiter „Langenreihe, 17 Häuser, welche an die Stadt Wilster grenzen, Amt Steinburg, Wilstermarsch, Kirchspiel auf der alten Seite, zur Bischofer Ducht gehörig, Krsp. Wilster. In diesem Districte liegt das 1657 von Rehder gestiftete Armenhaus, worin 8 Witwen aus dem Kirchspiel und 2 Witwen aus der Stadt Wilster unterhalten werden. Hier wohnen größtenteils Handwerker und Tagelöhner. Schuldistrict Landrecht. Volkszählung: 121 Einwohner.“612)
Aus dem Jahre 1860 haben den zweiten gründlichen Plan der Stadt Wilster, welcher die Angaben Schröder-Biernatzkis glücklich ergänzt. Dieser Plan stammt von dem Ingenieur und königlich bayrische Landmesser H. Mencke. W. Jensen, der ihn kurz beschrieben hat,613) meint 1925: Er stände „den heutigen Verhältnissen ziemlich nahe“, er weist weiter darauf hin, dass die neue Chaussee schon in ihm enthalten sei. Aber der heutige Stadtpark ist noch der Kirchhof, freilich der „Alte Kirchhof“ nunmehr, denn der Platz um die Kirche herum ist jetzt schon der „Marktplatz“. Am Südrand des Planes steht auf dem Wege, der von der Schweinebrücke weiter führt „Weg zum neuen Kirchhof“. Das Colosseum ist eingetragen, ebenso das, was einst der Park Michaelsens gewesen war, nur eine Baumallee fasst das Gelände noch ringsum ein. Umso eindrucksvoller ist der Park des Bürgermeisterhauses bis an die Au heran zu erkennen. Die Deichstraße und damit das Stadtgelände reicht noch über den Burggraben, der sonst weithin Stadtgrenze ist, hinaus bis zur Wende. Anschließend die urbane Siedlung Landrecht als langgestreckte Straße. Ähnlich steht es beim Kohlmarkt, der auch noch über den Burggraben hinausreicht, dann einmal seine Fortsetzung findet in der Siedlung Lange Reihe, während zugleich schon bis heute noch die „Chaussee von Itzehoe“ direkt verläuft, wo es heute „Steindamm“ heißt. Am alten Schott, wo an den Sielwettern die Grenze der Stadt verläuft, hören die Häuser offenbar damals auf, nur die „Chaussee nach St. Margarethen“ ist verzeichnet. Die Kohlmarktstraße ist hier in ihrer heutigen ganzen Länge vom Marktplatz bis zur Langen Reihe als solcher verzeichnet. Von Haberstraße ist nichts mehr verzeichnet, die Burger Straße heißt „Hinterstraße“. Sonst ist gegenüber den Darlegungen Schröder-Biernatzkis nichts Wesentliches anders zu ersehen. In der „Kunst-Topographie für Schleswig-Holstein“ wird Wilster als „zwei fas s-förmig verlaufende Straßenzüge beiderseits der jetzt, das heißt im Jahre 1969, „zum Teil verrohrten Wilsterau“, eine treffende Kennzeichnung der Stadt, wenn man das, was nach dem letzten Kriege hinzugekommen ist, einmal außer acht lässt. Das geht auch aus dem Menckeschen Stadtplänen hervor. Dieser ist nebenbei von lzahlreichen Bildern aus der Marsch umrandet, vor allem befindet sich oben ein Bild der Stadt von der Dammflether Seite aus gesehen, mit der Stadtmühle im Vordergrunde. Zu beiden Seiten erkennt man das Bürgermeisterhaus und die Sonnin-Kirche. Unten befinden sich die Wappen der Stadt und der Wilstermarsch.
Für die dänische Zeit sind noch einige Ereignisse nachzutragen. Das erste führt in das Jahr 1841 zurück. Damals wurde von privater Hand die Sparkasse in Wilster als erstes Creditinstitut gegründet. Finanzkräftige Privatpersonen als Bankiers reichten kaum mehr aus. Gerade Sparkassen wurden in jener Zeit als ein Bedürfnis empfunden. Itzehoe besaß ein derartiges Institut schon seit 1820, Glückstadt seit 1824, Kellinghusen seit 1840, Krempe seit 1828, Wilster hatte seine Sparkasse also durchaus nicht sonderlich früh erhalten. Die größeren Kirchflecken folgten allerdings noch später, so etwa Wewelsfleth 1867, St. Margarethen 1869. – Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Errichtung eines neuen Friedhofes immer dringlicher. Auf dem nunmehr alten Kirchhofe wurden neue Gräber in Benutzung genommen, bevor die Särge der Vorgänger überhaupt vergangen waren, da die Bevölkerung des Kirchspieles wuchs, die Totengräber stellten dann wohl die alten Sargbretter zum Trocknen an die Bäume des Kirchhofes, sie wurden sogar zu Flurverschalungen und zu Wandbetten verwandt.614) Nach einigen Zögern entschied man sich für den sogenannten „Kleinen Brook“, der im Besitze der Stadt war. Es musste allerdings noch Land vom Hofbesitzer Jakob Heesch aus dem benachbarten Bischof hinzuerworben werden. Das 1857 vermessene Gelände umfasste 2 ha 14 a(692,94 Quadratruten damaligen Maßes, je etwa zur Hälfte vom Brook und Heeschen Hofland). Obwohl die Gemeinden an dem Westecke des Kirchspieles Einspruch erhoben wegen wachsender Entfernung, wurde der nunmehrige „Neue Friedhof 1859 seiner Bestimmung übergeben. 1860 erstand auch die Friedhofskapelle. Die Stadt vermochte es, die Pflasterung der „Allee“ als Zuweg zum Kirchhof und notwendig gewordene Erneuerung der Schweinsbrücke, über die die Trauergeleite führten, dem Kirchspiel zur Hälfte aufzubürden.615) – Seit 1861 hatte Wilster auch seinen Turnverein. 1863 wandte sich dieser an den Magistrat mit der Bitte, das Turnen auf dem Colosseumplatz durchführen zu dürfen. „Der hier vor einigen Jahren mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung gegründete Turnverein hat, weil er bis jetzt“ und noch für etliche Jahre „noch nicht im Stande war, und vielleicht auch niemals dazu kommen wird, eine eigene Turnhalle zu bauen, seit seinem Bestehen schon dreimalig unfreiwillig wechseln müssen. Soll aber das Turnen seinen wahren Zweck, Körper und Geist nämlich gesund und stark zu machen, nicht verfehlen, so muss es nicht allein regelmäßig und in gehöriger Ordnung betrieben werden, sondern es muss auch ferner, wenn vielleicht nicht absolut notwendig, so doch im höchsten Grade wünschenswert, dass möglichst viele Geräte vorhanden sind und mithin auch der Turnplatz groß genug sein, um die Übungen gehörig ausführen zu können. Seit jetzt eben turnen wir auf einen solchen Platz, nämlich im sogenannten Michaelsenschen Garten, neben dem Colosseum. Um nicht wieder von den etwaigen Launen des Garten-Pächters abhängig zu sein, möchten wir, da wir gehört haben, dass der Michaelsensche Garten wieder verpachtet werden soll, unsere Bitte dahin aussprechen. Ein verehrlicher Magistrat wolle den Pakt kontract gütigst so machen, dass der Pächter dem Turnverein seinen jetzigen Turnplatz niemals kündigen kann.“616) Man turnte also, wie der erste noch vom „Turnvater“ Jahn 1810 auf der Hasenheide bei Berlin geleitete „frisch, fromm, fröhlich, frei“ an im Freien aufgestellten Geräten. – Unerschüttert tätig waren weiterhin noch immer die „Ämter“ der Handwerker. Das kleinbürgerliche Handwerk scheute den freien Wettbewerb des heraufziehenden liberalen Zeitalters. In der Akte des Gerberamtes wird z.B. noch 1860 die Niederlassung des Kürschners Lebrecht Römisch aus Halbau in Schlesien vermerkt. Die Maurerzunft wurde gar erst 1835 errichtet, ihre Amtsartikel 1843 konfirmiert. Ein „Mühlenzwang“ bestand in Wilster bis 1850, wo er nach einem Bericht des Magistrates der Stadt „abgelöst“ wurde. Die Akten des Schmiedeamtes gehen auf 1557 zurück. Noch 1842 ließ es sich neue Zunftartikel bestätigen. 1843 wurden die Amtsartikel der Schneider erneut konfirmiert, ausdrücklich wurde das Schneiderhandwerk als ein „geschlossenes“ erklärt. Von 1741 bis 1861 gehen die Akten des Zimmeramtes.617) – Im Schulwesen bestanden weiterhin die Große Stadtschule für Jungen und eine zweiklassige Mädchenschule in den Klassen der Großen Stadtschule, es waren weiterhin 3 an der Zahl, gab es Schüler in der Klasse 1 39, in der Klasse 2 waren es 54, und in der Klasse 3 auch immerhin 48 Jungen. Das waren also zusammen 141 Jungen, also etwa 300 Schulkinder um 1860. Übrigens wurden 1847 Tintenfässer in den Bänken installiert.
Das Ende der Dänenzeit kam durch dänischen Übereifer. Als die „Eiderdänen“, die dänische Partei, die die Eider zu Dänemarks Grenze machen wollte, 1863 durchsetzte, dass Schleswig auch formal zu einer dänischen Provinz gemacht wurde, hatte Dänemark das Vertragsrecht (das sog. „Londoner Protokoll“) auf seine Herrschaft über Schleswig-Holstein beruhte, selber gebrochen. Truppen des Deutschen Bundes rückten daraufhin in Holstein ein, das von den Dänen kampflos geräumt wurde. Das diplomatische Genie des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarcks verstand es, Dänemark in Europa völlig zu isolieren. Als es sich weigerte, das Londoner Protokoll wiederherzustellen, begann im Januar 1864 der deutsch-dänische Krieg, in dem Dänemark durch preußische und österreichische Truppen geschlagen wurde (Erstürmung der Düppeler Schanzen usw.). Im Oktober 1864 musste Dänemark ganz Schleswig-Holstein an Österreich und Preußen abtreten. Die über 4 Jahrhunderte lange Zeit der Personalunion mit Dänemark hatte ein Ende, nicht bedauert von der Bevölkerung. Die „Los von Dänemark-Bewegung“ hatte die große Mehrheit für sich. Im ersehnten Deutschen Reich wünschte man sich ein Land „Schleswig-Holstein“ mit einem Großherzog an der Spitze aus der Linie des angestammten Herrscherhauses, dem die Herrschaft nach männlicher Erbfolge zustände, der Augustenburger Linie. Der Herzog Friedrich (VIII.) von Augustenburg erschien dann in Holstein sogleich mit der Besetzung desselben durch Bundestruppen, überall jubelnd begrüßt, so 1864 auch in Wilster. Die Kirche, und nicht nur sie, prangte im Festesschmucke, vom Turm wehte die schleswig-holsteinische Fahne herab.618) Es wurde jedoch nichts mit einem Großherzogtum zur großen Enttäuschung der Bevölkerung. 1865 einigten sich Preußen und Österreicher dahingehend, dass man sich das Gebiet verwaltungstechnisch teilte, wobei Holstein den Österreichern zufiel. Aus dem einen Jahr österreichischen milden Regimes kann nicht viel vermeldet werden, allenfalls das „Gablenzsche Patent“ vom 27. Dez. 1865. Der Gouverneur General Gablenz verfügte, dass sämtliche Chausseen (nur die Wege nicht), also die Straßen I. und II. Klasse nach der Wegeordnung von 1842 vom Staate zu unterhalten seien. Im Juni 1866 kam es zwischen Preußen und Österreich zum Kriege, preußische Truppen besetzten noch im selben Monat Holstein. Im Kriege siegten die Preußen (Schlacht bei Königsgrätz am 3. 7. 1866), und im Frieden von Prag (August 1866) trat Österreich seine erst kürzlich erworbenen Rechte auf Schleswig-Holstein an Preußen ab. Damit wurde Schleswig-Holstein preußisch zur großen Enttäuschung der Einwohner des Landes.
Am 24.12.1866 wurde in Berlin, der Hauptstadt des Königreiches Preußen, das Gesetz betr. die Vereinigung der Herzogtümer Holstein und Schleswig mit der preußischen Monarchie erlassen, der am 12.1.1867 ein Patent wegen Besitznahme der Herzogtümer Holstein und Schleswig und am selben Tage eine Allerhöchste Proklamation (des preußischen Königs Wilhelm I.) an die Herzogtümer Holstein und Schleswig nachfolgten. Grundlegend wurde sodann eine Verordnung betr. die Organisation der Kreis- und Distriktsbehörden sowie die Kreisvertretung in der Provinz Schleswig-Holstein vom 22. September 1867. Sie bedeutete beinahe einen Bruch in der schleswig-holsteinischen Geschichte. Gewiss, Schleswig-Holstein blieb bestehen, aber jetzt als Provinz des Königreiches Preußen, eines Staates mit einer ganz anderen Geschichte, mit ganz anderen Organisationen des politischen und gesellschaftlichen Lebens. In vieler Hinsicht waren diese Organisationsformen vorbildlich, so sehr, dass, nach Drittem Reiche und brit. Militärregierung, das 1946 neugegründete Land Schleswig-Holstein weitgehend auf diese Organisationsformen zurück gekommen ist. Damals im Jahre 1867 waren diese der Bevölkerung in Schleswig-Holstein weitgehend wenig vertraut. Man hing sehr an den eigenen Ordnungen, obwohl hier Reformen vielfach überständig waren. Aber diese Ordnungen waren im Lande, besser noch in seinen einzelnen Landschaften, in Jahrhunderten gewachsen. In ihnen gab es vielfach noch immer und wenig geänderte Strukturen, die schon im Mittelalter bestanden hatten. Es bestand eine innige Verbundenheit mit der eigenen Geschichte. Das hörte, was die Organisationsformen betraf, nunmehr auf. Der alte Staat hatte sie sich erhalten lassen, oft nur hier und da einiges gebessert und weiterentwickelt. Jede einzelne Landschaft hatte ihr eigenes Gesicht, die Wilstermarsch war eine solcher Landschaften. In Dithmarschen oder Eiderstedt oder auf der benachbarten Geest sah es ganz anders aus. Es war eine historisch in Jahrhunderten gewachsene regional bunte und mannigfaltige Welt, von der es jetzt hieß, Abschied zu nehmen, und das tat weh. D. Detlefsen schreibt hierüber: „So wurden die alten Formen zerbrochen, und von den durch Jahrhunderte bewahrten oder in ihnen ent-standenen Eigentümlichkeiten des Amtes Steinburg blieb nicht viel übrig.“619) Er tröstet dann sich und die anderen, doch die Wehmut schimmert ersichtlich durch.
Die drei Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg wurden also zur preußischen „Provinz“ Schleswig-Holstein mit nur einem einzigen „Regierungsbezirk“. Dieser wurde wieder untergegliedert in „Kreise“ (nicht mehr, wie bisher, in Ämter). Nur einige große Städte bildeten selber einen Kreis, sonst kamen unter dem Kreis die Gemeinden (die in der Wilstermarsch erst aus einzelnen Bauernschaften gebildet werden mussten), die ländlich in der Folgezeit in Ämtern zusammengefasst waren. Auch die Städte gehörten nunmehr zu einem jeweiligen Kreis, sehr neu für Holsteins Städte. Wilster wurde nunmehr also eine Stadt-Gemeinde im Kreis Steinburg. Diese Kreise erstanden, damals etwa gleichgewichtig, durch Zusammenlegung diverser Teile meist mit einem alten Amt. In einer der Verordnung vom 22. Sept. 1867 beigefügten Anlage wurde umrissen, was so alles zu einem Kreis zusammengelegt wurde. Für den Kreis Steinburg heißt es folgendermaßen620):
„Kreis Steinburg besteht aus dem Amte Steinburg; dem zum Amte Bordesholm gehörigen Ländchen Sachsenbande; dem zum Amte Rendsburg gehörigen Kirchspiel-Vogteidistrikt Kellinghusen mit Ausnahme der Dörfer Bargfeld, Meetzen und Homfeld, sowie den zum Amte Rendsburg gehörigen Teilen der Dörfer Pöschendorf und Kaisborstel; den Städten Itzehoe, Wilster, Glückstadt, Krempe, dem Kloster Itzehoe mit Ausnahme der zu den Kreisen Kiel, Segeberg und Rendsburg gelegten Petinenzien; der zum Kloster Ütersen gehörigen Vogtei Crempdorf und dem zu demselben Kloster gehörigen Patrimonialgut Horst; der Herrschaft Herzhorn, Sommerland und Grönland; der Herrschaft Breitenburg mit Ausnahme der zu dem Segeberger Kreise gelegten Dörfer, dem adeligen Gute Drage mit Ausnahme seines Anteils an Hohenwestedt und der Gehöfte Alt- und Neu-Böternhofen, den adligen Gütern Krummendiek mit Ausnahme von Nutteln, Heiligenstedten, Mehlbeck, Rade, Bekhof, Bekmünde, Bahrenfleth, Groß-Campen, Klein-Campen , Groß-Collmar, Neuendorf, Sarlhusen, dem Kanzleigut Bekdorf, der Blomeschen und der Engelbrechtschen Wildnis.“
Dieser Kreis war, wie bisher das Amt, staatlicher Verwaltungsbezirk. An seiner Spitze stand nun der Landrat (statt des Amtmannes), der die Aufsicht über die Gemeinden auszuüben hatte, weiter die Polizeiverwaltung im Kreise überwachen musste. Der Kreis wurde, und das war neu, Komunalverband. Die Gemeinden, Städte und Landgemeinden, wurden zu einer öffentlichen Körperschaft verbunden, die gewisse obrigkeitliche Angelegenheiten, die ihr überwiesen wurden, in der Form der Selbstverwaltung zur Aufgabe erhielt. Dafür erhielt der Kreis eigenen Haushalt, und natürlich eigene kommunale Organe, vor allem den zu wählenden Kreistag. Die laufende Verwaltung führte der Kreisausschuss aus 6 vom Kreistage gewählten Vertretern.621) Sitz der Kreisverwaltung wurde Itzehoe, das zentral gelegen war. Nach Steinburg, Krempe und Glückstadt also jetzt Itzehoe. Von den 4 alten Städten des Kreises ist nur eine niemals Sitz des Amtmann-Landrats gewesen, nämlich Wilster.
Neugegliedert wurde die Kirchenorganisation. Wilster gehörte weiter zur Propstei Münsterdorf. Neu war die gesamte Gerichtsverfassung. Das Glückstädter Obergericht hörte mit der dortigen Regierungskanzlei auf zu bestehen. Aufhören tat die Gerichtshoheit der Städte, also auch der Stadt Wilster. Brüchregister (erhalten bis 1858), Klageregister und Klagegerichtsprotokolle (erhalten bis 1822), Gerichtsprotokolle (die 115 Bände reichen bis 1847), Gezeugnis-Protokolle (156 Bände bis 1834), sie alle konnten nun im Archiv verschwinden. Zunächst entstand 1867 ein Kreisgericht, ab 1878 gab es sodann die Amtsgerichte, eines in der Kreisstadt Itzehoe, aber z.B. auch eines in Wilster. Die Appellationsinstanz hatte ihren Sitz in Altona. In Preußen gab es die Gewerbefreiheit, die Ämter der Handwerker hatten ausgespielt. Ihre Akten kamen ins Archiv. Es war schon vieles, welches nunmehr gegenstandslos geworden war und vieles, welches neu an die Stelle trat, hierher gehörte auch die Städteordnung nach preußischem Vorbild, der berühmten Steinschen Städteordnung, welche ja noch heute richtungsweisend geblieben ist, die, demokratisch wie sie war, an die Stelle der alten Ratsverfassung des lübische Stadtrechts trat.
Das „Gesetz, betreffend die Verfassung und Verwaltung der Städte und Flecken in der Provinz Schleswig-Holstein“ war vom 14. April 1869. Mit ihm erlangten die betroffenen Orte, also auch Wilster, eine Institution, „die in bezug auf ihren freiheitlichen Geist und das Maß an Selbstverwaltung den meisten vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland weit voraus war und in Preußen bannbrechend auch für die anderen Provinzen wurde.“622) Für Holstein galt bis dahin die Holsteinische Städteordnung vom 11. Februar 1854, in welcher im Grunde das alte System des Regimentes konserviert worden war, d.h. „die holsteinische Städteordnung von 1854 trug an der Spitze obrigkeitliche Züge. Da die Trennung der Justiz von der Verwaltung noch nicht durchgeführt war“, sie erfolgte erst im preußischen Staat im Juni 1867,“ und der Magistrat neben seiner Funktion als Selbstverwaltungsorgan der Bürger in seiner Eigenschaft als Stadtgericht zugleich staatliche Aufgaben erfüllte, war die dänische Regierung darauf bedacht gewesen, bei der Besetzung ihre Stimme bestimmend zur Geltung zu bringen. Deshalb wurden der Bürgermeister und die gelehrten Ratsverwandten vom König auf Lebenszeit ernannt. Die bürgerlichen Ratsverwandten, deren Zahl je nach Größe der Stadt, durch Lokalstatut festgesetzt, zwischen 2 und 6 betrug, wurden aus einer Dreierliste gewählt, die eine gemischte Kommission aus gelehrten Magistratsmitgliedern und einer gleichen Zahl von Deputierten präsentierte. Sie mussten vom König bestätigt werden. Die Wahl der Deputierten aber wurde von der Bürgerschaft nach gleichem Recht durchgeführt.623) Sein Selbstergänzungsrecht hatte der Rat also zum Schluss doch weitgehend eingebüßt. Nun demgegenüber die neue Städteordnung von 1869, die vor allem dem Kieler Professor Hänel zu verdanken war. An der Spitze der Stadtverwaltung stand der auf 12 Jahre von der gesamten Bürgerschaft zu wählende Bürgermeister, den nach der Wahl der König zu bestätigen hatte (in der Praxis durch die Regierung). Die Bürgerschaft wählte ein Stadtparlament, die Stadtverordneten, aus deren Reihen ehrenamtlich in Städten wie Wilster der Magistrat gewählt wurde für 6 Jahre. Ortsstatute legten die Zahl der Stadtverordneten und Magistratsmitglieder fest. Aus dem Magistrat wurde dem Bürgermeister ein Vertreter zugeordnet, der Beigeordnete, welcher auch von der Regierung bestätigt werden musste. Es herrschte gleiches Wahlrecht, also kein Klassenwahlrecht. Aber es war kein allgemeines Wahlrecht, sondern ein Zensuswahlrecht. Wählen konnte, wer im Besitze eines eigenen Wohnhauses oder doch eines stehenden Gewerbes war oder einer Steuerveranlagung von mindestens 200 Talern war. Für Wilster lag die Grenze für das Bürgerrecht, die nicht einheitlich war, bei 600 Mark, bei vielen Städten war sie höher.
Es gab noch einige weitere wichtige Neuerungen, die für die Stadt Wilster von Bedeutsamkeit sein mussten. Seine Bevölkerung unterlag der allgemeinen Wehrpflicht, welche zunächst 3 Jahre betrug. Schleswig-Holstein wurde als Anteil Preußens Mitglied des Deutschen Zollvereins, der alle Länder des werdenden Deutschen Reiches umfasste, das ganze Gebiet war von gemeinsamer Zollgrenze umgeben, hatte gemeinsame Zoll- und Wirtschaftsgesetze. Wilster lag in diesem Zollgebiet recht am Rande. Andererseits wurde so natürlich Handel und Wandel mit einem großen Wirtschaftsraum eröffnet. Politisch wurde Schleswig-Holstein als Teil Preußens Teil des Norddeutschen Bundes, eines Bundesstaates, der zunächst nur Norddeutschland umfasste, dessen Verfassung dem späteren Deutschen Reiche zum Vorbild diente. Vor der Gründung des Reiches lag der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, an dem auch die Schleswig-Holsteiner, soweit gedient, im neuaufgestellten IX. Armeekorps teilnahmen, also auch Wilsteraner, die wie alle anderen ihre Blutopfer haben erbringen müssen. Da der Krieg siegreich geführt werden konnte und mit der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871, der Gründung eines lang ersehnten Deutschen Reiches seinen Höhepunkt erreichte, war der Jubel über den Verlauf auch in Wilster sehr groß.
Die „Beiträge zur historischen Statistik Schleswig-Holsteins“ aus dem Jahre 1867 zeigen für Wilster zunächst einmal bei Einsetzen der preußischen Zeit ein verblüffendes Zurückgehen der Einwohnerzahlen in Wilster, und ein nur langsames Wiederansteigen derselben in den folgenden Jahren, wobei diese Entwicklung nicht unbedingt mit der benachbarter Städte konform lief. Im Jahre d1867 gab es in Wilster nur noch 2326 Einwohner, was einen Rückgang innerhalb von nur 3 Jahren um 800 Menschen bedeuten würde. Ungenauigkeiten wohl wenige eher unterschiedliche Zählmethoden der beiden hier handelnden Staaten mögen hier ihre Rolle gespielt haben. Gewiss wird man wohl kaum ein beachtliches Zurückgehen der Bevölkerung in Abrede stellen können. Eine fast stagnierende Bevölkerung ist für die folgenden zwei Jahrzehnte zu vermerken, wohl ein Zeichen dafür, dass der Nahrungsspielraum für die Stadt nach bestehenden Verhältnissen erreicht war. Abwanderung, auch Auswanderung dürfte ihre Rolle gespielt haben. Die nächsten Volkszählungen ergeben folgende Einwohnerzahlen: 1871 (alle Zählungen erfolgen am 1.12. d. Jahres) 2423, 1875 nur noch 2370, 1880 wieder 2547, 1885 dann 2539 also gleichbleibend, 1890 wieder etwas mehr nämlich 2716 und 1895 endlich wieder über das dritte Tausend, nämlich 3075. Es hatte allerdings in den 80er Jahren eine immer stärkere Industrialisierung eingesetzt. Bei den anderen Städten, wo Industrialisierung früher und stärker einsetzte, seien folgende Zahlen herausgestellt: Itzehoe 1864 7356, 1867 8336 und 1895 schließlich 13 903 Einwohner; in Glückstadt haben wir jedenfalls gleichbleibende Zahlen: 1864 sind es 5051, 1867 5533, 1895 dann 6114 Einwohner; ähnlich wie in Wilster verlief die Entwicklung in Krempe, wo wir 1864 1203 und 1895 dann 1284 Einwohner zählen.
Aus der einsetzenden Preußenzeit haben wir ein „Adressbuch für Schleswig-Holstein und Eutin“, herausgegeben 1867 in Rendsburg, in dem auch die Adressen aus der Stadt Wilster verzeichnet sind. Hier erfährt man denn, dass „Postverbindung per Diligence“ besteht. Morgens um 5.35 startet die Postkutsche nach Itzehoe, mittags um 12 Uhr geht eine andere in Richtung Brundsbüttel-Marne-Meldorf-Heide ab. Der Fuhrmann Koskop aber bietet an einen „bedeckten Wagen“ zweimal täglich mit Ausnahme Sonntags nach Itzehoe „mit den Bahnzügen correspondierend“. Dann werden die Honoratioren (noch der dänischen Zeit) aufgezählt: es sind der Landschreiber für die Wilstermarsch, der Kirchspielvogt, der Bürgermeister Rehhof, die „Senatoren“ Schwanbeck, Lübbe und Wischmann. Es folgen die Ärzte, 4 an der Zahl, darunter auch Dr. Mencke, von dem noch zu berichten ist. Weiter der Apotheker H. Meyer, der Postmeister Picker, 2 Veterinärärzte und nur 1 Advokat und Notar. Die beiden Gasthöfe, in denen man abstieg oder von denen man mit der Postkutsche abreiste, waren Nissens Gasthof und das Wilstermarschhaus, beide am Markt gelegen. Und dann folgen die Adressen von 117 Bürgern der Stadt. Zunächst Handwerker und Händler. Da gibt es an selbständigen Existenzen: Bäcker (Konditoren) 5, Färber und Drucker 1, Schornsteinfeger 1, Schiffbaumeister 2, Zimmermeister mit Holzhandlung 4, Gerber 5, Klempner 2, Schlachter (mit Viehhandel teils) 4, Schumacher 3, Goldarbeiter 2, Uhrmacher 3, Tabak-„Fabrikanten“ 9, Schmiede 4, Kürschner 1, Stellmacher 1, Schlosser 1, Tischler 2, Gärtner 1, Kupferschmiede 1, Buchdrucker 2, Sattler und Tapezierer 3, Drechsler 1, er war zugleich Schirmmacher, Buchbinder 1. Es folgen die Krämer: Modewaren 3, Colonialwaren 25, Produktenhandlungen 2, Eisenwaren 3, Kornhandlungen 2, Gewürzwarenhandlung 1, Textilien 1, Getreidehandel (Großhandel) 3, Huthandlung 1, Porzellanwaren 1, Viehhandel 3, Korbwaren 1, Glas und Porzellan 1, Weinhandlung 2, Pfeifenhandlung 1 und weiter je 1 in Kunstschleiferei, Siebwarenhandlung, Steinzeughandlung. Dann gab es noch 11 Gastwirte. Es gab da für unsere Begriffe seltsame Kombinationen bei den Krämern, so z.B. „Tabakfabrik und Kolonialwarenhandlung“, „Woll- und Baumwollwaren, Federn und Daunen“, „Schlachter und Viehhändler“, „H. Martens: Colonial-, Eisen- und Siebwarenhandlung, Licht-, Tabak- und Cigarrenfabrik am Markt“. Die Handwerker arbeiteten noch weitgehend nur auf Bestellung, nicht auf Vorrat, das wurde vielmehr extra angegeben, so: „Klempner, Vorrath von Lampen, Blech- und Messingwaren“, „fertige Herrenkleiderhandlung“ (die Konfektion war neu). J.P.A. Schwarck, einer der bemerkenswertesten Bürger des damaligen Wilster, Herausgeber der ersten Zeitung in Wilster, war hier unter folgendem angegeben: „Schulbuch- und Papierhandlung en gros und en detail, Galanterie- und Kurzwarenhandlung, Commissionsgeschäft, Buchbinderei“ am Kohlmarkt. Ein zusammengeschrumpftes Gewerbe: „Peter Schmielau, verfertigt Sandstein-Monumente“. Unter den Gastwirten ragt hervor „Henning Möller, Gastwirtschaft Colosseum Zingelstraße“. Es gibt auch „H. P. Mohr, Photograph, Rosengarten“ und „C. Möller, Stadtmusicus, Querstraße“. Und dann die „Industrie“, abgesehen einmal von den „Tabakfabriken“, unter denen es gibt eine „Lichtfabrik“, dann die Brauereien, so über das Handwerk schon hinausreichend: „Bairischbierbrauerei Peter Lübbe, Neustadt“ und „Dampf-Branntweinbrennerei, Bierbrauerei und Destillation Johs. Lübbe, Johannisstraße“, dann eine „Wattefabrik“ in Krumwehl. Von Lederfabriken offenbar nichts, sie lagen draußen im Landrecht. Der einzige Betrieb, von dem man sagen konnte, dass es sich um eine Fabrik im Anfangsstadiúm handelte, war „Meyfort C. Schmiedemeister (verfertigt landwirtschaftliche Maschinen) Deichstraße“. Und dieser Betrieb wanderte nach Sude bei Itzehoe ab, am 21. Oktober 1875.624) Interessant ist, in welchen Straßen sich die Betriebe befanden. An erster Stelle stand hier die Deichstraße mit 26 Betrieben, es folgten Kohlmarkt mit 19, Markt mit 18 Betrieben. Die alte Seite stand also im Vordergrund. Hier gab es noch in der Haferstraße und in der Zingelstraße je 5. Die neue Seite trat demgegenüber zurück, hier gab es in der Bäckerstraße 11, der Neustadt 10, der Schmiedestraße 7, dem Klosterhof 5, der Johannisstraße 3, je 1 in Blumenstraße, Rosengarten, Göten, Krumwehl. Schließlich gab es noch 1 im Landrecht, 2 im Neuwerk, 1 in der Querstraße. Insgesamt eine Stadt an der Schwelle der neuen Zeit, die sich nur gerade hier erahnen lässt.
Die Einbindung Wilsters in ein modernes Verkehrssystem hat in der „Kaiserzeit“ seit 1871 weitere Fortschritte machen können. Durch das sog. „Dotationsgesetz“ vom 8.7.1875 übertrug das Land Preußen seinen Provinzen alle Staatsstraßen zu Eigentum und Unterhalt. Ein Schritt, der zur Eigeninitiative anspornen sollte, wie der preußische Staat einer übersteigerten Zentralisation überhaupt zu begegnen wusste. Die Provinz Schleswig-Holstein schuf sich dann am 26.2. 1879 ein neues Wegegesetz. Die Hauptlandstraßen, so die von Itzehoe über Wilster nach Brunsbüttel, wurde Sache der Provinz, der Kreis erhielt die Nebenlandstraßen zugewiesen, alles andere wurde Sache der Gemeinden. Hauptlandstraßen kamen kaum mehr hinzu, es blieb bei den schon erbauten 69,1 km (Maßeinheit war jetzt das Meter, überhaupt herrschte nun das Dezimalsystem, z.B. 1 Mark zu 100 Pfennig, entsprechend die Raum- und Gewichtsmaße unserer Tage, die damals eingeführt wurden). Dafür wurden nunmehr die Nebenstraßen und Nebenwege ausgebaut, zu Allwetterstraßen, in der Marsch entstanden die sog. „Klinkerchausseen“. Die Länge der Nebenlandstraßen im Kreise wuchs von 20 km 1867 auf 310,3 km 1923, dazu kamen noch die Nebenwege mit zusätzlich etwa 170 km, die freilich zunächst „Feldwege“ blieben. Wilster war jedenfalls jetzt mit allen Orten der Marsch durch gute Straßen verbunden, wurde in seiner Funktion als zentraler Ort der umliegenden Marsch gestärkt. Durch Einrichtung von Omnibusverbindungen wurden die Verbindungen zu den einzelnen Orten rundum weiter gebessert. Mit Itzehoe bestand so eine Busverbindung ja schon, seitdem dieses einen Bahnhof besaß. 1888 verband ein Omnibus Burg in Dithmarschen mit Wilster, seit 1889 gab es die Verbindung Wilster-Beidenfleth-Wewelsfleth. So konnte auch das Postwesen angebaut werden, nachdem der preussische Staat ein entsprechendes Gesetz über das Postwesen erlassen hatte (v. 2.11.1867). Postbestellung gab es nun auch auf dem Lande, jede Gemeinde hatte nun ihre Posthilfs-stelle, erhielt täglich Post. Ab 1900 gab es Itzehoe als Postamt I. Klasse. II. Klasse waren die in Glückstadt, Wilster und Kellinghusen, III. Klasse waren in Krempe, Horst, Lägerdorf und St. Margarethen sowie der Truppenübungsplatz Lockstedter Lager. Darunter gab es noch Postagenturen in den Kirchorten. Vorangetrieben wurde schließlich, letzten Endes entscheidend für Wilsters weiteres Gedeihen auf wirtschaftlichem Gebiet, das Eisenbahnwesen. Der dänische Staat hatte schon 1858 einen in Itzehoe entwickelten Plan über einen Weiterbau der „Marschenbahn“ ohne Resonanz gelassen. Jetzt wurde es anders. „Seit 1875 hatte das Projekt einer Eisenbahn Itzehoe-Wilster-St. Michaelisdonn-Meldorf-Heide die Gemüter auf das lebhafteste erregt. Im Oktober (75) wurde der Glückstadt-Elmshorner Eisenbahngesellschaft die Konzession zum Bahnbau erteilt und sogleich mit den Arbeiten begonnen.“625) Die „Holsteinische Marschenbahn“ war dann am 1. November 1878 fertiggestellt und wurde an dem Tage in Betrieb genommen. Damit hatte Wilster endlich, was für seinen agraren Handel vor allem außerordentlich belebend war, seinen eigenen Bahnanschluss. Der Bahnhof erstand dort, wo sich heute die Meierei befindet, ihm gegenüber lag (und liegt) die Post. Von der Burger Straße her erstand die (damalige) Bahnhofstraße (heutige Taggstraße). Dieser Bahnhof lag zur Stadt sehr günstig. Die Marschenbahn wurde übrigens 1886 nach Nordfriesland verlängert (zuletzt bis Hvidding in Nordschleswig), sie wurde zur Schleswig-Holsteinischen Marschenbahn. Am 27. Januar 1890 wurde sie, die bisher einer Aktiengesellschaft gehörte, auch die Stadt Wilster war beachtlich als Aktionär beteiligt, vom preussischem Staat verstaatlicht (Leitung durch die Eisenbahndirektion in Altona). „Für die Marsch ist dadurch“, durch den Eisenbahnbau, „der Absatz ihrer Produkte“ in den neuen Absatzmarkt, der da nunmehr Deutschland hieß, „bedeutend erleichtert, durch den wachsenden Verkehr gewinnen zugleich die Städte. Im Jahre 1889 führte die Schleswig-Holsteinische Marschbahn von den Stationen Elmshorn bis Wilster, also aus dem Bereich Kremper- und Wilstermarsch reichlich 1400 Pferde, 7000 Stück Großvieh und 12000 Stück Kleinvieh aus.“626) An Projekten für einen weiteren Ausbau des Bahnnetzes hat es nicht gefehlt. Vor allem Itzehoe blieb da sehr rege, erreichte auf die Dauer nur die Verbindung nach Wrist (1889). Ein Eisenbahnprojekt Kiel-Nortorf-Itzehoe-Wilster fiel dem 1. Weltkriege zum Opfer.627) Das Jahr 1914 bedeutete das Ende der Eisenbahnausbauepoche.
Der Staat, und nicht nur er übrigens, hat der Stellung der Stadt Wilster als zentralem Ort der Wilstermarsch Rechnung getragen, indem eines der 85 Amtsgerichte, der untersten Instanz im neuen Gerichtssystem, in Wilster seinen Sitz hatte. Die nächst höhere Instanz, das Landgericht (ursprünglich Kreisgericht benannt), hatte für Wilster bis 1878 seinen Sitz in Itzehoe, nach Auflösung des dortigen Gerichts in Altona. Ein Problem war die räumliche Unterbringung, und zwar für Gericht und Gefängnis, das ebenfalls in der Stadt unterzubringen war. 1904 erhoffte sich die Justizbehörde Platz für den Bau eines Gerichtsgebäudes nebst Gefängnis auf dem Areal des alten Friedhofes, über dessen Übergabe an die Stadt die Kirchenbehörde in Verhandlung stand. Schließlich war dann das ehemalige Haus des Pastors Valentin Michaelsen in der Bäckerstraße 1 (heute Sitz des Wilstermarschamtes) das Amtsgericht. Und das Gefängnis wurde - - - das Alte Rathaus. Dieses Bauwerk befand sich schon längere Zeit in nicht gerade guter Verfassung. Schon 1784 erfolgte ein Umbau aus Zweckmäßigkeitsgründen. Neben der Tür gab es seitdem noch eine zweite, die rechts von der ursprünglichen und auch jetzt wieder einzigen eines der dortigen großen Fenster einnahm. Es gab also nur 2 Fenster nach – dem, über denen so 2 kleine Fenster angebracht wurden. Weiter hatte man das ganze Gebäude eintönig gelb angestrichen. Als die Stadt das Doosesche Haus erbte, wurde dieses nicht nur das „Bürgermeisterhaus“, sondern es wurde mehr und mehr auch ein „Neues Rathaus“. Das Alte Rathaus sank immer weiter ab. Die Kämmereistube wurde zuletzt zum Bürgergewahrsam. So bedeutete es nur noch einen weiteren Schritt, als es als Gefängnis eingerichtet wurde. Die Kämmereistube wurde zu 2 Zellen umgebaut für weibliche Gefangene. Der Archivraum war nun Badestube für die Insassen. Die hohe Halle wurde in Höhe des 1. Treppenabsatzes mit einem Zwischenboden versehen, auf dem mehrere Räume errichtet werden konnten. Der obere große Saal gab Platz für 6 Zellen, 4 nach der Au hin und 2 auf die Straße zu, dazwischen ein schmaler Durchgang. Die Gerichtsstube des Rates wurde „Gemeinschaftssaal“, gleichzeitiger Aufenthalt für mehrere Häftlinge. Die linke Tür führte ins Gefängnis, die rechte in die Dienstwohnung des Gerichtsdieners. Die Ratstrinkstube links im Gebäude wurde Wachtraum bei Einquartierungen, die dahinterliegende Kammer wurde Küche.628) Das war ein Tiefpunkt in einer Zeit, in der man sich sonst wohl alter Zeiten gerne entsann, neue staatliche Gebäude gerne im „Renaissancestil“, in „Neugotisch“ bzw. „-romanisch“ erbaute, wie etwa die Post. Aber für wirklich historische Bauten fehlte es vorübergehend an der notwendigen Einstellung. Das musste sogar das Neue Rathaus erfahren. „Das, was wir heute als Front des Bürgermeisterhauses sehen“ schreibt H. Schulz 1932, „ist leider eine böse Veranstaltung; man wollte 1894 wahrscheinlich ein Rathaus haben, das etwas Würdiges nach außen darstellen sollte und verfiel auf den Gedanken, dem Gebäude eine Vorderseite in hannoverscher Gotik vorzusetzen“.629) Man hatte die Fassade ohnehin schon durch einen Putz verunziert. R. Haupt nennt dieses denn auch 1926 „einen ganz abscheulichen und unverantwortlichen Eingriff und Übergriff“, man habe „vor die Schauseite eine neugotische Maske vorgestreckt, die den vormaligen, edlen Eindruck zum Grinsen entstellt.630) So mussten also die beiden schönsten Bauten der Stadt durch ein Wellental der Geschmacksverirrung gehen.
Die Gewerbefreiheit, die Preußens Regiment und der Zollverein des ganzen großen Deutschlands mit sich brachten, setzte das Gewerbe dem frischen Wind des Wettbewerbes aus, barg Gefahren, aber auch große, bisher im Handwerk kaum gekannte Möglichkeiten in sich. Hier brauchte es einer neuen, größeren Möglichkeit, Kredit aufnehmen zu können. So erstand, wohl nicht ganz zufällig, im Jahre 1869 der Kreditverein e.G., Wilster bekam seine erste Kreditbank. 1876 kam dann noch eine weitere Sparkasse und zwar gedacht für die Wilstermarsch hinzu. Weitere Banken sollten noch nachfolgen. Wilster war zentraler Ort für die Wilstermarsch, auch was das Geldgeschäft betraf. Im Jahre 1869 entstand noch ein weiteres wichtiges Vorhaben für Stadt und Marsch: ein Krankenhaus, errichtet durch den Sanitätsrat Dr. med. Mencke, es erhielt ihm zu Ehren 1901 den Namen „Menckestift“. Mencke gründete, einsetzend 1867 einen „Verein zur Verbesserung der Krankenpflege“, zeigte der Stadt und seiner Umgebung an, dass Kranke, welche außerhalb der Wohnung eine ihren Leiden entsprechende Unterkunft, Pflege und ärztliche Behandlung wünschten, solche in einem zu dem Zwecke eingerichteten Krankenhause bekommen könnten. Für Aufenthalt, Kost, ärztliche Behandlung und Medizin wurde täglich 1 Mark genommen. Privatzimmer kosteten wöchentlich 10 Mark. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonnabend 8-9 Uhr morgens wurde Unbemittelten ärztlicher Rat unentgeltlich erteilt. Bei Gründung des Vereines bestand er, der sich „Krankenverein Einigkeit“ benannte, aus 78 Mitgliedern, Ende des Jahres 1869 waren es 114 Mitglieder. Die Gründung erregte Aufsehen, war in der Folgezeit für andere kleine Städte Vorbild. Dr. W. Mencke wurde schon 1874 zum Sanitätsrat ernannt.631) Das Unternehmen trug sich in der Folgezeit selbst, die Stadt brauchte kaum zu helfen. Im „Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1896 – 1910“ heißt es denn auf Seite 73: „Das im Jahre 1870 von dem Sanitätsrat Dr. med. Mencke hier errichtete Krankenhaus genügte bisher den Anforderungen, wenn sich auch manchmal eine gewisse Beschränktheit des Raumes zeigte. --- Der Kirchenvorstand hat seit dem Jahre 1900 hier 2 Gemeindeschwestern angestellt, die durch freiwillige Beiträge von Verbänden und Privaten unterhalten werden. Die Stadt zahlte in den Jahren 1900-1907 einen jährlichen Beitrag von 200 Mark, ab 1907 von 250 Mark.“ Das Krankenhaus lag von vornherein am Klosterhof. Dann gab es noch seit 1883 das „Dianabad“ in der Bäckerstraße, eine Kureinrichtung mit Dampfbädern, Wannenbädern, Kiefernnadelextraktbädern, Schwefelbädern und Solbädern. 1883 gab es 346 Bäder, davon schon für 22 Nicht-Wilsteraner aus Westholstein. Im folgenden Jahre gab es schon 158 Kurgäste und 109 Passanten. In der Folgezeit (1884) gab es dann Eisenmoor- und Stahlbäder, Fichtennadel-, Schwefel-, Sol-, Seesalz-, Mutterlaugen-, Dampf-, Hydrats-, Hanamelis-, Schweizer Gicht-, und schlicht Wannen- und Duschebäder. Die Kurzeit war 2 Wochen. Ein begeisterter Kurgast schrieb, vielmehr komponierte „Erinnerungen an das Dianabad, Festmarsch“, er war ein Turner, „für Pianoforte“; er war aus der Stadt Nürnberg gekommen.632) Und noch in einer Hinsicht erwies sich Wilster damals als zentraler Ort, wurde in dieser Hinsicht auch von der Kreisverwaltung gleichsam honoriert. Otto Neumann schreibt hierzu:633) „1887 wurden unter preußischer Herrschaft unsere Landkreise eingerichtet, so auch unser Kreis Steinburg. Er war der Nachfolger des jahrhundertealten Amtes Steinburg, an dessen Spitze der Amtmann stand. An die Spitze des Kreises Steinburg trat der Landrat. Vor 1867 waren in den Dörfern die Bauernvögte, die Kirchspielvögte, die dafür sorgten, dass die Anordnungen des Amtmannes bekannt wurden. In noch früheren Zeiten wurden die Anordnungen des Königs und des Amtmannes von dem Pfarrer nach der Predigt von den Kanzeln verlesen und dann noch an die Kirchentüre geschlagen. Leichter aber hatte es der Landrat nach 1867. Es wurde ein amtliches Organ herausgegeben: „Kreis- und Anzeigeblatt für den Kreis Steinburg“. Dieses Blatt erscheint mittwochs und sonnabends. Bestellungen nehmen alle Postämter und Landbriefträger entgegen. Abonnementspreis vierteljährlich 4 Sgr. Incl. Post- und Stempelgebühren, frei ins Haus. Gedruckt und verlegt wurde es bei J.P.A. Schwarck in Wilster. „Hier wurden gedruckt Landrätliche Bekanntmachungen, allerlei Nachrichten aus der weiten Welt, Correspondenz-Artikel und heimatliche Anliegen. Bis in die 90ger Jahre wurde das Blatt gedruckt, das also nicht nur Kreisnachrichten brachte, sondern zugleich Publikationsblatt für Wilster und Wilstermarsch war.“ Seine Fortsetzung, nunmehr ausschließlich als Publikationsorgan für eben diesen Bereich, fand es dann in der Folgezeit als „Wilstersche Zeitung“. Und als solche hat es sich bis auf den heutigen Tag gehalten, ganz im Gegensatz zu anderen einst gleichgestellten Zeitungen, wie z.B. Glückstädter Fortuna, Elmshorner Rundschau, Horster Rundschau, Brunsbütteler Rundschau, Marner Zeitung usw., die es alle in dieser Form nicht mehr gibt. J.P.A. Schwarck war auch in anderer Hinsicht für Wilster ein bemerkenswerter Mann. Er war 36 Jahre lang (seit 1872) in der städtischen Selbstverwaltung ehrenamtlich tätig, 24 Jahre lang (seit 1884) als Stadtrat, teils als Beigeordneter. Am 26. Febr. 1908 schied er freiwillig aus dem Amt, die dankbare Stadt machte ihn zum Ehrenbürger.
Gemäß der neuen Städteordnung von 1869 und dem Ortsstatut, welches sich Wilster zu geben hatte, stand an der Spitze der Stadtverwaltung hauptamtlich und auf 12 Jahre gewählt der Bürgermeister, der vom Staate aus zugleich Polizeiverwalter und Amtsanwalt beim hiesigen Amtsgericht war. Das Gehalt betrug 1880 1350 Mark, dazu Dienstaufwand noch 450 Mark, dann hatte er (Bürgermeisterhaus) Dienstwohnung, Garten und Weideland. Am 11.2.1870 wurde mit 148 der 215 abgegebenen Stimmen der Hauptmann a.D. Hinsching zum Bürgermeister gewählt; 1878 wurde Th. E. Gerling auf 12 Jahre gewählt, jedoch folgte ihm schon 1885 C. Rönnebeck im Amt. Carl Rönnebeck schied 1897 nach vollendeten Amtsjahren aus. Es folgte Georg Zülch, der 1903 sein Amt niederlegte, um 2. Bürgermeister in Allenstein zu werden. So folgte ihm durch Wahl vom 15. Mai 1904 Christian Dethlefsen als Bürgermeister nach, ein Glücksfall, denn der fähige Jurist und Verwaltungsfachmann ließ sich nicht für besser dotierte Ämter abwerben. Er hatte seine Stellung als Bürgermeister der Stadt bis 1932 inne. Als ehrenamtlichen Magistrat hatte Wilster 3 „Stadträthe“, einen Beigeordneten (der den Bürgermeister vertrat), dann noch 2 weitere Stadträte, gewählt für 6 Jahre, sie erhielten eine Dienstaufwandentschädigung von (so 1890) je 100 Mark. Ihnen als beschließendes Gremium zur Seite stand das „Stadtverordneten-Collegium“ von 8 von den wahlfähigen Bürgern gewählten Vertretern. Sie erhielten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit nichts.634) Zur Bearbeitung der verschiedenen Anliegen gab es „städtische Commissionen“ (Ausschüsse also) für: 1. Brand und Einquartierung, 2. Kämmerei, 3. Bau und Feld, 4. Schulwesen, 5. Armenwesen. Dabei blieb es zunächst. Nach 1896 kamen noch hinzu 6. Gesundheit, 7. Abfuhr und 8. Beleuchtung.
Die Entwicklung der städtischen Selbstverwaltung hin zu demokratischen Formen förderte den Bürgersinn, die verkehrsbedingte größere Abgeschlossenheit veranlasste geselligen Zusammenschluss vielfältiger Art, da sonstige Anregungen etwa durch die Massenmedien weitgehend fehlten. So gab es für die „Gebildeten“ und Gleichgestimmten den Bürgerverein, der in 2 Semestern dem „Trieb nach Bildung“ nachkam, der „bei uns als sehr in den Windeln liegend zu bezeichnen“ sei. Die Gründung eines naturwissenschaftlichen Vereins war nämlich 1869 abgelehnt worden. Da gab es Vorträge aus eigenen Reihen wie 1871 „Aus Wilsters Vergangenheit“, „Die Tätigkeit der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“, „Aus der modernen Statistik“, „Über Grund und Grad der Strafe“, „Das Musikdrama“, 1876 etwa „Geschichtl. Und geogr. Betrachtungen über die s-h. Westküste“, „Von den Säulen des Herakles bis zum Bosporus“ oder „Napoleon auf Elba“. 1876 gab es dann daneben den Bürgerclub, mehr praktischer ausgerichtet, aber auch er um Weiterbildung bemüht. In beiden Vereinen aber wurden Anliegen des Gemeinwesens diskutiert, wurden Anträge gestellt, Kommissionen gebildet, wurde immer wieder der Denkanstoß gegeben, der dann von der kommunalen Selbstverwaltung aufgegriffen wurde. So informierte man sich durch Lehrer A. Claussen 1870 über die Neuorganisation des städtischen Schulwesens. Es gab noch immer 1880 die 3-klassige Knabenschule, die jetzt auch 3-klassige Mädchenschule, die eine Elementarklasse, dazu je eine Privatschule für Jungen und Mädchen. 1890 gab es weiterhin die 7 Klassen für 166 Schüler und 205 Schülerinnen. Daneben jetzt nur eine gemeinsame Privatschule für Jungen und Mädchen von Fräulein Nissen mit 35 Schülern. Sie war da für diejenigen Schüler, die mit der Volksschule kein Genüge fanden, „Höhere Töchter“ und Knaben, die einmal auf eine weiterführende Schule sollten. 1873 verließ Rektor Reinh. Ludw. Ernst Heyer die Schule, nachdem er noch vorher die Doosesche Bibliothek gefährdet hatte. Er wollte die alten Werke mit wertvollen Kupfern veräußern, um dafür moderne Schulbücher zu kaufen, wobei er auf zähen Widerstand der Lehrer stieß, der anscheinend teilweise Erfolg hatte. Mit ihm verließ der letzte Studierte die Schule, neuer Rektor wurde der erste „Seminarist“, der diese Stelle innehatte, H. Sönnichsen. Schon 1870 beschäftigte sich der Bürgerverein mit der Frage einer Errichtung einer Fortbildungsschule für Handwerker. Diese erste Berufsschule sollte als Sonntagsschule anfangen. Ein Komitee wurde gebildet, welches „alle dafür Interessierten“ zum 15. März 1874 zu einer Versammlung einlud. Im Mai des Jahres hatte sich der Verein dafür konstituiert, und am 4. Oktober 1874 wurde die „Fortbildungsschule“ feierlich eröffnet.635)
Ein anderes Thema war das Feuerlöschwesen. Es müsste an die Stelle der alten allgemeinen ungeschulten Bürgerfeuerwehr, die es noch immer gab, eine aus Freiwilligen treten, die monatlich einmal übten, wie Photograph Mohr im Bürgerverein forderte. Der Vertreter des Turnerbundes teilte dazu mit, dass die Turner dazu bereit seien, wenn die Bürger einwilligten, eine Freiwillige Feuerwehr zu bilden. Der Bürgerverein bildete auch hier eine Kommission, der Bürgermeister wurde gewonnen, Informationen aus Kiel und Zwickau, wo derlei Feuerwehren schon bestanden, eingeholt. So erstand schon 1870 in Wilster die Freiwillige Feuerwehr. Eine weitere als dringend angesehene Angelegenheit war die Versorgung mit besserem Trinkwasser. J.P.A. Schwarck stellte den Antrag „Röhrenbrunnen“ zu erstellen, eine „für unsere Stadt außerordentlich wichtige Angelegenheit“ (1871). So erstanden bis 1876 6 kommunale Röhrenbrunnen, je einer in der Marktstraße, Kohlmarkt, Hofstelle, Bäckerstraße, Neumarkt und Zingelstraße. Dieses Wasser war gewiss nicht gut, jedoch besser als das immer mehr gesundheitsschädigende aus der Au. Dann gab es noch zahlreiche weitere Themen. Man war bestrebt vor jeder öffentlichen Sitzung beider Stadtkollegien eine eigene Versammlung abzuhalten, um zu beraten über Dauer des Marktes, Entwässerung des Kirchhofes, Schulneubau, Umgang mit den neuen Maßen und Gewichten, die Kirchensteuer, ev. Neuwahlen für Stadt- und Kirchenvertreter, einen Verschönerungsverein usw.
Ein reges Vereinsleben kennzeichnete überhaupt das Stadtleben. Da gab es musikalische Darbietungen der Liedertafel, oder auf Veranstaltungen, die vom Bürgerverein vermittelt wurden, die Kräfte von auswärts hierfür gewannen, oder es sind einfach Gaststätten, die dieses tun. 1883 gibt es ein Wilsterscher Musikkorps. 1889 fand das Sängerfest der Liedertafeln in Wilster statt, 12 Vereine mit 350 Sängern waren beteiligt. Theaterensembles erschienen und wirkten in der Stadt, Cirkusse gastierten. 1888 bildete sich der Club „Gemütlichkeit“, der keine geistigen Ansprüche stellten wollte, nur Geselligkeit pflegen wollte. Kegelbahnen gab es in vielen Lokalen, 1872 gab es die „Ringreiter-Gesellschaft in Wilster“. Und dann war da der Turnverein, der sich nun Turnerbund nannte. 1880 entstand dann ein zweiter Turnverein, der Männer-Turn-Verein, der auf die Dauer Sieger blieb. 1883 zum Fest des dreijährigen Bestehens lud er auch „die ehemaligen Angehörigen des Turnvereins von 1861“ ein zur Fahnenweihe. 1884 war sodann die „Gauturnerstunde“ in Wilster. 1888 gab es auch einen Frauenverein „Marsia“, der bei Gründung 40 Mitglieder hatte, 1889 wird der „Verein vom Roten Kreuz“ erwähnt. Ein „Liberal-kirchlicher Verein“ wirbt für „liberales Christentum“, trifft bei den Gebildeten auf reges Interesse, ein Lehrerverein vertrat Berufsinteressen als Teil eines „allgemeinen s.h. Lehrervereins“, ein Geflügelzuchtverein (1883) will wirtschaftlichen Zwecken dienen. Großen Zuspruch und allgemeinen öffentlichen Rückhalt hatten auch die verschiedenen Kriegervereine. Da gab es den „Verein der Schl.-Holst. Kampfgenossen“, die Soldaten der Erhebung 1848-51. Es war ein allgemeines Volksfest, wenn sie des Jahrestages der Erhebung gedachten. Zum 25. Jahrestage 1873 bildeten den Umzug durch die Straßen: Feuerwehr als Spitze, Wagen mit den Invaliden, Musiker, die „Kampfgenossen“, die Prediger, die städtischen Kollegien, der Kriegerverein von 1870, Trommler, die Bürgergilde, die Liedertafel, die Schiffergilde, der Bürgerverein, ---- . Schon damals stand auf dem Kirchhofe ein Denkmal für die Erhebung. Schon im Oktober 1871 hielt der Kriegerverein von 1870/71 seine erste Versammlung ab, bald hatte man auch seine Fahne, wie es sich für einen Verein damals unumgänglich gehörte. Die Soldaten, die nach 1870 dienten, keinen Krieg mitgemacht hatten, bildeten 1883 einen „Militärverein“.636) Der errungenen Einheit und nationalen Freiheit entsann man sich immer wieder sehr. So erstand das Ehrenmal der Krieger von 1870/71 auf dem Neuen Kirchhofe ebenfalls und 1898 dort noch eine Doppeleiche zur Erinnerung an die 50. Wiederkehr der Erhebung von 1848.637)
Wichtigste Einnahmequelle für die Bürgerschaft war nach wie vor die Landwirtschaft der Wilstermarsch. Verständlicherweise, wenn man die Fruchtbarkeit des Marschbodens berücksichtigt. Der preußische Staat hatte in den 70er Jahren eine Bodenuntersuchung zum Zwecke realer Grundsteuereinschätzung durchführen lassen. Ergebnis: die Geestböden des Kreises wurden (im Durchschnitt) auf 3,1 Tale je Hektar geschätzt, die Marschböden aber auf entsprechend 14,3 Taler.638) Dabei war gerade in der Wilstermarsch ein folgenreicher Wandel in der Bodennutzung eingetreten. „Am meisten tritt das Ackerland in der Wilstermarsch zurück“, schreibt 1926 Landwirtschaftsschul-direktor Wilhelm van der Smissen639) und weiter: „Ehemals ist auch hier eine umfangreichere Ackerwirtschaft betrieben worden. Auf einer großen im Besitz des landwirtschaftlichen Kreisvereins für den Kreis Steinburg befindlichen Karte im Maßstab 1:25 000, auf welcher die einzelnen Grundstücke so gekennzeichnet sind, wie sie Mitte der 1870er Jahre für die Grundsteuer eingeschätzt wurden, sieht man, wie damals große zusammenhängende Flächen der Wilstermarsch , die heute in Weide liegen, als Ackerland behandelt worden sind. Es scheint damals alles genügend hohe und pflugfähige Land unter dem Pfluge gelegen zu haben.“ 1907 waren in der Wilstermarsch dann nur noch 33,6 % Ackerland, dagegen 64,4 % Wiesen und Weiden.640) Dieser Prozeß hat sich seitdem fortgesetzt. Rotbunte Rinder und Pferde des holsteinischen Schlages wurden immer mehr „so recht der Schwerpunkt der ganzen Wirtschaft, der Stolz und die Freude des Landmannes“.641) Große Erfolge hatte man mit der Rinderzucht. „Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begann man – mit der Einführung von Shorthorns aus England, um besonders die Form der Rinder zu verbessern. Die im Jahre 1863 in Hamburg abgehaltene internationale Viehausstellung richtete die Aufmerksamkeit mancher Züchter auf die Shorthornzucht, und ---- in den Elbmarschen fing man an, mehr und mehr mit Shorthorns zu kreuzen“.642) „In früherer Zeit standen zur Förderung der Rindviehzucht lediglich größere Staatsbeihilfen als Tierschaupreise zur Verfügung, ---- Viele Tierschauen sind seinerzeit abgehalten worden, um dieser Preise nicht verlustig zu gehen.“643) So gab es auch einen Tierschauverein in der Marsch um Wilster. Die Tierschauen fanden in Wilster statt, meinst ein öffentliches Ereignis. Die von 1870 fand am 6./7.Juli statt, endete mit Verlosung und Feuerwerk. Ausgestellt waren 10 Hengste, 26 Bullen, 36 Mutterstuten, 22 dreijährige Pferde, 5 noch jüngere Pferde und 98 Stück Hornvieh. 33 Stück von letzteren gingen nach Gumbinnen in Ostpreußen, andere nach Schlesien und Frankreich.644) Die Weiterentwicklung ging dann vom „Wilstermarsch-Verein“ aus, welchen patriotische Männer schon 1835 ins Leben gerufen hatten. Er führte 1876 für den Bereich der Wilstermarsch die Führung eines Herdbuches ein. Man begann also mit wirklich planmäßiger Zucht.645) 1875 erfolgte schon der Anschluss des alten Tierschauvereines an den „landwirtschaftlichen Verein für die Wilstermarsch“, der nun die Tierschauen auf dem Colosseumsplatz in eigener Regie führte. Niemals vorher und später war Wilster mehr geprägt durch solche Tierschauen als in jenen Jahrzehnten. Der Geburtstag des Landwirtschaftlichen Vereins war der 15. Juli 1871 im Wilstermarschhause in Wilster.646)
Neben der Rinderzucht stand die Pferdezucht.647) Jahrhundertelang wurden Holsteiner Pferde exportiert, Niederländer und Franzosen, auch deutsche Staaten kauften sich Militärpferde in Holstein. Sie kamen auch stark aus den Marschen. Hier vor allem wurde dann auch das Holsteiner Pferd gezüchtet, in dem man den einheimischen Schlag mit Vollblut aus England kreuzte (bis 1835), wobei vor allem die Kremper Marsch führend war.648) Organisation wurde der Verband der Pferdezüchter in den holsteinischen Marschen. Die Pferde wurden als „Remonten“ gerne vom Militär genommen. Es lohnte sich, auf diesem Gebiete tätig zu sein, auch in Wilster. Hier blühte der Pferdehandel besonders in den letzten Jahren vom dem 1. Weltkriege. Die überragende Persönlichkeit war hier Heinrich Auhage, der größte Pferdehändler der Stadt. Er verkaufte Hunderte von Pferden in alle Welt von Wilster aus, an den britischen Hof oder an den Zaren etwa. Groß war sein Geschäft mit Remonten für das heimische Heer. Sein Anwesen lag in der Neuen Burger Straße. Insgesamt besaß er 16 Höfe. Als nach dem 1. Weltkrieg das Reich mit seinen Verpflichtungen in Verzug geriet, in kürzester Zeit eine große Anzahl von Pferden zu liefern, hat er vollbracht, was kaum einer für möglich hielt. Er starb am 14. September 1928, in einer Zeit, als das Geschäft mit Holsteiner Pferden wohl noch bestand, aber seinen Höhepunkt wohl überschritten hatte.
Dadurch dass die Wilstermarsch immer mehr zu fast reiner Viehzucht übergegangen ist, hat man auf den Höfen an Menschen einer gespart, auf dem Lande hat denn auch die Marschbevölkerung nur noch gering zugenommen. Andererseits waren die Geburtsraten noch hoch, während die Sterblichkeitsrate sinkend war. Als 1892 die Cholera zum letzten Mal nach Hamburg eingeschleppt wurde, gab es im Kreisgebiet nur noch einige Fälle in Lägerdorf und Rethwisch. Wilster war nicht betroffen. Die Malaria hörte im Kreisgebiet auch in den Marschen nach 1887 auf. Diphterie erscheint seit 1862 in den ärztlichen offiziellen Listen. Der Kreis war in „Physikate“ eingeteilt. Im Physikat Wilster gab es 1868 22 Erkrankungen mit 1 Todesfall. 1869 war in Wilster ein starkes Scharlach-Jahr. Man hatte gelernt, die Krankheiten unter Kontrolle zu bringen. Dabei waren für heutige Begriffe die Geburtenraten hoch. In Wilster wurden auf 1000 Einwohner lebend geboren 28,5 im Jahre 1872, 1883 waren es 28,6, 1893 gar 35,3, um 1910 auf 24,7 zu „sinken“. Die Säuglingssterblichkeit war allerdings recht hoch, sie betrug in Wilster zwischen 1870 und 1880 22 %. Eine andere Geißel war die Schwindsucht. In Wilster starben an ihr 1875-80 42, an Krebs nur 14.649) Es wurden in Wilster 1895 217 geboren bei 78 Todesfällen, ein hoher Überschuss also. 1910 waren es 120 Geburten bei 96 Todesfällen. Interessant auch das Alter, in dem die einzelnen starben. 1896 starben 27 bis 5 Jahre, 4 bis 10, 2 bis 20, 6 bis 30, 2 bis 40, 3 bis 50, 4 bis 60, 13 bis 70, 9 bis 80, 6 bis 90 und 2 bis 100 Jahre.650)

Einer stark wachsenden Bevölkerung musste ein Wachstum der Arbeitsmöglichkeiten entsprechen. Geschah dieses nicht oder doch nicht in ausreichendem Maße, wie es einer damals jungen Industrienation wie der Deutschen noch der Fall war, trat etwas ein, welches man damals auch wohl den Pauperismus genannt hat. Er zeigte sich auch in Wilster. So bildete sich 1883 in der Stadt ein Verein gegen Bettelei. Er wollte Notleidenden helfen und vom Betteln abhalten. Es wurden innerhalb von 3 Monaten des Jahres 764 Personen mit zusammen 277 Mark unterstützt, weitere 149 wurden abgewiesen. Bei etwa damals 2500 Einwohnern war es eine Anzahl also, die 1/3 der Bevölkerung entsprach. Doch waren die Quanten je Monat variabel, für Januar 1883 also 300 Personen, für den Februar 285 usw. Es konnten immer einmal wieder dieselben sein, auch waren wandernde Handwerker in größerer Zahl dabei. Die Bedürftigkeit war jedoch ohne Frage groß, die Belästigung der Bevölkerung durch Betteln ebenfalls. Der Unterstützungssatz wurde auf 30 Pfennige pro Person festgelegt. „Wir bitten die Mitglieder dringend“, so ersuchte der Verein, „der statuarischen Verpflichtung, keinem fremden Bettler etwas zu geben, pünktlich nachzukommen. Es ist dies der einzige Weg, die vagabundierenden Bettler aus unserem Distrikt zu entfernen.“ Es waren Arbeiter, Schlachter, Bäcker, Schuhmacher, Maler, Tischler, Maurer; die ganze Skala des Handwerks tat sich da auf. Insgesamt wurden 1883 unterstützt 1830 Personen, 1881 waren es 2380 und 1882 2438 Personen. Wandernde Arbeitssuchende, die in Wilster übernachteten, gab es im 3. Vierteljahr 1883 dort 296.651)

Das Land und mit ihm Wilster vermochte nicht allen, die da heranwuchsen, Arbeit und Brot zu geben. So war Auswanderung das damalige wichtigste Ventil. Amerika war das begehrteste Ziel. Hamburg vor allem war der Auswanderungshafen. In Inseraten in Wilsters Zeitung wird geworben. Es heißt dort etwa: „Billigste und schnellste Auswanderer-Beförderung nach dem Westen Nordamerikas (wöchentlich zwei Mal) vermittelst der berühmten Postdampfschiffe der Allan-Linie via England und Quebek ---„ oder ein Jahr später (1872): „Kürzester Weg, billigste und schnellste Auswanderer-Beförderung nach dem Westen Nord-Amerikas, wie nach Chicago, Detroit, Milwaukee, Cincinnati, St. Louis, Oklahoma, Kansas City, San Francisco, sowie nach New York, Quebek, Boston, Portland und Baltimore ….“ Es sind zunächst meist Briten, die dieses Geschäft betreiben. 1883 hat Wilster eine Agentur für Auswanderer, eine deutsche. „Direkte Deutsche Dampfschifffahrt zwischen Hamburg und New York vermittelst großer, neuer, eiserner Schrauben-Dampfschiffe. Anerkannt beste Zwischendecks-Einrichtungen. Billige Überfahrtspreise. Vorzügliche Verpflegung. Abfahrt zweimal monatlich. Nähere Auskunft erteilen nur die obrigkeitlich befugten Schiffs-Expedienten Morris und Co. Hamburg, sowie Fritz Ehlers in Wilster. 1884 hat dann auch die HAPAG eine Agentur in Wilster.652)

Die Bedrängten, die im Lande blieben, wehrten sich. Auch in Wilster entwickelte sich eine Arbeiterbewegung, wie aus der Zeitung der Stadt zu ersehen ist. 1873 gab es einen „Baugewerk-Verein“, der zu einer Versammlung aufrief. Thema: Verhandlung über beanspruchte Lohnerhöhung der hiesigen Zimmerer- und Maurer-Gesellen. Neben der Gewerkschaftsbewegung erweckte die Sozialdemokratische Partei (SPD), die sich parallel bildete, Aufmerksamkeit. Besonders zahlreich waren Aufsätze zum Thema aus dem Jahre 1877. Da hieß es: „Ein Volksstaat – Die Gesellschafts-organisation der Sozialdemokratie“, „Mitarbeit der Kirche an den sozialen Fragen der Gegenwart“, „Eugen Richter gegen die Sozialdemokratie“ usw.653) Am 21.10.1878 gab es dann einen Rückschlag. Reichskanzler v. Bismarck setzte das sog. Sozialistengesetz durch, wodurch alle sozialistischen vereine, Versammlungen und Druckschriften verboten wurden. Die Sozialdemokratie ging durch eine Verbotszeit, die bis 1890 dauerte, aus der sie aber gestärkt hervorging. In diese Verbotszeit fällt andererseits die international vorbildliche deutsche Sozialversicherung. 1883 wurde die Krankenversicherung eingeführt. Ihr folgten 1884 die Unfall- und 1889 die Invaliden- und Altersversicherung. Man hatte sich bis dahin mit privaten Kassen geholfen. So entstand schon am 21. Mai 1866 die Witwen- und Sterbekasse zu Wilster, die 1874 mit ursprünglich 52 auf 172 Mitglieder im Jahre 1883 stieg. Aufgenommen wurde, wer das 45. Lebensjahr noch nicht überschritten hatte.654) „Eine Krankenkasse auf Gegenseitigkeit `Hoffnung` besteht seit 1891, hat reichlich 100 Mitglieder“, berichtet der Verwaltungsbericht der Stadt, weiter aber auch, dass sich auch die Betriebe ihrer Belegschaften durch Gründung von Betriebskrankenkassen angenommen hatten, nämlich die Gerbereien „Falk und Schütt“ und „Gebrüder Böhme“. Schließlich noch der knappe Vermerk: „Seit 1885 besteht hier eine Ortskrankenkasse“.655) Auch die anderen Versicherungen wirkten sich aus. 1896 wurde die Unfallversicherung in 15, 1900 in 26 Fällen betroffen, Quittungskarten der Alters- und Invalidenversicherung wurden ausgestellt 1896 646 und 1900 dann 779. Daneben wirkten und vermehrten sich weiterhin die Legate, welche in der Geschichte der Stadt so viel Segen gestiftet haben. 1864 gab es die Kühlsche Armenstiftung (ein Grundstück und 50 000 Mark. 1894 stiftete Emil Tetens für Witwen und Waisen 10 000 Mark, 1906 stiftete Stegemann für alte bedürftige Leute 47 000 Mark und ein Grundstück.656) Beachtenswert war auch, was die Geschwister Reichsgerichtsrat Wulf Tagg und seine Schwester Ida Caroline Friederike Tagg, die beide in Kiel im Jahre 1914 verstarben, ihrer Geburtsstadt Wilster (ihr Vater Dr. Heinrich Ludwig Tagg war hier bis zu seinem Tode Arzt) stifteten zur Unterhaltung bedürftiger Personen, die nicht öffentliche Armenunterstützung erhielten, dann zur Aufbesserung der Renten von Insassen der Stifter und Gasthäuser (Armenhäuser) der Stadt. Insgesamt waren es rund 200 000 Mark, welche die Stadt nach Abzügen und Verpflichtungen so erhielt. Später wurde die Bahnhofstraße in Taggstraße umbenannt, nachdem der Bahnhof verlegt worden war.657)
Die Industrialisierung des Wilsteraner Raumes hatte gerade in den ersten Jahrzehnten der preußischen Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Freilich geschah dieses weniger in der räumlich beengten Stadt, zu eng waren ihr die Grenzen gezogen worden, zu gering war der Raumgewinn gewesen, welcher bis dahin von der Stadt erzielt werden konnte. Die Industrie entwickelte sich dafür im Landrecht, der Fortsetzung der Siedlung Wilster jenseits der Stadtgrenzen, entlang der Straße, welche noch heute den Namen Landrecht führt. Nikolaus Böhme hatte hier um 1850 mit 4-5 Leuten einen Gerbereibetrieb begonnen.658) Der Betrieb wurde nach und nach vergrößert. Ende der 70er Jahre wurde die Roßlederfabrikation aufgenommen und nunmehr fabrikmäßig betrieben. In den Jahren 1880-1890 erfolgte dann ein gewaltiger Aufschwung, es wurden bis zu etwa 350 Arbeiter beschäftigt. Die Konjunktur in der Fabrikation von lobgarem (?) Roßleder (vegetabilische Gerbung) hielt dabei bis etwa 1900 an. Ein weiterer Gerbereibetrieb wurde 1873 durch Johannes Falck ebenfalls im Landrecht gegründet. 1883 trat M. Schütt als Compagnon bei, daher der Firmennahme „Falck und Schütt“, Lederwerke G.m.b.H.“ „Es werden in der Hauptsache Chkrom-Roßchevreau und Chrom-Roßbox hergestellt.“ Auch diese Firma nahm einen erfolgversprechenden Aufschwung. 1899 waren hier 354 tätig, bei den Gebrüdern Böhm 320 Arbeiter.659) Den Wohlstand der Fabrikanten zeigt uns andeutungsweise noch heute die „Villa Schütt“ (Etatsrat Michaelsen-Straße), welche ihr Besitzer 1896/97 errichten ließ. Stolz berichtet der Bauunternehmer Hermann Kruse über das Bauwerk, wir sagen heute „im wilhelminischen Stil“, daher errichten durfte: „Vom 1. März des Jahres“ 1896 „bin ich speziell mit der Ausführung einer herrschaftlichen, mit allem Comfort der Neuzeit (Niederdruck Wasserheizung, Wasserleitung, elektrische Lichtanlage) ausgestatteten Villa für den Fabrikanten M. (Markus) Schütt hierselbst betraut, welchen Bau ich bis zum 1. Januar 1897 zu beendigen gedenke. Wilster, d. 15. Oktober 1896. Hermann Kruse.“ Die Siedlung Wilster diesseits und vor allem jenseits der Stadtgrenzen wurde immer mehr in jener Zeit eine Industrie- und Arbeitersiedlung. Dieses schuf eine neue Situation. Bäuerlicher, landrechtlicher Widerstand gegen eine Eingemeindung wurde beinahe utopisch. So ist es denn am 1. Juli 1896 zu der bisher größten Eingemeindung in die Stadt Wilster gekommen. „Eingemeindet sind --- von der Gemeinde Landrecht 1316 Personen, von der Gemeinde Dammfleth 145 Personen, von der Gemeinde Nortorf 621 Personen“, ein erheblicher Zuwachs. Die Stadt Wilster zählte denn auch 1900 5124 Einwohner.660) Das war in der Vorweltkriegszeit der Höhepunkt. Hinzu kamen die beiden Straßenzüge Landrecht und gegenüber Hinter der Stadt Straßenzüge, an denen viele Arbeiter wohnten. Weiter die Fortsetzung des Landrechts, die Rumflether Straße und dem Deich, weiter der heutige Straßenzug, damals Chaussee nach Burg, die Neue Burger Straße. Weiter kam hinzu ein Gebiet jenseits der Dammflether Brücke, weiter die Lange Reihe und der Bischofer Deich. Das Areal der Stadt wuchs auf nunmehr 185 ha 2 a 2 qm an. Verglichen mit anderen Städten, etwa Itzehoe, ist dies auch nunmehr nicht zu viel, aber die Zeit der großen Beengung war nunmehr Vergangenheit. Durch Beschluß der städtischen Kollegien wurde die Anzahl der Stadtverordneten nunmehr auf zunächst 12 erhöht, so am 4.12.1896. Etwas änderte sich trotz Zensuswahlrecht, das ja vor allem Arbeiter ausgeschlossen hatte, nun auch die Zusammensetzung des Stadtparlamentes. Bis 1896 saßen in ihm 5 Handwerksmeister und 3 Kaufleute, ein typischer Querschnitt für die alte Stadt. Jetzt wurde am 11.2.1898 gewählt der Gerber-arbeiter Hugo Werlich, der noch im selben Jahre ausschied und dem Zimmermann Cl. Junge Platz machte. Zu mehr allerdings schaffte es die Arbeiterbewegung angesichts der Umstände noch nicht.661)

Übrigens gehörte die Kirche Wilsters ebenfalls zur Stadt. Mit der einsetzenden preußischen Zeit war für derlei Enklaven, die sich da zähe durch die Jahrhunderte gehalten hatten, kein Platz mehr. Krumwehl war übrigens schon 1870 (zusammen mit der Langen Reihe) eingemeindet worden.662) Doch zurück zu den Beziehungen der Kirche zum Gemeinwesen. Dieses war nach wie vor ein praktisch rein evangelisch-lutherisches geblieben. Die alte Stadt zählte von 3046 Einwohnern im Jahre 1895 ganze 26 Katholiken, 1 war Mitglied einer Sekte, ohne Glauben gab es keinen, Juden ebenfalls nicht. Und 1900 nach Hinzufügung zahlreicher Arbeiter, die teils von auswärts zugezogen waren, gab es von den 5124 noch immer 5071 Evangelische, nur 48 Katholiken, der Sektierer war verschwunden, Juden gab es weiterhin nicht, aber doch 3 Glaubenslose.663) Kirchennachrichten waren für die Zeit: 1876/77 wurde das Archidiakonatgebäude abgerissen und neugebaut, 1897 wurde das Diakonathaus Burger Str. 2 verkauft, dafür Bahnhof-(Tagg-) Str. 7 gekauft. 1899 erfolgte die Einrichtung einer Gemeindepflegestation, 1905 der Bau einer Kirchenheizung. Wichtig war, dass am 22. Oktober 1893 das Kirchspiel in drei pfarramtliche Geschäftsbereiche eingeteilt wurde, dass die Amtsbezeichnungen Archidiakonus und Diakonus verschwanden, dafür gab es seitdem den 1. und 2. Kompastor. Mit dem Kommen der Preußen gab es auch eine neue Kirchenverfassung. Kirchenhauptleute und Geschworene verschwinden. Auf Grund der Gemeindeordnung vom 16. August 1869 wurde im Oktober darauf schon ein Kirchenkollegium gewählt, auch die von Kirchenältesten. Kirchenälteste gab es 5, Kirchenvertreter 18. Auch hier gewiß eine Wendung hin zu mehr Demokratie.664) Auch für die Schule änderte sich einiges in bezug auf das Verhältnis zur Kirche. Am 19. Oktober 1896 wurden die Lehrerämter von dem ursprünglichen Charakter als kirchliche Ämter gelöst. Das geschah auf Veranlassung der Kirchenbehörde. Den Beschluss fassten Regierungsvertreter, Kirche, Schule und Stadt gemeinsam. Die kirchliche Behörde verzichtete auf das Eigentumsrecht auf die Schulhäuser zugunsten der Stadt. Die Stadt übernahm dafür fortan die Besoldung der Lehrer.665) Auch der alte Kirchhof ging in dieser Zeit in die Hände der Stadt über. 1892 tauchte der Plan auf, den Platz, mehr war es damals schon nicht mehr, der Stadt zu übergeben, aber der Kirchenvorstand lehnte noch ab. Die umfassenden Gräben wurden seit 1885 etappenweise zugeworfen. Auch für die Entwässerung konnte die Stadt geradestehen. 1897 wurde der Platz dem „Verschönerungsverein“ Wilsters übergeben. Schon 1896 war der „Steindamm“ rund um den alten Kirchhof entfernt worden, ein Kiesweg war an die Stelle getreten. Bei den ungeklärten Verhältnissen drohte der Platz zeitweilig zu einem Schuttabladeplatz zu werden, auch war er Hühnerweide und Ledertrocknungsplatz. 1904 wollte das Amtsgericht hier gerne Amtsgebäude und Gefängnis errichten. Erst 1907 kam es zur Einigung zwischen Stadt und Kirchengemeinde zusammen mit einem Rechtsstreit um die Unterhaltung der Schweinsbrücke und den Weg von dort bis zum Friedhof allein zu unterhalten. Die Kirchengemeinde verzichtete nunmehr auf Klüvers Gang, der ja auch Kircheigentum war, auch auf Rückzahlung für Ausbesserung der Schweinsbrücke, die von ihr gezahlte Summe sollte der Stadt bleiben, wenn die Stadt den Kiesweg um den Alten Kirchhof als Kircheneigen anerkenne. Die Stadt erklärte, es war eben eine Geldfrage gewesen, sich nunmehr bereit, den ganzen Platz für 4000 Mark zu kaufen „mit allen Lasten und Beschwerden“, verpflichtete sich zur Instandhaltung des Dooseschen und Kommeterschen Grabes, und sie darf ihn nur als Schmuckplatz verwenden, auch 30 Jahre nicht verkaufen.666) Nun konnte hier endlich der Stadtpark entstehen. Auf ihm steht heute noch ein Denkmal aus jener Zeit. Es ist gewidmet Johann Meyer, geboren in Wilster am 5. Januar 1829, gestorben in Kiel am 15. Oktober 1904. Er war ein einst gefeierter Dichter in niederdeutscher Sprache. Adolf Bartels bezeichnete ihn als den hervorragendsten Nachfolger von Klaus Groth. Hebbel sagt von seinen „Plattdeutschen Gedichten in Dithmarscher Mundart“, dass in ihnen „vom hellen sangbaren Lied an durch die saftige, frische Idylle hindurch bis zum historischen Genrebild hinauf, alle Töne, wenn auch zum Teil schwächer und matter, dem Leser wieder entgegen klingen, die Klaus Groth den verdienten Beifall gewannen.“ Seine Heimatstadt ehrte ihn durch das Denkmal.667) Der jetzige Neue Kirchhof ist heute noch in Benutzung. Schon 1886 wurde eine Erweiterung in Aussicht genommen. 1888 wurde der ganze Rest des städtischen Kleinen Brooks hinzugekauft, auch noch weitere Ländereien vom Heeschen Anwesen. Der Kauf zögerte sich freilich bis 1893 hin. 1894 konnte dieser neue Teil in Nutzung genommen werden.668)

Das Wachstum der Stadtbevölkerung und die beträchtlichen Eingemeindungen mussten sich natürlich auch auf die Schule auswirken. Es konnte auf die Dauer nicht bei einer 3-klassigen Schule für 8 bzw. 9 Schuljahrgänge sein Bewenden haben, auch genügte das Schulhaus, das Anfang des Jahrhunderts in der Zingelstraße errichtet worden war, immer weniger den Erfordernissen. Das Thema Schulneubau war zum mindesten in den 70er Jahren oft diskutiert. Es wurde daran gedacht, den erforderlichen Neubau im einstigen Michaelsenschen Garten zu errichten, doch war der Bürgerverein dagegen, weniger gegen einen Neubau, der ja notwendig war, als gegen eine Verkleinerung dieses großen öffentlichen Gartens der Stadt.669) Der Schulneubau erfolgte dann im Jahre 1885 in Nachbarschaft des Alten Kirchhofes und späteren Stadtparkes, hinter der Zingelstraße. Der Kirchhofsgraben wurde eben in demselben Jahre 1885 „vor der neuen Schule“ zugeschüttet.670) Es entstand eine jener Schulen „wilhelminischen Stils“, wie sie damals allerorten errichtet wurden. Schultechnisch gewiß ein großer Schritt nach vorne. Hinter dem Landrecht stand die zweiklassige Gemeindeschule, die mit Eingemeindung 1896 auch in den Besitz des Stadtfiscus überging. Nun, im Jahre 1896, wurde die Knabenklasse 8-klassig, die Mädchenklasse jedenfalls 7-klassig. Jetzt also hatte jeder Schuljahrgang endlich seine eigene Klasse, getrennt natürlich in jener Zeit nach Jungen und Mädchen. „Für sämtliche Schulkinder wurden in den Jahren 1898 (Mädchenschule) und 1913 (Knabenschule) neue Schulräume gebaut und die alten Schulgebäude anderweitig verwendet“.671) Der Mädchenschulbau erfolgte im Bereich der alten Landrechtschule, die 1913 noch einmal erfolgende Neubautätigkeit wurde notwendig, als die neue Mittelschule die Schule von 1885 übernahm. Das Volksschulwesen war also ausgebaut. Kinder, die für weiterführende Schulzweige vorgesehen waren, mussten als „Auswärtige“ nach Itzehoe, wenn sie nicht eine Privatschule besuchten, die zuletzt an der Stelle sich befand, wo früher einmal das Michaelsensche Haus gestanden hatte am Marktplatz (Kirchplatz). Diese Privatschule war eine Mischung von Zubringerschule für Gymnasien oder andererseits Bildungsstätte für solche, die eine etwas umfassendere Ausbildung erhalten sollten. Diese Zwitterstellung hatte dann ein Ende, als man sich entschloss, in Wilster eine Mittelschule zu errichten, eine Schule, die gedacht war für solche Kinder, die einmal nicht studieren sollten oder konnten, die aber für ihr Fortkommen eine höhere schulische Qualifikation erhalten sollten. „Die Mittelschule zu Wilster ist hervorgegangen aus der höheren Privatschule, die hier seit 1903 bestand“, so heißt es im Verwaltungsbericht der Stadt Wilster für die Zeit von 1911 bis 1930, (sie war die letzte Institution dieser Art in der Stadt). Diese habe anfangs guten Zuspruch gehabt, die Schülerzahl sei dann immer mehr zurückgegangen. Hohe Schulgeldsätze und häufiger Wechsel unter den Lehrkräften „waren vielleicht schuld daran“. Am 3.2. 1910 erfolgte für Preußen eine Neuordnung des Mittelschulwesens. Die Schuldeputation der Stadt erwog nunmehr, in Wilster eine solche Mittelschule einzurichten, die erste Beratung fand am 6.1. 1912 im Rathaus statt. Der damalige Bürgermeister Christian Dethlefsen tat sich sehr für diese neue Schule einsetzen. Er berichtet in einem handschriftlich überlieferten „Beitrag zur Geschichte der Stadt Wilster für die Jahre 1904 – 1929“ folgendermaßen:
„Es folgte die Gründung der Mittelschule. Es gab in Wilster eine höhere Schule und 2 Volksschulen, eine Knaben- und eine Mädchenschule. Die höhere Schule, eine Interessenschaft, war im Anbau der Turnhalle auf dem Michaelsenschen Grundstücke untergebracht, die beiden Volksschulen waren räumlich voneinander getrennt mit 2 Rektoren, die Knabenschule war die 1885 erbaute am Stadtpark gelegen, während die Mädchen seit 1898 ihre Schule im Bereich der alten Landrechtschule hatten. Die höhere Schule leistete nicht das, was man von einer solchen erwarten musste, und der Beschluss, eine Mittelschule zu gründen, wurde der Stadt nicht schwer. Nur die Errichtung des Mittelschulgebäudes bereitete Sorgen. So kam man auf den glücklichen Gedanken, das Gebäude der Knabenschule zur Mittelschule zu machen und eine neue Knabenschule neben der Mädchenschule zu errichten.“672)

Am 6.2.1912 legte Bürgermeister Dethlefsen den städtischen Kollegien den Entwurf über die Einrichtung einer Mittelschule vor. Die Schule sollte sich nicht unsozial durch sich selber, also durch hohe Schulgelder, tragen, die Stadt sollte also Träger sein. Pläne, die Schule im Armenhaus, dann nach Ausbau in der Privatschule unterzubringen, wurden fallen gelassen. Man wollte dann die Schule zum Realgymnasium in Itzehoe in Beziehung setzen, also die Mittelschule doch (auch) zur Zubringerschule für Höhere Schulen machen. Dies wurde vom Minister aber abgelehnt, man solle die Entwicklung der Mittelschule zunächst einmal abwarten. Der „Verein zur Unterhaltung einer Privatschule in Wilster“ stimmte am 21.2.1912 zu, dass die Privatschule in eine städtische Mittelschule umgewandelt werde. Dabei sollte diese auf den 3 ersten Jahrgängen der Privatschule aufbauen, um den Übergang schneller zu vollziehen. In der Zeit vom 17.5. bis 30.11.1912 wurden die Lehrerstellen ausgeschrieben und gewählt, Rektor wurde Mittelschullehrer H. Schulz, Lüneburg. Am 3. April 1913 konnte dann die neue Schule feierlich in der Turnhalle (neben der Privatschule) eröffnet werden, wobei Bürgermeister Dethlefsen noch einmal herausstellte, dass „die Bedeutung der Mittelschule für unsere Stadt darin liege, dass bei einem mäßigen Schulgeld es allen Ständen unserer Bürgerschaft ermöglicht werde, ihren Kindern eine Schulbildung mitzugeben, die sie befähige, den gesteigerten Anforderungen, die das Leben heute auch an den gewerblichen Mittelstand stelle, gerecht zu werden, dann aber auch darin, dass die Mittelschule die Kinder auf andere, höhere Schulen vorbereite“.673) 1914 konnte diese Mittelschule die zu engen Räumlichkeiten der Privatschule verlassen, die Schule am Stadtpark beziehen, nachdem die Knabenvolksschule ihre neu errichtete Schule unmittelbar neben der Mädchenschule hatte beziehen können.

Auch weiterhin spielte die Schifffahrt für Wilster eine gewichtige Rolle, wenn auch nunmehr die Eisenbahn das Hauptverkehrsmittel geworden war. Der Schiffer blieb ein gewichtiger Beruf in der Stadt. „Neumanns Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reiches“ aus dem Jahre 1905 nennt für Wilster für das Jahr 1902 14 Segler mit 312 Netto- und 415 Brutto-Register Tonnen.674) Henning Oldekop gibt Wilsters Schifffahrt in seiner „Topographie des Herzogtums Holstein“ 1908 mit 12 Seeschiffen an, „außerdem etwa 20 Flußschiffe, die ihre Fahrten fast ausnahmslos von Hamburg-Altona aus betreiben. Hafenanlage am Rosengarten mit Kaimauer, Ladeplatz, Krahn und Lagerschuppen.“675) Allerdings befand sich lange Zeit die Kasenorter Schleuse in miserabler Verfassung, worunter der Schifffahrtsverkehr zur Stadt litt. Dazu kam der Bau des Nord-Ostsee-Kanals, der in der Zeit von 1887 bis 1895 erfolgte. Feierlich eröffnet wurde er am 21.6.1895 durch Kaiser-Wilhelm II., er wurde dann auch früher Kaiser-Wilhelm-Kanal genannt. Dieser Hochseeschfffahrts-Kanal trat an die Stelle des alten Eiderkanals, erreichte nunmehr aber die Niederelbe bei Brunsbüttel Koog. Der Magistrat von Wilster hatte wohl einst davon geträumt, dass der Eiderkanal einmal mit der Wilsterau verbunden werden möge. Das blieben Träume. Der Nord-Ostsee-Kanal nun führte in gebührender Entfernung an Wilster vorbei. Er nutzte Orte wie Burg i. D., Wilster jedoch in keiner Weise. Im Gegenteil, er kappte nicht nur den Oberlauf der Eider ab, er tat das gleiche bei der Wilsterau, trennte Wilster von seinem Hinterland (Burg, Albersdorf-Schafstedt, Hanerau-Hademarschen), dessen Warenverkehr bisher über Wilster geführt hatte. Die 1868 entstandene Schiffsverbindung durch den Kudensee und Bütteler Kanal in die Niederelbe wurde durch den neuen Kanal an zwei Stellen durchgetrennt, wurde Vergangenheit. Für Wilsters Flussschifffahrt sicher ungünstig. Oberhalb der Stadt hörte Schifffahrtsverkehr nunmehr praktisch auf. Die Abkappung der Au hatte zudem schwerwiegende Folgen für die Wasserführung des Flusses und zwar naturgemäß sehr zum Nachteil. „Die Schifffahrt Wilsters ist bei der Unbrauchbarkeit der Kasenorter Auschleuse und der seit der Anlage des Kaiser-Wilhelm-Kanals, der den Oberlauf der Au durchschneidet, drohenden völligen Verschlickung derselben immer mehr zurückgegangen“, schreibt W. Jensen 1926.676) „Im Jahre 1910 zählte die Stadt darum nur noch 12 Seeschiffe. Es steht zu hoffen, dass diese Zahl mit dem Neubau der Kasenorter Schleuse und der Verbesserung des Aulaufes in unseren Tagen wieder beträchtlich steigen wird.“ Zunächst allerdings drohte der Schifffahrt auf der Au das Ende durch das Wassergesetz vom 7. April 1913. „Nach diesem gibt es Wasserläufe erster, zweiter und dritter Ordnung, je nach ihrer Bedeutung für die allgemeine Wasserwirtschaft. Bei Wasserläufen 1. Ordnung war Schifffahrt in erster Linie maßgebend. Sie sind Eigentum des Staates, werden vom Staate unterhalten, wenn es natürliche Wasserläufe sind.“ Nun sollte im Gesetz die Wilsterau ein Wasserlauf 2. Ordnung werden. Hiergegen wandte sich die Stadt Wilster mit Nachdruck.677) Auf die Nachricht hin, dass im Gesetzesentwurf die Wilsterau unter die Wasserläufe II. Ordnung eingestuft worden sei, erhob die Stadt Widerspruch. Sie stellte den Antrag, die Au unter die Wasserläufe I. Ordnung einzustufen. Der Bürgermeister wandte sich im Auftrage des Magistrates an den Landtagsabgeordneten des Kreises Dr. Engelbrecht-Obendeich mit der Bitte, „sich für die Interessen der Stadt Wilster und der Schifffahrt einzusetzen.“ Dieser wandte sich an die zuständigen Mitglieder des Ausschusses. Er gehörte diesem selber an. Es gelang ihm, „den Antrag der Stadt Wilster auf Einstufung der Wilsterau unter die Wasserläufe I. Ordnung trotz heftigen Widerstandes des Regierungsvertreters durchzubringen.“ Der Landtag folgte dem Beschluss des zuständigen Ausschusses, womit die Unterhaltungspflicht des Staates für die Wilsterau feststand. „Der Kampf war im Ausschuss, wie mir Dr. Engelbrecht später erzählt hat, ein äußerst schwerer gewesen“, berichtet Alt-Bürgermeister Dethlefsen. In der 1. Ausschusssitzung sei der Antrag abgelehnt worden. Er habe aber vor der 2. Sitzung die Mitglieder des Zentrums überzeugt, „dass die Wilsterau nach ihrer geschichtlichen Entwicklung und ihrem starken Schiffsverkehr unbedingt unter die Wasserläufe I. Ordnung gehöre.“ So sei der Antrag angenommen worden. „Der Regierungsvertreter sei äußerst erstaunt gewesen und habe erklärt, dass er nach wie vor die Wilsterau als Wasserlauf I. Ordnung ablehne“. „Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Schleswig vom 12. November 1898 – J. Nr. >I B 12 209 – wurde entschieden, dass die Wilsterau ein schiffbarer Strom sei, auf den die gesetzlichen Bestimmungen über die Zuständigkeit der Strom- und Schifffahrtspolizei Anwendung finden“, so wird schon im Verwaltungsbericht der Stadt Wilster festgestellt.678) „Damit übernahm die Staatsbehörde die Zuständigkeit der Strom- und Schifffahrtspolizei, während die Instandhaltungs- und Reinigungspflicht nach wie vor den Verpflichteten (Anliegern bzw. Wilsterauschleusenkommune) oblag. Die Stadt hatte die Unterhaltspflicht für den Auarm im Stadtgebiet, soweit das Schifffahrtsinteresse es erforderte. In den Jahren 1897/98 sind in der Stadt größere Baggerarbeiten zur Förderung der Schifffahrt durchgeführt worden.“ Das wurde nun anders. Es hatte der Staat die Au bis zum Kaiser- Wilhelm-Kanal zu unterhalten und es wurde Zeit. „Der Auarm war inzwischen, zumeist durch den Verlust des Oberwassers, derart verschlammt, dass er oberhalb der Stadt für Schifffahrtszwecke überhaupt nicht mehr zu gebrauchen war. Aber auch für die Aufnahme und Abführung des Wassers aus den Entwässerungen oberhalb der Stadt bildete der Zustand der Wilsterau ein großes Hemmnis.“ Da durch große Pumpwerke wieder möglich, hatten die Entwässerungskommunen erneut begonnen, ihre Wasser in die Au zu fördern, nachdem vorher in den letzten ein bis drei Jahrhunderten dieses mehr und mehr aufgegeben worden war. Nunmehr wurden die Entwässerungsnetze noch einmal, zum dritten Male gleichsam wieder zur Au hin umgestaltet. Das geschah durch die Aebtissinwischer Interessenschaft, weiter 1906 durch die Neuendorf-Sachsenbander Entwässerungsgenossenschaft, dann 1913 durch die Genossenschaft für Entwässerung der Hackeboer und Alte Wilsterau-Niederung. Nach den Verwaltungsberichten der Stadt Wilster waren in der Stadt beheimatet: 1896 nur 5, 1900 dann 14, 1905 13, 1910 schließlich 12 Schiffe; 1914 waren es 13 Schiffe. Das Problem für die Schifffahrt auf der Au blieb die Kasenorter Schleuse, die immerhin jährlich von durchschnittlich 1200 Schiffen (Ein- und Ausfahrt) passiert wurde. Ein Schleusenneubau kam jedoch vor dem 1. Weltkriege nicht mehr zustande.

Der Kaiser-Wilhelm-Kanal erzeugte aber noch ein anderes Problem, das Wilster beinahe in den Winkel abseits der Verkehrsadern verbannt hätte. Rechnung getragen hatte man dem Zugang des im Bau befindlichen Kanals in die Niederelbe von vornherein. Dieser Punkt, Brunsbüttelkoog bedurfte eines Anschlusses an das Bahnnetz. So vermerkt das Provinzial-Handbuch für Schleswig-Holstein aus dem Jahre 1891 auf Seite 614 kurz als Nachtrag: „Im Bau begriffen ist die Bahn St. Margarethen- westliche Mündung des Nord-Ostsee-Kanals, ein Bahnanschluss, der auch heute noch existiert. Diese Stichbahn zweigte damals in St. Margarethen von der Hauptbahn ab, die ja über diesen Ort führte damals. Das sollte aber anders werden, als man in den Jahren 1907-1914 den Kanal wesentlich erweiterte. Dabei wurde die Eisenbahndrehbrücke bei Taterpfahl untragbar. Ebenerdige Brücken waren durch Hochbrücken zu ersetzen, Höhe 42 Meter über NN.679) So entstanden die Prinz-Heinrich-Brücke zwischen Kiel und Holtenau als Straßenbrücke. Eine Eisenbahnbrücke hatte weiter nun für die Schleswig-Holsteinische Marschenbahn zu erstehen, ein schwieriges Projekt in einem weithin von Marsch und Moor eingenommenen Gebiet. „Als im Jahre 1907 der Plan laut wurde, die Schleswig-Holsteinische Marschenbahn aus Anlass der Erweiterung des Kaiser-Wilhelm-Kanals zu verlegen, bemächtigte sich der Einwohner der Westküste einer allgemeinen Erregung,“ heisst es im Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930.680) Ursprünglich sollte die Hochbrücke an derselben Stelle aufgeführt werden, wo sich die Drehbrücke befand. Diesen Plan gab man aber „aus technischen und finanziellen Gründen“ auf. Man entschloss sich für einen Bau bei Hochdonn. Dabei sah man vor, die Bahn auf dem Geestrand von Itzehoe über Heiligenstedten (wo die bisherige Route verlassen werden sollte) nach Vaale und über den Kanal nach Hochdonn zu verlegen, eine gerade, kurze und zweckmäßig billige Lösung für Staat und Bahn. Von Heiligenstedten sollte eine Zweigbahn über Wilster nach Brunsbüttelkoog führen. Wilster wurde so aufs Nebengleis geschoben zusammen mit der ganzen Wilstermarsch. „So wollte es die Kanalverwaltung, und sie wurde unterstützt vom Oberpräsidenten unserer Provinz,“ berichtet Alt-Bürgermeister Dethlefsen in seinem Rechenschaftsbericht.681) „Es stand für Wilster in den beiden Verkehrsfragen des Wasser- (s.o.) und Schienenweges unendlich viel auf dem Spiel. Wenn zu den Bränden, denen die beiden großen Leder-fabriken zum Opfer fielen“, worüber noch zu berichten sein wird, „mit ihren schweren Folgen --- noch die Abdrängung von der Haupteisenbahnlinie, die Degradierung der Wilsterau zu einem Genossenschaftsgewässer,“ die ja verhindert wurde, „---- und als Folge davon eine allmähliche Abwürgung der Schifffahrt gekommen wäre, dann wäre das Schicksal von Wilster wohl besiegelt gewesen, und es hätten die Leute recht behalten, die damals von einer absterbenden Stadt sprachen. Aber davor hat ein gütiges Geschick uns bewahrt.“ Dem Geschick hat allerdings die Vertretung der Stadt Wilster tatkräftig nachgeholfen. Sie hob ihren gewichtigen Rechtsanspruch hervor, nämlich dass sie zum Bau der Marschenbahn finanziell erheblich beigetragen habe. Sie war Aktionär, bis im Jahre 1890 der Staat Preussen alle Bahnen in seinem Territorium verstaatlichte. Aus den Provinzial-Handbüchern für Schleswig-Holstein geht hervor: „Die Activa der Stadt Wilster bestehen aus----zinstragenden Kapitalien von ca. 71.340 Mark und aus 234 Stammactien für die Holsteinische Marschbahnactien zu 450 Mark und aus 50 Stammprioritätsactien derselben Bahn zu 450 Mark.“ „Die Stadt Wilster“, heißt es im Verwaltungsbericht der Stadt weiter, „vertrat in zahlreichen Eingaben an den Minister, Abgeordnete usw. den Standpunkt, dass sie einen Rechtsanspruch auf Verbleib an der Hauptbahn hätte, denn sie habe sich an Bau, der seinerzeit von einer Aktiengesellschaft errichteten Marschbahn mit Aktien in Höhe von 127.800 Mark beteiligt. Von diesen Aktien habe sie bei der Verstaatlichung der Bahn nur 67.000 Mark zurückerhalten. Von Privaten der Stadt seien außerdem 91 Aktien gezeichnet worden. Die Lage der Stadt an der Hauptbahn habe somit die Stadt ein Opfer von rund 60 000 Mark gekostet. Der Schaden, den die Stadt von der Verlegung erhalten würde, sei unabsehbar.“ Einspruch erhoben auch die Landgemeinden der Wilstermarsch, die Gewerbetreibenden dortselbst und der Landwirtschaftliche Verein. Auch der Kreis Steinburg setzte sich durch seinen Landrat Pahlke tatkräftig für die Stadt ein, auch der Regierungspräsident der Provinz stand hinter ihr. Am 17. Dezember 1910 kam es im Innenministerium zu einem Termin, an dem alle in Anspruch genommenen Behörden vertreten waren. Landrat Pahlke forderte, dass der Bahnhof Wilster an der Hauptbahn liegen müsse, und da er dann offensichtlich nicht am alten Platze bleiben durfte (die Schleife der neuen Bahnlinie wäre nicht tragbar gewesen), dürfe er aber höchstens ¾ km von der Stadt entfernt gelegen sein. Solle Wilster auf eine Nebenbahn verwiesen werden, so fordere die Stadt als Entschädigung 1 Million Mark. Man feilschte lange, wollte den Bahnhof in Honigfleth liegen haben. Zuletzt setzte die Stadt sich durch. „Wir hatten versucht“, so sprach Minister von Breitenbach im Abgeordnetenhaus am 7. Mai 1912, „die Verlegung zu beschränken auf die Strecke Heiligenstedten-St. Michaelisdonn. Dieser Versuch ist an dem energischen Widerstand der Stadt Wilster gescheitert, die den Mittelpunkt der Wilstermarsch bildet. Die Interessen der Stadt Wilster wurden nach Auffassung der dortigen Gemeinde so schwer berührt, dass Wilster sich nicht entschließen konnte, durch eine erhebliche Abfindung, die das Reich zahlen wollte, zufrieden gestellt zu sehen. Wir mussten daher die Linie über Wilster führen. Die Bauten für Bahn (über Wilster) und Hochbrücke von Hochdonn wurden in den folgenden Jahren durchgeführt. Die Inbetriebnahme erfolgte aber erst nach Abschluss des 1. Weltkrieges.

Im oben angeführten Zitat von Alt-Bürgermeister Dethlefsen wird angedeutet, dass sich Wilster, welches sich in der Zeit „zu Wasser und zu Lande“ sehr nachdrücklich gegenüber den Staatsorganen behauptete, gerade im letzten Jahrzehnt vor dem 1. Weltkriege, sonst einer Blütezeit im Deutschen Reiche weit hin, schweren wirtschaftlichen Rückschlägen gegenüber sah, so dass es eine „absterbende Stadt“ genannt wurde. Wilster erlitt damals als Industriestadt einen sehr schweren Schlag. 1899 gab es in den beiden Lederfabriken im Landrecht 674 Beschäftigte. Wilster konnte man sehr wohl damals eine Arbeiterstadt nennen. „Die Haupterwerbszweige in Wilster“, so heißt es im Verwaltungsbericht 1896 – 1910, „sind Industrie und Handel. Leider ist die Industrie im Berichtszeitraum sehr zurückgegangen.“ Das begann in eben jenem Jahre 1899. Damals stand die Fabrikation von lohgarem Roßleder noch in Konjunktur. Damals brach zwischen den Tarifpartnern, die sich freilich nicht als solche verstanden, der Konflikt aus. Den Fabrikanten stand eine gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft gegenüber, die ihre Bedingungen stellte. In der Zeit vom 29. Mai bis zum 24. Juni des Jahres steigerte sich der Konflikt zu allgemeiner Arbeitsniederlegung. Zunächst wurde bei Falck und Schütt gestreikt, dann bei Gebr. Böhme ausgesperrt. Der Arbeitskampf, hartnäckig durchgeführt, dauerte bis zum 15. November. „Diese Arbeitseinstellungen“, so der Verwaltungsbericht der Stadt, „haben zahlreiche Existenzen in Wilster vernichtet und viele Arbeiterfamilien sind 1899 und in den folgenden Jahren wegen Arbeitsmangels von hier weggezogen.“ Glück hat der Streik der Arbeiterschaft damals nicht gebracht. Letzter Grund für den folgenden Zusammenbruch der Lederindustrie war er aber nicht, allenfalls indirekt.

Walter C. Bröcker schreibt im Heimatbuch des Kreises Steinburg in seinem Überblick über die Industrie des Kreises auch über die Lederfabrikation Wilsters. Es heißt da682): „Eine andere, für den Kreis charakteristische Industriegruppe ist die Gerberei.----- Es besteht im Wesentlichen darin, dass man Tierhäute, also organische Zellgebilde, durch Zusätze von Stoffen so umwandelt und verhärtet, dass sie nicht mehr verfaulen und sich zersetzen können, sondern ihre feste Struktur durch Jahrzehnte und Jahrhunderte bewahren. Es gibt eine ganze Reihe von Stoffen, die eine solche feste Verbindung mit organischen Zellgeweben eingehen, und zwar sind es neben vegetabilischen Stoffen, die aus Holz und Baumrinde – Eichenlohe und Quebracho sind die bekanntesten – gewonnen werden, auch unorganische Stoffe wie Metalle. Das bekannteste ist Chrom. Die Chromgerbung gibt ein weiches, schmiegsames Produkt, das allgemein als Oberleder verwendet wird, während die durch vegetabilische Gerbstoffe erzeugten, schweren, festen Leder als Sohlleder Verwendung finden. Eine dritte Gruppe von Gerbstoffen sind die sogenannten synthetischen Gerbstoffe. --- Die Häute, das Rohprodukt der Gerbereien, stammen meistens aus Südamerika,--- da die einheimischen Häute --- bei weitem nicht ausreichen. – Die Gerbereibetriebe unseres Kreises erfreuen sich eines guten Rufes, ihre Fabrikate gelten zum Teil als sehr hochwertig.“ Zur Krise der Wilsterschen Lederwerke schreibt Bröcker dann weiter: „Die Konjunktur in der Fabrikation von lohgarem Roßleder (vegetabilische Gerbung) hielt ungefähr bis zum Jahre 1900 an und wurde dann durch die Chromlederfabrikation (mineralische Gerbung) verdrängt.“ Diesen Wandel haben die streikgeschwächten Werke nicht entsprechend mit vollziehen können. Dazu kamen zwei Brandkatastrophen. „Im Jahre 1903“, so schreibt Bröcker weiter, „brannte die Fabrik der Gebrüder Böhme zum größten Teil ab und blieb in diesem Zustande liegen.“ Entsprechend der Verwaltungsbericht der Stadt: „Am 27.3.1903 ging die Lederfabrik von Gebr. Böhme in Flammen auf. Der Betrieb konnte nicht wieder aufgenommen werden und blieb jahrelang still liegen.“ 1907 kaufte dann die dänische Firma „Aktie selskabet M.J. Ballin Söhner, Kopenhagen“ das Ganze, und 1908 erstanden hier die „Vachlederwerke Ballin G.m.b.H.“, die jedoch mit wenigen Arbeitskräften auskam, jedenfalls im Vergleich zum alten Betrieb. Es folgte der 2. Schlag. Der Verwaltungsbericht 1896-1910 berichtet hierüber: „Am 9.12.1907 brannte die andere große Lederfabrik von Falck und Schütt A.G. ab, die jetzt noch zum größten Teil in Trümmern liegt, aber den Betrieb immerhin, wenn auch in kleinerem Umfange wieder aufgenommen hat. In dieser Fabrik sind reichlich 100 Arbeiter tätig.“ Bei diesen Schlägen habe sich gezeigt, vermerkt der Verwaltungsbericht weiter, „dass eine einzelne Industrie für einen kleinen Ort unter Umständen gefährlich werden kann“. Andere Betriebe, wie die Meierei, Müllerei und Schweinemästerei von Wilhelm Wulf, die Mühle (mit Sauggasmotor betrieben) von Gustav Lumpe, die Maschinenfabrik von Apel und Sachau, die Dampfbierbrauerei fielen demgegenüber nicht ins Gewicht. Niemals ist übrigens Wilster wieder in dem Maße einen Industriestadt geworden wie vor den beiden Brandkatastrophen, deren Ursache niemals voll aufgeklärt werden konnte. Und die Bevölkerungszahl war seitdem rückläufig, „Wilster verlor 1200 Einwohner“.683) 1905 gab es noch 4491 Einwohner in der Stadt, 1910 waren es 4424 und im Jahre 1916 nur noch 3879. Aufgeben tat die Stadt jedoch nicht.

Das Gegenteil ist wohl der Fall. Christian Dethlefsen rühmt sich, Wilster in diesen Jahren zu einer „modernen Stadt“ gemacht zu haben. Als er 1904 sein Amt als Bürgermeister der Stadt übernommen habe, habe „wohl der wichtigste und zugleich gefahrvollste Zeitabschnitt in der Geschichte unserer Stadt“ begonnen.684) Damals sei „die städtische Verwaltung äußerst eingeengt“ gewesen. „Sie beschränkte sich in der Hauptsache auf Polizei, Standesamt, Armen- und Schulwesen“. „Die großen, die Öffentlichkeit interessierenden Anstalten befanden sich in privater Hand. So war das Elektrizitätswerk eine Aktiengesellschaft, die höhere Schule eine Interessenschaft, die Sparkasse in der Verwaltung von 5 Bürgern, die sich selbst ergänzten, und das Krankenhaus ein Vereinsunternehmen. Es lag „im städtischen Interesse, diese Anstalten so bald wie möglich in die städtische Verwaltung zu überführen.“

Es ist nun gewiß nicht der Fall gewesen, dass bis 1904, dem Jahre, in dem Christian Dethlefsens Amtszeit begann, in Wilster nichts geschehen wäre. Es waltete nur ein etwas anderer Geist. Das, was zu geschehen hatte im öffentlichen Interesse, geschah weniger durch städtische Behörden, mehr aus Bürgerinitiative heraus. Das dieser Weg oft unzureichend bleiben musste, liegt auf der Hand. Aus solcher Bürgerinitiative war zum Beispiel die letzte „Privatschule“ im Jahre 1903 entstanden, unterhalten von einem „Verein zur Unterhaltung einer Privatschule in Wilster“. 1912 musste derselbe Verein zustimmen, dass an die Stelle eine städtische Mittelschule zu treten habe. Einer bürgerlichen Privatinitiative entsprang schon 1841 die Gründung der Wilster Spar- und Leihkasse. „Die Spar- und Leihkasse hat deshalb so große Bedeutung für die Gemeinde,“ schreibt Otto Neumann,685) „da sie in jedem Jahre eine beträchtliche Summe von ihrem Gewinn für gemeinnützige und wohltätige Zwecke zur Verfügung stellt“. Er führt weiter Beträge auf, die von ihr zwischen 1870 und 1890 für gemeinnützige und wohltätige Zwecke aufgebracht wurden, z.B. 1871 4375 Mar, 1873 5651 Mark, 1883 5905 und 1885 6242 Mark. Wenn man bedenkt, dass man öffentliche Anliegen weitgehend privater Initiative überließ, so verwundert der geringe Personalbestand im kommunalen Bereich nicht weiter. Neben dem hauptamtlich tätigen Bürgermeister gab es die ehrenamtlich tätigen kommunalen Kollegien, von denen das Stadtverordnetenkollegium, welches 1896 auf 12 erhöht worden war, 1901 wiederum auf 9 herabgesetzt wurde, da man zu der Auffassung gelangt war, dass die Zahl 12 „in keinem Normalverhältnis zur Größe der Stadt stand. „Neben dem Bürgermeister gab es als städtischen Beamten den Stadtkassierer. 2 Polizisten genügten. Am 1.1.1900 kam ein weiterer Polizeisergeant hinzu, „weil sich bei dem Gerbereistreik im Jahre 1899 herausgestellt hatte, dass 2 Beamte hier nicht genügten“, wie der Regierungspräsident verfügte. Sie ging dann wieder ein, „da die Einwohnerzahl und insbesondere die Industrie der Stadt bedeutend zurückgegangen war.“ Der „Armenhausökonom“ war ein Angestellter auf Kündigung, 1908 der Kutscher Peter Niemeier. Man beschäftigte dann noch 4 Nachtwächter und den Schuldiener. Die große gewichtige Neuerung war im Jahre 1900 die Schaffung der Stelle eines Stadtsekretärs, „Bürovorsteher“ Bockelmann wurde damit Kommunalbeamter auf Lebenszeit.686) Ein Ziel Bürgermeister Dethlefsens war die „Kommunalisierung der Sparkasse“. Diese scheiterte jedoch in der Vorkriegszeit am Widerstand der hiesigen Spar- und Leihkasse. Daraufhin beschlossen die städtischen Kollegien am 12. September 1912 die Einrichtung einer eigenen städtischen Sparkasse, die auch am 1.4.1914 eröffnet wurde im Hause des Stadtrates Hansen, dem Rechnungsführer derselben.687) Er übernahm das Amt ehrenamtlich, verursachte daher auch keine Verwaltungskosten, eine harte Konkurrenz für die Kasse von 1841 also. Dabei blieb es bis zum Kriege.

Immer dringlicher wurde städtisches Handeln auf dem Gebiete wirtschaftlicher Versorgungs- und Entsorgungsbetriebe in dieser Zeit.688) Ein Elektrizitätswerk gab es in der Stadt seit 1895, unterhalten von einer Aktiengesellschaft. Sie begann mit 2 Dampfmaschinen von je 60 PS. Eine Akkumulatoren-batterie diente der Aufspeicherung und dem Belastungsausgleich. Aufgabe war zunächst die Straßenbeleuchtung. Älter war hier eine Petroleumbeleuchtung, die auch noch jahrelang daneben weiterbestehen blieb. 1896 installierte man 20 Bogen- und 32 Glühlampen, der sodann in den folgenden Jahren weitere folgten. Weiter ging es um Versorgung mit Hausanschlüssen. 1896 gab es etwa 70, 1910 dann rund 400. Das Werk lag schon damals im Klosterhof. Hier kam 1907 nach Erwerb des Nachbargrundstückes Nr. 11 eine Sauggasanlage von 35 PS hinzu. 1912 entstand auf Grundstück Klosterhof 38 eine neue Zentrale, wo ein 100-PS-Dieselmotor aufgestellt wurde, die alte Zentrale blieb daneben. Im März 1914 wurde auf Antrag der Stadt die Liquidation der Aktiengesellschaft, die sich von vornherein als gemeinnütziges Unternehmen betrachtet hatte, beschlossen. Das Werk wurde von der Stadt übernommen mit allen Aktiva und Passiva. Im gleichen Jahre wurde das Elektrizitätswerk mit Wasserwerk und Gasversorgungsanlage vereinigt zu den „Städtischen Betriebswerken“, auch hier also wie im Schulwesen ein Abschluss einer längeren Entwicklung noch gerade vor Ausbruch des Krieges.

Die Wasserversorgung war in Wilster ein besonders drängendes Problem. Denn Wilster besaß in Au und Burggräben wohl reichlich Wasser, aber solches in einem unbeschreiblichen Zustand. Die Röhrenbrunnen ergaben ein gewiss besseres jedoch ebenfalls unzureichendes Wasser. Am 3. Juli 1901 erstattete Prof. Dr. Dunbar aus Hamburg auf Ersuchen der Stadtverwaltung ein eingehendes Gutachten über die Wasserversorgung der Stadt. Sein Schluss: Das Wasser der Au komme für städtische Versorgungszwecke gar nicht in Frage. Auch erscheine das Grundwasser der Stadtgebiete nicht dafür geeignet. Er forderte, Erhebungen durchzuführen, ob nicht in der weiteren Umgebung besseres Wasser zur Verfügung stehe. Am 25. Januar 1910 setzte eine Bürgerversammlung daraufhin eine Kommission ein für Vorarbeiten für ein solches Wasserwerk. Der Ingenieur Rosenboom aus Wandsbek legte ihr mehrere Projekte in dieser Hinsicht vor. Die Kommission stellte darauf in einer weiteren Bürgerversammlung den Antrag, das Wasserwerk von der Stadt bauen zu lassen, mit Zwangsanschluss. Der Antrag wurde angenommen. Die städtischen Kollegien fassten daraufhin am 19. Juli 1913 den entsprechenden Beschluss. Der Bau begann am 6. Januar 1914 und war bei Kriegs-ausbruch noch nicht ganz vollendet, aber Anfang September des Jahres konnte die Wasserver-sorgung zunächst durch eine öffentliche Zapfstelle aufgenommen werden. Die Hausanschlüsse folgten bis Anfang 1915 nach. Für das Wasserwerk war ein Grundstück von 3 ha 99 a 90 qm in der Gemarkung Kleve auf der Geest erworben worden. Die hier errichteten Pumpen wurden im elektrischen Fernbetrieb vom städtischen Elektrizitätswerk aus betrieben. Das Wasser wurde durch eine 7 km lange, 175 mm starke Rohrleitung einem Tiefbehälter beim Elektrizitätswerk zugeführt, von dort durch Kreiselpumpen in das Rohrnetz gefördert. Ein Wasserturm ist nicht vorhanden. Man führte keine Wassermesser ein, berechnete das Wassergeld nach dem Mietwert der Wohnungen, so dass der Wohlhabende mehr für das Wasser bezahlen musste. Man wollte damit erreichen, dass das Wasserschöpfen aus der Au in Zukunft unterbliebe, dass der Arme nicht am Wasserhahn spare. Die Gasversorgung schloss sich als drittes an. Man entschloss sich 1913 hierzu, als man die neue Wasserversorgung beschlossen hatte. Ein erstaunlich später Termin. Um ein eigenes Gaswerk ersparen zu können, fühlte man bei der Stadt Itzehoe vor, die ein günstiges Angebot machte. Man befürchtete auch, dass ein eigenes Gaswerk nicht rentabel sein würde. Über Belieferung mit Gas für zunächst 20 Jahre kam es darauf am 28.2./2.3.1914 zum Vertragsabschluss. Mitte September konnte von Itzehoe aus mit der Abgabe von Gas begonnen werden. Die ersten 200 000 cbm waren zu 10 Pf, von da an zu 8 Pf. Zu liefern. Der Vertrag hat verschiedene Nachträge erhalten. Grundstücke der städtischen Betriebswerke waren Klosterhof 10, 11, 12, 13 und 14. Als Geschäfts- und Wohnhaus wurde 1929 zudem Klosterhof 37 von der Kreditbank erworben.

Wichtig war auch die Entsorgung. Schon seit 1895 gab es eine Fäkalienabfuhr und zwar eine Zwangs-kübelabfuhr, wichtig um endlich die Au von derartiger Zufuhr zu befreien. Am 1.4. 1909 konnte sie auf die 1896 eingemeindeten Teil ausgedehnt werden. Seit dem 1. April 1902 kam noch eine freiwillige Scherbenabfuhr hinzu. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges gab es in der Stadt also ein funktionierendes städtisches Versorgungs- und Entsorgungssystem.

Es folgen noch einige Ereignisse, Schritte und Maßnahmen in bunter Reihenfolge, die alle in die Vorkriegszeit gehören und alle ihren Platz in der Geschichte Wilsters haben. 1902 wurde das Stadtmoor, in der Gemeinde Neuendorf gelegen und 56 ha 97 a 67 qm groß, für 42 000 Mark an den Kaufmann Nikolaus Springer in Wilster verkauft. Ebenfalls 1902 wurde der Rest des Michaelsenschen Stadtlandes (30 a 86 qm) an H. Auhage verkauft. 1903 gab man für die Straßenkanalisation 15 000 Mark aus. Man schickte die Abwässer und Regenwasser noch ungeklärt in die Au. Im Januar 1901 wurde das alte Armenhaus in der Burger Straße verkauft. Dafür wurde ein Grundstück am Wege nach Bischof in der Nähe des Neuen Kirchhofes erworben und hier ein Neubau erstellt. 1909 übernahm die Stadt den einen Tanzsalon enthaltenen Bau des Colosseums für 29 331,83 Mark, das Gebäude wurde daraufhin wesentlich vergrößert. Schon 1895 wurde Wilster dem Fernsprechverkehr angeschlossen. Es hatte damals 17 Fernsprechstellen, 1911 waren es schon 123. Die Post besaß damals 7 Beamtenstellen, dazu 14 Unterbeamtenstellen (Briefträger und 6 Landbriefträger). Die Eisenbahn hatte den Bahnhofvorsteher, zwei Eisenbahn-Assistenten, zwei Eisenbahngehilfen, 4 Weichensteller, 1 Hilfsweichensteller, 1 Aushelfer und 4 Bahnhofsarbeiter. Sie fertigten ab 1896 46 234 und 1910 dann 110 264 Personen ab. An Großvieh gingen ab 1896 4981 und 1910 6072 Stück, an Kleinvieh waren es 19 714 bzw. 338 058 Stück (Schweine vor allem). Auf dem Amtsgericht waren der Amtsrichter, 2 Gerichtsschreiber, 1 Kanzlist und 1 Gerichtsdiener. Am 15. Mai 1906 wurde eine neue Marktordnung erlassen. Es gab nun einen Jahrmarkt, den berühmten Wilster Markt, der weit über den Rahmen hinausging, den sonst ein Ort von der Größe Wilsters aufzubieten hatte. Er wurde begonnen am 1. Sonntag im August und dauerte 4 Tage. Es gab weiter 2 Pferdemärkte am 4. Jan. und am 30. Juli, wenn da nicht gerade Feiertage lagen. Ein Vieh- und Pferdemarkt wurde am 26. April abgehalten. Schließlich gab es 2 Viehmärkte an den dem Itzehoer Oktober-Viehmarkt nächstvorher-gehenden beiden Mittwochtagen im Oktober. Ein Zuchtviehmarkt fand am 1. Mittwoch im September für solches Rindvieh statt, das im Herdbuch des Viehzuchtvereins für die Wilstermarsch eingetragen war. Dann gab es den Wochenmarkt. Am 16. Februar 1914 starb der Ehrenbürger der Stadt, Stadtrat J. P.A. Schwarck. 1914 wurde Rudolf Busch als Stadtbauführer mit der Leitung der jungen städtischen Betriebswerke und mit städtischen Bausachen betraut. Bis zum 1. September 1900 erfolgte eine gründliche Ordnung der Archivbestände durch den damaligen Archivassistenten Dr. Ernst Müsebeck, nachdem schon bis 1878 der gebürtige Wilsteraner Oberbibliothekar Dr. Wetzel in Kiel für die Zeitschrift für S.-H. Geschichte die ältesten erhaltenen Urkunden und Akten des Stadtarchivs zusammengestellt hatte. Untergebracht war es im Giebelzimmer des Neuen Rathauses. Bei den Reichstagswahlen im Januar 1912 gaben in Wilster 165 für die National-Liberalen (rechtsliberal) ihre Stimme ab, 341 für die fortschrittliche Volkspartei (linksliberal) und 387 für die Sozialdemokraten. Diese Wahl gab Aufschluss über die ´politische Haltung der Einwohner, da es sich bei der Reichstagswahl um wirklich demokratische Wahlen handelte im Unterschied zu den Land-tagswahlen, bei denen das sogenannte Dreiklassenwahlrecht galt. Seit 1.4.1902 wurde der Besuch der Berufsschule in Wilster, durchgeführt in den städtischen Schulgebäuden, durch Ortsstatut Vorschrift. Nachdem die Wilsterau nach dem Wassergesetz von 1913 als I. Ordnung eingestuft worden war, versuchte man 1914, den Unterhalt der Kasenorter Schleuse seitens der Wilsteraukommune dem Staate zuzuschanzen. Der Staat wehrte sich (schließlich mit Erfolg) dagegen. Sachverständige stellten fest, dass die Schleuse dringend erneuert werden müsse, jedoch kam es vor dem Kriege hierzu nicht mehr. 1913 gab es in der Stadt an Vieh 280 Pferde, 471 Rinder, 117 Schafe, 2976 Schweine und 11 Ziegen. 1914 erfolgte der Neubau der Landrechter Brücke. Eine Last kam auf die Stadt 1912 zu. Damals erwirkte die Interessengemeinschaft am Burggraben, die diesen seit Jahr-hunderten zu reinigen hatte, einen Spruch des Oberverwaltungsgerichtes, dass der Burggraben als Teil der Wilsterau anzusehen sei, damit von dem zu reinigen und zu unterhalten sei, der im Stadtgebiet die Au zu unterhalten habe. Das war die Stadt. Als am 1. Mai 1914 das neue Wasser-gesetz in Kraft trat, wurde die Unterhaltung der Wilsterau, also auch des Burggrabens Sache des Staates, worauf die Stadt alsbald zurückkam, doch musste dieser Sachverhalt dem Staate gegenüber zunächst einmal gerichtlich erstritten werden. Der Krieg trat zunächst dazwischen. 1913 verschwanden in der Straßenbeleuchtung die letzten Petroleumlampen. 1914 konnten im Zuge des Baues der Wasserleitungen Hydranten aufgestellt werden, eine Verbesserung für die Feuerwehr. Schon seit dem 19. August 1898 hatte Wilster auch eine Stadt-Bibliothek. Die Entleihung war anfangs unentgeltlich, was sich jedoch nicht durchhalten ließ. 1914 zählte sie 799 Bücher. Untergebracht war sie in der „alten Knabenschule“ von 1885, der späteren Mittelschule. Das Denkmal des Dichters Johann Meyer, eines gebürtigen Wilsteraners, erfolgte im Stadtpark am 5.1.1909. Seit dem 20.1.1886 bestand ein Regulativ für die Verwaltung des Armenwesens der Stadt. Es gab 2 ehrenamtliche sog. Armenvorsteher, je einen für die Alte und Neue Seite. Am 31.1. 1910 wurde mit dem Gesamtverband der Landgemeinden der Wilstermarsch ein Abkommen getroffen, wonach die von diesem Armenver-band überwiesenen Armen im städtischen Armen- und Altersheim, soweit hier Platz war, Unterkunft und Verpflegung erhalten sollten. Das vom Dr. Mencke eingerichtete Krankenhaus wurde in den Jahren 1912/13 durch einen Anbau erweitert, so dass die Zahl der Krankenbetten von 16 auf 32 stieg. Schließlich hat man noch 1914 mit der Restaurierung des Alten Rathauses begonnen. Es wurde durch Vertrag vom 6. August 1867 einst der Justizverwaltung als Gerichtsgefängnis und Gefangenenwärter-wohnung übergeben und seitdem entsprechend genutzt. Dieser Vertrag wurde nunmehr zum 1.4.1912 von der Justizverwaltung gekündigt. Das Gerichtsgefängnis wurde nach Itzehoe verlegt. Ein Glücksfall. Eine Dämmerung war zudem inzwischen erfolgt. So regte der Verkehrs- und Verschönerungsverein, Vorsitzender Bürgermeister Dethlefsen, die Renovierung an, die dann am 6.12. 1912 von den städtischen Kollegien beschlossen wurde. Mit den Arbeiten wurde der Bruder des Provinzialkonservators, Prof. Dr. Albrecht Haupt aus Hannover, beauftragt. Dr. Haupt erläuterte: „Es wird beabsichtigt, den Zustand des Gebäudes von 1585 wieder herzustellen“. Beseitigt solle werden, was „später aus Gründen der gewöhnlichen Notdurft ---- auf die dürftigste und billigste Manier für immer unerfreulichere Zwecke umgeformt wurde.“ Diele und Vorsaal sollten wieder „als die sprechenden Räume des Bauwerkes wirken“. Der Raum hinter der alten Ratsstube im Erdgeschoss könne, da feuerfest, die Stadtkasse aufnehmen mit der Ratsstube selber. Die Gerichtsstube im Obergeschoss soll voll wieder hergestellt werden mit dem Kaminraum dahinter. Sie könnten für Kunstaltertümer Verwendung finden. Der Vorsaal könne als Jugendheim dienen. Fachwerk und die alten Fenster im Fachwerk erhalten ihre alte schönere Form zurück. „Nach dieser Herstellung wird das Haus neben dem aus Krempe sich als das interessanteste und anmutigste in Holstein aus der Renaissancezeit darstellen. Alles ist an ihm ja noch ganz, teilweise oder wenigstens in Resten so wohl erhalten und erkennbar, dass Fehlgriffe wohl nicht gemacht werden können. Dabei ist anzunehmen, dass das Gebäude nachher nicht nur der Stadt und Land aufs neue zur Zierde gereichen wird, sondern dass es auch dazu beitragen muss, den Sinn für vaterländische alte Kunst und ihre Erhaltung im holsteinischen Volke weiter zu fördern.“ Prof. Haupt entsandte für die Durchführung des Baues den Architekten Brandes, unter dessen Leitung die Restaurierung im Frühjahr 1914 begonnen wurde. Der Krieg störte dann sehr, doch konnte das Werk nach Kriegsende im Winter 1918/19 vollendet werden. Das alte Eckhaus unmittelbar neben dem Rathause wurde von der Stadt im Zusammenhang mit dieser Herstellung am 29.4.1910 erworben

Abkürzungen in den Anmerkungen

ZSHG = Zeitschrift der Gesellschaft für Schl.-Holst. Geschichte
SHRU = Schle.-H. Regesten und Urkunden
Wi. St. A. = Wilstersches Stadtarchiv
Wetzel = August Wetzel, Archiv der Stadt Wilster, ZSHG 8 (1878), Anhang S. 52-133
CCRH = Corpus Constitutionum Regio Holsatiae
GZP = Gezeugnis–Protokoll
GZ = Gerichts-Protokoll
KGP = Klagegerichts-Protokoll
Ploen: Formular der Ede J.G. Ploen: „Formular der in der Stadt Wilster bey Übernehmung
Stadt-Ämter eingeführten auch sonst allerhöchst vorgeschriebenen gerichtlichen
Eide und Hand-Gelöbnisse, mit einem Verzeichnis der Magistrats-Personen ….. 1771
8Wi. St. A. Man. iV d Nr. 457 a a).
Ploen: Magistrat J.P. Ploen: “Von den Magistrats-Personen der Stadt Wilster“ 1770 (Wi. St.
A. Man. IV d Nr. 457 a a)
Ploen: Concepte = J.G. Ploen: “Concepta und Materialia zur Beschreibung der Stadt Wilster”
1782 (Wi. St.A. Man. IV d, Nr. 458).

 

1 So Marianne Hofmann in „Die Anfänge der Städte Itzehoe, Wilster und Krempe“ in ZSHG 83 (1959) S. 15 – 82 und ZSHG 84 (1960) S. 19 – 92. Hier in ZSHG 84 S. 23: „…Daraus lässt sich schließen, dass Wilster und zumindest auch die zwischen Wilsterau und Bek-Au gelegenen Landstriche erstmalig durch Niederländer besiedelt worden sind…….“ Dazu Detlef Detlefsen in „Geschichte der holsteinischen Elbmarschen“ Glückstadt 1891/92 Bd. I S. 124.
2 So Wilhelm Jensen im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II im Beitrag „Die Wilstermarsch“ S. 123/124: „Dasselbe gilt von dem hohen Uferrand der Wilsterau, wo die Ortschaft Wilster mit ihrer Kirche ebenfalls vor der holländischen Einwanderung vorhanden war.“
3 Besonders anschaulich ist immer noch W. Wolff: „Der Erdboden und seine Entstehung“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 35-57. Weiter derselbe: „Erdgeschichte und Bodenaufbau Schleswig-Holsteins“ Hbg. 1949; Karl Gripp: „Erdgeschichte von Schleswig-Holstein“ Neumünster 1964 S. 281-301; O. Fischer: „Landgewinnung und Landerhaltung in Schleswig-Holstein“ Bln 1957 Bd. 6 „Elbmarschen“; Albert Bantelmann: „Die Landschaftsentwicklung an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste“ Neumünster 1967; Carl Schott: „Die Naturlandschaften“ in „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Neumünster 1958 Bd. I S. 1-110, hier besonders S. 19-39, S. 74/75 und S. 99/100; E. Dittmer: „Die nacheiszeitliche Entwicklung der schleswig-holsteinischen Westküste“ in Meyniana Bd. I 1952; Karl Gripp: „Entstehung und zukünftige Entwicklung der Deutschen Bucht“ in „Archiv der Deutschen Seewarte“ Hbg. Bd. 63 (1944); W. Haarnagel: „Das Alluvium an der deutschen Nordseeküste. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet“ Bd. 4 (1950); C. Schott: „Die Westküste Schleswig-Holsteins“ in Schr. D. Geogr. Inst. D. Univ. Kiel Bd. 13 H. 4 (1950); J. Bauch: „Die Flussmarschen Schleswig-Holsteins“ Diss. Kiel (1951).
4 Alfred Tode: „Eine Wanderung durch die Vorzeit des Kreises Steinburg“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 60-62, weiter ebenda Bd. II S. 121 W. Jensen in Artikel „Die Wilstermarsch“.
5 Karl Kersten: „Vorgeschichte des Kreises Steinburg“ Neumünster (1939) S. 10. (Der Kreis Steinburg war übrigens der erste, der in dieser Weise vorgeschichtlich bearbeitet worden ist.)
6 Ebenda S. 114
7 W. Haarnagel: „Die frühgeschichtlichen Siedlungen der schleswig-holsteinischen Elb- und Störmarschen, insbesondere die Siedlung Hodorf“ in Offa, Bd. 2, Neumünster 1937
8 Karl Kersten a.a.O. S. 201
9 Ebenda S. 144
10 Wolfgang Laur: „Die Ortsnamen in Schleswig-Holstein“ Schleswig (1960) S. 137 f. Siehe auch Karl Kersten a.a.O. S. 144 und D. Dethlefsen a.a.O. Bd. I S. 67 f und S. 73
11 W. Jensen in „Die Wilstermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 119/119
12 Wolfgang Laur a.a.O. S. 11 und 282
13 Ebenda S.342 f
14 SHRU 175
15 Wolfgang Laur a.a.O. S. 343
16 ebenda S. 343
17 D. Dethlefsen a.a.O. Bd. I S. 30 und 59 f.
18 ZSHG 84 (1960) S. 23 (Ähnlich ist auch die Auffassung D. Dethlefsens a.a.O. Bd. I S. 267.
19 Nach einem Vortrag von Herr Dr. Joachim Reichstein über „Burg Esesfeld – Karls des Großen – Brückenkopf in Holstein“, gehalten vor dem Heimatverband für den Kreis Steinburg am 11.2.1981 in Itzehoe auf Grund der letzten Grabungsergebnisse in den letzten Jahren. (Die umfangreiche Literatur um die Lage der Esesfeldburg wurde eingeleitet durch H. Hoffmann: „Urholstein“ Glückstadt 1932.)
20 Karl-Heinz Gaasch: „Die mittelalterliche Pfarrorganisation in Dithmarschen, Holstein und Stormarn“ in ZSHG 62 S. 90 ff. Als Quelle, die „Heligonstad“ zuerst erwähnt Adam von Bremen: „Hamburgische Kirchengeschichte“ I c. 18.
21 Karl-Heinz Gaasch ebenda ZSHG 77 S. 72.
22 Zitiert hier aus W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 118 (Caspar Danckwerth aus Husum verfasste 1652 seine „Newe Landesbeschreibung der zwey Hertzogthümer Schlesswich und Holstein“.)
23 W. Lammers: „Germanen und Slaven in Nordalbingien“ in ZSHG 79, (1955) S. 17 f.
24 Hamburger Urk. Buch I 159 und SHRU I 691
25 SHRU I 454
26 SHRU I 75
27 Ebenda und SHRU I 454. Siehe hierzu und zum Folgenden auch W. Jensen: „Sächsische und holländische Siedlungen in der Wilstermarsch“ in der ZSHG 46, S. 41 ff. und 47, S. 46 ff.
28 SHRU I 373
29 SHRU I 75
30 SHRU I 118
31 31 ebenda: „—Item decimam in australi parte wilsters in nesse inter stocflite et damflite eregione ecclesie - -.“
32 D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 153
33 W. Jensen: “Das alte Wilster” S. 6 Anm. 1
34 Marianne Hofmann a.a.O. ZSHG 87 (1960) S. 22. Siehe auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 124
35 W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III (1926) S. 127
36 „DIe Sonnin-Kirche zu Wilster“ Wilster 1930 S. 49 (im Artikel „Die neue Kirche und ihr Erbauer“ von G. Schwennesen, S. 44-64; dieser Bericht fußt auf dem Bauprotokoll über die Sonnin-Kirche von 1775-1780, welcher in 5 Bänden vorliegt.)
37 Valentin Michaelsen: „Zwo Predigten auf Veranlassung des vorzunehmenden Baues einer neuen Kirche in Wilster. Nebst einem historischen Bericht von der alten Kirche zu Wilster“. Hbg. 1775 S. 54
38 Zu den Maßen und Gewichten Emil Waschinski und Franz Böttger: „Alte schleswig-holsteinische Maße und Gewichte“ Neumünster 1952. Hierzu auch besonders über die Elbmarschen K. Bielenberg im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 63/64. Weiter hierzu Johannes von Schröder und Hermann Biernatzki: „Topographie der Herzogtümer Holstein und Lauenburg ……“ Oldenburg i.H. 1855 Bd. I S. 47/48. Schließlich in „Die Sonnin-Kirche zu Wilster“ a.a.O. in „Die alte Kirche“ von H. Schulz S. 16 Anm. 2
39 W. Jensen in „Die Sonnin-Kirche zu Wilster, Wilster 1930, S. 7
40 Heinrich Schulz: „Wilster. Eine kurze Geschichte der Stadt und ihrer Baudenkmöler“ Wilster 1932 S. 6
41 Karl-Heinz Gaasch a.a.O. ZSHG 77 (1953) S. 72
42 SHRU I 373
43 SHRU I 691
44 SHRU 711 und II 104, 107, 113
45 Heinrich Schulz a.a.O. S. 5
46 Siehe hierzu Rudolf Irmisch: „Geschichte der Stadt Itzehoe“ Itzehoe 1960; weiter M. Hofmann: „Die Anfänge der Städte Itzehoe, Wilster und Krempe“ in ZSHG 83 S. 15-82 und 84 S. 1-18; weiter H. Kaufhold: „Das Stapelrecht der Stadt Itzehoe“ Diss. Kiel 1956 auch in „Die Heimat“ 1958 S. 204 ff u.a.m.
47 Siehe hierzu M. Hofmann a.a.O. ZSHG 84 (1960) S. 44 ff; weiter Lars Hennings und Klaus J. Lorentzen-Schmidt: „Zur Topographie und Bevölkerungsstatistik Krempes“ im „Steinburger Jahrbuch 1977“ S. 189-200
48 D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 239
49 “Die Gründungsurkunden der Stadt Wilster” von W. Jensen und H. Kochendörffer in „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ Wilster 1925 S. 16; auch M. Hofmann a.a.O. ZSHG 84 S. 25
50 „Cimbriae Chersonesi Ejusdem Partium, Urbium, Insularum et Fluminum, nec non Cimbrorum Origines, Nominis, Fortitudinis, Fidelitatis, Rerumque Gestarum Quatuor Libris Comprehense, Descriptio nova“ des Heinrich Rantzau in „Monumenta inedita….“ von E. J. von Westphalen, Lpz. 1739 I 41. Er zählt auch die verschiedenen Bestätigungen des Stadtrechts von Wilster auf.
51 E. Müsebeck: „Die Belehnung Wilsters mit dem Stadtrecht nach dem lübischen Recht“ in ZSHG 31 (1901) S. 220 ff; weiter „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ Wilster 1925 im Artikel „Die Gründungsurkunden der Stadt Wilster vom 8. August 1282 und 10. April 1283“ S. 16-19, von hier sind auch die Übersetzungen übernommen.
52 SHRU I 373 und II 530, 649, 707. Die Familie soll nach D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 114 noch in Dänemark vorhanden sein.
53 W. Jensen: „Die alten Familien in der Wilstermarsch“ in „Die Heimat“, 1924, Nr. 1. Weiter W. Kahlke: „Die alten Familien in der Marsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 446 ff und Paul von Hedemann-Heespen: „Die landständische Verfassung Schleswig-Holsteins“ in „Festschrift für Haupt“ S. 28 und D. Detlefsen in ZSHG 27, S. 171 ff. u.a.m.
54 H. Reincke: „Die ältesten hamburgischen Stadtrechts und ihre Quellen“ in Zschr. F. Hbg. Gesch. 25 (1924) S. 1 ff.
55 Heinrich Schulz a.a.O. Wilster 1932, S. 1 ff.
56 Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte Wilsters um 1830“ in Wilstersche Zeitung vom 15.8.1966
57 „Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des preußischen Staates“, herausgegeben von Meitzen, Bd. 5, Bln. 1894, S. 80ff. – Siehe hierzu auch Wilhelm van der Smissen: „Die Landwirtschaft des Kreises Steinburg I. Der Boden und seine Benutzung“ in Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 85 ff.
58 Urk. Buch d. Stadt Lübeck I (S. 271) Nr. 275 Anm.
59 SHRU IV 382
60 Wi. St. A. Urk. Nr. 15, 20, 22, 25, 26; Altes Ratsbuch fol 6, 11
61 Siehe hierzu besonders Wilhelm Ebel: “Lübisches Recht” Lübeck 1971
62 „Sammlung der wichtigsten Abhandlungen zur Erläuterung der vaterländischen Geschichte und des vaterländischen Rechts“ hrs. Von N. Falck, Tondern 1821-40, Bd. III S. 491 f. Näheres bei W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 133/134
63 SHRU IV 1233
64 SHRU IV 1101
65 M. Hofmann a.a.O. Z SHG 84 (1960) S. 34 f.
66 SHRU I 118
67 D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 350 Anhang; weiter M. Hofmann a.a.O. S. 36. Über diesen Namen Klosterhof hat es im Verlaufe der Zeit übrigens viele Ausdeutungen gegeben.
68 Schr. D. Ver. F. S. H. Kirchengesch. 2. Reihe 7 Bd. S. 383; siehe hierzu auch „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 112 Anm. 2
69 „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 7; siehe auch „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 401
70 A. Wetzel in Z SHG 8 (1878), Repertorium S. 118-120; siehe hierzu W. Jensen und Heinrich Kochendörffer: „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 20-87 und Wi. St. A. Manuskript Ia Nr. 1
71 Zitiert nach W. Jensen in „Das alte Ratsbuch“ a.a.O. S. 21
72 ebenda S. 10
73 M. Hofmann a.a.O. ZSHG 84 (1960) S. 37-39
74 M. Hofmann a.a.O. ZSHG 84 (1960) S. 30 f, auch W. Jensen: „Das alte Wilster“ in „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 9-11. Über die Lage des ältesten Rathauses siehe Altes Ratsbuch fol 11: „Men schal weten, dat her Ghert heft uppe der olden ratmanne wurt…..Weten schal men, dat Hinric Garbedesson unde Alleke Arndes hebbet de wurd koft unde vorghulden van des rades weghene, men schal weten, dat Hinric Garbedesson scal bowen dat hus, dat eher schrangen nenen scaden do, unde dar scal neyn venster efte nyn dore daryeghen wesen, dar dat erste venster up slet ute den schrangen. Men scal weten, dat dat hus, dat dat hus, dat by den schrangen steyt, dat gebuwet is oppe de stede, dat geheten is der ratmanne wurt, dat schal nen venster efte dore hebben jeghen den schrangen…..“ So im Jahre 1387.
75 Schätzungen nach W. Jensen in „Altes Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 12. Die Liste der Hausbesitzer und ihre Straßen, in denen sie wohnten, im „Alten Ratsbuch“ Papier fol 1 und 1, in ihr fallen schon auf Namen wie Wilsterman, Wichman, Schele, Brun, Rode, Schröder (Scroder), Holste, Dorne, Lakeman und Hanneman. Daneben treten aber noch Namengebungen auf wie „Gude Johan“, „Jacob Ghert“ oder „Dideric Wulff“ oder „Peter Hartich“. Die Familiennamen setzen sich also durch, waren aber noch nicht allgemein geworden.
76 SHRU IV 263
77 Siehe hillerz J. Reetz: „Über die Taxus-Aufzeichnungen der Hamburger Propstei“ in Ztschr. F. Hb. Gesch. 62 (1976) S. 99 ff.
78 SHRU IV 1061
79 SHRU IV 1051 und 1061
80 N. Staphorst: „Hamburger Kirchengeschichte“ Bd. I (1725) S. 155. Siehe auch Karl-Heinz Gaasch a.a.O. S. 73
81 Angaben aus: „Die Stadt Wilster“ von W. Jensen in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 137 f.
82 Wi. St. A. Urk. Nr. 9
83 Wi. St. A. Urk. Nr. 10
84 Wi. St. A. Urk. Nr. 22
85 Wi. St. A. Urk. Nr. 31
86 Heinrich Schulz: “Die Bürgergilde in Wilster” Wilster 1936 S. 10 f.
87 Ebenda S. 10
88 Wi. St. A. Man. Iva Nr. 450
89 W. Jensen: “Das alte Wilster” in “Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster” S. 14, weiter derselbe in „Die Stadt Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 133, weiter H. Schulz a.a.O. S.21
90 „Die Sonninkirche zu Wilster“, hier Kapitel „Die alte Kirche“ von H. Schulz S. 15 und 18 mit Seitenansichten und Grundriß von dem Landesbaumeister Rosenberg und vom Kommissar Findorff. Zur Lage der alten Kirche in Ost-West-Richtung siehe dort auch die Skizze auf S. 85.
91 H. Schulz ebenda S. 18
92 W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 133; er zitiert dort in Anm. 1 Valentin Michaelsen: „Zwo Predigten..“ a.a.O. S. 54, weiter weist er hin auf D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 84.
93 Gutachten des Ernst Georg Sonnin von 1764 auf S. 29-31 in „Die Sinninkirche zu Wilster“ a.a.O. wiedergegeben.
94 „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 70-72
95 W. Ebel a.a.O. (1958) S. 53 ff.
96 „Das alte Ratsbuch“ fol 3 und6 (in „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 24-26 und 28/29.
97 Siehe Anmerkung 46 hierzu.
98 Wi. St. A. Urk. Nr. 15
99 Wi. St. A. Urk. Nr. 17
100 Wi. St. A. Urk. Nr. 23
101 Wi. St. A. Urk. Nr. 26
102 Hierzu A. Jürgens: “Zur Schleswig-holsteinischen Handelsgeschichte des 16. Und 17. Jahrhunderts“ Bln. 1914. – über die „expeditiones“ K. Koppmann: „Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg“ Bde. I-VII Hbg. (1869). – weiter H. Tschentscher: „Die Entstehung der hamburgischen Elbehoheit 1189-1482“ in Ztschr. Hbg. Gesch. 43 (1956) S. 1 – 48 und H. Reincke: „Hamburgische Territorialpolitik“ ebenda 38 (1939) S. 28 – 116.
103 Hierzu und dem folgenden W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 131 und 134/135. Weiter D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 98-107.
104 W. Jensen in „Das Kirchspiel Wilster“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 9; weiter derselbe in „Die Stadt Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 131/132, ebenfalls derselbe in „Das alte Wilster“ in „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 13/14.
105 Wi. St. A. Urk. Nr. 29
106 Wi. St. A. Urk. Nr. 30, 33,34,35…..Bei August Wetzel: “Archiv der Stadt Wilster” in Z SHG 8 (1878), Anhang S. 52-133 sind noch weitere, heute nicht mehr vorhandene Urkunden zu dieser Rechtsauseinandersetzung vermerkt, nämlich (nach Wetzel) Urk. Nr. 34 (1516, Mai 19), 35 (1516, Juli 8), und 1516, Nov. 2.
107 Wi. St. A. Urk. Nr. 30
108 So meint jedenfalls W. Jensen in “Die Stadt Wilster” im “Heimatbuch des Kreises Steinburg” Bd. III S. 139.
109 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 28 (1509, Febr. 3).
110 Wi. St. A. Urk. Nr. 33 (1516, Nov. 9).
111 Wi. St. A. Urk. Nr. 34
112 Wi. St. A. Urk. Nr. 35
113 W. Jensen: “Aus der alten Stadt Wilster” Wilster 1932 Teil III “Die ältesten Einwohnerverzeichnisse” S. 43-48. (Aus dem Steinburger Amtsregister von 1518 im Reichsarchiv zu Kopenhagen unter Herzog Friedrichs Archiv IV d 3; siehe auch W. Jensen ebendort S. 43 Anm. 4.
114 Ebenda S. 47/48
115 Wortlaut in W. Jensen: „Das Kirchspiel Wilster“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 11 – 13, hier auch Näheres in den Anmerkungen.
116 W. Jensen übertrug das niederdeutsche Schreiben ins Hochdeutsche, er fügt besonders prägnante Sätze in Klammern im Urtext ein.
117 Valentin Michaelsen a.a.O. S. 85 (von ihm stammt ein Kirchen-Missale, welches 1775 die Reihe der Hauptpastoren von Johan Sina an angibt.
118 Ebenda.- In „Die Pastoren an der Kirche zu Wilster und die kirchliche Verwaltung“ von H. Schwede in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 102.
119 Wi. St. A. Urk. Nr. 38
120 Wi. St. A. Urk. Nr. 40
121 Wi. St. A. Urk. Nr. 41
122 Wi. St. A. Urk. Nr. 42
123 Wi. St. A. Urk. Nr. 43 (1527, Februar 5)
124 Wi. St. A. Urk. Nr. 45, 47, 49, 50, 51, 57, 59, 60. Dazu bei Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 70, 76.
125 W. Jensen: „Das Kirchspiel Wilster“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 10 auf Grund der Amtsrechnung des Amtes Steinburg von 1524 im Reichsarchiv zu Kopenhagen.
126 Wi. St. A. Urk. Nr. 48
127 Wi. St. A. Urk. Nr. 44
128 Heinrich Schulz: “Die Bürgergilde in Wilster” Wilster 1936 S. 19-21. (Auf Seite 20 die Abrechnung der Gilde von 1527 im Wortlaut):
129 W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 142
130 ebenda S. 143
131 ebenda S. 143. Auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 111. – Wi. St. A. Urk. Nr. 53.
132 W. Jensen: “Die Wilstermarsch” im “Heimatbuch des Kreises Steinburg” Bd. II S. 142-144.
133 Wi. St. A. Urk. Nr. 68
134 Über ihn in “Die Sonninkirche zu Wilster” a.a.O. H. Schwede: „Die Pastoren an der Kirche zu Wilster.“ S. 102. – Weiter W. Jensen im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 144, er bezieht sich auf das „Archiv für Staats- und Kirchengeschichte“. 5 S. 387 ff über die Pastoren zu Wilster. – Über den Sohn des Franziskus Alardus sein Nachkomme Wilhelm Alardus im „Steinburger Jahrbuch 1976“ S. 44/45, dann Dr. Hans-Georg Allardt: „Ein Gelübde und seine Folgen“ im „Steinburger Jahrbuch 1975“ S. 95-110 und im „Steinburger Jahrbuch 1976“ S. 137 – 159.
135 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 107
136 ebenda S. 108
137 Reimer Hansen: “Die Festung Krempe unter Christian III. und Friedrich II. (1533-88)“ in Nordelbingen 39 (1970) S. 35 ff. Weiter Klaus-J. Lorenzen-Schmidt: „Arbeit und Lohn in der ersten Phase des Festungsbaus der Stadt Krempe (1540- 1543)“ in „Steinburger Jahrbuch 1976“ S. 52 – 62.Weiter D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 121 (hier werden auch die zeitgenössischen Quellen erwähnt.)
138 Wi. St. A. Urk. Nr. 41, 43, 57, 62, 64 u.a.m.. Weiter bei Wetzel a.a.O. Nr. 62, 63, 64, 65, 67.
139 Ruth-E. Mohrmann: „Volksleben in Wilster im 16. Und 17. Jahrhundert“ Neumünster 1977, S. 121 Anm. 1 (hier auch weitere Literatur).
140 Hierzu D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 310-353 (Verwaltung und Rechtspflege des Amtes Steinburg unter den dänischen Königen“ mit Liste der Amtmänner seit 1468 und der Amtsschreiber seit 1492.
141 So K. Göppert: „Der Kreis Steinburg“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 19/20. – Zum Amte Steinburg D. Detlefsen siehe Anm. 140, weiter Halling: „Schloß und Amt Steinburg und seine Amtmänner“ Glückstadt 1911.
142 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 122
143 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 313 f, auach Ruth-E. Mohrmann a.a.O. s. 42 f.
144 P. Hasse: “Heinrich Rantzau” in ZSHG 8 (1878); A. Wetzel: „Zu Ciliasus Cimber“ ebenda 10 (1881); F. Bertheau: „Heinrich Rantzau als Humanist“ ebenda 18 (1888); F. Bertheau: „Heinrich Rantzau als Geschichtsforscher“ ebenda 21 (1891) u.a.m.
145 Aus der Schau der Wilstermarsch hierzu W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 139/140.
146 W. Jensen im Artikel „Johann Rantzau und die Wilstermarsch“ in „Aus der alten Stadt Wilster“ S. 49-51; derselbe: „Die Wilstermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 142.
147 Wortlaut der Urkunde von 1545, Mai 31 in „Aus der alten Stadt Wilster“ a.a.O. Seite 42 (Wi. St. A. Urk. Nr. 61). Siehe auch W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 148.
148 Siehe hierzu Th. Hinr. Engelbrecht: „Die Brandgilden im Kreise Steinburg“ Bd. I S. 146-154; D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 353-375; W. Jensen: in “Heimatbuch des Kreises Steinburg”Bd. II S. 148 (Artikel „Die Wilstermarsch“).
149 ZSHG 50 (1921) S. 396
150 Hierzu vor allem Heinrich Schulz: „Die Bürgergilde in Wilster“ a.a.O. S. 23 ff.
151 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 361.
152 Zu diesen Ausführungen vor allem “Die Pastoren an der Kirche in Wilster und die kirchliche Verwaltung” von Hauptpastor H. Schwede in Wilster in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 100-115. Auch Valentin Michaelsen a.a.O. S. 85.
153 So D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 115-120.
154 Valentin Michaelsen a.a.O. S. 84
155 Siehe hierzu auch weiterhin H. Schwede a.a.O., hier vor allem S. 113 f.
156 Valentin Michaelsen: „Zwo Predigten….“ A.a.O. S. 60
157 Siehe hierzu Ruth-E. Mohrmann: „Volksleben in Wilster im 16. und 17. Jahrhundert“ a.a.O. S. 58 f. Ernst Feddersen: „Kirchengeschichte Schleswig-Holsteins“ Bd. II Kiel (1938) S. 245 f.
158 H. Schwede: „Die Pastoren an der Kirche zu Wilster…..“ in „Die Sonninkirche ….“ a.a.O. S. 102.
159 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 90 f; sie bezieht sich vor allem auf Heinrich Schulz: „Das Schulwesen der Stadt Wilster um 1800“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 177 ff. (Weiter derselbe „Das Schulwesen im Kirchspiel Wilster um 1700“ in „Die Heimat“ Mai 1924 und ebenfalls derselbe „Zur Geschichte der großen Stadtschule“ in „Die Sonninkirche…..“ a.a.O. S. 116-119, wo sich auch ein Verzeichnis der Lehrkräfte bis ins 19. Jahrhundert einschließlich befindet).
160 W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 141; D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 390 ff. , Heinrich Schulz: “Eine kurze Geschichte der Stadt Wilster und ihrer Baudenkmäler“ Wilster 1932 S. 15; H. Oldekop: „Topographie des Herzogtums Holstein einschließlich Kreis Herzogtum Lauenburg“ Bd. II (1908) S. 150 gibt eine Zusammenstellung sämtlicher Legate; Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 101 ff.
161 Die Abrechnungen der Heiligen Kreuz Stiftung, deren Haupteinnahmen dem Gasthaus zukamen, sind von 1502-1792 erhalten, siehe hierzu Wetzel a.a.O. S. 122 ff. Siehe auch Johannes von Schröder und Hermann Biernatzki: „Topographie der Herzogtümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebietes der freien und Hansestädte Hamburg und Lübeck“ Oldenburg/H. (1855) Bd. II S. 399; auch Andreas Köhn Friedrichs Stadtplan von 1775 (der älteste vorhandene im Stadtarchiv (Wi. St. A. III 1 1012); hierzu in „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. der Artikel „Die Stadtpläne“ S. 88-99 und der Plan am Ende des Buches. (Unter VII erscheint hier „Die Hintere Straße“, die Achterstraße, und in ihr unter 3) „der Stadt Armenhaus“. Auch Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 101 ff.
162 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 102 mit Quellenangabe.
163 H. Schulz: „Die Bürgergilde in Wilster“ a.a.O. S. 42,44 und 60
164 Die Ausführungen über den „alten“ und den „neuen Friedhof“ wurden entnommen H. Schulz: „Die Kirchhöfe Wilsters“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 85 ff (Der alte Kirchhof), und S. 90 ff (der neue Kirchhof).
165 Hierzu D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 341-349, hier auch die Quellenangaben im Einzelnen.
166 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 343.
167 GZP 1622 April 20. – Hierzu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 58 f.
168 Ebenda; weiter D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 330 ff.
169 Siehe hierzu vor allem P. Schröder: „Die Organisation der Wilstermarschentwässerung“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 333-343; weiterhin K. Bielenberg: „Das Entwässerungswesen“ ebenda S. 297-332 und H. Schröder und K. Bielenberg: „Das Deichwesen“ ebenda S. 253-285.
170 Siehe hierzu Anmerkung 67
171 K. Bielenberg: „Das Entwässerungswesen“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 306/307. – Siehe hierzu auch Otto Voß: „Die Entwicklung des Itzehoer Nonnenklosters von seinen Anfängen bis zu Ausgang der Reformation“ Diss. Kiel 1949 (Masch. Schrift) S. 142 f.
172 K. Bielenberg ebenda S. 323
173 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 8
174 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 9
175 Die Urkunden sind bei Wetzel a.a.O. Nr. 116, 118, 119, 120, 123, 172 und 186.
176 H. Schulz: „Wilster. Eine kurze Geschichte der Stadt…“ a.a.O. S. 17.
177 Zum Rosengarten siehe H. Schulz a.a.O. S. 17; weiter Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 25 f und W. Jensen „Die Stadt Wilster“ a.a.O. S. 150.
178 Formuliert nach W. Jensen „Die Stadt Wilster“ a.a.O. S. 148.
179 Siehe hierzu S. 50 und Anm. 147
180 Wi. St. A. Urk. Nr. 61 (bei Wetzel a.a.O. Nr. 79).
181 Hierzu W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ a.a.O. S. 148; weiter H. Schulz: a.a.O. S. 17 f.
182 Zu den zahlreichen Urkunden hierzu im Stadtarchiv von Wilster siehe auch Wetzel a.a.O. Nr. 20, 121, 122, 124, 126, 127, 128, 150, 162, 164, 176, 177, 178, 180, 181; schließlich CCRH III S. 419 f vom 21. April 1600.
183 W. Jensen: „Die Stadt Wilster“ a.a.O. S. 149.
184 Siehe Wetzel a.a.O. Nr. 148 und 212.
185 CCRH III S. 401-496. – Die Übersicht nach Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 9ff
186 Erhalten bei F. Seestern-Pauly: „Beiträge zur Kunde der Geschichte sowie des Staats- und Privat-Rechts des Herzogtums Holstein“ Schleswig 1825 II S. 158.
187 Ebenda S. 155
188 Ebenda und folgend S. 158 ff.
189 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 53
190 ebenda S. 55
191 ebenda S. 57
192 ebenda S. 60
193 ebenda S. 63
194 Ruth-E. Mohrmann a.a.O., auf die vor allem bei Darlegung der Verfassung bezug genommen wird, zitiert dabei Quellenaussagen aus dem 2. Ratsbuch auf S. 63 ff.
195 Siehe hierzu D. Detlefsen a.a.O. Bd. I S. 295 f und BGd. II S. 334…. Weiter für 1436 W. Jensen „Das alte Ratsbuch..“ a.a.O. S. 70-72; für die Bursprake von 1587 weiter CCRH III S. 389-398; für die Bursprake von 1456 H. Schulz a.a.O. S. 10-12, derselbe geht S. 20-27 auch auf die Bursprake von 1587 ein. Siehe auch Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 70ff.
196 Diese Bestimmung stammt erst aus dem Jahre 1753.
197 CCRH III S. 397 f.
198 So die Formulierung von Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 75.
199 Wi. St. A. Urk. Nr. 120 vom 20.3.1598: CCRH III S. 402 f.
200 Ploen: “Formulare der Eide” p 26-31.
201 Das Halseisen auf dem Kirchhof gab es seit dem 10. Mai 1588 (Wi. St. A. Urk. Nr. 106).
202 Siehe hierzu auch H. Schulz a.a.O. S. 41 – 43.
203 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 80 (hier auch Quellenstellen).
204 CCRH III S. 441 f.
205 Wi. St. A. Urk. Nr. 167 (1622, April 19).
206 Näheres bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 87 ff.
207 Siehe hierzu Franz Gundlach: „Das älteste Urteilsbuch des Holsteinischen Vierstädtegerichts 1497-1574“ (gedruckt in „Quellen und Forschungen“ der Ges. f. S.H. Gesch. 10) Kiel 1925
208 Heinz Lupprian: „Geschichte und wesentliche Grundsätze der revidierten Landgerichtsordnung von 1636“ in ZSHLG 73 (1949) S. 232-254.
209 Seestern-Pauly a.a.O. II S. 159; Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 142.
210 ebenda
211 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 142 f.
212 W. Ebel a.a.O. S. 350 ff und 371.
213 Bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 147.
214 Seestern-Pauly a.a.O. II S. 158
215 D. Detlefsen a.a.O. S. 332 f
216 Wi. St. A. Urk. Nr. 148
217 Privileg Christians IV. vom 20. Sept. 1610 gedruckt bei CCRH III S. 441 f
218 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 210, siehe auch Seestern-Pauly a.a.O. II S. 156, weiter auch Hermann Vollstedt: „Lübisches Recht in glückstadt“ in „Steinburger Jahrbuch 1972“ S. 146-148.
219 Hierzu H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 49 f. W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 145 zeigt auf, dass die Stadt Wilster 1570 ihre Kriegsunkosten auf 9183 Mark bezifferte, dazu einen Unterhalt schwedischer Gefangener, auch habe man „etliches Fußvolk“ stellen müssen.
220 Siehe anmerkung 50
221 W. Jensen: Wilster a.a.=. S. 150 f. – Ruth-E. Mohrmlann a.a.O. S. 31 gibt die Einwohnerzahl mit 1500-1700 an, fährt hierzu Begründung und weitere Literatur an.
222 Hugo Schünemann: „Alte Längenmaße und Messgeräte“ in „Steinburger Jahrbuch 1974“ S. 83-98.
223 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 89
224 W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 150
225 Zitiert bei H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 25 f. Übernommen bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 27.
226 Bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 25 Anm. 72, über die Bursprake vom 12. Sept. 1608 gedruckt bei CCRH III S. 400.
227 Wi. St. A. Acta III A, Nr. 619, 8
228 Wi. St. A. Urk. Nr. 65
229 Wi. St. A. Acta III A Nr. 619 2
230 Siehe hierzu die “Kunst-Topographie Schleswig-Holsteins” des Landesamtes für Denkmalspflege Schle.-H. Neumünster (1969) S. 833. Weiter Georg Dehio: „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg-Schl.-Hols.“ (1971) S. 679 f; sowie A. Haupt: „Wiederherstellung des Rathauses zu Wilster. Erläuterungsbericht“ Wilster (1912) im Wi. St. A. und H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 134-142, sodann R. Haupt: „Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schl.-Holst.“ Kiel (1888/89) Bd. II S. 519 ff. u.a.m.
231 H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 48
232 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 130 und 136. – siehe auch D. Detlefsen a.a.O. S. 136.
233 Siehe hierzu vor allem Adolf Jürgens: „Zur Schleswig-Holsteinischen Handelsgeschichte des 16. Und 17. Jahrhunderts“ (Abh. Der Verkehrsgesch. 8) Bln (1914) S. 10 ff. – Auch V. von Arnim: „Krisen und Konjunkturen der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein vom 16. Bis zum 18. Jahrhundert“ (Quellen und Forschungen“ der Ges. f. S-H. Gesch 35) Neumünster (1957) S. 102.
234 So bei CCRH III S. 446
235 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 276 f
236 ZSHG 20 S. 268
237 CCRH III S. 448. Siehe A. Jürgens a.a.O. S. 28.
238 CCRH III pp 317-319. Siehe Klaus-J. Lorenzen-Schmidt: „Der Kremper Handel im 16. Jahrhundert“ im „Steinburger Jahrbuch 1981“ S. 49-62.
239 W. Jensen: Stadt Wilster a.a.O. S. 146
240 So Rudolf Irmisch: „Geschichte der Stadt Itzehoe“ S. 132
241 So bei H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 34.
242 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 132; zitiert aus Danckwert a.a.O. III S. 260.
243 So Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 186.
244 ebenda S. 43 Anm. 184.
245 ebenda S. 197 Anm. 17, aus dem Gezeugnisprotokoll vom 18. März 1643.
246 ebenda S. 187 Anm. 18, aus dem Gezeugnisprotokoll vom 29. Juli 1648.
247 ebenda S. 188 Anm. 24.
248 Wi. St. A. Urk. Nr. 59 (nach Wetzel a.a.O. Nr. 71).
249 A. Jürgens a.a.O. S. 100 und 263 f. , W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 144 ff.
250 CCRH III S. 449. – Siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 132 und W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 146. Das Recht auf freie Schifffahrt nach Bergen in Norwegen wurde 25. 11. 1571 gewährt.
251 Wi. St. A. Urk. Nr. 40
252 Wi. St. A. Urk. Nr. 50
253 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 76
254 Wi. St. A. Urk. Nr. 60
255 Wi. St. A. Urk. Nr. 63
256 Wi. St. A. Urk. Nr. 64
257 St. A. Hb. Senat C1 II, Nr. 15 b, Vol. 1, Itzehoe 16
258 Siehe hierzu Klaus-J. Lorenzen-Schmidt: „Der Kremper Handel im 16. Jh.“ Im „Steinburger Jahrbuch 1981“ S. 54
259 Aus Wilster waren die Pastoren Nr. 9, 10, 12, 13, 14. Andere kamen aus Nachbarorten, wie z.B. Nr. 6 und 7. Gerne ließ man Geistliche auch nachrücken vom Diakon über Archidiakon zum Hauptpastor, wie es geschah bei Nr. 8, 9, 10, 11, 12, 13 und 14. Siehe hierzu H. Schwede: „Die Pastoren an der Kirche zu Wilster und die kirchliche Verwaltung“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 102 ff. Siehe hierzu auch Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 42.
260 Einzelheiten dazu bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 326.
261 Siehe „Die Lehrer der „Großen Stadtschule“ in „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 118
262 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 41
263 ebenda (siehe auch dort die Anm. 170).
264 W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 146
265 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 41 und 98 f.
266 W. Jensen: Wilster a.a.O. 170 (bis 1688 gab es sogar 2 Apotheken in der Stadt.)
267 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 100, auch W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 170.
268 Siehe hierz u.a. Gerd Hohendorf: „“Wolfgang Ratke. Lebensbilder großer Pädagogen“ (Ost-)Berlin 1963. – Christian Gottlieb Jocker: Allgemeines Gelehrten-Lexikon“ Lpz. 1751 u.a.m.
269 Hierüber Gerhard Sakowski: „Wolfgang Ratkes pädagogische Grundsätze in unserer Zeit“ (wiss. Arbeit) Wilster 1952 S. 1.
270 Richard Haupt: „Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein“ Kiel 1888/89. – W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 156. – H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 159 f.
271 W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 156
272 Wilhelm Johnson: „Meister Jürgen Heitmann der Ältere in Wilster“ Wilster 1938 S. 32 ff.
273 GZP vom 29. Dez. 1642
274 GP vom 20. Nov. 1621
275 Siehe zu den Ausführungen über die Ämter vor allem Ruth-E. Mohrmann a.a.O. Kapitel „Handwerk“ S. 199 ff und Wilhelm Johnson a.a.O. Kapitel „Das ehrsame Handwerk“ S. 38 ff.
276 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 31
277 W. Jensen: Wilster a.a.O. S. 146
278 H. Schulz: Wilster a.a.O. S. 28
279 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 205
280 ebenda
281 Wilhelm Johnson a.a.O. Kap. “Das Leben Jürgen Heitmanns des Älteren” S. 13 ff.
282 So erhalten erstmals aus dem Jahre 1649 (Wi. St. A. Acta III A Nr. 621).
283 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 32 ff
284 CCRH III S. 392 (vom 21. Febr. 1587).
285 E. Maschke: „Die Unterschichten der mittelalterlichen Städte Deutschlands“ Stgt. 1967 S. 17 ff und 28 f. Daher schätzt Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 31 die Einwohnerzahl Wilsters um 1600 auf 1500-1700, höher also als Jensen a.a.O. S. 151 und W. Johnson a.a.O. S. 17 und Carl Arndt: „Die Einwohnerzahlen der niederdeutschen Städte von 1550 bis 1816“ Dies. Hbg. 1946 (Masch. Schr.) S. 32 und 152. Ruth-E. Mohrmann dazu a.a.O. S. 31 Anm. 105: „Ihre Angabe von 1400 – 1500 Einwohnern berücksichtigt die Unterscheidung von Bürgern und Einwohnern nicht.“
286 Otto Hupp: „Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer“ Heft 3 (Sachsen und Schleswig-Holstein). 1903 S. 76
287 W. Jensen: „Die Wappen der Stadt Wilster und der Wilstermarsch“ in „Das alte Ratsbuch ……“ a.a.O. S. 92/93.
288 Ebenda
289 Otto Brandt: „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Kiel 1949 S. 131
290 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 51
291 Zitiert aus Wilsters Kirchenbüchern von H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 54 f
292 Siehe hierzu auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 192-206
293 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 361
294 GZP vom 1633, März 28
295 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 65
296 Ebenda
297 Zitiert bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 55
298 GZP vom 1633, März 28
299 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 66
300 W. Jensen, Die Wilstermarsch a.a.O. Bd. II S. 145
301 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 366
302 In „Das alte Ratsbuch“ auch a.a.. S. 10
303 GZP vom 1631, April 9. Siehe dazu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 17
304 Ausführlicher, detaillierter hierzu K. Bielenberg: Wege- und Verkehrswesen in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 229-247, hier vor allem S. 233, weiter S. 241 und die Quelle CCRH II S. 309-315.
305 Wi. St. A. Urk. Nr. 46. Die Bestätigung durch Christian IV. am 20. 3. 1598 bei CCRH II S. 307, seitdem hatten die Kirchspiele Wilster und St. Margarethen den Landweg allein zu unterhalten.
306 Zitat und Quellenangabe siehe W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 161
307 Ebenda
308 W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 161
309 D. H. Hegewisch: „Schleswig-Holsteins Geschichte unter dem König Christian IV….“ Kiel 1801 S. 328. Siehe hierzu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 131.
310 So zitiert bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 57 f.
311 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 212 f.
312 ebenda S. 215
313 siehe hierzu ausführlich D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 219-232 u.a.m.
314 Hierzu H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 58-73
315 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 366
316 Saucke: „Herzhorner Chronik“ S. 181, siehe hierzu D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 246, weiter R. Hansen: „Geschichte der Stadt Itzehoe“ a.a.O. S. 169-171.
317 So im Kirchenarchiv von Krummendiek (siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 246)
318 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 247
319 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 73
320 ebenda S. 74
321 Zum Folgenden auch im „Steinburger Jahrbuch 1979“ !. Hans-Georg Allardt: Ein Duell in Krempe und seine Folgen. Episoden aus dem Polackenkrieg 1657-1660“ S. 241-248; 2. Thomas Thomsen: „Die Kämpfe an der Elbe im Polackenkrieg“ S. 249-253; siehe auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 247 f.
322 Hierzu H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 74 ff.
323 A. Schöpper: „Der Große Kurfürst in Schleswig-Holstein“ in „Die Heimat“ 1909 S. 173-181.
324 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 76
325 ebenda S. 76 f
326 Hermann Kellenbenz: „Die Herzogtümer vom Kopenhagener Frieden bis zur Wiedervereinigung Schleswigs 1660-1721“ in „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Bd. V S. 257.
327 ebenda S. 259
328 ebenda S. 261 f.
329 ebenda S. 265 ff. Siehe auch Hermann Vollstedt: „Das Holsteinische Obergericht in Glückstadt“ im „Steinburger Jahrbuch 1975“ S. 8-13 und H. Schmidt: „Die Glückstädter Regierungs- und Justizkanzlei des kgl. Anteils in den Hzt. Schleswig und Holstein 1648-1774“ in ZSHG 48 (1918) S. 297 ff.
330 Hermann Kellenbenz a.a.O. S. 348
331 Gedurckt bei Nik. Christ. Michelsen und C.H. Johannsen: „Sammlung der hauptsächlichsten s.-h. gemeinschaftlichen Verordnungen“ Glückstadt 1773 S. 476-536.
332 Kleiderordnung ebenda S. 484-502. Siehe Rth-E. Mohrmann a.a.O. S. 129.
333 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 129 f
334 ebenda S. 122 und 124.
335 GZP 1646, Mai 4
336 Hierzu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 325.
337 „Die Sonninkirche zu Wilster“ a.a.O. S. 104 f.
338 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 125. Siehe auch F. Schwenneke: „Die holsteinischen Elbmarschen vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg“ 1914 S. 13 ff.
339 Wi. St. A. Acta III A Nr. 619
340 Paul von Hedemann-Heespen: “Die Herzogtümer Schleswig und Holstein und die Neuzeit” Kiel 1926 S. 194
341 Wi. St. A. Urk. Nr. 65 (1550, April 14). Zum Privileg von 1502 siehe Wi. St. A. Urk. Nr. 28 (1502, Juli 28)
342 Wetzel a.a.O. Urk. Nr. 153 (1598, März 20) und Nr. 217 b (1620, Mai 11). Siehe hierzu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. 131 f.
343 So Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 75
344 GP vom 1636, Juni 8
345 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 75
346 GZP vom 1640, August 17
347 GZP vom 1633, März 28
348 GP vom 1632, August 28
349 Zitiert bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 38
350 CCRH III S. 412
351 CCRH III S. 413
352 Bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 148 mit Quellenbeleg, hier auch weiteres über das Niedergericht.
353 ebenda
354 Zu dem Prozeß Hans-Georg Allardt: „Der Bildschnitzer Jürgen Heitmann d. Ältere als Zeuge in einem bisher unbekannten Hexenprozeß in Wilster 1622 und 1623“ in „Steinburger Jahrbuch1972“, hier auch die Quellenbelege. Siehe auch Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 336 ff. Über den Hexenglauben in den Elbmarschen D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 433.
355 Zu den Quellenunterlagen über den Hexenprozeß gegen Sile Lakemans siehe ausführlich bei Hans-Georg Allardt a.a.O. aber auch bei Ruth-E. Mohrmann S. 336 ff., wo auch andere Beispiele für den Hexenglauben in Wilster aufgeführt werden. Weiterhin auch W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 165 f.
356 Wi. St. A. Urk. Nr. 592
357 Hierzu besonders W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 165 f.
358 Wi. St. A. Urk. Nr. 155 (1618, Nov. 27).
359 ebenda
360 CCRH III S. 483-489
361 Wi. St. A. Urk. Nr. 158 (1619, Sept. 1).
362 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 28
363 Im Wortlaut bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 28 ff.
364 Dieses und folgendes ebenda.
365 CCRH I S. 616. Siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 264 f.
366 CCRH II S. 196. Siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 265 und H. Schulz a.a.O. S. 29 f.
367 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 34
368 Altes Ratsbuch fol. 3 („…Si institor adrena sive alienus venerit extra form annuum, ille potest institoria sua exponere, quod dicitur uthleggen, in illo ter….“). Siehe W. Jensen: „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. S. 25.
369 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 190; hier angeführt KGP vom 1646, Nov. 24 und GP vom Dez. 4 in Anlage 41.
370 H. Schulz Wilster a.a.O. S. 46.
371 CCRH III S. 444 f. Siehe hierzu Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 190, auch H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 46 f.
372 Siehe hierzu H. Schulz: „Die Bürgergilde in Wilster“ a.a.O. S. 23-85, besonders S. 67 ff.
373 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 125, auch Hermann Kellenbenz a.a.O. S. 300 f und H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 30.
374 D. Detlefsen, a.a.O. Bd. II S. 265 ff.
375 Über die Elbmarschen in diesen Konflikten berichtet D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 259 ff.
376 ebenda S. 262.
377 W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 164, weiter D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 262.
378 So in einem Schreiben an den Amtmann von Steinburg 1647 schon formuliert (GZP 1647, Mai 10).
379 CCRH III S. 411 – 414
380 ebenda S. 401.
381 J. G. Ploen: „Formular der Eide“ (1771) p. 6 und 10.
382 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 69
383 Zu dem Nordischen Krieg in den Elbmarschen D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 270 ff.
384 Nach H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 78-80.
385 ebenda S. 80 f
386 ebendaS. 81 f.
387 ebenda S. 82 ff.
388 ebenda S. 87
389 ebenda S. 89 f.
390 Wi. St. A. Acta III A Nr. 619.
391 GZP vom 1647, Juli 31
392 H. Schulz in Sonninkirche a.a.O. S. 26; Kirchenrechnung für 1632.
393 Die Kirchenrechnung erwähnt für den 21. Mai des Jahres ein „Solarium“, siehe H. Schulz Sonninkirche a.a.O. S. 28, auch Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 24.
394 394 GZP vom 1639, Jan. 21.
395 GZP vom 1639, Febr. 21.
396 GZP vom 1644, Dez. 4.
397 GZP vom 1648, Nov. 22.
398 Ploen, Concepta p. 169 (1645, Nov. 18).
399 Ploen, von dem Magistrat.-Per. P.3. Nicoline Still: „Albertus Francke, Bürgermeister der Stadt Wilster“ in „Steinburger Jahrbuch 1974“ S. 53-56.
400 Die Sonninkirche a.a.O. S. 104. Siehe auch K. und R. Boie: „Die Familie Boie Brunsbütteler Linie“ in ZSHG 39 (1909) S. 47-54. Die Boies entstammten einem alten angesehenen Dithmarscher Geschlechts.
401 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 481
402 ebenda S. 289.
403 ebenda
404 Hieronymus Saucke, Diakonus von Herzhorn 1694-1739, schrieb auf 600 Filioseiten seine “Stormaria oder Hardes-Hornische Chronika”. Siehe hierzu D. Detlefsen a.a.O. Bd.II S. 382.
405 Zitiert bei H. Schröder und K. Bilenberg: „Das Deichwesen“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ a.a.O. Bd. II S. 271.
406 ebenda S. 261 f.
407 Gregorius Culemann war 1691-1702 Rektor der Großen Stadtschule zu Wilster, anschließend bis 1710 Diakonus dort selbst, zuletzt 1710-1733, seinem Todesjahre, hier auch noch Archidiakonus. Als solcher schrieb er bis 1728 (Druck in Wilster „in Verlegung eines guten Freundes“) sein „Denkmal von den hohen Wasserfluten in der Wilstermarsch“. Neugedruck wurden sie in der Buchdruckerein von Johann Schwarck Söhne in Wilster 1926 auf Veranlassung des Heimatvereins der Wilstermarsch. Über den Verlauf und die Schäden dieser „Wasserfluten“ durch H. Schröder und K. Bielenberg in „Das Deichwesen“ a.a.O. S. 260.
408 ebenda Buch I § 1.
409 So W. Jensen in „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 152.
410 Zitate bei Gregorius Culemann a.a.O. Buch 1 § 2 und § 81.
411 W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 143
412 ebenda S. 144
413 W. Jensen: „Chronik von St. Margarethen“ S. 380 ff.
414 W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 153
415 H. Schröder und K. Bielenberg: „Das Deichwesen“ a.a.O. S. 264
416 K. Bielenberg: „Das Entwässerungswesen“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 308
417 W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 156; K. Bielenberg: „Entwässerungswesen“ a.a.O. S. 312
418 W. Jensen ebenda S. 157 und K. Bielenberg ebenda S. 311
419 Hierzu P. Schröder: „Die Organisation der Wilstermarschentwässerung“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 333 ff.
420 So in „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Bd. VI „Die Herzogtümer im Gesamtstaat“ (Olaf Kloose/Christian Degn) S. 200
421 Über Kanalprojekte ebenda S. 199 mit Quellenangabe S. 409/410. Siehe hierzu auch H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 92.
422 Siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 10 (nach Feddersen).
423 W. Jensen, Chronik von St. Margarethen a.a.O. S. 317
424 K. Bielenberg, Das Entwässerungswesen a.a.O. S. 323, dort befindet sich eine Ansicht einer solchen Mühle auf S. 324, weiter eine Mühle im Querriß auf S. 325.
425 Siehe hierzu die Ausführungen auf Seite 121 und die Anmerkung 384.
426 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 296
427 Hierz zitiert nach D. Detlefsen a.a.O. ebenda.
428 CCRH II S. 169 ff; siehe D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 332.
429 Aus Otto Neumann: „Zur Geschichte des Etatsrates Michaelsen und seiner Besitzungen in Wilster“ (Masch. Schr.) Wilster 1957 S. 5
430 So W. Jensen in „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 158 unter bezugnahme auf „Quellen und Forschungen“ Nr. 9 S. 38.
431 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 31 f.
432 W. Jensen, diee Wilstermarsch a.a.O. S. 160
433 ebenda S. 159 f.
434 W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 168.
435 Siehe hierzu Hubert Stierling: „Die Wilstermarschstuben“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 205 – 224 mit Ansichtsbildern.
436 Siehe hierzu Hubert Stierling: „Der bäuerliche Silberschmuck der Wilster- und Krempermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 225 – 247.
437 Bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 30
438 W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 169
439 ebenda S. 163
440 Zahlenangaben entnommen aus „Beiträge zur historischen Statistik Schl.-Holst.“ Hrs. Vom Statistischen Landesamt Schleswig-Holsteins Kiel (1967) S. 12 ff. – Zu 1803 auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 299.
441 Dieses und das folgende bei H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 19 und bis W. Jensen, Wilster S. 168.
442 Siehe zu folgendem W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 166 f
443 Wiedergegeben und beschrieben bei W. Jensen und H. Kochendörffer: „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. D. 88-92, die Photografie des Stadtplanes ebenda im Anhang. Weiter bei O. Klose und L. Marius: „Ortsansichten und Stadtpläne der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Bildband“ (1962 S. 376 f. ) Bei Ruth-E. Mohrmann a.a.O. ein Hinweis auf S. 15 Anm. 5. Eine vereinfachte Zeichnung bei H. Schulz, Wilster a.a.O., die Wilster um 1600 zeigen soll, ist für dieses Jahr sicher verfrüht, sie kommt aber dem Plan von 1775 nahe.
444 Wi. St. A. III F. 1, 1012
445 W. Jensen, Das alte Ratsbuch a.a.O. S. 89
446 Ebenda S. . Bei W. Jensen ebenda auch das weitere.
447 Wi. St. A. Man. IV d Nr. 457 a
448 Wi. St. A. Man. IV d Nr. 457
449 Wi. St. A. Man. IV d Nr. 458
450 So bei Ruth-E. Mohrmann S. 148 mit Anm. 35. Die angegebenen Daten scheinen eine Auswahl gewesen zu sein, zumal dieser Zeitraum für ihre Arbeit nur noch am Rande des Interesses gestanden haben dürfte.
451 ebenda, zitiert S. 148 f.
452 Siehe hierzu Hermann Vollstedt: „Das Holsteinische Obergericht in Glückstadt“ in „Steinburger Jahrbuch 1975“ S. 8 – 13. Siehe auch D. Detlefsen a.a.O.Bd. II S. 290 und Nik. Falch in „Schleswi.-Holst. Privatrecht“ III, 1, S. 233 ff.
453 Hierzu auch D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 466 f und Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 379 über seine Editionen.
454 CCRH p., 414, auch H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 44
455 R. Irmisch: „Geschichte der Stadt Itzehoe“ Itzehoe (1960) S. 198 f.
456 ebenda
457 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 38
458 R. Irmisch, Gesch. der Stadt Itzehoe a.a.O. S. 200
459 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 36
460 ebenda S. 37
461 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 40 f.
462 Zu dem weiteren K. Bielenberg: „Wege und Verkehrswege“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 245 ff
463 CCRH I S. 849 und 913
464 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 46 f.
465 ebenda S. 47
466 K. Bielenberg: „Das Schulwesen“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 300.
467 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 90 ff, hier auch die Belege
468 H. Schulz: „Das Schulwesen der Stadt Wilster um 1800“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 177 – 185 (1926). Derselbe: „Zur Geschichte der Großen Stadtschule“ in Sonninkirche a.a.O. S. 116-119. Weiter W. Jensen: „Zur Geschichte des Schulwesens. Die erste Sonderschule auf dem Lande. Errichtung einer Bauernschaftsschule zu Nortorf in der Wilstermarsch im Jahre 1576“ in „Schr. d. Ver. f. S.-H. Ki. Gesch.“ 2. Reihe Bd. 8, Kiel 1926.
469 CCRH II Teil I Abt. Nr. 3
470 CCRH III Teil 3 Nr. 1
471 Hierzu K. Bielenberg, Das Schulwesen a.a.O. S. 275 ff.
472 K. Bielenberg „nach Aufzeichnungen von Herrn Hauptpastor Schwede, Wilster, im dortigen Kirchenprotokoll“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 300 f.
473 H. Schulz: „Das Schulwesen der Stadt Wilster 1800“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 177 ff
474 Aufzeichnungen des Hauptpastors Schwede im Wilsterschen Kirchenprotokoll im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 301 f.
475 Otto Neumann: „Briefwechsel des Landesbaumeisters Richter über den Bau der Lehrerwohnungen in Wilster 1800-1804“ in „Nordelbingen“ 38 (1969) S. 42-50 (Quellenunterlage Wi. St. A. III F 2 Nr. 1101).
476 G.F. Schuhmacher: „Genrebilder aus dem Leben eines 70-jährigen Schulmannes“ Schleswig 1841. Die folgenden Ausführungen von ihm entnommen aus H. Schulz: „Das Schulwesen der Stadt wilster um 1800“ in „Heimatbuch dess Kreises Steinburg“ Bd. III S. 178-184.
477 Im Jahre 1774 schrieb Chr. W. Wieland den Roman „Die Abderiten“, auf ihn bezieht sich G. F. Schumacher.
478 Hirzu H. Schulz, Schulwesen Wilsters um 1800 a.a.O. S. 185
479 Siehe hierzu auch „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 302 und S. 314 ff.
480 H. Schulz: „Die Bürgergilde in Wilster“ a.a.O. S. 86. Das weitere über die Gilde und ihre Aufgaben bei Feuerverhütung und Feuerwehr ebenda S. 86-90.
481 ebenda hierüber S. 91 ff.
482 ebenda über das Ende der Wilsterschen Brandgilde S. 97/98.
483 Über die Mobiliengilde und ihr kurzes Bestehen ebenda S. 99 f.
484 Zur Gründung der Schützen-Gesellschaft ebenda S. 99 f.
485 Siehe hierzu Karl Huusfeldt: „Unsere zwei Königsadler“ in „Steinburger Jahrbuch 1975“ S. 167-173.
486 Zu diesem Überblick über die wichtigsten Punkte der Bürger-Gilden-Satzung siehe H. Schulz, Bürgergilde a.a.O. S. 104-141. Wichtig ist das Buch über die Wilstersche Bürgergilde besonders auch deshalb, weil in ihm die Satzungen der einzelnen Gilden hintereinander vom Mittelalter bis zur Gegenwart in ihrem wesentlichen Inhalt wiedergegeben werden.
487 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 34 f; W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 167
488 Landes Archiv A III 1775 b Akte 53; siehe R. Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe a.a.O. S. 211 f.
489 Landes Archiv Stadt Itzehoe Nr. 20 Akte 7; siehe R. Irmisch ebenda a.a.O. S. 212
490 Siehe hierzu R. Irmisch a.a.O. S. 204
491 W. Jensen, Wilster a.a.O. S. 169
492 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 91
493 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 24 (nach Wi. St. A. Acta III A Nr. 619), hier unter Anm. 58 Literatur über Beschreibungen der alten Kirche.
494 In Sonninkirche a.a.O. S. 27
495 In sonninkirche a.a.O. S. 20, auch S. 42 f.
496 In Sonninkirche a.a.O. S. 40
497 ebenda S. 21
498 Ploen Concepta p. 84
499 Valentin Michaelsen: Zwo Predigten … a.a.O. S. 55
500 Ruth-E. Mohrmann a.a.O. S. 328 f.
501 Sonninkirche a.a.O. S. 29ff und 44
502 Sonninkirche a.a.O. S. 104 f.
503 Sonninkirche a.a.O. S. 37. Auf S. 36-39 hier der Bericht der Gegner eines Kirchenbaus.
504 ebenda S. 30 f
505 ebenda S.31
506 ebenda S. 37
507 ebenda S. 31 f, dort auch die Stellungnahme Sonnins.
508 ebenda S. 38, auch das Folgende.
509 ebenda S. 33 f
510 ebenda S. 35
511 ebenda S. 35 f
512 ebenda S. 36
513 ebenda S. 36-39
514 ebenda S. 40/41
515 Otto Brandt: „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Kiel (1949) S. 141 ff; „Geschichte Schleswig-Holsteins“ 6. Band („Die Herzogtümer im Gesamtstaat“ 1721 – 1830“) S. 44.
516 Sonninkirche a.a.O. S. 43
517 Sonnins „Pro Memoria“ in Sonninkirche a.a.O. S. 16 f. (In Wi. St.A. III G 3 Nr. 1227 d).
518 Über den Kirchenbau unter Leitung Sonnins ausführlicher G. Schwennesen in Sonninkirche a.a.O. S. 48-64
519 R. Haupt: „Kirche und Bürgermeisterhaus in Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 172-174 über Sonnin-Kirche.
520 ebenda a.a.O. (1969) S. 829
521 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 144
522 Schumacher, Genrebilder a.a.O. (hier zitiert nach H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 149).
523 Hierzu und zum Folgenden H. Schulz: „Die Kirchhöfe Wilsters“ in Sonnin-Kirche, a.a.O. S. 85 ff.
524 W. Jensen, die Wilstermarsch, a.a.O. S. 153 mit Beleg aus Ratsbuch.
525 Siehe hierzu H. Schulz: „Der neue Kirchhof“ in Sonnin-Kirche, a.a.O. S. 90 ff.
526 Siehe hierzu H. Schulz im Kapitel „Der alte Kirchhof“ in Sonnin-Kirche, a.a.O. S. 88-90.
527 Sonninkirche a.a.O. S. 145
528 Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. III S. 168
529 H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 122
530 ebenda S. 125 und 129
531 Siehe hierzu H. Schulz, Wilster, a.a.O., Teil IV über „Wilsters Wohltäter“ S. 123 – 124; siehe auch Otto Neumann: „Zur Geschichte des Etatsrates Michaelsen und seiner Besitzungen in Wilster“ (Masch.-Schr.) wilster (1957) S. 3-4
532 Siehe hierzu die „Stammtafel der Familien Breide, Sommer und Doose“ bei H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 123 f.
533 Wortlaut bei Otto Neumann, Gesch. d. Etatsrates Michaelsen, a.a.O. S. 4; siehe auch H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 123 f.
534 Zitiert aus H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 128
535 Zitiert aus Otto Neumann, Michaelsen a.a.O. Blatt 4 Rückseite.
536 Das weitere über Haus und Park Michaelsens nach Otto Neumann, Michaelsen, a.a.O. S. 4 Rückseite ff
537 Siehe hierzu auch R. Irmisch: „Schloß Drage und sein Besitzer, Markgraf Friedrich Ernst von Brandenburg-Culmbach“ in „Steinburger Jahrbuch 1973“ S. 6-17.
538 Friedrich Stender: „Das Bürgerhaus in Schleswig-Holstein“ Tafel 142. Er hält nebenbei das Michaelsensche Herrenhaus für „noch größer“ als das heutige „Neue Rathaus“ (ebenda S. 117)
539 R. Haupt: „Kirche und Bürgermeisterhaus in Wilster“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 174
540 Kunst Topographie Schl.-H. a.a.O. S. 835 f
541 Im Wortlaut wiedergegeben bei Otto Neumann, Michhaelsen, a.a.O. Blatt 6 Rückseite ff.
542 Hierüber vor allem Otto Neumann: „Das Dooseshe Haus oder Bürgermeisterhaus-Neue Rathaus in Wilster/Holstein2 (Masch.Schr.) Wilster 1957. Weiter auch Carl Zetsche: „Das Bürgermeisterhaus in Wilster. (Das Haus deer Frau Etatsrätin Doos“Bln. 1914, auch H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 152-158, schließlich Friedrich stender: „Das Bürgermeisterhaus in Schl.-H.“ a.a.O. S. 117/118 und Tafeln 141 und 142.
543 Über den Stammbaum der Dooses, H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 125
544 Friedrich Stender, Bürgerhäuser, a.a.O. S. 117
545 Otto Neumann, Doosesches Haus, a.a.O., S. 3
546 Kunst Topographie S.-H., a.a.O., S. 833
547 ebenda. Ausführlicher, aber hier den Rahmen sprengend, Otto Neumann, Doosesches Haus, a.a.O. auch H. Schulz, Wilster, a.a.O., S. 152-158.
548 Herbert Kating: „Außergewöhnliches Schicksal eines Wilsterschen Handelsschiffes im Jahre 1796“ in „Steinburger Jahrbuch 1977“ S. 77-85. Er bezieht sich in diesem Artikel auf Wi. St. A. Acta IV G 3/1588 Nr. 1-56.
549 H. Schulz, Wilster, a.a.O., S. 92, ebenfalls derselbe über Wilster während der Napoleonischen Zeit, auf den Seiten 91-122.
Diese Anmerkung Nr. 549 tritt doppelt auf!!! Der Abschreiber.
550 Siehe auch Hermann Vollstedt: „Das Holsteinische Obergericht in Glückstadt“ a.a.O.
551 H. Schulz, Wilster a.a.O. S. 93
552 Siehe hierzu auch Reimer-Jens Möller: „Über den englischen Seekrieg in den norddeutschen Küstengewässern, insbesondere die Belagerung der Festung Glückstadt 1813/^4“ in „Steinburger Jahrbuch 19772 S. 87-110 und „…Jahrgang 1978“ S. 187-208; weeiter hierzu D. Detlefsen a.a.O., Bd. IIi. S. 299-306.
553 Zu diesem und folgendem wieder H. Schulz, Wilster, S. 96 ff, wo Schulz sehr ausführlich die Ereignisse in Wilster 1813-1815 darlegt. Weiter hierzu aauch Johann Schwarck: „Wilster vor hundert Jahren“ Wilster 1919
554 H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 119-122
555 Unbekannter Verfasser: „Schleswig-Holstein im Kampfe gegen die dänische Nationalbank“2 Hg. 1845; weiterr Odt: „geshichte Schl.-Holst.“ A.a.O. S. 156.
556 W. Jensen: „Die Wilstermarsch“ a.a.O. S. 153
557 Hierzu und dem folgenden Otto Neumann, Etatsrat Michaelsen, a.a.O. (1957) S. 8 ff.
558 Otto Neumann ebenda S. 10
559 Zum weiteren Hans Ludwig Schmahl: „Die Geschichte des Bürgerhauses des Kanzleirates Michaelsen aus Wilster“ im „Steinburger Jahrbuch 1977“ S. 117-124 (und zwar, der Resst birgt Ungenauigkeiten, der Teil, der vom Abbruch und Wiederaufbau in Itzehoe handelt). Siehe auch R. Irmisch, Geschichte der Stadt Itzehoe, a.a.O., S. 281 f.
560 R. Haupt: „Kirche und Bürgermeisterhaus in Wilster“ a.a.O. Bd. III S. 174
561 Siehe hierzu und über das weitere Schicksal des Michaelsenschen Gartens Otto Neumann, Etatsrat Michaelsen, a.a.O. S. 10 Rückseite ff.
562 Heimatbuch des Kreises Steinburg Bd. III S. 174
563 Zitiert aus Hubert Stierling: „Der bäuerliche Silberschmuck der Wilster- und Krempermarsch“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 226.
564 Die Akten des Goldschmiedeamtes zu Wilster (im wi. St. A. IV G 2 Nr. 1554) liegen gedrück vor im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 246 f.
565 Siehe hierzu Hubert Stierling: „Die Wilstermarschstuben“ im „heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 205 ff.
566 Siehe hierzu besonders Otto Neumann: „Das Doosesche Haus oder Bürgermeisterhaus-Neue Rathaus in Willster/Holstein“ (Masch.Schr.) Wilster 1957, S. 9ff. Weitr H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 129 und 152 f.
567 Otto Neumlann, Das Doosesche Haus, a.a.O., S. 10
568 Wortlaut abgedruckt bei H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 153.
569 Testament bei Otto Neumann, Doosesches Haus, a.a.O., S. 11.
570 ebenda S. 11 Rückseite.
571 Siehe hierzu auch Otto Neumann: „ Ein noch zu hebender Schatz in der Dooseschen Bibliothek in Wilster“ im „Steinburger Jahrbuch 1973“ S. 189-191.
572 Otto Neumann, Doosesches Haus, a.a.O. S. 12
573 Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte Wilsters um 1830“ in „Wilstersche Zeitung“ vom 15.8. 1966
574 W. Jensen, die Wilstermarsch, a.a.O. S. 159
575 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 49, weiter K. Chak und F. Hansen: „Die Februarflut 1825“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 287-296 (mit Quellenangaben); weiter Johann Schwarck: „Wilster vor 100 Jahren“ Wilster 1919.
576 Zitate bei J. Schwarck a.a.O. S. 59 und 61.
577 Siehe H. Schröder und K. Bielenberg: „Das Deichwesen“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 280.
578 C.A. Christensen: „Die zwei Stromkoupierungen bei Breitenburg“ Hbg. 1827, S. 239.
579 H. Schröder und K. Bielenberg a.a.O. S. 264
580 Peter Hansen: „Gesundheitliche Verhältnisse im Kreise Steinburg“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 323.
581 ebenda die zitierten Stellen S. 324
582 Über das Verkehrsnetz speziell des Amtes Steinburg schrieb K. Bielenberg: „Wege- und Verkehrsnetz“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 229-247.
583 Über die Eisenbahnprojekte für Westholstein siehe R. Irmisch: „100 Jahre Eisenbahn Glückstadt-Itzehoe. Ein Beitrag zur Geschichte des Eisenbahnwesens in Westhholstein“ in ZSHG 83 (1959) S. 97-115.
584 R. Irmisch ebenda S. 102
585 H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 35
586 Über das Ende ds Itzehoer Störbaumrechtes (Stapelrechtes) bei R. Irmisch, Gesch. der Stadt Itzehoe, a.a.O. S. 285 ff.
587 Siehe hierzu Herbert Karting: „Der Störprahm, ein Fahrzeug des Amtes Steinburg“ im „Steinburger Jahrbuch 1974“ S. 30-37. Dazu auch Hans Szymanski „Der Ewer der Niederelbe“ 1932.
588 Beiträge zur histor. Statistik S.-H.s, a.a.O. S. 15
589 K. Bielenberg, Schulwesen, a.a.O. S. 302
590 K. Jansen: „Uwe Jens Lornsen“ Kiel 1872, V. Pauls: „Uwe Jens Lornsen und die schl.-holstein. Bewegung“ in ZSHG 60 (1931) u.a.m.
591 K. Hector: „Die politischen Ideen und Parteibildungen in der schleswigschen und heilsteinischen Ständeversammlung 1836-1848“ (1938). Weiterhin J. Brock: „Die Vorgeschichte der S.-H. Erhebung von 1848d“ (1925) u.a.m.
592 Johannes von Schröder und Herm. Biernatzki: „Topographie der Herzogtümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebietes der freien und Hansestädte Hamburg und Lübeck“ Oldenburg (Holst.) 1855 Bd. I. S. 58-61
593 H. Schulz, Die Bürgergilde in Wilster, a.a.O. S. 127
594 ebenda S. 129
595 ebenda S. 130
596 Sonninkirche zu Wilster a.a.O. S. 148
597 Siehe hierzu Prof. Dr. Karl-Heinz Reinfandt: „Das sänerfest in Glückstadt 1842 im Umkreis der ersten deutschen Sängerfeste in Schleswig-Holstein zwischen 1840 und 1848“ im „Steinburger Jahrbuch 1972“ S. 116-129
598 W. Kirchner: „Festvortrag über die Geschichte der Liedertafel Kellinghusen am 15.10. 1960“ im „Steinburger Jahrbuch 1962“ S. 78 ff.
599 J. Thomsen: „Wahre treu, was schwer errungen. Geschichte des Schleswigschen Gesangvereins von 1839“ Schleswig 1954 S. 14 f
600 Ludwig Denkert: „Schleswig-Holstein meerumschlungen“ in „Die Heimat“ 1908, S. 72 ff
601 Schröder-Biernatzki a.a.O. Bd. I S. 58 f
602 K. Bielenberg, Wege- und Verkehrswesen, a.a.O. S. 243, weiter R. Irmisch, Gesch. d. Stadt Itzehoe, a.a.O. S. 284, Schröder-Biernatzki a.a.O.. Bd. I S. 57.
603 Hierzu und für weiter R. Irmisch: „100 Jahre Eisenbahn Glückstadt-Itzehoe“ a.a.O. S. 105 ff
604 Bundesbahnarchiv Hamburg Akte IV/ 2/ 78
605 K. Bielenberg, Wege- und Verkehrsnetz a.a.O. S. 244 ff (Teil „Die Post“).
606 K. Bielenberg, Entwässerungswesen a.a.O. S. 311
607 Beiträge zur histor. Statistik S.-H. s, a.a.O. S.15
608 Schröder-Biernatzki a.a.O. Bd. II S. 600, hieraus auch das Weitere über die Verhältnisse in den 50er Jahren entnommen.
609 Schröder-Biernatzkie a.a.O. Bd. II S. 598-600
610 Walter C. Bröcker: „Die Industrie des Kreises Steinburg“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I, S. 222
611 Schröder-Biernatzki a.a.O. Bd. II S. 69
612 ebenda S. 72
613 „Das alte Ratsbuch der Stadt Wilster“ a.a.O. Kap. „Die Stadtpläne“ S. 91, eine Photographie des Stadtplanes befindet sich am Ende des Buches.
614 H. Schulz: „Die Kirchhöfe Wilsters“ in „Die Sonninkirche…“ a.a.O. S. 95.
615 ebenda S. 97 f.
616 Otto Neumann, Etatsrat Michaelsen, a.a.O. (Masch.Schr.) S. 15 (Neumann stellte dabei fest, dass sich die Bezeichnung „Michaelsen“ statt „Michelsen“ bei uns durchgesetzt habe.)
617 Über die Ämter der Stadthandwerker Wilsters schrieb die „Wilstersche Zeitung“ 1957 als „Beitrag zum Tage des 675-jährigen Stadtjubiläums“ unter Rückgriff auf die Amtsstatuten im Archiv der Stadt Wilster.
618 Sonninkirche a.a.O. S. 148
619 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 482 f.
620 Vermerkt bei K. Göppert: „Der Kreis Steinburg“ in „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 32.
621 ebenda S. 32 ff. – Siehe auch v. Hedemann-Heespen: „Landrat und Landratsamt in Altpreußen und Schleswig-Holstein“ in ZSHG 32 S. 451-61.
622 Oswald Hauser: „Provinz im Königreich Preußen“ in „Geschichte Schleswig-Holsteins“ Bd. VIII S. 77, von hier auch die weiteren Ausführungen über das Städterecht.
623 ebenda S. 77
624 R. Irmisch: Gesch. d. Stadt Itzehoe, a.a.O., S. 373 f, hier auch Näheres über Claus Meifort aus Wilster.
625 Ebenda S. 351
626 D. Detlefsen a.a.O. Bd. II S. 308
627 R. Irmisch a.a.O. S. 400
628 H. Schulz, Wilster, a.a.O., S. 139-142
629 ebenda S. 154
630 Heimatbuch des Kreises Steinburg Bd. IIi S. 176
631 Dr. W. Mencke: „Welche Aufgaben erfüllt das Krankenhaus der kleinen Städte?“ Bln. 1894; weiter auch Peter Hansen über das Gesundheitswesen im Kreise Steinburg im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 333, Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Wilster 1870-1890“ (Masch.Schr.) a.a.O. S. 45-47, W. Jensen, Wilster, a.a.O. S. 170.
632 Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Wilster: 1870-1890 Beginn der preußischen Zeit“ a.a.O. S. 44.
633 Otto Neumann ebenda S. 2
634 Es liegen im Stadtarchiv von Wilster vor die „Provinzial-Handbücher für Schleswig-Holstein“ von 1880 (Vierter Jahrgang) und von 1891 (5. Jahrgang), dann ab 1896 die Verwaltungsberichte der Stadt.
635 Otto Neumann s. o 9-11
636 ebenda S. 16-55
637 Sonninkirche, a.a.O., S. 98 f
638 Meizen: „Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des preußischen Staates „ Bd. V Bln. (1894), S. 80 ff.
639 „Die Landwirtschaft des Kreises Steinburg: I. Der Bodenund seine Benutzungk“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 93.
640 Engelbrecht: „Bodenanbau und Viehstand in Schleswig-Holstein“ Kiel (1907) Bd. II S. 153.
641 Wilhelm van der Smissen a.a.O. S. 95
642 Hierzu „Die Landwirtschaft des Kreises Steinburg: III. Die Rinderzucht“ (J.J. Gripp) im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 117 ff.
643 ebenda S. 118
644 Otto Neumann siehe Anm. 632 S. 56 f.
645 J.J. Gripp siehe Anm. 642 S. 119
646 Otto Neumann a.a.O. S. 61 f.
647 Hierzu „Die Landwirtschaft des Kreises Steinburg: II. Die Pferdezucht“ (Gustav Fehrs) im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 106 ff (Das Schwergewicht liegt hier allerdings auf der Krempermarsch).
648 Georg Ahsbahs: „Die Pferdezucht in der Krempermarsch“ Kiel 1886
649 Entnommen aus Peter Hansen: „Gesundheitliche Verhältnisse im Kreise Steinburg“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III S. 323-330
650 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1896-1910 S. 5 f.
651 Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Wilster 1870-1890…“ a.a.O. S. 49
652 ebenda S. 69
653 ebenda S. 70 f.
654 ebenda S. 48
655 Verwaltungsbericht d. St. Wi. 1896-1910 S. 36
656 Henning Oldekop: „Topographie des Herzogtums Holstein“ Bd. II (1908) S. 150.
657 Hierzu H. Schulz, Wilster, a.a.O. S. 132 f.
658 Zur Lederindustrie in Wilster bei Walter C. Bröcker: „Die Industrie des Kreises Steinburg“ Bd. I s. 220-222.
659 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1896-1910 S. 7
660 ebenda S. 4
661 ebenda S. 14
662 W. Jensen, Wilster, a.a.O. S. 170
663 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1896-1910 S. 4
664 Sonninkirche, a.a.O., S. 111 f, 114 und 149
665 K. Bielenberg, das Schulwesen a.a.O. Bd. I S. 302
666 Sonninkirche, a.a.O. S. 95 ff
667 Hierzu E. Kammerhoff: „Des Kreises Steinburg literarische Bedeutung für die engere und weitere Heimat“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. I S. 332
668 Sonninkirche, a.a.O., S. 98
669 Otto Neumann: „Beiträge zur Gesch. d. St. Wilster: 1870-1890“ a.a.O. S. 10
670 Sonninkirche, a.a.O., S. 95
671 K. Bielenberg, Schulwesen a.a.O. Bd. I S. 302
672 „Beitrag zur Geschichte der Stadt Wilster von Altbürgermeister Christian Dethlefsen, Wilster, für die Jahre 1904-1929“ (handschriftlich, ein geplanter Druck in der Norddeutschen Rundschau erfolgte nicht; in einem Schulheft seit 1966 im Archiv Wilsters vorliegend.)
673 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930“ S. 120 ff
674 „Neumanns Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reiches“ 4. Aufl. Lpz. und Wien (1905) S. 1188.
675 Henning Oldekop: „Topographie des Herzogtums Holstein“ Bd. II (1908) S. 151.
676 Hierzu K. Bielenberg: „Das Entwässerungswesen“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 331
677 Hierzu die Ausführungen des Altbürgermeister C. Dethlefsen in seinem handgeschriebenen Beitrag zur Geschichte der Stadt Wilster, a.a.O. S. 9-12.
678 Verwaltungsbericht der Stadt wilster für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1930“ S. 166 ff. Hierauf wird auch im Folgenden Bezug genommen. Siehe auch P. Schröder: „Die Organisation der Wilstermarschentwässerung“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II S. 342 f, auch K. Bielenberg:„Das Entwässerungswesen“ ebenda S. 331
679 „Handel und Wandel am Kaiser-Wilhelm-Kanal mit einem Anhang über die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Kreise und Städte Schleswig-Holsteins“ 1929 (hier auch Hans Otto Gloe, Kiel, über: „Der Kaiser-Wilhelm-Kanal“ S. 3 -18).
680 Zu diesem Projekt und die Stadt Wilster ebenda S. 50-54
681 ebenda a.a.O. S. 16 ff
682 Band I S. 220 ff
683 Chr. Dethlefsens Bericht a.a.O. S. 20
684 ebenda S. 1 und folgend 2-3
685 Otto Neumann: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Wilster 1870-1890…“ a.a.O. S. 65
686 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1896-1910 S. 9-17
687 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930 S. 175
688 Zum Folgenden ebenda S. 129-149
689 ebenda S. 5, Heimatbuch des Kreises Steinburg Bd. III S. 397-400 führt 154 Gefallene aus der Stadt Wilster auf
690 ebenda S. 70 ff
691 ebenda S. 14-27 über Bürgerschaft und städtische Kollegien
692 Sonninkirche, a.a.O., S. 108
693 W. Jensen, Wilster a.a.O., S. 158 Anm. 5
694 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930, S. 104
695 ebenda S. 4 f
696 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930 S. 53
697 ebenda S. 1
698 ebenda im Geleitwort
699 ebenda S. 28-37
700 „Adressbuch für den Kreis Steinburg 1926“ Verlag H. J. J. Hay, Buchdruckerei Kellinghusen. Für Wilster hier S. 218-228.
701 Hierzu Verwaltungsbericht 1911-1930 S. 150-158
702 Hierzu der „Beitrag zur Geschichte der Stadt Wilster für die Jahre 1904-1929“ von C. Dethlefsen a.a.O. S. 13-15
703 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-1930 S. 186 f
704 W. Jensen in „Wilsterscher Zeitung“ vom 9.12.1926 (im Verwaltungsbericht der Stadt Wilster vonl 1911-1930 wiedergegeben).
705 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-30 S. 185
706 „Weltwirtschaftskrise“ im „Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert“ Köln (1971) Bd. II S. 850 f.
707 „Handbuch der Deutschen Wirtschafts- und Sozial-Geschichte“ Ludwigsburg (1976) Bd. II S. 689 f.
708 ebenda S. 747 f und 749
709 R. Irmisch „Geschichte der Stadt Itzehoe“ a.a.O. S. 422; Ernst von Salomon, zeitweilig Redakteur am „Landvolk“ gibt die damalige Stimmung in seinem ironisch-sarkastischen Lebensbericht „Der Fragebogen“ (1951) wieder
710 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1911-30 s. 4
711 ebenda S. 124
712 „beiträge zur historischen Statistik Schleswig-Holsteins“ a.a.O. S. 15.
713 Otto Neumann: „Das Doosesche Haus oder Bürgermeisterhaus…“ a.a.O. S. 8 (Vor- und rückseite der Schreibmaschinenarbeit).
714 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1947-1957 S. 3
715 ebenda S. 3-7 f
716 ebenda S. 35 f, 59/60
717 „Kreis Steinburg“ hrs. Kreisverwaltung des Kreises Steinburg Oldenburg/Oldenburg (1980) S. 183
718 ebenda im Kapitel „Kirchliches Leben“ von Propst Johannes Gerber S. 176-183; siehe auch „Die Kirche in Wilster“, eine Broscüre, herausgegeben 1980 zum 200-jähren Jahres-Tag der Sonninkirche.
719 Aus „Die Kirche in Wilster“ ebenda
720 Karl-Heinz Schmidt-Diercks ebenda
721 Verwaltungsbericht 1947-57 S. 18 und 55
722 ebenda S. 27
723 Verwaltungsbericht…………1959-61
724 Verwaltungsbericht…..…….1962-66
725 Verwaltungsbericht…………1947-57 S. 33 und 77f.
726 Verwaltungsbericht…………1957-58
727 Haushaltssatzung der Stadt Wilster 1968
728 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1959-61
729 Haushaltssatzungen der Stadt Wilster von 1968 und 1971
730 „Kreis Steinburg“ hs. Kreisverwaltung Steinburg a.a.O. S. 208
731 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1962-66
732 Hierzu und überhaupt über Maßnahmen der Gemeinden siehe ab 1976 auch das „Steinburger Jahrbuch“ unter „Sichtbare kommunale Leistungen in den Gemeinden des Kreises Steinburg“.
733 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1947-57
734 Verwaltungsbericht……………1957-58
735 Haushaltssatzung der Stadt Wilster 1969
736 Ausführlicher ist der Bericht über Wilster Gildefest im „Steinburger Jahrbuch 1975“ S. 215-223 (Rudolf Horstmann: „Eine alte Tradition lebt fort. Das Fest der Wilsteraner Bürger- und Schützengilde von 1380.“)
737 ZSHG 83 (1959) S. 15 – 82 und 84 (1960) S. 19-92
738 Hier wird vor allem auf dieter richter: „Raumordnung – Strukturprobleme und Planungsaufgaben „ Braunschw. (1977) Bezug genommen.
739 ebenda S. 5
740 Haushaltssatzung der Stadt Wilster 1968
741 So in „Kreis Steinburg“ (hrs. Kreisverwaltung Steinburg) a.a.O. S. 149
742 Verwaltungsbericht der Stadt Wilster 1962-66
743 „Kreis Steinburg“ a.a.O. (1980) S. 52

 



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Jensen, W. : „Chronik des Kirchspiels St. Margarethen. Zugleich eine Geschichtee der südwestlichen Wilstermarsch“ Glückstadt 1913
Jensen, W. : „Die Gilden im Amt SteinburgF“ in ZSHG 50 (1921) S. 393-425
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Jensen, W. : „Die Wilstermarsch“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. II (1925) S. 117-202 ( I Allgemeine Darstellung S. 117-161, II Topographische Darstellung S. 162-202)
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Jensen, W. : „Detlefsen“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III (1926) S. 268-271
Jensen, W. : „Geschichtstafeln“ im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ Bd. III (1926) S. 478-484
Jensen, W. : „Die alten Familien der Wilstermarsch“ in „Die Heimat“ 1924
Jensen, W. : „Die Hamburger Amtmänner auf Steinburg (1465-85)“ (Quellen und Forschungen d. G. f. S.-H. Gesch. Bd. 7)
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Diese Geschichte der Stadt Wilster hat
Dr. Otto Voss
aus Itzehoe, Schillerstraße
aufgeschrieben.
Er kam nach seiner Pensionierung täglich nach Wilster und hat stundenlang im Archiv gearbeitet.
Herzlichen Dank.

Im Jahre 1713 zog zum für lange Zeit letztenmal ein feindliches Heer brandschatzend durch die Elbmarschen. Es sollte genau ein Jahrhundert dauern, bis sich im Jahre 1813 wieder feindliche Truppen dort einfinden sollten. Genau 100 Jahre genossen die Marschen wie auch das gesamte Land „die Ruhe des Nordens“, wie sich ein zeitgenössischer Staatsmann ausgedrückt hat, einen Frieden, der eine der schönsten Epochen einschloss, welche Schleswig-Holstein, und mit ihm die Elbmarschen, erlebt hat. Es war eine lange Friedenszeit, in der, durch sich verbessernde Technik gestützt, die Marschen sich in ihrer ganzen außerordentlichen Fruchtbarkeit entfalten konnten. D. Detlefsen drückt sich über diese Zeit folgend aus: „Von nun an begann eine Friedenszeit, wie für ganz Dänemark, so auch für die Marschen. Gerade 100 Jahre lang sah man seitdem keinen Feind mehr im Lande, und wenn nicht die schrecklichen Verheerungen der Wasserfluten und der Viehseuchen wiederholt mannigfaches Elend über das Land gebracht hätten, so wäre keine günstigere Zeit für das Aufblühen desselben denkbar gewesen.“401) Und weiter : „Die weltgeschichtlichen Ereignisse dieser Zeit auch nur zu berühren, wird zum Verständnis der Entwicklung unserer Marschen überflüssig sein, dieselbe bewegt sich in abgeschlossenen stillen Kreisen“.402) „Vier Könige sah das Jahrhundert, die sich in regelmäßiger Erbfolge ablösten, Friedrich IV. (1699-1730), Christian VI. (1730-1746), Friedrich V. (1746-1766) und Christian VII. (1766-1808), für den jedoch sein Sohn und Nachfolger Friedrich VI. bereits seit 1784 die Regierung führte.“403) Gesamtgeschichtliches interessierte Dethlefsen von diesem Zeitpunkt an nur noch am Rande, er zieht sich ins Lokale zurück, kann es in gewisser Hinsicht auch.

„Sonsten ernehren sie sich“, so berichtet Pastor Saucke aus Herzhorn Anfang des 18. Jahrhunderts in seiner „Herzhorner Chronik“,404) „von Ackerbau, Viehzucht und mit Ocksen, Pferden und Korn treiben sie einen großen Handel auf Hamburg, Hollandt und anderen Öhrtern. Dannhere finden sich unter ihnen viel begüterte Leute, auch sehr vile höfliche, und ist unter den Marsch- und Geestleuten ein sehr großer Unterschied. Sie halten auch fleißig ihre Kinder zur Schulen und sparen an guter Ausbildung nichts.“ So konnte ein Begleiter des Königs, als dieser 1702 die Elbmarschen bereiste, dieselben das „Land der Verheißung“ nennen, das „im Überfluß schwamm“.405)

Doch bevor sich die Fruchtbarkeit der Marschen voll auszahlen konnte, bedurfte es erheblicher Anstrengungen der Bewohner. Zunächst jedenfalls gab es auch nach Ende der Kriegsnöte noch eine Reihe von Heimsuchungen. Freilich die Beulenpest, diese Geißel der Menschheit durch die Jahrhunderte, erreichte die Marschen nur noch einmal im Jahre 1712, wobei sich die öffentliche Hand, Regierung und kommunales Regiment, der Situation in weit größerem Ausmaße gewachsen zeigte, als es in früheren Zeiten der Fall gewesen sein konnte. Im Jahre 1714 grassierte dann eine verheerende Rinderpest in den Marschen.406) Am Ende dieser Kette von Schicksalsschlägen kam dann das Meer und zwar gerade auch in die Wilstermarsch und hier in einem seit 1634 nicht mehr gekannten Ausmaße, so dass der Wilsteraner Diakonus Gregorius Culemann „Das mit dreyen Fortsetzungen vermehrte Denk-Mahl von den hohen Wasser-Fluthen wie selbige insoderheit in der Wilstermarsch eingebrochen und in den Jahren von 1717 bis 1725 inclusive in derselben unbeschreiblichen Schaden und excessive Teichkosten verursacht“ im Jahre 1728 niederschrieb.407) Er verfasste seinen Bericht als einer, der diese Wasserfluten selber miterlitten hatte, auch in seiner Stellung vieles besonders aus dem weiten Kirchspiel Wilster in Erfahrung bringen konnte, auch, um der Erkenntnis zu dienen, dass bei allem „Allmacht und Barmherzigkeit, denn auch väterliche Vorsorge Gottes des Allerhöchsten“ zugegen gewesen sei; das wollte er „desto besser und deutlicher vor die Augen gemalet“ wissen.408) Für uns hier hat sein lebendiger Bericht natürlich als Quelle größten Wert. „Es ist wohl der anschaulichste Bericht über die Not der Überflutungen, den nächst Heimreich unsere Westküste aufzuweisen hat“.409)

Es handelte sich dabei um insgesamt drei verheerende Fluten; erstens die „Weihnachtsflut“ 1717 („Die Erste Fluth geschah im Jahre 1717 den 25. Dezember – und kann dieselbige wohl und mit Recht genennet werden die Weynachts-Fluth“), die „Eisfluth“ am 25./26. Februar 1718 („Diese wird von den Einwohnern genennet die Eisfluth, weil die Elbe und das Land noch voll Eis waren, welches --- die Teiche erbärmlich und fast gantz und gar zernichtete“) und die „Neujahrsflut“ 1720/21.410) Entscheidend für das Ausmaß der Schäden und den Überraschungseffekt bei den Fluten war die Tatsache, dass die Überschwemmungen von hinten herum kamen. Es brachen wohl auch an zahlreichen Stellen die Deiche; entscheidend jedoch wurde, dass der Hochmoorwall im Rücken nicht mehr hielt. In dieses Hochmoorgebiet im Norden und vor allem auch nach Westen zu hatten sich seit dem 16. Jahrhundert, wohl auch schon seit dem 15., die Menschen landnehmend und kultivierend immer weiter vorgeschoben, „mit dem 16. Jahrhundert“ also „ein bedeutendes kulturelles Werk in Angriff“ nehmend, wobei allerdings die „schützende Hochmoorwand zu Süden und Osten des Kudensees weithin weggeräumt war.“411) „Bereits bei der Flut 1634 wurden hier große Verheerungen angerichtet. Es kamen dann die verderblichen Fluten von 1717 bis 1721. Gleich die erste brach durch die schmale Moorwand in das Ecklaker Gebiet, ungeheure Zerstörungen hervorrufend, deren Spuren noch dort vorhanden sind.“412) Nun traf man entschlossen Gegenmaßnahmen, nachdem die Gefahr erkannt worden war. Doch scheiterte immer wieder die Schließung des Deichbandes zwischen Wilstermarsch und Süder Dithmarschen. Verbote wurden erlassen, dass Moorbauern sich „hinfüro unterstehen sollten, den Moor durchzukleien oder Torf daraus zu graben“.413) Es hat jahrzehntelange Bemühungen gekostet, bis die Marsch im Rücken voll abgesichert war. Erst 1763 konnte der Elbdeich zwischen Büttel und Brunsbüttel wieder voll hergerichtet werden.

Die Deiche wurden immer höher in diesem Jahrhundert. Es gab wohl noch immer wieder Deichbrüche, so am 11.9.1751, im Oktober 1756, im März 1791, zuletzt im Februar 1825.415) Aber diese entschlossene Erhöhung trug Früchte. „Die Höhe der Elbdeiche betrug bis zu den großen Fluten des 18. Jahrhunderts im Allgemeinen nur 12 Fuß über gewöhnlicher Fluthöhe. Im Jahre 1721 wurde sie durchgehende auf 14 Fuß, in den Jahren 1752-1755 auf 20 Fuß, im Jahre 1790-1792 auf 22 Fuß und bei der letzten Deichverstärkung“, so hieß es 1925, „des vorigen Jahrhunderts auf 25 bis 26 Fuß gebracht.“ Dabei änderte sich auch das Profil der Deiche. Im Schutze dieser Deichlinie wurde auch die immer schwieriger werdende Entwässerung, und dieses ohne jeglichen staatlichen Rückhalt, durch die Kommunen in Angriff genommen und --- gemeistert. Was hier entstand, kann man wohl schon ein Kunstwerk nennen. Jedenfalls gibt es an der deutschen Nordseeküste wohl keine Marsch, die Probleme von derartigem Schwierigkeitsgrad in dieser Weise erfolgreich gemeistert hat. Da die Entwässerung in die hoch über dem Land fließenden Wilsterau immer schwieriger wurde, auch mit den Wasserschöpfmühlen, begann man das Entwässerungssystem völlig umzubauen. Nicht mehr in die Au wurde das Wasser emporgehoben, sondern man führte es parallel zur Au deichwärts. So entstand wohl schon nach 1634 die Hakeboer Wetter, die in Hinter Neuendorf begann, neben dem linken Auufer auf der Alten Seite herlief, sich dann mit der Honigflether und Moorhusener Wettern verband und mit dieser zusammen durch die „Feldschleuse“ nicht weit von Kasenort in die Stör entwässerte, wobei auch dieser Wasserweg bald „künstlich“ entwässerte mittels Schöpfmühlen.416) Auf der Neuen Seite dauerten die Bemühungen viel längere Zeit. 1765 gelang ein großes Werk, man leitete den Kudensee nicht mehr wie bisher in die Wilsterau, sondern in die Elbe durch den neuen Büttel-Kudenseer-Kanal. Der „mit vielen Schwerungen verbundene Abfluß nach rückwärts durch die Wilsterau“, sehr lästig für Auanlieger und damit auch für die Wilsteraner, war somit beseitigt. Die Verbindung zum Kudensee bestand übrigens weiter durch ein Siel bei Bebec nahe Burg in Dithmarschen. Ab 1773 wurde die innere Marsch wieder zur Elbe hin entwässert. Das hatte 1634 aufgehört, als die Vierstieghufener Schleuse so zerstört wurde, dass König Christian IV. nach einer Inspektion befahl, sie dichtzuwerfen, die Entwässerung aber über das ferne Kamper Ritt, also wieder parallel zur Au, in die Stör zu bewerkstelligen. Dieses Kamper Ritt entwässerte schon das Gebiet südlich der unteren Au. Nun wurde das Gebiet östlich davon wieder wie einst in die Elbe entwässert.417) 1795 gelang schließlich das schwierigste Unternehmen, der Bau des Ecklak-Nortorf-Neuhafener Kanals.418) Es war „das bedeutendste Entwässerungswerk, das die letzten Jahrhunderte in unseren Marschen geschaffen haben.“ „Die Interessenten mussten das Unternehmen ohne die geringste Unterstützung seitens der Marsch ausführen,“ sie mussten dabei 90 000 Mark aufbringen. Der Entwässerungskanal führt das Wasser aus dem Gebiet von Ecklak und Nortorf, das bisher mittels Schöpfmühlen in die Au entwässert worden war, nunmehr nach Süden. Dabei musste die Altenhafener Entwässerung bei St. Margarethen in einem „Düker“ gequert werden. So gelangte das Wasser in den Bütteler Moorkanal und durch ihn zuletzt in die Elbe. So schied die Wilsterau aus dem Entwässerungssystem der Wilstermarsch (vorerst) aus und wurde „gänzlich zu einem Abflußkanal für das Wasser der Geest und der Moorländer“, was natürlich für die Stadt Wilster von erheblicher Bedeutung war. Natürlich bedeutete dieses nicht, dass es nunmehr keine Wilsteraukommune, zu der ja Wilster gehörte, mehr gab. Natürlich bestand sie mit den alten Mitgliedern weiter. Die Audeiche gegen Hochwasser von Geest und Moor, das Böwerste Wehr eben gegen dieselben und die Schleuse zu Kasenort waren ja weiterhin zu unterhalten.419) Noch eine Leistung technischer Art muss an dieser Stelle erwähnt werden, zumal es sich hier um Johann Holler, einem Sohn der Heimat, handelte. „Johann Holler hatte in Holland Wasserbau gelernt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat hatte er zusammen mit seinem kaufmännisch begabten Bruder Hartwig ein Baugeschäft gegründet und in der Wilstermarsch Entwässerungsmühlen nach dem Prinzip der Archimedischen Schnecke gebaut. Der Ruf der Hollerschen Mühlen führte dazu, dass man die Brüder nach Norwegen berief, wo man mit der Wasserhaltung in den Bergwerken nicht fertig wurde. Daraus entwickelte sich ein bedeutendes Unternehmen mit eigener Reederei und Holzexport.“ Als man sich entschloss, unter Ausnutzung der Flüsse Eider und Levensau einen Kanal, der Nord- und Ostsee miteinander verband, zu schaffen, den schleswig-holsteinischen Kanal, war es Johann Holler, der dieses Unternehmen technisch meisterte (1777-1784). „Als mit dem Kanalbau begonnen wurde, verlegten die Brüder ihren Wohnsitz nach Rendsburg. Sie bauten Pumpen und Schleusen, Brücken und Pieranlagen. Als Baumaterial verwendete man Findlinge aus Schleswig-Holstein, Klinker aus Holland, Sandstein, Marmor und Granit aus Skandinavien. Der Kanal war 34 km lang, am Wasserspiegel 31, auf der Sohle 17 m breit und 3,45 m tief.“420) Bevor dieser Kanal erstand, gab es vielerlei Projekte. So sollte der große Hamburger Baumeister Sonnin dem auf Ostholstein beschränkten Holstein-Gottorfer Staat, der damals mit dem großen Rußland in Personalunion stand, ein Kanalprojekt entwickeln. Man dachte ans Schwentinetal, später an die obere Eider und die Stör. Berater des Königs von Dänemark dachten an Eckerförde und Husum als Endpunkten. Es gab aber auch Erwägungen, wobei man schon damals an eine Anbindung an die Niederelbe dachte, nämlich von der Eider in die Haaler Au und hinüber in die Wilsterau. Wilster also als Endpunkt eines Nord-Ostsee-Kanals, ein Projekt, das natürlicherweise den Beifall und Rückhalt des Wilsteraner Magistrates fand.421)

Wichtiger als Hollers Kanal wurden für die Landschaft seine Schöpfmühlen. „Die kleinen Wassermühlen mit einer Schraube oder Schnecke und Holländischen Segeln wurden 1772 von Johann Holler, dem Unternehmer es Eiderkanals eingeführt.422) Doch wird uns schon von der Sturmflut am 12. Febr. 1747, „das konnten aber kaum Hollers Mühlen gewesen sein“, berichtet, dass von den 900 Windmühlen der Wilstermarsch 400 umgeworfen und die anderen stark beschädigt wurden.423) „In solcher Zahl sind sie jetzt nicht mehr vorhanden, doch erblickt man in dem Gebiet des früheren Sladensees, wenn man mit der Bahn von Itzehoe nach St. Margarethen fährt, noch mehrere“, so schreibt 1925 K. Bielenberg.424) Heute sind wir froh, dass der Heimatverband für den Kreis Steinburg uns vor den Toren Wilsters noch eine einzige gerettet hat.

Die Wilstermarsch wurde also im 18. Jahrhundert stark gesichert durch Deiche und wesentlich verbesserte Entwässerung. Kein Wunder, dass die kleine Landschaft aufblühte. Und dieses musste sich natürlich auch auf die Stadt Wilster auswirken. Es brauchte allerdings eine Zeit, bevor sich neuer Wohlstand einstellen konnte. Schon im Oktober 1700 war die Stadt so verarmt gewesen, dass sie die geforderten „Ausschussgelder“ nicht mehr aufzubringen vermocht hatte, worauf die „Exekution“ über das Gemeinwesen verhängt wurde, d.h., es erfolgte militärische Besetzung.425) Die Brandschatzung durch die Schweden, der Freikauf von russischer Besetzung und viele Belastungen durch den eigenen Staat folgten dem in den folgenden Jahren nach. „Auch Wilster“, nicht nur Krempe, „lebte im 18. Jahrhundert in gedrückten Verhältnissen“, das ist der Eindruck Detlefsens.426) Er zitiert sodann den Pastor Valentin Michaelsen aus seinen „Zwo Predigten auf Veranlassung des vorzunehmenden Baues einer neuen Kirche in Wilster“, aus dem Jahre 1775.427) Nachdem er hier zunächst die Verhältnisse Wilsters gegen Ausgang des 16. Jahrhunderts nach Schilderung Heinrich Rantzaus gebracht hatte, fuhr er fort: „Jetzt sind unsere Umstände so blühend nicht mehr. Unsere Bürger haben an der Zahl und an Wohlstand abgenommen, weil Handel und Gewerbe immer mehr abnimmt und erschwert wird, die Weberey, die vormals hier so blühend war, beynahe ganz darnieder liegt, der Kornhandel in der Stadt lange so stark nicht mehr als vormahls getrieben wird, und unsere Handwerker und Nahrungstreiber bey der großen Menge derer, die in allen Dörfern und Flecken gleiches Gewerbe haben, unmöglich aufkommen können.“ Michaelsen geht hier auf die prekäre Situation des Handwerks und Krämer ein, übergeht dabei allerdings, dass sich daneben damals gewiss großer Wohlstand gebildet hatte. Sicherlich brauchte Reichtum auf den Marschhöfen nicht unmittelbar solchen in der Stadt zur Folge haben. Im Jahre 1636 führte König Christian IV. über seine „Revidierte Landordnung“ eine Abgabe für Luxus- und Verzehrgegenstände an seinen Zollstellen, z.B. in Wewelsfleth, aber auch am Kasenort, ein. An „Akzise und Licenten“ zahlte daraufhin z.B. im Jahre 1693 Wilster 90 Rthlr. . Die reichen Marschen dagegen hatten sich schon im Jahre 1649 für 30 000 Rthlr. Von dieser Abgabe freigekauft, wozu auch in der Folgezeit Wilster ebensowenig wie die anderen Städte imstande war.428) 1776 beantragte der damalige Kanzleirat Johann Diederich Michaelsen Zollbefreiung für seine Schiffsladung in Wewelsfleth, da diese für den Bau eines Gartenhauses gedacht sei, das eben jenseits des Burggrabens, also im zollfreien Landrecht gelegen war. Er erhielt dafür auch eine Bescheinigung des zuständigen Kirchspielvogten. Freilich hat er dennoch den Zoll entrichten müssen.429)

Betroffen von starker Konkurrenz aus den Marschen war besonders das Handwerk sowie Gastwirte und Krämer. Die Marsch hatte hier ihre eigenen Kräfte, nicht dass die Stadt Wilster in diesen Bereichen über ein sicheres Absatzgebiet verfügte. Die Kirchspielsorte verfügten meist über ein reichhaltiges Angebot an handwerklichen Fachkräften. Versuchen, an denen es ja schon im 17. Jahrhundert nicht gefehlt hatte, hier eine Begrenzung zu erzielen, begegnete man mit dem Hinweis auf die miserablen Wegeverhältnisse. Und so war es im 18. Jahrhundert nicht anders. Es liegt eine Handwerkerliste für die Wilstermarsch aus dem Jahre 1737 vor. In ihr wird angegeben, dass, „abgesehen von den zahlreich in der Marsch ansässigen Webern“ im Kirchspiel Wilster, im „Landrecht“, nur verhältnismäßig wenige Handwerker ansässig waren, auf der Alten Seite 22, nur 11 auf der Neuen Seite. Aber in den Kirchdörfern sah es etwas anders aus: Beidenfleth zählte 36, Wewelsfleth 69, Brokdorf 76 und St. Margarethen 55 Handwerker.430) Umfassend geht vor allem H. Schulz auf diese Verhältnisse ein.431) Danach machten vor allem die Brauer aus Beidenfleth ihren Konkurrenten in Wilster schwer zu schaffen, es gab an Brauern in Beidenfleth damals 17, in Wewelsfleth 11, in Brokdorf 11, in St. Margarethen 7, in Krummendiek 1 und in Heiligenstedten 2. Wilsteraner Brauer mussten sich damals nach anderem Broterwerb umsehen, denn die Beidenflether könnten, wie die Klage lautete, in einem Monat mehr Bier brauen und absetzen wie die Wilsteraner im gesamten Jahre nicht. Die Brauer aus den Kirchspieldörfern lieferten Bier in großen Mengen an die Schiffer auf Stör und Elbe. Da die Stadt ihre Polizeistunde hatte, wichen zechende Bürger anschließend ins Landrecht aus, wo es eine solche nicht gab. Im Zaume halten konnte der Rat, und auch das nur auf immer erneutes Ersuchen, diese Konkurrenz nur im Landrecht, also im Kirchspiel Wilster. 1736 ordnete der Statthalter an, dass Handwerker, die sich nach dem 1.8.1733 eben im Landrecht niedergelassen hätten, binnen sechs Wochen in die Stadt zu ziehen hätten. Der Magistrat half nach, so in einer Kanzelbekanntmachung im Jahre 1737. Er ließ bekanntmachen, dass Handwerker mit ordnungsmäßigem Geburts- und Lehrbrief nur 5 Rthlr. Zur Aufnahme ins jeweilige Amt mit allen Rechten zu zahlen hätten. Wer ohne derartige Papiere erschiene, solle sich sogar unentgeltlich niederlassen dürfen, er dürfe dann allerdings keine Gesellen und Lehrlinge (in Wilster hieß es „Lehrjungen“) halten. Alle sollten zunächst von städtischen Abgaben und Lasten befreit sein. Man war genötigt, den zuziehenden Landhandwerkern entgegenzukommen, wenn sie nur kämen. 1738 gab es eine kgl. Verordnung über Handwerker, die vom Lande in die Stadt zuzogen. Sie war vom 19. Februar. Vorzulegen war der „Gebuhrts-Brieff in beglaubigter Form bey der Obrigkeit“ der jeweiligen Stadt, der Erwerb eines eigenen Hauses in der Stadt, die Erlangung des Bürgerrechtes, der Lehrbrief und schließlich war ein Meisterstück anzufertigen. Der Magistrat hatte darauf zu achten, dass die Zunftmeister ihre Forderungen beim Meisterstück nicht zu hoch schraubten, nicht etwa „ein altformiges Handwerksstück, wie es etwa der eine oder andere Amts-Schrage beabsichtigen könnte, herzustellen vorschreibe“, er könne vielmehr „ein zeitgemäßes, praktisches, nicht zu kostbares Stück anfertigen, das er später wieder verkaufen könne.“ Dann machten diese Landhandwerker den städtischen auch noch auf den Jahrmärkten Konkurrenz. Daher erschien eine kgl. Verordnung im selben Jahre 1738 am 22. Juli zu diesem Thema. Es wird festgesetzt, dass „denen Landhandwerkern nicht erlaubt seyn solle, auf den öffentlichen Jahrmärkten anzustehen, noch einige Waaren feil zu haben.“ Verordnungen folgten 1755 und 1773. In der ganzen Wilstermarsch dürfe nur in der Stadt Wilster selbst Handwerk und bürgerliches Gewerbe betrieben werden, vor allem, was die Brauer, Bäcker und Branntweinbrenner betraf. Pro Kirchspiel durfte es geben 1 Rademacher, 1 Grobschmied, 1 Schneider und 1 Schlachter. Landhöker durften nur handeln mit Butter, Käse, Speck, Brot, Wagenleitern, Rungen, Dracht-Ebenern (Hebebäume an Wagen und Pflug), Schwingen und was sonst zur Ausbesserung von Wagen, Pflügen und Eggen erforderlich wäre, weiter mit Heuharken, Dreschflegeln („Dröschkloppers“), Kern- und Mistschaufeln, Spaten, Holzschuhen und Nägeln. Verboten waren Teer, Tran, Salz, Essig, Licht, Öl, Syrup, Seife, geringer Tabak, Tabakpfeifen, Pfeifenköpfe, Stricke und Halfter. Erlaubte Waren durften auf dem Dorfe „nur in Kleinigkeiten“ verkauft werden. Eine darob von der Stadt Wilster 1774 durchgeführte Untersuchung sämtlicher Landhökereien verlief aufgeregt, aber völlig ergebnislos, obwohl die Erlaubnis des Amtmannes vorlag. Im November 1774 griffen die Wilsteraner in einem Fall zur Selbsthilfe, indem sie einem St. Margarethener Handwerker Joh. Cornils, einem „Hauptübeltäter“, die Waren, die er in Itzehoe gekauft hatte, bei der Durchführung in Wilster auf Veranlassung der Achtmänner beschlagnahmten. Die Verordnungen gingen zu weit, da sie sich nicht realisieren ließen. Wie die Handwerker in Stadt und Land verteilt waren, belegt Schulz am Beispiel der Schuster im Jahre 1738. Es gab ihrer in Wilster 39, in Beidenfleth 8, in Wewelsfleth gar 26, in Brokdorf 11, in St. Margarethen 7, in Krummendiek 1 und in Heiligenstedten 2.

Dennoch ist das Handwerk in Wilster keineswegs verkümmert. „Ein reiches handwerkliches und gewerbliches Leben wurde von einer wohlhabenden und in sich geschlossenen Marsch empor getragen und zu einer bedeutenden Höhe geführt, bis die Tage des allgemeinen Niedergangs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenfalls mit in die Tiefe zogen und zerstörten.“432) Das mochte für die gesamte Marsch gemeint sein, stimmte aber vor allem auch für das zentral gelegene Wilster. Die Spezialisierung hatte einen oder besser gesagt ihren Höhepunkt erreicht. Da tauchen auf Muschelkalkbrenner, andere betrieben „Tabakspinnereien“. In Wilster und Wewelsfleth blühte das Steinmetzgewerbe. Es wurden „Bremer Steine“ verarbeitet, vorwiegend zu Grabsteinen, also Steine aus Oberkirchner Sandstein. Das geschah in der Zeit von etwa 1600 bis gegen 1820. Sie weisen entsprechend alle Stilarten dieser Zeit auf.433) Oft wurden sie immer aufs Neue verwandt. Etliche stehen unter Denkmalsschutz. In der „Kunst-Topographie Schleswig-Holstein“, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Schl.-Holstein und dem Amt für Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck (Neumünster 1969) sind sie mit Beschreibung auf Seite 830 ff vermerkt und beschrieben. Die meisten stehen heute auf dem Neuen Friedhof von 1858/59. Dann gab es Spezialisten wie Silberdraht-arbeiter, als die Brüder Kommeter einwanderten. Das Handwerk in der Stadt Wilster, so bemerkt W. Jensen für das 18. Jahrhundert „blühte kräftig empor“.434) Einen Höhepunkt erreichte, später als in Nachbarlandschaften, gerade im 18. Jahrhundert die Schnitzkunst. Aus diesem Jahrhundert stammen die Wilstermarschstuben, die in der Mitte dieses Jahrhunderts einen gewaltigen Aufschwung erlebten. Wir besitzen glücklicherweise noch einige in den bedeutenden Museen unseres Landes.435) Der Silberschmuck der Marsch stellt weiter ein beredtes Zeugnis dar von der Goldschmiedekunst in den Elbmarschen, vor allem auch der Stadt Wilster. Höhepunkt stellt die Zeit zwischen 1780 und 1820 dar. So hatte die Stadt Wilster im Jahre 1818 nicht weniger als 4 Goldschmiedemeister, die alle voll zu tun hatten, denn die Marsch rundum bot ein „Bild eines wahrhaft bestechenden Reichtums“ der Bevölkerung.436)

Diese Wendung zum Besseren setzte im 18. Jahrhundert allerdings relativ spät ein. In den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts sah es doch anders aus. Das zeigte ein Bericht des Magistrats noch im Jahre 1743. „Es ist also“, so heißt es hier, „dieser Ohrt ungemein nahrloß, dahingegen aber, ohngeachtet Er nur aus 322 größtenteils elenden Wohnungen bestehet, mit 11 931 rthlr. Gemeinen Schulden, und anbey mit so vielen anderen Lasten beschweret, dass sich desselben jährlich Abgiften, numehro schon seit verschiedenen Jahren, Erstbiß auf 4000 rthlr. Erstrecken. So stecken auch wohl die mehresten Bürger über den Wert ihrer Güther in Schulden. ---man zählet schon jetzo 51 wüste Stellen, worauf zum Theil noch vor nicht gar langer Zeit Häuser gestanden. 15 Häuser waren den 23. Sept. c.a. wüste, und seitdem ist die Zahl noch mit einigen vermehret worden. Und allen Ansehen nach , werden in kurzer Zeit noch mehrere Häuser wüste gelassen werden, nicht weniger sind durch den würkl. Umsturtz verschiedener baufällig seyender Häuser die Anzahl derer wüsten Plätze vielleicht baldigst einen merklichen Zuwachs bekommen. So sind auch viele in gutem Wohlstande geseßene Bürger zum Theil in wenigen Jahren in die empfindlichste Armuht geraten; und diejenigen, die ihr gutes Auskommen haben, sind allhier dünne gesäet. Die Allermehrsten befinden sich nicht mehr im Stande, ihre Abgifften und Zinsen zur rechten Zeit zu bezahlen, und muss ihnen oftmahlen von einem Jahr zum anderen nachgesehen, und nichts destoweniger dennoch nicht selten mit der Pfändung wieder Sie verfahren werden. Nicht wenige wissen kaum, woher Sie von einem Tag zum anderen das liebe Brod zur nohtdürfftigen Sättigung für sich und denen Ihrigen hernehmen sollen.“437)

Bald darauf wuchs die Stadt wieder offenbar. Im Jahre 1766 wurde der bisherige Steg über den Burggraben, Övelgönne genannt, von der Stadt übernommen und als Verbindungsbrücke zum Steindamm unterhalten. Hier war der Straßenzug vom Kirchplatz über die einstige Neuenburgstraße und dem Kohlmarkt weiter gewachsen in Richtung auf den Burggraben zu. Die Övelgönne, von W. Jensen als Übergang gedeutet, wurde allmählich zum Hauptausfallpunkt zur Langen Reihe, über die es weiter ging zum Steindamm und letzten Endes zur Geest.438) (Vorher hatte der Übergang von 2 Häusern westlich desselben unterhalten werden müssen). Hier an der Övelgönne befand sich auch das Wachthaus am Eingang der Stadt auf der Südseite. Als „Knippelwacht“ hat sie dort bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts gestanden, wich dann der Straße nach dem Klosterhof hinüber.439) Am 15.8.1769 gab es auch die erste öffentliche Volkszählung im Lande. Wilster zählte das 1581 Einwohner. Das waren wohl weniger als Glückstadt (2483 E.) und Itzehoe (2320 E. in der lüb. Stadt) sie hatte. Das war aber auch immer so gewesen. Krempe mit seinen nun nur noch 761 Einwohnern war jedoch schon deutlich zurückgeblieben. Wilster hatte jetzt wieder etwa ebenso viele Einwohner, wie es sie besessen hatte, bevor die Kriegswirren seiner ersten Blüte ein Ende gesetzt hatten. Die Einwohnerzahl der Stadt sollte dann noch bis zum 15.8. 1803 (dem nächsten Zählungstermin) auf 1791 Einwohner anwachsen.440)

Räumlich blieb die Stadt weiterhin auf denkbar engstem Zuschnitt begrenzt. Das Landrecht gegann unmittelbar jenseits des Burggrabens. Konflikte blieben denn auch nicht aus, zumal die Wilsteraner notgedrungen ihre Gärten, ihre Ländereien weitgehend jenseits ihrer Grenzgräben im Landrecht hatten. So kam es 1738 zu einem länger anhaltenden Konflikt mit der Bauernschaft Bischof, wobei diese, wie der Stadtsekretär Ploen triumphierend mitzuteilen wusste, „zu Kreuz gekrochen und haben sich mit der Stadt verglichen“.441) Der Stadt gehörte der Schweinebrook. Sie hatte zwei Wege zu unterhalten, einmal den nach Dammfleth vom gleichnamigen (ehemaligen) Tor bis zur Mühlenbrücke über die Sielwettern, weiter, davon abzweigend über die sog. Schweinsbrücke zum Brook und weiter nach Bischof. Die Stadt ließ nun letztere sperren, „damit nicht jeder Hausmann sich dieses Weges und Brücke bedienen könne.“ Das störte die Bischöfer. Sie besaßen, da im Landrecht gelegen, den Weg, der von der Övelgönne durch die Lange Reihe und dem Bischofer Deich verlief (ebenfalls nach Bischof, aber auch ein Weg zum Schwinebrook.) Weiter hatten etliche Wilsteraner an diesem Weg ihre Ländereien. Hier errichteten die Bischöfer nun ihrerseits Schlagbäume, nämlich im Jahre 1738. Die Stadt klagte beim Amtmann mit Erfolg, denn sie konnten darauf hinweisen, dass sie eine Straße nebst Brücke zu unterhalten hatten, also einen Grund für ihr Tun hätten, was bei den Bischöfern nicht recht glaubhaft erschien. Die Vernunft siegte im Vergleich. Alle lästigen Schlagbäume wurden von beiden Seiten entfernt.

Toleranz hatte auch im Zeichen heraufziehender Aufklärung ihre Grenzen im damaligen Wilster. Hexenprozesse freilich gehörten der Vergangenheit an. Erregung gab es aber, wenn sich Menschen anderen Glaubens im Orte niederlassen wollten. Die Bevölkerung war evangelisch-lutherisch, Mitgliedern anderer Konfession waren bestimmte Plätze geöffnet, wie zum Beispiel Glückstadt, wo es Katholiken und Juden gab. Aber selbst als um 1740 Mitglieder der Herrenhuter Brüdergemeinde in der Stadt erschienen, gab es Unruhe.442) Diese waren im Lande, da doch Flüchtlinge vor den „Papisten“, anfangs freundlich aufgenommen worden sind. Archidiakon Martin Müller (1734 – 1743), ein Lausitzer, sympathisierte mit ihnen, lud einen der ihren, Magister Waiblinger, ein. Er erschien am 4.1. 1740 in der Stadt und hielt hier Erbauungsstunden ab. Man strömte zusammen, belagerte das Haus, in dem sie stattfanden, warf die Fensterscheiben ein. Der Rat war nicht in der Lage, die Übeltäter zu fassen. Er mahnte zur Ruhe, vergeblich; bat schließlich, die Versammlungen einzustellen, da sie „zu vielen Irrsachen und Unordnungen Anlaß“ gäben. Als die Andachten anhielten, wandte sich der Rat an die Regierung und zwar zusammen mit den beiden anderen Geistlichen, welche die Herrenhuter gleichfalls ablehnten. Es fand vom 18.5. bis zum 6. 9. des Jahres eine Untersuchung statt, offenbar auch ohne Ergebnis. Die Anstifter sollten ermittelt und bestraft werden. Beigelegt wurde die Sache aber auf andere Art. Archidiakon Müller wurde 1743 Pastor in Wewelsfleth und verließ damit Wilster, wo nun wieder Ruhe einziehen konnte.
Aus dem Jahre 1775 stammt unser erster genauer Stadtplan, über den Wilsters Stadtarchiv verfügt.443) Der Plan ist im Original ziemlich verblaßt, hat die Maße 1,01:0,94. Sie stammt vom Lehrer Friederichs, der als Nebenschullehrer der Großen Stadtschule für die Jahre 1769-74 erwähnt ist.444) Dass dieser Plan von ihm stammt, geht aus einer Eintragung am oberen Rand hervor, die mit dieser Angabe in Lateinisch beginnt. Sie lautet übersetzt445): „Dieses neue Bild der im Herzogtum Holstein gelegenen Stadt Wilster mit ihrer nächsten Umgebung zeichnet Andreas Königs Fredericus, Lehrer an der Schule zu Wilster im Jahre 1775“. Es ist eine Zeichnung „mit großer Sorgfalt und einer bis ins Einzelne sich erstreckenden Zuverlässigkeit“.446) Den Rand hat er, Friederichs, mit Bildern von Kirchorten der Marsch versehen. Dann gab es 2 erklärende Aufschriften mit Rankwerk umgeben. Die obere Eintragung versucht, die Geschichte der Stadt wiederzugeben, wobei er sich auf Heinrich Rantzau und Dankwerth beruft. Es deutet richtig, dass der Ort seinen Namen vom Flusse habe, erklärt das Stadtwappen. Das 2. Feld (auf der linken Seite) ist wichtiger, denn hier werden die Buchstaben und Zahlen, mit denen er zur Erklärung der Zeichnung diese versehen hatte, erläutert. Hier aus der Zeichenerklärung: „Diese Stadt wird eingeteilt A. in die neue und B. in die alte Seite.“ Auf der Neuen Seite werden von ihm bezeichnet: „a) Das Galgen Ortgen, allwo der Galgen, b) die Stadtmühle.“ Er beginnt also systematisch im Süden an der Sielwettern. „I. die Neustadt und c) deren Brücke, d) das Schoss, eine Brücke“, womit er das Schott meinte. „II. De schlaat“ in der Neustadt, „daselbst e) eine Brücke und f) der beeden Stadtdiener Haus. III. Das Neue Markt. IV. Die Blumenstraße“, die noch immer nicht bebaut ist, „V. Die Beckerstraße“, die heutige Rathausstraße, „g) deren Brücke“ über den Bäckerstraßenfleth. „VI. Der Klosterhof und Höfengang, H) dessen Steg“, der also auch schon bestand. „VII. Die Johannes-Straße“, der Teil der heutigen Schmiedestraße zwischen Op de Göten und Rathausstraße. „VIII. Das Markt, einesteils wo i) das Rathaus und k) die Brücke über die Aue, allda Göthen genannt. IX. Die Schmiedestraße. X. Der Rosengarten, nebst l) dessen Platz und m) dreyen Stegen. Auteich und Wege zur Landjurisdiction: Der Auteich hieselbst, a) die Dammflether Brücke über die Aue“, die er auch noch die Sielwettern nennt, er definiert allerdings noch: „Sielwettern genannt“, und weiter „b) Hinter der Stadt, c) Krummwehl“. Danach folgt die Alte Seite, beginnend wieder mit „I. Die Deichstraße, nebst a) eine Brücke“ über den Burggraben. „II. Die sogenannte Hofstätte. III. Die Wendung, benebst b) der Todten-Schauer, c) der neue Kirchhof“. Weiter „IV. Clüversgang, allwo d) eine Brücke, e) ein bedeckter Gang nach dem neuen Kirchhof“. Nach Deichstraße und heutigen Stadtpark folgt die Mitte: „V. Das Markt andern Theils“, Markt war also der gesamte Straßenzug beiderseits der (alten) Au, der heute „Op de Göten“ benannt wird. „VI. Hinter dem Kirchhof“, der ja noch bestand, also die nordwestliche Seite des Platzes. „Hier f) das Hauptpastoris, g) Archi-Diakoni, h) Diakoni Haus. I) Die Kirche“, die um diese Zeit abgerissen war, die Sonnin-Kirche sollte noch entstehen. „k) der alte Kirchhof. VII. Die Singelstraße“, also die Zingelstraße, „l) deren Brücke, m) die große Schule, n) das Rectoris, o) das Conrectoris und Schreib- und Rechenmeisters Haus“, die also alle zusammen in der Zingelstraße belegen waren, „p) der Prediger und Schulbedienten Wittwenhaus. VIII. Die Hintere Straße“, aus der Haferstraße war die Achterstraße geworden, „wo q) eine Brücke, r) die beeden Grasshöfe, s der Stadt Armenhaus, t) das Interims-Kirchengebäude“, in welcher der Gottesdienst abgehalten werden musste, bevor die Sonnin-Kirche fertig war. „IX. Die Querstraße“ (Dwerstrate). X. Honigflether Straße“, die zum Steindamm führte, nicht mehr die Lange Reihe, „wo u) das Organistenhaus. XI. Der Kohlenmarkt, allhier n) eine Brück. XII. übergöng“, dann Övelgönne benannt, „woselbst x) das Wachthaus“ für die Garnison. „XIII. der Kleine Schweinbrook, wo z) eine Brücke“, wo „olim monachorum portus gewesen“, und hier „g) die Vogelstange.“ Nicht übersehen werden die Fortsetzungen der Siedlung Wilster im Landrecht. Da sieht man als Hauptsatellitensiedlung sich Haus an Haus in Verlängerung der Deichstraße hinziehen. Weiter sieht man eine zweite Siedlung im Osten der Stadt entwickelt, entlang der Langen Reihe. Friederichs bezeichnet in letzterer „a) die Lange Reihe, wo das Rhedersche Armenhaus“ für das Landrecht 1657 gestiftet,“ b) das Landrecht, wo das Schinderhaus und eine Brücke“,; diese Buchstaben sind hebräische. Zu bemerken ist noch, dass das heutige Neue Rathaus (Doosesche Haus) damals noch nicht stand, wohl aber das Michaelsensche Haus neben dem Hauptpastorat, auch der umfangreiche Park diesseits und allem jenseits des Burggrabens, aber noch ohne das Gartenhaus (Trichter). Es stand auch das Amtshaus für das Amt Wilstermarsch (damals im Eigentum des Pastors Valentin Michaelsen). Eine sehr informative Zeichnung also.

Von der Ordnung in der Stadt lässt sich im 18. Jahrhundert sagen, dass sich die Ordnungen, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten herausgebildet hatten, im allgemeinen erhielten, bei abnehmender Mitarbeit der Bürger und wachsenden Reglementierungen der Obrigkeit. Hauptquelle ist der Nachlass des Stadtsekretärs J.G. Ploen, des älteren Ploens, die sich im Wilsterschen Stadtarchiv befinden und seiner Zeit gedacht waren für die praktische Tätigkeit des Wilsterschen Magistrates, als eine Zusammenfassung aller Punkte, die für das Regiment von Belang sein konnten. So schrieb er 1770 „Von den Magistrats-Personen der Stadt Wilster“.447) 1771 schrieb er weiter: „ Formular der in der Stadt Wilster bey Übernehmung der Stadt-Ämter eingeführten auch sonst allerhöchst vorgeschriebenen Eide und Hand-Gelöbnisse, mit einem Verzeichniß der Magistrats-Personen, der Stadt-Bedienten ---.“448) Schließlich 1782 noch die „Concepta und Materialia zur Beschreibung der Stadt Wilster“.449)

Das Bürgergericht bestand weiter, obwohl jetzt wachsend sich „Unlust der Bürger an ihrer Urteilertätigkeit“ zeigte. In den Gerichtsakten findet sich, dass am 13.2.1703, 13.3.1725, 19.12.1730, 8.1.1743, 23.3.1745, 2.9.1755, 15.7.1760, 8.1.1765 und 21.7.1786 Bürger, „obgleich als Gerichts-person ordentlich angesagt worden, dennoch ungehorsamblich ausgeblieben“.450) Grund hierfür wird gewesen sein: „Das Vordringen rechtsgelehrter Juristen auch in der Urteilsfindung, die hierdurch sowie durch die immer komplizierter und vor allem abstrakter werdende Rechtspraxis bedingte Rechtsunsicherheit des einfachen Bürgers, die immer weniger als ehrenvolles Rechts denn als zeitraubende Last angesehene ehrenamtliche Aufgabe der Urteilsfindung sowie die Eingriffe in das Rechtsleben durch die Landesherren, die immer mehr Fälle vor ihre Gerichte zogen – all dies dürfte auch beim Niedergang des Wilsteraner Niedergerichts ursächlich mitgewirkt haben“.451) Aber das Bürgergericht blieb. Die Landesherrschaft konzentrierte immer weitere Kompetenz auch und gerade auf juristischem Gebiet bei seinem Holsteinischen Obergericht in Glückstadt. Für eine Stadt mit lübischem Recht wie Wilster wurde wichtig, dass 1737 das Vierstädtegericht als Appellationsinstanz aufhörte zu bestehen; an seine Stelle trat nun eben das Obergericht. Es „beerbte“ in den folgenden Jahrzehnten noch zahlreiche weitere Appellationsinstanzen, vor allem seit 1774, nachdem ganz Holstein im Jahre zuvor unter dem dänischen König als Herzog vereinigt worden war. Als 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufhörte zu bestehen, wurde am 9.9.1806 das „Königlich Holsteinische Obergericht“ in Glückstadt höchstes Gericht für ganz Holstein.452) Aus dieser Welt von Obergericht und Regierungskanzlei stammt auch das Werk „Corpus Constitutionum Regie-Holsaticarum“ um 1750 des Regierungs- und Justizrates F.C.C. von Cronhelm, dessen Auf-zeichnungen von Verordnungen, Satzungen usw. von überaus großen Wert für die Heimatge-schichtsforschung sind.453) Justizrat oder Kanzleirat zu werden, oder als Zeichen ökonomischer Bedeutsamkeit gar Etatsrat zu werden, wurde nun auch und gerade von der Oberschicht innerhalb der Wilsteraner Bürgerschaft als hohe Ehrung empfunden.

Auch im Wilsteraner Stadtregiment änderte sich in diesem Jahrhundert nur noch weniges, und wenn doch, so handelt es sich nun um königliche Verfügungen. Die wichtigste Neuerung war die Einführung von „Kämmereibürgern“ im Jahre 1736.454) Bisher übten Achtmänner die Kontrolle der Finanzen aus. Nunmehr wurden die Finanzangelegenheiten „zweenen dazu geschickten und tüchtigen Bürgern“ übertragen. Diese hatten dieses Amt zwei Jahre inne. Jährlich schied dabei einer aus. Das entsprach einer Entwicklung, die nicht nur auf Wilster beschränkt war, in Itzehoe gab es Kämmereibürger schon seit 1673, vom Rat akzeptiert seit 1681.455)

Diesen Kämmereibürgern stand die Kontrolle aller Geldangelegenheiten, auch Bauten der Stadt etwa, zu, die weitestgehende Kontrollmöglichkeit, welche die Bürgerschaft gewinnen konnte. Für Itzehoe schreibt R. Irmisch in seiner Stadtgeschichte gar von einer „noch stärkeren Demokratisierung des Stadtregiments“.456) Es war der Preis, den der Rat zahlen musste, um sein Regiment aufrecht erhalten zu können. In Wilster verlief diese ganze Entwicklung viel weniger stürmisch als etwa in Itzehoe, hier hatte der Rat die Dinge viel sicherer im Griff. Kämmereibürger jedoch hat auch er zugestehen müssen oder doch vorsorglich zugebilligt. Das Achtmännerkollegium blieb im alten Sinne bestehen. Eine Erweiterung zu 16 Männern geschah sporadisch. So geschah es im Mai 1730, weiter am 21. Oktober 1741, als der Bürger Christian Drevenstedt sich an den König wandte, um eine vakant gewordene Ratsstelle zu bekommen. Hier war eine starke Bürgerrepräsentation als Rückhalt für den Rat sogar hoch erwünscht.457) Es drohte dem Rat die Gefahr, dass die Regierung seine Mitglieder einsetzte; das Selbstergänzungsrecht des Rates war in Gefahr, wie nebenbei auch in Itzehoe.458) Um 1750 kam der Brauch auf, dass der Bürgermeister durch den Statthalter oder dessen Beauftragten feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Der Rat witterte die Gefahr, protestierte heftig, ohne viel ändern zu können. Er setzte nur durch, dass der Stadt hierdurch keine Kosten erwüchsen.459)

Grundsätzlich durch königliche Verfügung wurde das Stadtregiment geregelt am 2. September 1791. Der rat, er nannte sich in dieser Zeit gerne Senat, wurde auf einen Bürgermeister und zwei „wirkliche Ratsverwandte“ und den Stadtsekretär reduziert, dazu gab es noch einen „überzähligen Ratsverwandten“, dem jedoch die Freiheiten des Rates, nämlich Freiheit von Abgaben und Einquartierungen nicht zustanden.460) Das Achtmännerkollegium und die Kämmereibürger blieben bestehen, wie denn der Staat nicht weiter in die städtische Selbstverwaltung eingriff.

Im Jahre 1762 setzte die Stadt Postboten ein.461) Genauer gesagt, handelte es sich am 9. Januar 1762 um eine „Wiederbesetzung des hiesigen Postbothen-Dienstes“ durch Einsetzung des Jürgen Suhr in dieses Amt. Hier ist auf eine immer spürbarer werdende Benachteiligung der Stadt Wilster gegenüber anderen Städten Holsteins einzugehen. Mochte Wilster auch für den Seeverkehr bzw. –handel günstig gelegen sein. Für den Postverkehr auf den Landstraßen lag es denkbar abgelegen.462) Seit dem 25. 12. 1694 gab es eine obrigkeitliche Postordnung, verbessert durch eine Verordnung vom 25.8.1714.463) Die festen Postverbindungen liefen auf den großen Heerstraßen, so war Itzehoe ein Hauptmittelpunkt der Postverbindungen. Über Wilster jedoch führte nicht eine. So musste sich diese Stadt mit einem kommunalen Postboten behelfen. Dieser sollte „zum gemeinen Besten wieder eingesetzt werden“, sollte „die Veranstaltung vorgekehret“ werden. Der Postbote also sollte „sowohl am Montage als am Dienstage, wie auch am Donnerstage und am Freytage nach Itzehoe gehen und die eingelaufenen Briefe zur gehörigen Zeit auf die Post bringen.“ Aufbrechen soll er in Wilster im Januar und Februar um 12 Uhr, im März und April um 2 Uhr, im Mai und Juni um 4 Uhr, im Juli und August um 5 Uhr, im September und Oktober um 2 Uhr, im November und Dezember um 12 Uhr. Es „wird solches hie durch denen sämmtlichen Bürgern und Einwohnern bekannt gemacht, damit ein jeder seine etwa zu verschickenden Briefe gegen solche bestimmte Stunden an den Bothen abliefern und selbige also in Itzehoe zur gehörigen Zeit auf die Post gebracht werden können.“ Es scheint anfangs einmal nicht funktioniert zu haben, etliche werden sich lieber privat haben behelfen wollen. So folgt die Strafandrohung: „Da durch diese vorgekehrte Veranstaltung ein jeder seine Briefe zur erforderlichen Zeit auf die Post bringen lassen kann, so wird es allen und jedem hierdurch anbefohlen, dass sie ihre zu versendenden Briefe durch die nunmehro bestellten Postbothen nach Itzehoe befördern lassen sollen, so lieb ihnen seyn wird, auf den unverhofften Contraveniens-Fall die dadurch verwirkte königliche Brüche zu vermeiden.“

Zum Marktgeschehen gestattete der König am 8. Mai 1751, dass die beiden (sehr ungünstig gelegenen) Pferdemärkte, (die daher auch ganz eingegangen waren), zu einem einzigen am 22. Juli zusammenzufassen. Überhaupt waren zeitlich ungünstige Märkte abgehalten. 1772 gab es nach Ploen nur noch den einen Jahrmarkt in Wilster im August. Der Ort des Jahrmarktes schwankte, so war er 1723 auf dem Neumarkt, 1749 wieder Op de Göten. Wochenmärkte waren, alles nach Ploen, „ganz und gar eingegangen“, man wusste kaum noch etwas von diesem Recht.464) Auch andere „Privilegien“ erübrigten sich. Hamburger Bier durfte einst, von der Stadt verpachtet, in 3 Schenken gezapft werden. Ploen weiß nur, dass derlei gänzlich eingegangen sei. Auch das Weinausschankprivileg des Rates ließ sich so nicht mehr halten. Seit 1755 durfte Wein von Fremden (Schiffern) ausgeschenkt werden.465)

Das 18. Jahrhundert ist die Zeit, in der auch auf dem Gebiet des Schulwesens der Staat sich zunehmend einmischt. Es ist übrigens der Zeitraum, aus dem wir erstmals auch überhaupt etwas mehr über die Schule in Wilster erfahren. Während wir aus dem Mittelalter nur durch eine kurze Notiz aus der Reformationszeit wissen, dass es schulischen Unterricht auch hier gegeben haben muss, ist auch das, was wir über die Folgezeit in Erfahrung bringen können, verhältnismäßig wenig. „Die ältesten bekannten Akten des Stadtarchivs, welche über die Große Stadtschule unterrichten, stammen aus dem Jahre 1755/56“, schreibt noch 1925 im Heimatbuch des Kreises Steinburg K. Bielenberg, der hier über das Schulwesen im Kreise Steinburg zu unterrichten hatte.466) Ruth-E. Mohrmann, die bisher wohl allein die umfangreichen Bestände Wilsteraner Rechtspflege untersuchte, trägt einiges auch aus dem Gebiet des Schulwesens (aus dem 16. Und 17. Jahrhundert) zusammen.467) Dass das Hauptziel der Schule, die eine Angelegenheit der Kirchengemeinde war, darin bestand, die Kinder „flitigen beden den Katechismus, lesen, schriven, Psalmen singen“ und Rechnen zu lehren, wie es aus der Schulordnung für die Landschule von Nortorf aus dem Jahre 1576 heisst. Es hat den Anschein, dass das Schulgebäude ein Fachwerkbau war (1671), dass diese eine kleine stationäre Orgel hatte (1666 u.a.m.), dass Unterricht vor- und nachmittags gehalten wurde (1668), dass ein Schulgeld gezahlt wurde (1629 u.a.m.), aufgegliedert in „schuel-, sing-, stuben- und feuergeld“, weiter noch „vor lichte in der scholen“ (1634 u.a.m.), dass die Kinder auf Schiefertafeln, Schreibbrettern und Papier schrieben und mit Rechensteinen, -brettern und –büchern arbeiteten (1634 und 1650). Man hört von Büchern und von milden Spenden für „arme Kinder, so zur Schule gehen, bücher dorfür zuekauffen und ihr schulegeld davon zu bezahlen.“ Man hört weiter von Einnahmequellen der Lehrer neben ihrem Gehalt. H. Schulz hat uns lückenlos die Liste der Rektoren vom Jahre 1605 an gegeben, die der Konrektoren von 1621, die der Schreib- und Rechenmeister ab 1631. Er wie auch W. Jensen berichten uns vom Schulwesen Wilsters und der umgebenden Marsch um 1700 und 1800.468)

Kirche und Staat haben es seit der Reformation niemals an Bemühungen um das Schulwesen fehlen lassen, mit wachsender Macht des Staates wuchs natürlich auch dessen Einwirkungsmöglichkeit. 1646 erließ König Christian IV. auf Veranlassung seines tatkräftigen Generalsuperintendenten Dr. Stephan Klotz auf einer Kirchensynode seine „Constitution“ für das Schulwesen.469) Jetzt wurde die Konfirmation an die Schulzeit angeschlossen. Für das Gebiet des Münsterdorfer Konsistoriums folgte am 23. Februar 1689 eine Resolution, die noch einmal das Schulgesetz einschärfte.470) Von besonderer Bedeutung wurde dann die „Gemeinschaftliche Schulordnung im Herzogtum Holstein von 1745“, in der nunmehr zum ersten Mal eine Schulpflicht bis zur Konfirmation festgelegt wurde. Daraus hervor ging dann eine „Verordnung wegen besserer Einrichtung der teutschen Schulen, besonders auf dem Lande in dem Herzogtum Holstein Königlichen Anteils vom 31. Dezember 1747“, nach der die Schulpflicht vom 6. bis zur Konfirmation, bis zum vollendeten 16. Lebensjahre dauern sollte.471)

Auf Grund dieser Verordnung von 1747 bildete sich eine Schulkommission mit der Aufgabe, in Wilster „das dortige Schulwesen“, welches sich in schlechter Verfassung befand, „zu untersuchen, wegen dessen besserer Einrichtung ein Projekt zu unterwerfen und selbiges bei dem Kirchen-visitatorium zur weiteren Veranlassung einzureichen“. Durch Verfügung des Konsistoriums vom 20. Januar 1756 wurde diese Kommission aus dem Bürgermeister, 2 Ratsverwandten und den 3 Predigern gebildet. Ihre Vorschläge wurden in eine königliche Verfügung vom 20. Oktober 1758 umgesetzt, in die „Allergnädigst approbierte Schulordnung und Gesetze für die große Stadt- und Nebenschulen zu Wilster“. Durch sie wurde die Schulkommission eine beständige Institution zur Beaufsichtung des Schulwesens. Die Große Stadtschule war oder vielmehr blieb eine Kirchspielskirche für Knaben, Mädchen wurden dem Privatunterricht überlassen. Zwei Theologen unterrichteten als Rektor und Konrektor, ein Nichttheologe weiter als Rechenmeister. Die Besetzung des Kollegiums schwankte in den folgenden Jahren, angeblich aus Sparsamkeitserwägungen wurde verschiedentlich eine Lehrerstelle nicht besetzt. Der Konrektor ist wohl auch Kantor. Wichtig wurde das Jahr 1781, wo statt des Konrektors ein zweiter deutscher Lehrer hinzukommt. Die Schule hat seitdem den Rektor, den Rechenmeister und den „Collaborator“.472) Das Schulgeld wurde gleichmäßig unter den drei Lehrern aufgeteilt. Ihr Einkommen beruhte auf verschiedenen Posten: 1. Einem „Salair“ aus der Kirchenkasse (175 M 15 Sch.), 2. Einem „Legat“ aus derselben (33 M 5 Sch 4 Pf), 3. Einem „Legat“ aus der Kämmereikasse (18 M). Dazu kam (um 1800) noch „Leichengeld“, Entgelt für Dienste bei Bestattungen, der wichtigste Posten offenbar (nämlich 242 M 10 Sch 10 Pf). Das waren zusammen 469 M 15 Sch 2 Pf. Die Schule war einmal eine Lateinschule für eine kleine Minderheit, zum anderen eine Volksschule. „Es gab Zeiten, wo tüchtige junge Leute unmittelbar von Wilster aus zur Universität gingen, aber auch solche, wo die Eltern ihre Knaben in jungen Jahren schon nach Altona oder Kiel geben mussten, weil sie in Wilster nicht über die erste Konjugation hinauskamen.473)

Im Jahre 1771 erfolgte (wieder) in der Zingelstraße ein Neubau der Großen Stadtschule. Ihm folgte in den Jahren 1803/04 der Neubau des Lehrerhauses,474) wobei es vorher zu einem heftigen Streit zwischen dem Landbaumeister Richter, den der Stadtsekretär Polemann für diese Aufgabe zu gewinnen wusste, und den Kirchenhauptleuten kam, da Richter „gesunde, feste, solide und unter vorhandenen local Umständen mit hinlänglichem Gelass versehene, möglichst bequeme Schullehrer-wohnungen“ schaffen wollte, während die Kirchenhauptleute „das prachtvolle Gebäude“ für viel zu aufwendig hielten, das „für mehrere Jahrhunderte zur Zierde als wahren Nutzen gereiche“. Der jahrelange Briefwechsel und Hader vor den Instanzen endete schließlich mit dem Bau nach einem Riß, der dem des Landbaumeisters„fast völlig“ entsprach.475) Es besteht aus dem Jahre 1805 eine Ansicht des Wohnhauses. Danach war die Wohnung des Rektors links (186,24 qm), die des Collaborators in der Mitte (113,64 qm) und die des Rechenmeisters rechts (ebenfalls 113,64 qm).

Von 1796 -98 war Rektor der Großen Stadtschule G.F.Schumacher , der uns in seinen „Genrebildern eines 70-jährigen Schulmannes“ ein recht farbiges, aber mit beißendem Spott geschriebenes Bild von Stadt, Kirchengemeinde und Schule zu Wilster gegeben hat.476) Er schildert, wie Kirchenhauptleute und Juraten, die die Kosten einer Neuwahl scheuten (sie gaben 114 M „an feststehenden Kosten“ an) und die vakante Stelle am liebsten unter der Hand vergeben hätten, einer Prüfung von 3 Kandidaten beim Propsten Burdorff „traurigen Andenkens“ zustimmen mussten. Der Prüfung durch den Propsten in Itzehoe, (bei der hier der Witz umging: „Morgen kommen die Kandidaten von Wilster, um den Propst zu examinieren“), folgte in Wilster „in Gegenwart der 3 Pastoren loci und des hochlöblichen Magistrates eine katechitische Probe über eine Frage im Katechismus, und demnächst eine Probe in sog. Realien“. So wurde Schumacher, geboren 1771 in Altona, vorher Konrektor in Husum und auf der Domschule zu Schleswig, Rektor der Schule.

Schumacher schildert: „Ich war auf dem Gymnasio gewesen; hier fand ich eine ganz gemeine Bürgerschule, Kinder von Handwerkern, in kurzen Jacken und zum Teil hölzernen Pantoffeln. – Die Stadt war ein kleines Nest, ein“ für das Land, so muss man wohl ergänzend sagen, „abgelegenes Abdera“, also ein Ort beschränkter Kleinbürger,477) womit er der Stadt der Michaelsen und Doose wohl kaum ganz gerecht wurde, „selbst ohne Poststraße, in der Marsch. Die Menschen durch und durch Kleinstädter, das heißt in allem zurück, aber voll Selbstgefühl. – Ein Rectorenhaus, ein Kasten, gewiß mehrere Jahrhunderte alt“, es war ja joch das alte Gebäude, „mit zwei Stuben und einer Kammer; ein College, ein alter, fast schon stumpfsinniger Rechenmeister und neben ihm ein Collaborator als sein Assistent. - - Ich war Rector der ganzen Schule, zu der circa 120 pflichtige Schüler gehörten, die vom 8ten Jahr bis zur Konfirmation kommen mussten“. - - Er habe „den ganzen gemischten Haufen aus dem mittleren und niedrigsten Stande“ in der 1. Stunde in Religion „nach dem Landeskatechismus“. Sonst hatte seine Arbeit den „Lateinern, ca. 12 bis 16“, zu gelten, „ganz elementar, wie etwa jetzt in einer Untertertia“. „Wer Lateiner oder Deutscher war, das hing ganz von der Laune der Eltern ab, und zuweilen changierten sie manchmal während der schuljahre, wurden von Lateinern wieder Deutsche und umgekehrt.“ Änderungen gab es nicht „ohne Zustimmung des Schulkollegii“, welches nach dem Grundsatz verfuhr: „Keine Neuerungen, so haben wir es gehabt als Kinder, so sollen es unsere Kinder wieder haben; wir sind ja ganze Leute auf dem Wege geworden und anständige Bürger, was sollen sie denn mehr. – Schulhonorare zahlte jeder der 120 Schüler 18 Schilling quartaliter; davon mir 9 und dem Rechenmeister, der den Kollaborator bezahlen musste, 9 Schilling zufielen. - - Die ergiebigste Geldquelle war für uns die Leichengebühr, die leicht, aber auch schwer verdient ward, wie man es nennen will. „Eine Beerdigung geschah „nie ohne Begleitung der singenden Schule. - - Es kam gerade so im Durchschnitt ca 150mal im Jahr, also dreimal die Woche“, und dann fiel der Nachmittagsunterricht aus. „Diese Leichenkondukte waren unsere Geldgrube. Hatten wir dann nicht gerade Fleckfieber, so sorgte doch der Genius der Schwelgerei in der reichen Marsch dafür, dass wir nie zu kurz kahmen. - - Ursprünglich zahlte jede Leiche 2 Mk und 4 Scsh. an die Schule, also 18 Sch. a` Lehrer.“ Wenn der Gesang, der sonst mit der Berechnung immer derselbe war, nach Wahl erfolgen sollte, „kostete er das Doppelte“. Bei allen 3 Gesängen a) am Leichenhaus, b) auf dem Weg und c) auf dem Kirchhof, ergab es 18 Mk.“ Die Steigerung war vollkommen organisiert, als ich da war.“

So weit Schumacher über die Verhältnisse in Schule und Gemeinde. Es hinterließ uns aber nicht nur ein farbiges Bild aus der Marschenstadt, er stellte auch die Weiche für eine beachtenswerte Schulreform in der Stadtschule, die allerdings erst nach seiner Amtszeit im Jahre 1804 Wirklichkeit werden sollte. „Soviel setzte ich endlich durch,“ so Schumacher in seinen Genrebildern, „dass ich ein Commissorium erhielt, eine bessere Schulordnung zu entwerfen. Ich tat dies, kam aber vor der Ausführung weg, und sie ist nachher bei der neuen Einrichtung zum Grund gelegt.“ Die neue Schulordnung fasste das Schulwesen der Stadt einheitlich zusammen. Zunächst kamen alle Kinder, Jungen und nun auch Mädchen zusammen, auf die Elementarschule, die der Vorbereitung zum eigentlichen Schulbesuch diente. Privatschulen für dieses Lebensalter wurden verboten. Die Mädchen besuchten anschließend eine Mädchenschule, bestehend aus 2 Klassen unter einem Lehrer. Die Schule der Jungen war die Große Stadtschule. Sie bestand weiter aus 3 Klassen mit 3 Lehrern. Der Rektor leitete alle 3 Schulen. Natürlich kamen die Kleinen und weiter die Mädchen viel schlechter weg als die Jungen auf ihrer Großen Stadtschule. Das wichtige aber ist, dass jetzt auch die Mädchen in das Schulsystem einbezogen wurden.478)

Am 24. August 1814 erfolgte dann die „Allgemeine Schulordnung“, auf Grund der die Lateinschulen, wie sie bisher in allen Städten, in Form einer Lateinschule auch in Wilster, bestanden hatten, aufgehoben wurden, was in Wilster ja im Grunde durch die Ordnung von 1804 schon geschehen war. Hierfür war nunmehr allein die Gelehrtenschule in Glückstadt vorgesehen. Da der Rektor der Großen Stadtschule aber auch weiterhin ein Theologe war, war eine Form von Nachhilfeunterricht im Lateinischen möglich, so dass die Schüler erst später auf eine der oberen Klassen des Gymnasiums überzutreten brauchten. Die Schulordnung vom 24. August des Jahres 1814 des Generalsuperintendenten Dr. Adler hatte noch ein anderes Ergebnis für die Große Stadtschule zu Wilster. Es war nicht der Unterricht dort selbst, da die Ordnung von 1804 schon durchaus den neuen Anforderungen entsprach, sondern mehr das Landschulwesen, das nunmehr einen besonderen Weg einschlug. In der Propstei Münsterdorf, zu der Wilster und die Wilstermarsch ja gehörten, war diese Landschulordnung schon in einem Schulregulativ vom 9. März 1812 vorweggenommen. „Alle Landschulen“, so ist hier im § 1 zu lesen, „in der Propstei Münsterdorf sollen Distriktschulen sein - - -. Sie treten mithin künftig aus aller Verbindung mit den jetzigen Kirchspielschulen, und werden, so wie diese, von den Distrikten allein unterhalten.“ Das bedeutete, dass die Große Stadtschule zu Wilster, bisher Angelegenheit des gesamten Kirchspiels, nicht mehr zuständig war für die Bauernschaften rundum, sondern ausschließlich für die Stadt Wilster, eine völlig neue Situation. Schon 1813 wurden die Schulvorsteher der Landschuldistrikte dahingehend vorstellig, dass, da ja sie nun keine Verpflichtung mehr hätten, zu den Kosten, vor allem den Baukosten hier, der Stadtschule, des Stadtschulhauses zunächst einmal, beizutragen. Der Streit, der darüber ausbrach, endete damit, dass am 20. März 1815 dieser Standpunkt von der Regierungskanzlei anerkannt wurde. Damit verlor die Schule ihren bisherigen Charakter als Kirchspielskirche, sie wird de facto eine Stadtschule. Die Stadt wurde verantwortlich für die Baulichkeiten. Freilich auch weiterhin blieben die Lehrkräfte besoldet, examiniert und eingesetzt (über die Schulkommission) durch die Kirche,479) die Lehrer waren „Kirchendiener“.

Auch die Bürgergilde von Wilster sollte im 18. Jahrhundert immer mehr den regelnden Eingriff des Staates zu spüren bekommen. Feuerversicherung und gewissermaßen auch Feuerwehr waren die öffentlichen Aufgaben der Gilde. Indessen stiegen die Ansprüche, welche die Regierung an derlei Organisation erhob. Nach königlichem Wunsch entstanden überall in Schleswig-Holstein eigentlich Brandgilden. Der Wilsterschen Gilde drohte die Auflösung. Daher erfolgte eine Satzungsanpassung an die kgl. Verordnungen. Am 23. November bestätigte König Christian VI. darauf die „uhr allte Brand- und Schützen-Gilde“ in Wilster, nach dem man die Satzungen verbessert und „auf die gesamten Stadts-Gebäude eingerichtet worden“, was der „allgem. Brandordnung für die Herzogtümer“ entsprach.480) Seit 1744 hatte man in Wilster also die Brand-Gilde. Bei Schauungen war darauf zu achten, dass jeder Hausbesitzer das vorgeschriebene „Feuer Zeug, als Eymer, Leiter, Haacken usw.“ vorweisen kann, jedes der Stücke, um Vorzeigen dafür ausgeliehenen Guts zu verhindern, beschriftet mit des Besitzers „Vornahmens Buchstaben und voll ausgeschriebenen Zunahmen“. Zu achten war auf Schornsteine und Herde, „wie und welcher Gestalt man auf allen Plätzen Feuer halte, wie nahe Torf und Holtz dem Feuer oder Schornsteinen seyn und daran liegen.“ Diejenigen, die mehr Feuer als andere benötigten, wie z.B. Brauer, Bäcker u.a.m., sollten „steinerne Erd-Gruben oder kupferne, eiserne oder wenigstens irdene verdeckte Gefässe bey der Hand haben.“ (Art. 4) Gildebeamte werden bei der Schauung mit 1 M. 8 Sch. entlohnt. Verstöße bei Feuerschauung waren dem Magistrat zu melden, der wieder eine Schlüsselstellung einnahm. Wichtig war, dass auch jeder Hausbesitzer der Gilde beitreten musste, dadurch alle Häuser versichert waren (Art. 25). Um Feuer zu verhüten forderte man (so Art. 31) „christlichen wandel“, Umgang mit Licht und Feuer, wobei wieder besonders gedacht wurde der „Brauer, Bandtwein-Brenner, Beckere, Färber, Schmiede, Reepschläger“. Man hatte Aufsicht zu führen über „Frau, Kinder, Hausgenossen, Gesinde, Tagelöhner und Hauerlinge“, aber auch über einquartierte Soldaten. Sie hatten „nicht minder ihre Schornsteine, so sie gewöhnlich gebrauchen, wenigstens zwei mahl im Jahr fegen lassen und ihre übrige Feuer-Röhre öfters von Sott reinigen, die Kohlen und glühende Asche in deren Öfen durch Zumachung derer Thüren, und auf denen feuer-Heerden mittelst eisernen, blechenen oder wenigstens irdenen Feuers-Stülpers, besonders vor Schlaffen-gehen wohl bewahren, hingegen kann Kohle und Asche, es sey denn, dass selbige 3 bis 4 Tage vorher in einen irdenen, eisernen oder blechenen, mit einem Deckel mit gleicher Materie versehenen Gefäße wohl abgekühlet sind – weder zur Aufbewahrung auf dem Boden noch sonsten in den Hof, auf die Gasse oder irgend an gefährliche Örter hinschütten“. So ging es weiter, wobei weder „Torf, Holtz, Buschwerk, Spähne, Flachs, Hanf, Heede, Leinwand, Oehl, Trann, Theer, Pech, Pulver, Schwefel“ als feuergefährlich ausgelassen, noch eine nicht „dichte Leuchte“ oder etwa „eine brennende Tobacks-Pfeiffe“ als gefährlich bei Betreten eines Stalles ausgelassen wurden; ein Beispiel dafür, wie ins Einzelne gehend obrigkeitliche Verordnungen der Zeit zu sein pflegten.

Die Gilde war außer Brandversicherung auch zugleich Kern der Bürger-Feuerwehr.481) Wer Feuer bemerkte (Art. 38) hatte ein „Geschrey“ zu erheben, zu veranlassen das Läuten der „Raths- und Sturm-Glocke“ und die „Rührung der Trommel“ (Art. 39). Darauf eilen „alle Gildemitglieder mit ihren männlichen Domestiquen“ mit Eimer, Leiter, Hacke zum Brandort. Es gab auch schon zwei Feuerspritzen. Der Gildevorstand aber hatte „durch fleißiges Zureden“ dafür Sorge zu tragen, dass fleißig Wasser herangeschafft wurde; dass der Hausrat gerettet wurde und untergebracht wurde, dass (so Art. 42) eventuell Nachbargebäude niedergerissen würden, dass anschließend eine Brandwache eingeteilt wurde, während des Löschens abgesperrt würde. Er hatte (Art. 44) schließlich die Entstehung des Brandes zu untersuchen.

Es folgten die Artikel über Einschätzung des Schadens und der Entschädigung. Diese richtete sich quantenweise nach dem eigenen Beitrag und dem der Gildebrüder. Waren diese gleich hoch oder höher versichert, so zahlten sie entsprechend weniger (Art. 46). Die Einschätzung war Sache von je zwei Zimmer- und Mauerleuten. Gab es eine Feuersbrunst, bei der über 10 Häuser abbrannten, fielen alle Verpflichtungen weg. Daneben blieb die Gilde als Schützen-Brüderschaft bestehen. 1758 tritt beim Gildefest übrigens zum erstenmal der „Fahnenschwenge“ in Erscheinung.

Die Wilstersche Brand- und Schützen-Gilde sollte nicht lange Zeit existieren. Schon 1759 erfolgte eine kgl. Verfügung, nach der die Einrichtung einer „General Brand-Casse“, einer allgemeinen Brandkasse also, angeordnet wurde. Die Bürger sahen in ihr jedoch nur eine Zwangs-Kasse und ließen sich in ihr nur nach extrem niedrigen Einschätzwert versichern. Die Einnahmen waren derart niedrig, dass die Kasse in Wilster so ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnte. Als allgemeine Brandkasse kam die Kasse für sämtliche Schäden in den Herzogtümern auf, stellte diese zusammen, um lokale größere Schäden ausgleichen zu können. Daher war diese Haltung von Wilsters Bürgern nicht tragbar. Daher hob ein kgl. Befehl am 12. Oktober 1764 alle örtlichen Brandgilden auf. Am 25.10.1764 forderte daraufhin der Statthalter alle Hausbesitzer auf, sich binnen 3 Monaten aus diesen „Special-Brand-Gilden“ auszuzeichnen, da niemand doppelt versichert sein dürfe. Diese Umschreibung erfolgte auf dem Rathause zu Wilster daraufhin am 15. – 16. November.482)

Daraufhin wurde die Gilde in eine „Mobilien-Gilde“ umgewandelt, die sich auf Versicherung von Hauseinrichtungen spezialisierte. Die Gilde-Achtleute stellten den entsprechenden Antrag auf Genehmigung durch die Regierung am 28.6. 1765, und der Magistrat hielt ihr gegenüber am 9.8. eine solche „Meublen-Gilde“ für „nützlich und nötig“, woraufhin eine solche auch am 7.4. 1766 ihre Bestätigung fand. Am 15./16.6.1767 feierte man das Gildefest wieder wie üblich. Allerdings waren nunmehr nicht mehr alle Hausbesitzer Mitglied, es war nur mehr die besser gestellte Bürgerschaft.483) Schon am 22.9.1767 gab es eine obrigkeitlich geförderte Konkurrenz-Mobilien-Gilde, die „Vier-Städte-Gilde für Mobilien“, gedacht für die Städte Itzehoe, Krempe, Glückstadt und Wilster. Die Stadt Wilster erhob Einspruch, der aber am 31.12. 1768 abgelehnt wurde durch die Glückstädter Regierung, die beschloss, dass „es bey geschehenen Aufhebung der besonderen Mobilien-Gilde für die Stadt Wilster sein Bewenden habe“. Die Auflösung der Gilde erfolgte sodann am 3.2. 1769.
Jetzt, am 21.7.1769, erfolgte dann die Gründung der noch heute bestehenden Schützen-Gesellschaft ohne öffentliche Aufgabe, sie hatte nurmehr der Pflege der Geselligkeit zu dienen. Gildeschreiber Ploen der Jüngere beginnt das neue Blatt des Gildebuches mit dem Vermerke: „Nachdem die Mobilien-Gilde dieser Stadt sowohl durch die Vier-Städte-Mobilien-Gilde als auch durch einen absonderlichen Bescheid aus dem General-Commerz-Collegio Allerhöchst aufgehoben: so ist dagegen mit eines Hoch- und Wohl Edlen Magistrats Hochgeneigte Approbation unterm 21sten Juli 1769 eine Schützen-Gesellschaft hieselbsten errichtet worden“. Der Gilde-Vorstand hatte ihre Errichtung beantragt „zu Beybehaltung der bürgerlichen Freundschaft und zu näherer Verbindung der bürgerlichen Familien in dieser Stadt“. Und so ist es denn auch geblieben. Ihre Satzungen wurden vom Rate am 21.6. 1769 genehmigt und bestehen, freilich oft abgewandelt, heute noch.484)
Die Schützen-Gesellschaft, die seit 1769 bis zum heutigen Tage existiert, ist in ihrer Organisation als Schützen-Gesellschaft gleichsam in Jahrhunderten gewachsen. „Die Gesellschaft wird von einem Hauptmann, zweenen Geschworenen und zweenen Gevöllmächtigten dirigiret“, die ihr Amt für ein Jahr innehaben von „Haltung der Gesellschaft“ zu nächsten. „Die abgehende Geschworne erwählen zwei neue, und diese einen neuen Hauptmann, welcher dann mit den beiden neuen Geschworenen zwei neue Gevollmächtigte ernennet.“ Dabei muss Wert darauf gelegt werden, dass beide Seiten, die Neue und die Alte, zu gleichen Teilen vertreten sind. Hauptmann ist wechselnd je einer der beiden Seiten. Seit 1839, einem Jahr, in dem es manche Änderungen gab, kamen, auch jährlich zwischen den Seiten wechselnd, noch ein Fähnrich und ein Adjutant hinzu. Dann gab es noch Spontoniers mit über 2 Meter langen Picken (Spontons), Waffen der Infanterie-Offiziere im 18. Jahrhundert, in der Gilde waren sie Begleiter der Fahnen. Sie hießen dann im 20. Jahrhundert „Lanzenträger“. Der Fähnrich trägt die Schwungfahne. Neben ihm gibt es noch zwei Fahnenjunker, die die beiden Gildefahnen tragen. (Art. 1) Ursprünglich (bis 1839) musste man Hausbesitzer in Wilster sein, wenn man ein Amt der Gilde bekleiden sollte. Der Hauptmann hat die „Lade“ der Gilde mit Büchern und Schriften derselben in Verwahrung und führt, soweit die Gesamtgilde nicht beschließt, mit Geschworenen und Gevollmächtigten die Geschäfte (Art. 3). Zur Bestreitung der Kosten hat „ein jeder Interessent dieser Gesellschaft gleich viel beyzutragen“. „Am zweyten Gildetage“ nach Wahl der „neuen Beamten, Offiziere usw.“ „leget der Hauptmann“, so seit 1839, „seine Rechnung wegen Einnahme und Ausgabe vor“, anschließend erfolgt die „Repartition der Beytrags Gelder“ auf die Mitglieder. (Ar. 6) Nach gehaltener Schützen-Gesellschaft“ hat der abgehende Hauptmann mit seinen Beamten „vor dem neuen Hauptmann - - -„ richtige Rechnung abzulegen“, Gelder, Lade usw. zu übergeben. (Seit 1839 soll dieses unmittelbar nach Wahl der neuen Beamten geschehen). (Art. 8) Der „Stadt-Secretaire ist zugleich der Schützen-Schreiber. (Art. 10) Er hat vor allem auch die „Schützen-Rolle“ zu führen. Seit 1839 wurde derselbe „durch Stimmenmehrheit gewählt“. Vollversammlung war die „generale Zusammenkunft aller Interessenten dieser Schützen-Gesellschafft“, die „alle Jahr am Montag nach Mariä Heimsucheung“ (am 2. Juli) stattfand, ein Termin, der in der Folgezeit Änderungen unterworfen war. (Art. 11) Auf ihr werden die „Schützen-Articuln“ verlesen und Bericht bzw. Anträge des Hauptmanns vorgetragen. Vorher läuft seit 1839 ein Zeremoniell ab, wird der Hauptmann und werden die Fahnen abgeholt in feierlicher Form (Art. 12) Die Gilde-Interessenten haben sich nach mittelalterlichem Brauch über das zu Beschließende „in die Acht“ zu begeben, d.h. ohne Beamte unter einem Achtsmann, den der Hauptmann ernannte, zu beraten und zu beschließen. Satzungsänderungen bedurften dabei anschließend einer „Resolution“ des Magistrats (Art.13) Es gab sodann die Gebote, sich „des Lärmens, Schreyens und Fluchens“ zu enthalten, nicht andere mit Bier begießen oder Bier zu verschütten, sich „aller Injurien“ zu enthalten, für den Schaden aufzukommen, den man unvorsichtig oder mit Vorsatz verursachte. Wichtig war der Bier-Ausschank, für den es ins Einzelne gehend Gebote und Verbote gab. Am 2. Schützen-Tage, „sobald der Hauptmann aufgeklofft und bekannt gemacht wie viel ein jeder an Zulage zu bezahlen“, habe jeder sein „Quotam bei de Hauptmanns Tisch unweigerlich einzubringen“. (Art. 23) „Die Schützen-Gesellschaft soll nicht länger als 2 Tage gehalten werden und am ersten Tage des Morgens um 8 Uhr und am 2. Tage des Nachmittags um 1 Uhr den Anfang nehmen und an beiden Tagen des Abends um 10 Uhr sich endigen“ (Art. 24). Ab 1839 blieb „es der Gesellschaft überlassen, wann sie sich nach Hause begeben will. Sich zurückziehende Beamte erhalten eine „Nachmusik“. Als öffentliches Anliegen aus mittelalterlicher Tradition blieb, dass „den Armen im hiesigen Gasthause 1 Mk. lüb.“ ausgeteilt wurde. Die „Ein- und Ausschreibung“, d.h. wer ein- und austreten will, hatte nach Verlesung der Schützen-Artikel zu geschehen. 1924 drückte man sich kürzer und klarer aus: „Wer Mitglied der Bürgergilde werden will, muss sich bis zum Ausmarsch melden“. (Art. 26) Eintreten durfte derjenige, der das Bürgerrecht hatte. Ursprünglich musste man 25 Jahre alt sein und durfte nicht „bey Herrschafften in Diensten stehen“. (Art. 27) Wollte ein Nicht-Bürger Mitglied werden, so musste er ein Mitglied oder doch einen Bürger als Bürgen stellen. Über das Schießen selbst heißt es in Art. 29: „Es bleibt der Schützen-Gesellschaft vorbehalten, entweder nach den Vogel oder nach die Scheibe zu schießen“. Besonderes Eigentum der Gilde wird genannt: „Fahnen, Spontons, Trommeln, Lade, Bücher, der silberne Vogel nebst Kette und das silber Bouquett pp“. Dieses Bouquett war ein zweiter silberner Vogel, der 1796 gestiftet wurde,485) und zwar durch einen Amsterdamer Goldschmied, dessen Vater als Orgelbauer um 10 Uhr „mit Ober- und Unter-Gewehr nebst dem gewesenen König, unter Anführung des p.t. Hauptmanns, der Geschworenen und der Gevollmächtigten“. Beteiligung „wird eines jeden Interessenten freyen Willen überlaßen“, doch wird gewünscht, dass alle Interessenten nach Möglichkeit teilnehmen. Das scheint nicht geklappt zu haben, weshalb 1839 jeder Interessent zum Ausmarsch verpflichtet wurde. Geschossen wurde „nach der Ordnung, wie ihre Namen nach der Haus-Nummer im Register aufgeführt stehen, und zwar von dem jedesmaligen Schützenkönige an“, je zwei Schüsse. (Art. 27 von 1839) „Nach geendigtem Schießen, wenn der neue Schützen-König ermittelt worden, wurde derselbe von dem abgehenden Schützen-Könige mit dem silbernen Ehren-Vogel feyerlich behangen und ihm das silberne Bouquett überliefert, worauf sodann in derselben Ordnung wie beym Ausmarsche, jedoch sodann in der Reihenfolge laut Namen-Verzeichnis von den Nächsten nach dem neuen Schützen-Könige an, wieder nach dem Gildehause herein marschirt“ (Art. 31 ab 1839 Art. 27) Genau wurde auch die Folge der Chargen beim Marsch festgelegt (Art. 32): Scheibenträger, Büchsenschützen, die „Musici“, dann führend der Hauptmann usw. Am Schluss der zweite Gevollmächtigte, und zwar von der Seite, von der der Hauptmann nicht ist. Die beiden Adjutanten sorgen für Ordnung des Zuges. Zur Erlangung der „Königschafft“ ist nötig, „dass der Vogel ganz rein abgeschossen werde und nichts davon an der Stange sitzen bleibe“. (Art. 38) 1839 wurde nach der Scheibe geschossen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde zunächst wieder nach dem Vogel geschossen, 1929 schoss man wieder nach der Scheibe. Auch die Zahl der Schüsse wechselte.486)

Gewichtig für neuen Wohlstand in Wilster war der Handel. Einzugsbereich desselben war der alte, Hamburg, Niederelbegebiet, Küstengewässer in Nord- und Ostsee, vereinzelt auch Übersee. Im Vordergrund standen jedoch Niederelbe und ihre Nebenflüsse. So blieb das Itzehoer „Baumrecht“ ein ständiges Ärgernis. Es war nun im 18. Und heraufziehenden 19. Jahrhundert vor allem Wilster, welches gegen dieses blockierende Recht der Itzehoer Sturm lief. 1732 versuchte der Wilsteraner Bürger und Handelsmann „Monsieur Johann Schrever“, eine Last Hafer nach Kellinghusen zu führen, ohne in Itzehoe dem „Baumherrn“ die Gebühr für Öffnung des Störbaums entrichtet zu haben. Die Itzehoer griffen hart durch, nahmen ihm die Ladung ab, zwangen ihn sogar, den Hafer mit den eigenen Knechten auszuladen und in „ein angewiesenes Gewahrsam“ zu bringen. Wollte er seine Ladung wiedersehen, sollte er 4 Rthlr. Zahlen. Die Stadt Wilster klagte beim Glückstädter Obergericht, wo jedoch der Rechtsstreit „zum äußersten Mißvergnügen der hiesigen Stadt“ entschieden wurde. Wilster verlor den Prozeß und musste die Kosten tragen.487) Aber die Stadt gab nicht auf. 1771 wandte sich Wilster gegen die „verkehrte Anwendung“ des Itzehoer Stapelrechtsprivilegs (Wilster verwahrte eine Copie des Itzehoer Originals als Nr. 1 unter seinem Urkundenbestand, so lästig war der Störbaum). Von einem Haltezwang stehe in der Urkunde nichts. Dieses Verlangen der Itzehoer entbehre jeder Rechtskraft und beweise nur die Anmaßung der Störbaumherren.488) 1807 ersuchten Wilsters Achtmänner die Glückstädter Regierung dann um Aufhebung des Itzehoer Stapelrechtes. Das Obergericht dort lehnte dieses am 25. Mai des Jahres aber ab,489) denn erstens sei die Störbaum- und Stapelgerechtigkeit nicht zu bezweifeln, zweitens sei die Störbaum- und Stapelgerechtigkeit nicht zu bezweifeln, zweitens sei sie altes verbrieftes Recht, drittens müsse die nicht bemittelte Stadt Itzehoe die Störbrücken und Siele du Wehre in Ordnung halten, und viertens gebe es in Wilster mehr Wohlstand als in Itzehoe (!).

Wilster war also wohlhabender als Itzehoe, was gewiss der Wahrheit entsprochen hat, denn Itzehoe vermochte sich von der Zerstörung im Jahre 1657 nicht zu erholen, war eine Stadt im Verfall begriffen.490) Das konnte man von Wilster damals nicht sagen. So konnte diese Stadt auf Veranlassung der Statthalterschaft von 1799 bis 1802 eine einheitliche Pflasterung seiner Straßen durchführen. Sie ließ 822 „Ruten“ weitgehend völlig neu pflastern. Die Kosten wurden allerdings anschließend auf die Bürger verteilt.491) 1775 kaufte sich die Stadt von der Garnisionspflicht frei.492) Diese Belegung mit Militär war eine besonders lästige Angelegenheit, lagen die Soldaten doch in Bürgerquartieren, oft mit Frau und Kind. Viele Händel waren an der Tagesordnung, die Quartierbürger waren nicht beneidenswert in ihrer Aufgabe. Man gab damals vielem eindringlichen Ansuchen der Stadt nach. Wilster hatte dafür jährlich 50, später steigend bis zu 140 Rthler. an andere Städte, wie z.B. Kiel, Schleswig, Segeberg und Ploen, für Linderung von deren Einquartierungslasten aufzubringen. Der Versuch, auch von diesen Lasten frei zu kommen, weil man doch so hohe außerordentliche Steuern aufzubringen hatte, schlugen fehl. Am besten zeigt sich der eingekehrte Wohlstand im damaligen Kirchenneubau, weiter in mehreren prächtigen Bürgerhäusern. Sonnin-Kirche und Neues Rathaus zeugen heute noch von dieser Blütezeit von Stadt und Umland.

Die alte Kirche zu Wilster war schon seit Jahrhunderten im fragwürdigen Zustande. „Die Kirche selbst“, so fasst Ruth-E. Mohrmann den Bauzustand der Kirche zusammen, „ein gotischer Steinbau aus dem 13. Jahrhundert war schon eindreiviertel Jahrhunderte vor ihrem tatsächlichen Abbruch so baufällig, dass der Rat der Stadt 1603 einen Neubau plante. Damals nämlich war „das gewelb in der Kirchen alhie eingefallen“.493) Man hat sich jedoch in der Folgezeit immer wieder beholfen mit Ausbesserungen. So gab es z.B. 1716 und 1727 Turmerneuerungen, 1754 eine neue Kirchenuhr, „dass der Stundenschlag von dem Schlage der Viertel-Uhr wohl zu unterscheiden sei“.494) Die Kirche war nicht nur baufällig, sie war als evangelische Predigtkirche denkbar schlecht geeignet. Der Bausachverständige Kommissar Findorff aus Osterholz bei Bremen schildert in einem Gutachten vom 4.11.1773 den inneren Zustand folgend:495) „So viel hiernächst die Einrichtung dieser Kirche angetrifft, so fehlet es derselben an allen einer Kirche sonst zukommenden Bequemlichkeiten, als Raum, Licht, und Aussicht nach der Kanzel und dem Altare fast durchgängig. Das gantze Hinter Gebäude befaßet außer dem hierin vorhandenen Altare, der Tauffe, und denen Beichtstühlen, mehr nicht als 26 gemeine Stühle, und in solchen noch keine 200 Plätze; in dem Haupt Gebäude aber sind ohngefehr 750 Stuhl Plätze: also unten in der Kirche etwa 950 Stände: auf Priechen überhaupt 167 Stände, und an Klappen und Bänke 230, mithin in allen 1407 Stände vorhanden, womit sich eine Gemeinde, die aus 970 bis 980 Feuerstellen – und man im Durchschlage nur 2 Personen aus jedem Hause annimmt, aus beinahe 2000 Zuhörern bestehet, behelfen muss; und welche bey diesem Gedränge noch die Unbequemlichkeit hat, dass nicht nur das wenige Licht, was durch die süderseits angebrachten, noch ziemlich großen Fenster in die Kirche fällt, denen mehresten an der Nordseite sitzenden Personen theils wegen der Gewölbe Pfeiler, theils aber wegen der diesseits angelegten niedrigen Prieche benommen wird, sondern dass auch nur die Hälfte der vorhandenen Stuhlplätze ein freyes Gesicht nach dem Altar, ein Viertel derselben aber so wenig zur Kanzel als zum Altare eine Aussicht geben. Und überhaupt findet man wol nicht leicht eine Stadt-Kirche von einer gleich schlechten Situation als die hiesige ist.“ Über das Gedränge in der Kirche berichtet auch der Magistrat am 7.3. 1769:496) „---sin temahlen in einer Kirchenbank von 8 Sitzen wol 14 und mehrere Personen Sitze haben wollen, und solche auch nach ihren Briefen haben. – An jedem Sonntag in der Hauptpredigt, wenn nur einigermaßen das Wetter darnach ist, kann man sich davon überzeugen, - - - da nicht allein die Stühle ganz gepreßt voll, sondern auch selbsten die Gänge - - so besetzet sind, dass der Armen-Vorsteher alle Mühe hat, sich mit dem Klingbeutel durch die Menge hindurchzudrängen“, denn die Gemeinde bestehe „ohne die Großfürstl. und Klösterl. Unterthanen, die hier wirklich eingepfarrt sind, und ohne die Adlichen Unterthanen, die theils nach Heiligenstedten, theils nach Beyenfleth gehören, hier aber zur Kirche gehen, - - - wie auch ohne die Kinder, welche unter 12 Jahren sind, wenigstens aus 3300 Personen“. Man verpachtete die Kirchenstühle jählich neu, nach Lage derselben zu unterschiedlichen Preisen,497) es gab viel Ärgernis darüber. So gab es ein „Kirchengericht“, bestehend aus dem Hauptpastor, den beiden Kirchenhauptleuten und dem Schreiber der Stadt. Im Jahre 1704 wurde dieser unwürdige Zustand aber vom Münsterdorfer Konsistorium untersagt.498) „Ein unbändiges Gewühl, ein unordentliches Gedränge und unanständige Zänkereien“ aber blieben natürlich.499) Zu dem Gedränge in der Kirche während der Hauptgottesdienste muss gewissermaßen einschränkend gesagt werden, dass nicht nur Frömmigkeit die Scharen ins Gotteshaus damals trieb, sondern die Pastoren wurden ja auch „für abkündigung der Stadtsachen im gantzen Jahr“ eingesetzt und dafür entlohnt, wie aus den Stadtrechnungen hervorgeht. Weltkirche und geistliche Obrigkeit waren eng miteinander verquickt.500)

Für Lösung auch dieser Probleme, auch weil sonsten erhebliche Maßnahmen zur Herstellung des schadhaften Kirchenbaus erforderlich waren, durch einen Neubau waren, das geht aus allen Unterlagen im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau hervor, der Magistrat, aber auch die Geistlichkeit. So erhielt der berühmte Baumeister Ernst Georg Sonnin aus Hamburg, der 1764 „in anderen Geschäften“ in Wilster war, den Auftrag, ein Gutachten über den baulichen Zustand der Kirche abzugeben. Er kam dem am 14.3.1764 nach.501) Was Sonnin in die Kleinstadt Wilster trieb, was ihn veranlasste, hier als Gutachter und Bauherr tätig zu werden, wissen wir nicht genau. Wir wissen aber, dass es hier reiche Persönlichkeiten gab, die sich hier prachtvolle Bürgerhäuser errichteten. Von manchen glaubt man, ohne die Unterlagen hierfür zu besitzen, dass Sonnin der Erbauer gewesen sei. Die Gegner eines Neubaus, der Wilsteraner Claus Schlüter, Jakob Dibbern aus dem Landrecht und Marten Lafrentz, von der Gemeinde beauftragt, für sie in der Kirchen –Bausache zu handeln, teilen in einer Denkschrift an die Regierung 1768 mit, dass der Hauptpastor Friedrich Christian Kirchhoff (im Amt 1749 – 1785), der in Hamburg das Gymnasium besucht hatte,502) erklärt habe, „dass er einen sehr guten Freund an den Herrn Sonnin in Hamburg habe, der wohl ihm zu Gefallen die Kirche einmal besehen und seine Meinung davon sagen sollte.“503) Eine wesentliche Rolle scheint auch der damalige Archidiakon Valentin Michaelsen, ein gebürtiger Hamburger, mit Ratsfamilien versippt, wohlhabender Eigentümer des späteren Amtsgerichts und jetzigen Gebäudes (1980) des Amtes Wilstermarsch, gespielt zu haben. Von ihm stammt als eine Hauptquelle die Schrift: „Zwo Predigten auf Veranlassung des vorzunehmenden Baues einer neuen Kirche in Wilster, nebst einem historischen Bericht von der alten Kirche zu Wilster“ (Hamburg 1775).

In seinem Gutachten (März 1764) kam Sonnin zu dem Ergebnis: „Dass gantze Gebäude ist keine Verbeßerung von Bestande fähig, und keiner Reparation von großen Kosten werth.“504) Seine Begründung: „Muthmaßlich wegen des nicht hinlänglich gesicherten Grundes - - - haben die Gewölber die Kirchen-Mauern so weit aus einander gedrenget, dass sie auf einer Höhe von 20 Fuß bey nahe einen Fuß --- übergewichen sind.“ „Die meisten Gewölbe haben sich schlangenförmig gekrümmt, fast alle Gurt- und Gratbogen sind von den Schildern und Klappen abgeborsten.“ „Da Dachstuhl und Streben auf den Pfeilern ruhen, haben diese auch noch den Giebel zu tragen, daher neigen sie alle nach Osten. Das Gutachten eines Baumeisters aus Glückstadt, Bardewick, das von diesem erbeten worden war, lautete ähnlich, nämlich „dass eine Haupt-Reparation keinen Statt finde, auch von keinem Nutzen seyn würde, und auch ohne große Kosten nicht würde bestritten werden können.“505)

Die Gegner eines Neubaus und der damit verbundenen hohen Kosten waren jedoch stark. Auf einer Versammlung der Kirchengemeinde am „3. Ostertage“ auf dem Kirchplatz wählte man 24 Gevoll-mächtigte, welche den Landesbaumeister Rosenberg zu Rate zogen, denn „nunmehr wussten sie, dass einige wenige Wilstersche Einwohner, welche respektive gar nichts, oder doch nur gantz wenig dazu concurriren, gar sehr für eine neue Kirche eingenommen wären“.506) Der Bericht Rosenbergs war den Anhängern des alten Kirchenbaus auch genehmer. Er war vom 4. Juli 1765 und riet, den Turm neu zu decken, ihn mit einigen neuen Schwellen und Streben zu versehen, die Risse zu verkeilen. Der Kirche solle ein neues Dach aufgesetzt werden, auch solle ein neuer Giebel aufgeführt werden, dann könne der Bau noch 50 Jahre erhalten werden.507) Sonnin nahm hierzu am 12.11.1765 Stellung, stellte fest: „So wird die Gemeine in fine ein Capital von 50 000 Mk. verlohren haben, und eine neue Kirche bauen“. Die Visitatoren genehmigten Rosenbergs Vorschläge, ließen den Turm (1765) für über 5000 M. entsprechend instand setzen. Bei einer Kirchenerneuerung wurde man sich mit Rosenberg dann aber nicht einig, es sei, so der Bericht der drei neubaufeindlichen Gevollmächtigten der Kirchengemeinde, „bald von denjenigen, die mit einer neuen Kirche ihre Eitelkeit sättigen wollten, bald aber von dem Herrn Rosenberg, der nunmehro mit denenselben einig geworden zu seyn schien, allerlei Schwürigkeiten gemacht worden“.508) Die von der Gemeine eingesetzten 24 Gevollmächtigten erwirkten von den Kirchen-Visitatoren einen Befehl (vom 17.5.1766) an die Kirchenhauptleute, ohne Aufschub mit der Ausbesserung des Kirchenbaus fortzufahren. Das war gegen den Willen, so die drei Vertreter der Gemeine für eine Sanierung des Kirchenaltbaus, „der Herren, die zwar eben nichts zum Kirchenbau geben, aber doch gerne auf unsere Kosten, bey einer neuen Kirche, respective lucriren, oder wie gesagt, mit selbiger ihre Eitelkeit sättigen wollen.“ Rosenberg wurde am 30.9.1766 von der Regierung über die Visitatoren aufgefordert, einen genauen Bericht über die Kosten einer Ausbesserung sowie eines Neubaus zu geben. Am 19.6. 1767 berichtete dieser, dass die 24 Gevollmächtigten der Gemeinde von einem Neubau nichts wissen wollten, ihm vielmehr allerlei Risse und Überschläge zur Ausbesserung der alten Kirche zugesandt hätten, die er alle als unzweckmäßig abgelehnt habe. Er habe beide Vorschläge, einer Instandsetzung und eines Neubaus, ausarbeiten wollen, die Gevollmächtigten hatten von ihm jedoch verlangt, „Riß und Ueberschlag von der alten, aber nicht von der neuen Kirche zu machen“, was er abgelehnt habe (wohl auch, weil er hoffte, der Baumeister eines Neubaus zu werden). Die Kosten für eine Instandsetzung kamen nach seiner Rechnung auf 13 228 Rthlr. 38 Sch., wahrscheinlich würden sich aber „die Kosten merklich vergrößern“. Zudem sei zu vermerken, dass „bey dem allen die Kirche nur klein, und kann kaum die Hälfte von der Gemeine faßen, es ist auch nicht möglich, die Gewölber und Pfeiler herauszunehmen, weil die alten Mauern an den Seiten, wegen des versunkenen Grundes gantz zerquetscht sind, und keine Balcken tragen könne.“ Zudem sei bei schlechtem Baugrund eine „pilotierung“ (Befestigung durch Pfähle) notwendig. Ein Neubau belaufe sich auf 35 091 Rthlr. 20 Sch. mit Turm.509) Die Kirchenvertreter lehnten einen solchen teuren Neubau ab, wollten es bei einer Ausbesserung belassen. Darauf erhielten Rosenberg und Sonnin den Auftrag, über die Zweckmäßigkeit einer solchen Maßnahme Stellung zu nehmen. Beide (Rosenberg am 14.9. und Sonnin am 15. 12. 1767) hielten eine solche Instandsetzung nur für nutzlos fortgeworfenes Geld; niemand könne für einen plötzlichen Einsturz mit eventuellen entsetzlichen Folgen einstehen. Diese beiden Berichte gingen von der Regierung zusammen mit den Vorschlägen Rosenbergs ans Kirchenkollegium mit der Bitte um Stellungnahme.510)

Die Gemeinde musste nun befragt werden, was am 13. Juli 1768 auch geschah. Da man von den 24 Gevollmächtigten, vielmehr den Kosten, die sie verursacht hatten seit 1764, genug hatte, wurden die beiden Achtsmänner, welche das Kirchenkollegium für Durchführung der Verhandlungen benannt hatte, aufgefordert, sich „von der Gemeine keine etwaige Gevollmächtigte geben zu lassen“, sie sollten nur einen Beschluss in der Frage zulassen. Dennoch gab es wieder und nunmehr „drey Gevollmächtigte“, nämlich Claus Schlüter aus Wilster, Jacob Dibbern aus dem Landrecht und aus Sachsenbande, das damals noch nicht zum königlichen Anteil gehörte, Marten Lafrentz. „Und was dieser Sache halber verunkostet, will die Gemeine über nehmen.“ Sie bekamen als Gegner eines Neubaus gleichsam unbegrenzte Vollmacht.511) Sie hatten die beiden Kirchenhauptleute und sämtliche Kirchengeschworene hinter sich, waren auch selber völlig integer. Ploen (der Ältere) als Stadtsekretär und auch 2. Bürgermeister musste zugestehen, dass es sich bei ihnen um „lauter unbescholtene Leute“ handele. „Wer hat ihre blendende Redlichkeit und ihren ehrlichen Namen je in Zweiffell gezogen?“512) Ihr Werk war eine Denkschrift von 64 Folioseiten Umfang. Man könne unmöglich die Gelder für einen Kirchenneubau aufbringen seitens der Gemeinde, das sei nicht möglich wegen Wasserfluten, außerordentlich schwerer Steuern und „fast niemahlen aufhörender Vieh-Seuche.“ Die Kirche sei groß genug, die Platzfrage ließe sich lösen. Magistrat und Pastor Kirchhoff wollten die Hälfte der Kosten für das Kirchspiel zinsbar aufnehmen, „die andere Hälfte aber durch milde Gaben gutherziger Capitalisten, durch Lottereyen, und durch Collecten herbey schaffen“, eine unsichere Angelegenheit. Die Gemeinde sei arm, würde durch Aufnahme einer so großen Summe allen Geschäftsruf verlieren und zahlungsunfähig“. Daher sei die Bitte, der König möge eine Instandsetzung gestatten.513)

Am 7. März 1769 antwortete der Magistrat in einem ebenso umfassenden Aktenstück.514) Dabei gab er ein etwas anderes Bild von der wirtschaftlichen Lage der Marsch. „Wasserfluthen, womit wir in den Jahren 1751 und 1756“, wo es die letzten Deichbrüche gegeben hatte, „ zum Theil heimgesucht worden, sind durch die darauf gefolgten reichlich gesegneten Erndten an allerhand Korn, wo nicht gänzlich, doch gewis größtentheils verschmerzt und wieder ersetzt worden; und die Vieh-Seuche hat - -im hiesigen Kirchspiel nicht allein nachgelassen, sondern gänzlich aufgehört.“ Im Übrigen wiederholten sich die Argumente, die sich aus den Gutachten der Sachverständigen ergaben, dass die Kirche für die Gemeinde unzureichend sei, dass Ausbesserungen weggeworfenes Geld seien.

Die Regierung lehnte das Gesuch der Gevollmächtigten ab. Nun aber griffen die Sachsenbander ein, indem sie sich an ihre Regierung wandten. Sie gehörten ja als einzige im Kirchspiel nicht zum königlichen Anteil des Landes, sondern zu dem von Holstein-Gottorf. Dieser Zweig der Herrscherfamilie musste schon respektiert werden, hatte er doch das Kaisertum zu Rußland inzwischen gewonnen. So nannte man denn auch den Holstein-Gottorfer Anteil des Landes damals den Großfürstlichen. Das Ergebnis dieses Schrittes der Leute aus Sachsenbande war ein neues Gutachten, das des Kommissars Findorff aus Osterholz/Bremen, welches die von Sonnin und den anderen Baumeistern freilich nur bestätigte. Dennoch ruhte nun die gesamte Angelegenheit für einige Jahre. Am 16. November 1773 kam es jedoch zu dem für das Land bedeutungsvollen Austauschvertrag, oder vielmehr wirkte sich dieser aus. Die Holstein-Gottorfer Linie des Herrscherhauses verzichtete (schon am 1. Juni) auf ihren Anteil an den Herzogtümern und erhielt dafür Oldenburg, d.h. seit diesem 16. November unterstanden die Herzogtümer Schleswig und Holstein nur noch einem einzigen Herzog, der zugleich auch König von Dänemark war, die Herzogtümer waren Teil des „Dänischen Gesamtstaates“.515) Gewichtig wurde dieses aber auch für das Kirchen-Neubau-Projekt in Wilster. Die Tage, in denen eine die hohen Kosten scheuende Gemeinde dieses verhindern oder wenigstens hinauszögern konnte, waren nunmehr abgelaufen. Die Glückstädter Regierung sandte nun die Pläne von Rosenberg, denn auch dieser hatte zu seinem Gutachten einen solchen gemacht, und von Findorff zur Begutachtung an das königliche Bauamt in Kopenhagen, wo ein Prof. Harsdorff sie begutachten sollte. Dieser lehnte Findorffs ab, stellte aber neben dem von Rosenberg den eigenen hinzu. Der kgl. Entscheid erfolgte am 17.8.1774. Die Gemeinde sollte einen dieser beiden auswählen, oder, falls sie ihr zu teuer seien, solle sie irgend einen anderen geschickten Baumeister auswählen. Die Gemeinde aber wählte hierfür Ernst Georg Sonnin, dem Erbauer des Hamburger Michels.516) Das geschah, „weil sie sich sämtlich an ihm einen Mann nicht allein von bekannten Einsichten, sondern auch von Oekonomie versprachen“, wie Valentin Michaelsen in seinen „Zwo-Predigten“ schreibt.

Nachdem am 12. Febr. 1775 die letzte Predigt in der alten Kirche stattgefunden hatte, begann man mit dem Abbruch, der bis zum 15. Juni vollendet war. Gottesdienst wurde in der Bauzeit in der heutigen Burger Straße in einem „Interimskirche“ benannten größeren Gebäude abgehalten. Nach einer sorgfältigen Untersuchung des Bodens konnte das Gebäude ohne irgendwelche Rammpfähle aufgeführt werden. Die Hinfälligkeit des Altbaus beruhte keineswegs auf dem Untergrund, wie Sonnin in seinem „Pro Memoria“ vom 8.5.1775 aufzeigte, sondern an unzureichender Fundierung.517) Der Bau dauerte länger als angenommen, erst im Juni 1777 konnte das Richtfest gefeiert werden. Der Bau wurde nicht in west-östlicher Richtung wie gemeinhin sonst, also nicht auf dem Platz schräg errichtet, sondern parallel zum Verlaufe desselben. Der Turm blieb erhalten, obwohl viele „eine kleine Kuppel nach jetzigem Baugeschmack aufgeführet“ wünschten (so Michaelsen). So ragt der schon damals etwas schiefe Turm noch heute 52 Meter hoch empor, ein Wahrzeichen der Stadt. Es erfolgte allerdings eine Erhöhung des Turmes mittels zimmermannsschrauben, von Sonnin umsichtig geleitet. Kanzleirat Michaelsen fürchtete unbegründet, dass ihm der Turm auf sein Herrenhaus am Kirchplatz fiele, obwohl mit der Hebung zugleich auch eine Drehung des Turmes auf dem Mauerwerk vollzogen wurde. Im Sommer 1777 begannen die Innenarbeiten. Am 2. Juli 1780 erfolgte dann die feierliche Einweihung, wurde die „Sonnin-Kirche“ ihrer Bestimmung übergeben.518)

„Wenn ein blauer reiner Himmel über den grünen Marschbreiten liegt“, so schreibt R. Haupt,519) „dann kann die Stadt wunderhübsch aussehen; aus den Ziegeldächern erhebt sich weithin sichtbar das hohe Walmdach der großen Kirche, daneben die unglaublich spitze Turmspitze, die der berühmte Baumeister Sonnin hat in der Luft stehen lassen, und die von ihm nur ein wenig verschoben ist, während er dem Turm darunter neu baute und die Kirche dazu.“ „Man wollte ihn, den Bau, sich 80000 Mark kosten lassen; freilich kostete er, als er 1780 in der Hauptsache fertig war, mehr als das Dreifache. Dafür war er auch groß, ernst und feierlich, von gemessener Schönheit und Würde, von außen betrachtet eins der prächtigsten Gotteshäuser des Landes. Über einem starken Untergeschoss eröffnet sich, mit 29 mächtigen Fenstern, das sehr stattliche Hauptgeschoss nach allen Seiten dem Lichte; der Grundriss ist ein langes Achteck, doch sind die westlichen Schrägseiten konkav eingebogen; zwischen ihnen stößt der Turm an, wie ein nebensächliches Anhängsel, aber die Bürger wollen ihn nicht missen. Denselben einheitlichen ernsten Eindruck wollte man auch im Inneren walten lassen; es ist ein einziger übergroßer Saal mit zahllosen Sitzplätzen, namentlich auch auf den doppelten, ringsherum gezogenen, zum Teil unendlich weiten Emporen. Diese bedrängten den Raum, an Schönheit und Zier ist hier nichts vergeudet, und so wird die Kühle und Trockenheit zur Nüchternheit, zumal da auch Farbe noch fast ganz fehlt. Ganz bescheiden sind selbst die Stuckarbeiten an der Decke, von dem Itzehoer Sötje gefertigt. Doch eine Uhr an dem immerhin stattlichen Altarbau bringt uns überraschende Kunde, dass der Geist der Zierlichkeit und feiner Schönheit eine Stätte suchte und gerne eingedrungen wäre. Den wahren Sonnin erkennt der, der sich in den Dachboden hinauf gezwängt hat und die Verbindung des Holzwerkes staunend besieht.“

„Die Kirche von E.G. Sonnin, 1775 -1780, ist“, so die Kunst-Topographie Schleswig-Holsteins des Landesamtes für Denkmalpflege, „eines der Hauptwerke des protestantischen spätbarocken Kirchenbaus nördlich der Elbe,520) ein Backsteinbau über dem Grundriß eines langgestreckten Achtecks, mit rustiziertem Sockelgeschoss, rustizierten Eckpilasten und großen, die Wandflächen auflösenden Rundbogenfenstern. Darüber ein Walmdach. Betonung der Langseite mitten durch flache Risalidte mit pilasterfflankierten Portalen. Achteckiger Westturm mit spitzem Helm, im Kern vom Vorgängerbau, durch konkav einschwingende Schiffswände mit dem Hauptbau verbunden. Innen: der Raum unter Spiegelgewölbe mit einheitlicher Einrichtung. Im Westen eine tiefe zweigeschossige Hufeisenempore, ihr gegenüber im Osten eine zweigeschossige Logenemporenfront mit Kanzelaltar.“

Entstanden ist eine ausgesprochen evangelische Predigtkirche. Brennpunkt der langegestreckten Ellipse ist die Kanzel; von jedem der gut 2000 Sitzplätze aus ist der Prediger auf der Kanzel zu sehen und auch infolge der ausgezeichneten Schallverhältnisse der Kirche aufs deutlichste zu hören; kein Pfeiler, kein Mauervorsprung, kein Ausbau hindert den Blick oder stört den Klang. Es ist ein großer Versammlungssaal der evangelischen Gemeinde.521)

Und diese Kirche war während des Hauptgottesdienstes erfüllt von der Gemeinde, die gekommen war auch, um die gewichtigen Erlasse und Verfügungen von der Kanzel zu erfahren, aber gewiss nicht nur aus diesem Grunde, auch wenn manche Predigt ermüdend lang sein mochte wie die des Valentin Michaelsen, von der Schumachers scharfe Feder berichtet: „Wenn er auf die Kanzel trat, machte er in einer halben Kreisbewegung eine tiefe Begrüßung der Gemeinde und predigte nun wenigstens 1, oft 1 ½ Stunden mit kräftiger Stimme aber flauem Inhalt, so dass die meisten das Amen für den interessantesten Part der Rede hielten. In der Länge der Rede lag ihm die Feierlichkeit, und an hohen Festtagen predigte er 2 Stunden, am Karfreitag 2 ½, und es war ihm sein Triumph, dann matt und erschöpft in seinen Stuhl zurückzusinken, um sich von der Anstrengung zu erholen.“522)

Die Schulden, welche sich die Gemeinde beim Bau der Kirche aufgeladen hatte, trug man ab, indem man den achtfachen Kirchenschoß einzog, immerhin mit dem Ergebnis, dass sie 1799 schon soweit abgetragen waren, dass man damals zum alten vierfachen Kirchenschoß zurückkehren konnte. Einer der Hauptvorkämpfer für den Neubau der Kirche im Magistrat, der berühmte Stadtsekretär und 2. Bürgermeister Hinrich Peter Ploen (der Ältere), dessen Aufzeichnungen wir so viel an Einblicken in die Verhältnisse der Stadt verdanken, hat die Vollendung des Baus nicht mehr erlebt, er starb 1779. Nachfolger im Amte wurde sein Sohn Johann Gottlob Ploen (der Jüngere) bis zu dessen Tode 1793. Geblieben war ein Schandfleck inmitten der Gemeinde. Das war der „Alte Kirchhof“ rund um die Sonninkirche herum, der seinen Namen noch bis zum Jahre 1859 behalten sollte.523) „Es war wirklich ein Kirchhof, d.h. ein Begräbnisplatz, der auch dann noch zu Beerdigungen namentlich von in Wilster untergebrachten Soldaten und ihren Angehörigen benutzt wurde, als der Neue Kirchhof, der jetzige Stadtpark, schon längst der Gemeinde als Friedhof diente“. Noch 1814 wurde ein Soldat auf diesem Alten Kirchhof unmittelbar neben der Kirche beerdigt.524) „Frische Hügel gestorbener Soldaten oder ihrer Frauen und Kinder reihten sich an alte, gepflegte, aber auch an längst eingesunkene und eingeebnete. Auch ein Brunnen befand sich darauf, den Jürgen Scheel noch 1808 reinigen musste.--- Das Grab gehörte dem Organisten, der es verpachtete. Es kam vor, dass die Pächter Gänse und Schafe, Pferde und Schweine darauf grasen ließen, bis es die Kirchen-Hauptleute untersagten. Unkraut und Buschwerk wucherte an vielen Stellen üppig hervor, so dass der Kirchenknecht beauftragt werden musste, die Nesseln dort abzumähen, wozu Tage nötig waren. So war der Platz in einem Zustande, der unserer Stadt, in deren Mittelpunkt er lag, nicht zur Zierde gereichte.“

Ganz anders der Neue Kirchhof. Der junge Ploen meint von ihm: „Der neue Kirchhoff ist gewis von einem menschenfreundlichen Prälaten angelegt, damit er seinen Untergebenen den Tod versüßte.“ Hier wollte er selber beigesetzt werden, was denn auch 1793 geschehen ist. Gregorius Culemann meint von ihm schon 1728 in seinem Denkmal der Wasserfluten: „Ein schöner Kirchhof, der in Holstein seines gleichen wol nicht haben mag, nicht allein wegen seiner viereckigten Lage, sondern auch insonderheit wegen der guten Erde, in welcher fast nicht ein einziger Stein zu finden, denn auch wegen die um dieselben herum gepflanzten grünenden Linden. Haben also auf demselben die in dem Herrn Entschlafenen eine gute und gleichsam lustige Ruhestätte. Sie ruhen in ihren, obwohl finsteren, doch lustigen Kammern. Es 57,27.“ Schumacher gibt in seinen Genrebildern an, dass er „auf dem umgebenden Rande gepflastert war“.525)

In der Folgezeit änderte sich auch auf dem Alten Kirchhof allmählich eines zum Besseren. Freilich blieb alles zunächst unter „Amt Steinburgischer Jurisdiktion“, und Kirchenhauptleute und Geschworene achteten sorgsam über ihre Rechte. Die beiden Stadtdiener durften hier wohl die Aufsicht führen, hatten jedoch keine rechtliche Handhabe. Wenn also, so Ploen der Ältere, jemand „etwas verbrochen hätte und arretiert werden sollte, wenn er sich dahin retirierte, und wir so sehr bedenklich wären, ihm dahin zu folgen gleichsam Haschemännschen mit uns spielen könnte.“ Immerhin gab es seitens der Kirchenvertreter einiges Entgegenkommen. Nach Fertigstellung der Sonnin-Kirche zog man die Einfriedigung im Süden und Westen etwas ein, wodurch ohne dass sich an den Jurisdiktionsgrenzen etwas änderte, die Straßen rundum breiter wurden. In die Pflasterung, die hier erfolgte, ließ man blaue Steine einfügen zur Kennzeichnung der Grenze. Diese Pflasterung erfolgte durch die Kirche. Als um 1800 die Stadt ihre Straßen völlig neu pflasterte, ersuchte sie die Regierung um Übertragung des gesamten freigewordenen Raumes bis zur neuen Einfriedigung. Die Kirchenvertreter waren gegen kostenlose Hergabe, forderten Ersatz für Pflasterung, auch für den Verlust an Standplätzen beim Markt (Pferdemarkt und Jahrmarkt verlagerten sich mehr und mehr auf den Platz um die Kirche herum), was die Stadt bestritt, da der Markt ein städtisches Recht sei, auch früher hier niemals Markt gewesen sei. Eine kgl. Entscheidung vom 26.8.1802 übereignete dann den Platz bis an die Planken der Stadt, und am 31.3. 1803 wurde der Platz „feierlichst in Besitz genommen“. Als dann die Einfriedigung wieder morsch geworden war, die Kirchenvertretung die Kosten für eine neue scheute, kam es 1815/16 zur Einigung. Die neue Einfriedigung erfolgte unmittelbar um die Kirche herum durch 74 Steine, die mit Ketten verbunden waren. Der Kirchendiener hatte die Ketten während des Gottesdienstes zu schießen. Die endgültige Übertragung des Platzes bis zu dieser neuen Eingrenzung erfolgte am 26.4.1817. Die Kastanien um die Kirche sollen Mitte des 19. Jahrhunderts von Hauptpastor Hansen gepflanzt worden sein. Sie wurden erst 1896 der Stadt überlassen.526) Schließlich sei in diesem Zusammenhange erwähnt, dass 1807 das Hauptpastorat in der heutigen Form im Stil des Klassizismus neu erstanden ist.527)

Auch während der 2. Blütezeit der Stadt ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert hinein hat es hier Familien mit sehr großem Wohlstand gegeben. Der Handel ließ diesen Reichtum verschiedener Familien erstehen. Dabei ließ eine Familienpolitik, ließ eine Kette von Erbfällen das Kapital in einigen wenigen Händen sich kumulieren. Diese Wohlhabenden waren zugleich die Bankiers der Marsch. Die Zinseneinnahmen mehrten ihren Besitz also noch weiterhin. „Gegen Ende des 18. Jahrhunderts - - - ist die Zeit“, schreibt W. Jensen, „in der der Wohlstand der kleinen Stadt vor allem in den führenden Familien ständig zunahm. In ihr wohnten die kapitalkräftigsten Geldgeber der Marsch. Sollte irgendwo ein Kirchenbau aufgeführt oder eine Schleuse erneuert werden, so wurde bei den Michaelsen oder der Doos in Wilster angeklopft und von ihnen eine Anleihe erbeten. Ihnen verdankt die Stadt es mit, dass zu dem Neubau der Kirche der tüchtigste Kirchbaumeister seiner Zeit herangeholt wurde, der dann auch ihnen selbst ein Anstoß wurde, die kostbaren Bürgerhäuser und Gartenanlagen zu schaffen, die uns heute noch als wertvollste Erinnerungen aus jener kunstreichen Zeit grüßen“.528) Die Entwicklung so eines Kaufmanns- und Bankiershauses in geschäftlicher Hinsicht kennen wir leider nicht, dafür gibt es keine Grundlagen im Wilsterschen Archiv. Wir können nur aus etlichen Zufallsfunden aus Akten, gesammelt in ganz anderem Zusammenhang, einiges entnehmen. Auch ist die Stadt Wilster ja der Erbe gerade seiner reichsten Bürger geworden. „Es dürfte kaum eine zweite Stadt in Schleswig-Holstein geben“, meint H. Schulz, „die so häufig zum Erben eines großen Vermögens eingesetzt worden ist, wie die Stadt Wilster. In der Regel handelt es sich dabei um eine aussterbende Familie, die auf diese Weise ihren Namen unvergessen machen wollte“.529) H. Schulz hat in mühevoller Arbeit die verwandtschaftlichen Verbindungen unter diesen führenden Wilsteraner Geschlechtern aufgedeckt, ganze Stammbäume zusammenstellen können.530) Dabei ging es vor allem um die Familien Breide, Sommer, Hövelmeyer, Doose und Michaelsen, denen wir uns zuwenden müssen.

Am Anfang jener Reihe von reichen Bürgern, deren Erbe dann die Stadt Wilster antrat, steht eine junge Frau, die schon mit 28 Jahren den Blattern erlag, Margreta Dorothea Sommer.531 Die Familie Sommer gehörte zu jenen Juristenfamilien, welche sich in Wilster nießerließen und schon bald mit den angesehenen Familien versippt und verschwägert waren. Johann Sommer kam 1656 in die Stadt, heiratete die Tochter des Bürgermeisters Albert Pranger und kam zu Grundvermögen. Sein Sohn war der Justizrat Dr. Johannes Matthias Sommer. Sein Schwiegervater (erster Ehe) war der Dr. Johannes Rehder, Eigentümer eines Grundstückes, das wohl schon immer im Besitze führender Geschlechter der Stadt gewesen zu sein scheint, das schon 1408 als „Borchwurt“ erwähnt wurde im Alten Ratsbuch. Das umfangreiche Grundstück, dessen Erbe nach Dr. Rehders Tod 1678 der Dr. Sommer wurde, schloß sich im Nordwesten am Kirchplatz unmittelbar an das Hauptpastorat an und reichte bis an den Burggraben. Dr. Sommers Tochter aus dieser 1. Ehe, Anna Christ. Heiratete den Vertreter einer anderen angesehenen Wilsterschen Familie, Nikolaus Breide. Dr. Sommer heiratete in 2. Ehe Maria Margareta Hövelmeyer, ebenfalls aus alter ratsfähiger Familie, die gleichfalls die 2. Ehe einging. In erster Ehe war sie mit Joachimus Doose, einem Aktuar, aus Stade, verheiratet, der ebenfalls einer Familie entstammte, die für Wilster schon damals bedeutsam war und es in noch größerem Ausmaße werden sollte. So war die Familie Sommer mit den reichen und führenden Familien der Stadt Pranger, Rehder, Dorn, Hövelmeyer, Doose, Breide, Piening, Stindt und Bojen verwandt.532) Der Sohn aus 2. Ehe und Erbe des wohl 1717 verstorbenen Dr. Sommer ist Dr. Matthias Joachim Sommer, der es bis zum 1. Bürgermeister der Stadt brachte, das Grundstück am Kirchplatz durch Kauf von den anderen Erben erwarb und dieses Anwesen prächtig ausbaute. Da gab es Wohnhaus und Stall, Orangerie und den Garten mit „Poppen“, mit Statuen, drin. Auch erweiterte er den Garten schon über den Burggraben hinaus, über den ein Steg führte. Der Bürgermeister starb 1748, seine Frau folgte ihm 1750 nach, Erbin wurde erst 26 Jahre alt die Tochter Margaretha Dorothea Sommer, Alleinerbin eines Mannes, der als angesehenster und reichster Bürger Wilsters galt. Sie aber starb schon 1752.

Stadtsekretär Ploen schildert den tragischen Tod: „Die Blattern, eine Krankheit, die entweder den Tod nach sich zieht oder die die schönsten Gestalten der angenehmsten Bilder verdirbt, meldeten sich durch unfehlbare Kennzeichen, und es dauerte nicht lange, so hatten sie sich über den ganzen Leib, vorzüglich aber im Gesicht aufs fürchterlichste ausgebreitet. So groß die Hoffnung war, die sich anfänglich zu ihrer Genesung zeigte, so geschwind wurde sie durch einige veränderte Zufälle erstickt. Noebling, der zu seiner Zeit so geschickte und erfahrene Arzt, wandte zwar alle Mittel zu ihrer Hülfe an, die nur eine menschliche Kunst und Vorsicht zu gebrauchen vermögend ist, aber sie waren zu schwach, ein Urteil zu ändern, das im Rat des Allerhöchsten auch Unveränderlichen von Ewigkeit her unterschrieben war. Sie sollte sterben, die so hoffnungsreiche Jungfer, sie sollte ihren Lauf vollenden in der besten Blüte ihrer Jahre, und sie ward auch ein Raub des Todes, da sie kaum das 28. Jahr ihres Alters erreicht hatte. Kurz vor ihrem Ende aber stiftete sie sich hier ein Denkmal, das nie vergehen wird. Neben vielen wohltätigen Stiftungen hat sie der Kirche 20 000 Mark gestiftet.“533) Das hat zum Plan eines Kirchenneubaus nicht unerheblich beigetragen. Haupterbe des Vermögens wurde die Familie Doose, Haus und Garten aber kamen an den Vetter Dr. Martin Breide, von dem es, nach dessen Tode 1756, an Johann Diederich Michaelsen kam. (Außer den 20 000 Mark an die Kirche kamen noch weitere 3000 Mark ans Gasthaus Wilster, ebensoviel an das von Krempe.)

Einen Einschnitt in die segensreiche friedliche Entwicklung bedeutete die Französische Revolution 1789. Kriege erschütterten den Kontinent, in denen die französischen Heere ihre Ideale über den Kontinent verbreiteten, bald wurden Eroberungskriege daraus. Die Persönlichkeit des Generals Bonaparte, späteren Kaisers Napoleon, wurde für gute 2 Jahrzehnte bestimmend für den Kontinent. Hauptgegner, einziger Gegner, den Napoleon nicht zu besiegen vermochte, war Großbritannien, welches vielmehr mehr und mehr die Seeherrschaft zu erringen vermochte. Unversöhnlich standen sich eine englische Seemacht und eine französische hegemoniale Landmacht gegenüber. Diesem Gegensatz hat sich auf die Dauer trotz aller Bemühungen auch der Dänische Gesamtstaat nicht entziehen können. Er versuchte es längere Zeit und zunächst auch mit einigem Erfolg mit einer Neutralitätspolitik. Empfindlich war er als Seemacht vor allem gegenüber den Auseinandersetzungen auf dem Meere. Hier war auch die kleine blühende „Seestadt“ Wilster sehr betroffen. Die Niederlande fielen schon 1795 in die Hände der Franzosen. Für die Briten waren sie damit Feindesland; schlimm für eine seefahrende Nation, wie es die Holländer waren. Etliche Reeder und Schiffer suchten, um weiterhin ungestört ihrem Gewerbe nachgehen zu können, Zuflucht im neutralen dänischen Staatsgebiet, ließen sich hier z.B. in Wilster nieder. Für die Zeit von 1793 bis 1802 stellte Herbert Karting folgendes fest: „Eine erstaunlich große Zahl von Kaufleuten und Reedern hat sich in Wilster niedergelassen, die von hier aus schwunghaften Handel bis weit nach Übersee betrieben.“548)

In der Tat ließen in diesen Jahren Reeder von Wilster aus Schiffe auf große Fahrt gehen wie nie zuvor. Da gab es Nicolai Huus mit seiner „Fraw Catharina“, Henricus Kracht mit der „De Vrouw Margaretha Elisabeth“ auf Bergenroute, Jochim Möller mit „Die Drey Gebrüder“, Kapitän Jacob Früchtenicht, auf London-Fahrt, Claus Huus besaß in „Dirk und Henrich“ ein Schiff mit 26 Commerzlasten, das 1796 eine Reise Tönning-London-Bayonne machte. Die „Vrouw Fokje“ des Holländers Jan van Dam hatte 17,5 Commerzlasten aufzuweisen. Gar 33 Commerzlasten hatte die „Wohlzufrieden“, die Lucas van Steveninck schon 1793 von Wilster aus bereederte; 1796 fuhr sie unter Kapitän Thomas John Thomsen zwischen Riga und Amsterdam. Derselbe Reeder hatte dann noch ab 1796 die „Löwenborg“ (47 Commerzlasten) für die Route Middlesborough-Barcelona und die Brigg „Hoop en Zorg“ (46 Commerzlasten), die auch aus Holland stammte und unter dem norwegischen Kapitän Rasmus Thiemann, der auch „seit einigen Jahren“ in Wilster wohnhaft war, fuhr.

Dieser „Hoop en Zorg“ unterlief nun 1796 ein für Reeder Lucas van Steveninck und seinem Kapitän bitteres Mißgeschick, welches aufzeigte, dass auch Neutralität keine Freiheit der Meere mehr garantierte.549) Das Schiff wurde, obwohl mit den nötigen die Neutralität nachweisenden Papieren versehen, auf der Reise von Amsterdam nach Surinam kurz vor dem Erreichen des Bestimmungshafens von einem britischen Kaper aufgebracht worden und nach der Insel St. Christopher verbracht, wo Schiff und Ladung, die Reeder und Kapitän in Amsterdam „für eigene Rechnung, Vortheil und Risico geladen“, unter Nichtbeachtung der Schiffspapiere durch Urteil vom 22.3. 1797 beschlagnahmt wurden. Der Reeder sollte binnen Jahresfrist nachweisen, dass er dänischer Staatsbürger und Schiff und Ladung sein echtes Eigentum seien. Darum bemühte er sich beim Wilsterschen Magistrat, worauf das im Archiv vorliegende Protokoll zurückzuführen ist. Diesen Nachweis zeitgerecht zu erbringen, dürfte dem Reeder gewiß schwer gefallen sein, womit man im fernen St. Christopher sicherlich rechnete.

Die Überseeschifffahrt nahm nach diesem Zwischenfall beständig ab. Im Jahr 1799 waren noch 4 Schiffe auf großer Fahrt, nämlich „De Frouw Margaretha Elisabeth“ des Henricus Kracht (10 Commerzlasten), „De Vrouw Bore“ (17,5 Commerzlasten) des Eppe Jan van Dam, „De Hoop (18,5 Commerzlasten) des Herman Jans Krayer und schließlich die „Dirk und Henrich“ mit 26 Commerzlasten des Claus Huus. Und 1802 fuhr nur noch „De Frouw Fokje“, die ehemalige „De Vrouw Bore“ des Jan van Dam. Die Stadt stellte Schiffszertigikate aus in lateinischer, englischer und französischer Sprache. Aber die Zeit dänischer Neutralität lief aus. Das Land war kontinental dem Zugriff Frankreichs ausgesetzt, daher erpressbar, daher für die Briten ein potentieller Gegner.

Als die Dänen versuchten, sich mit anderen Staaten zu einem Neutralitätsbund zusammen-zuschließen, griff ein britischer Flottenverband unter Admiral Nelson am 2. April 1801 die dänische Flotte vor Kopenhagen an, von der ein großer Teil zusammengeschossen wurde. Dänemark trat daraufhin aus dem Neutralitätsbund aus. Über diesen Angriff ohne Kriegserklärung war man in Wilster, wo man wusste, dass von nun an eine uneingeschränkte Kontrolle der See durch die Briten folgen werde, hochgradig empört. Es erfolgte ein Aufruf des Magistrates zu einer Geldsammlung für die auf der Reede von Kopenhagen verwundeten Seeleute. Sie ergab den hohen Betrag von 447 Rthlr. 39 Sch. Davon waren allein vom Kanzleirat Doos 300 Rthlr. . Kronprinz Friedrich, der für seinen schwachsinnigen Vater die Regentschaft ausübte, dankte mit einem Handschreiben: „Durch den eingesandten Beitrag zur Pflegung der verwundeten Vaterlands-Verteidiger haben die Bewohner der Stadt Wilster einen neuen Beweis ihrer guten patriotischen Gesinnungen gegeben. Ich kann dem Vergnügen nicht entsagen, Ihnen und allen den edelmütigen Beitragenden hiedurch Meinen Dank dafür zu sagen. Friedrich. Kopenhagen, den 25.sten 1801“.549)

Wie betroffen Wilster durch die Ereignisse in den Gewässern rundum gewesen sein musste, geht daraus hervor, dass Wilster 1804, nach der Hochseeschifffahrtsepisode, immerhin 9 Schiffe von 2-10 Tonnen Last und 29 sog. „Stadtkähne“ für die Au vor allem besaß. Diese Stadtkähne waren etwa „50 Fuß lang, und oben ungefehr 10 und im Bug ungefehr 6 bis 7 Fuß breit“, sie trugen etwa „25 bis 30 000 Pfund“. Die Zahl der Schiffer älter als 16 Jahre betrug 70, die Zahl von deren 1-16 Jahre alten Söhnen 37.

Der dänische Staat begann nun eifrig zu rüsten. Eine Art von allgemeiner Wehrpflicht bestand schon, allerdings nur für die Landbevölkerung. Wilsters Jugend wurde nun bezeichnenderweise für Dienst in der Marine vorgesehen, wurde „enrolliert“. Solche erfasste Jugend durfte nicht auf große Fahrt gehen, dafür waren nur „freie“ Seeleute vorgesehen. 1805 bestand Kriegsgefahr, in Europa war der 3. Koalitionskrieg. Dänemark brachte seine Streitkräfte auf Kriegsfuß, für Wilster aber war die Zeit ohne militärische Einquartierung nun vorbei. „Kein einziges Individuum“ solle von der Einquartierungslast frei sein, so hieß es 1806. 1806/1807 lag das Jütische Infanterie Regiment mit Teilen in der Stadt, 1807 war das „Seeländische Jägerkorps“ in derselben.
Im August 1806 hörte das Römische Reich Deutscher Nationen zu bestehen auf. Am 9. September 1806 wurde darauf das Herzogtum Holstein „als ein in jeder Beziehung völlig ungetrennter Theil“ der dänischen Monarchie angegliedert. Nun wurde das Obergericht in Glückstadt als „Königlich Holsteinisches Obergericht“ zum höchsten Gericht für ganz Holstein gemacht.550)

Im selben Jahre setzte sich der Kaiser Napoleon im Preußischen Kriege in ganz Norddeutschland durch. Eine Neutralität konnte Dänemark nun nicht mehr länger behaupten. Die Briten überfielen am 2. – 7. 9. 1807 die Dänen vor Kopenhagen und nahmen ihnen ihre Flotte weg, worauf Dänemark am 31. 10. Ein Bündnis mit den Franzosen schloss und sich der sogenannten Kontinentalsperre gegen England anschloss, welche besagte, dass der Kontinent Europa für britische Waren gesperrt war. Die Folgen waren gerade für eine Stadt wie Wilster weitreichend. Alle Schiffe sollten zu Hause bleiben, „weil sie sonst ein Raub des Feindes werden würden“.551) Sämtliche ungenutzten Boote mussten an 1 oder 2 Stellen an Land zusammengefasst werden. Alle Transitwaren waren auf englische Herkunft hin zu untersuchen. Zur Abwehr ev. brit. Landungen wurde aus allen Bürgern der Westküstenstädte eine Küstenmiliz gebildet. Ihr Oberbefehlshaber saß in Wilster. Die Briten besetzten schon im September 1807 Helgoland und betrieben von hier aus regen Schmuggel mit ihren hochbegehrten Waren. Vom 7. – 15. Oktober 1808 hatte die Stadt Einquartierung von (verbündeten) Franzosen. Es sollte für die Stadt die einzige bleiben. Auch blieb in den folgenden kriegerischen Zeitläuften das Land von Kampfhandlungen wie bisher verschont. An Aufregung und finanziellen Lasten fehlte es freilich nicht. Der „hiesige Kirchthurm“ wurde ab 1809 „mit zwey Wächtern Tag und Nacht“ besetzt, bei Gefahr eines Überfalls sollten die Kirchenglocken läuten. So blieb es bis 1812, wo dem Kaiser Napoleon in Rußland das Kriegsglück verließ. Der versuchte Frontwechsel missglückte dem dänischen Staat. Nach der Völkerschlacht von Leipzig (Okt. 1813) wurde zudem immer klarer, dass der dänische Gesamtstaat nicht ungeschoren aus dem Kriege hervorgehen würde, zudem näherten sich unter dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte nunmehr die Invasionstruppen (Schweden, Russen und Deutsche).

Während der eine Teil die dänische Hauptmacht auf Rendsburg zurückdrängte, wandte sich ein anderer Truppenverband der Festung Glückstadt zu, die zu Lande und zur See eingeschlossen und nach einer Bombardierung zur Kapitulation gezwungen wurde, nämlich am 5. Januar 1814.552) Es war das letzte Mal, dass so die Elbmarschen zum Kriegsschauplatz wurden, dass auch Wilster noch einmal in dieselben einbezogen wurde. Am 14. Dezember 1813 besetzten Kosaken die Stadt, ließen die Bürger ihre Waffen abgeben und holten sich, was sie in der Kürze der Zeit erlangen konnten. Sie zogen noch am selben Tage weiter.553) Requirierung auf Requirierung folgten einander in der Folgezeit: „Größte Schnelligkeit bey Ausführung rettet vor der Selbstgewalt“ oder die Auflage sei zu erstellen „ohne den mindesten Aufenthalt“ oder sie sei zu leisten „bey militärischer Exekution“, so heißt es immer erneut. So sind zu liefern am 20. Dezember: 1000 Pfund Reis, 2000 Pfund Käse, 1000 Pfund Butter, 50 Tonnen Gerstengrütze, 50 Tonnen Graupen, 500 Pfund Licht, 50 Tonnen Salz, 10 Oxhöft Essig, 50 Tonnen Weizenmehl, 2 Oxhöft roten und 2 Oxhöft weißen Wein. Und weiter als Zusatzforderung: 30 000 Pfund Schwarzbrot, 1000 Pfund Rauch-Tabak, 3 Anker Rum, 6 Anker Madeira-Wein, 25 Tonnen gelbe Koch-Erbsen, 2 Tonnen Salzhering, 50 Tonnen gutes Bier“. Dabei requirierten alle Truppenteile für sich und in Konkurrenz zu einander. Da war der russische General Woranzew, der Wilster zu seinem „Distrikt“ zählte, dann forderte auch der ebenfalls russische General Wllmoden, der sich unter anderem des Amtmannes Ahlefeld-Dehn bediente, dann gab es Schweden, ein deutsches Husarenregiment aus Hohenwestedt forderte dazwischen 75 Tonnen guten Hafer zu liefern „bey militärischer Exekution“, natürlich einschließlich der dazu benötigten Fuhren. Die geplagte Stadt übertrug das ganze Requisitionswesen vier Bürgern unter einem fünften als Rechnungsführer, weil man offenbar Rat und Achtmännern, die sie als überalterte Dummköpfe bezeichneten, nicht traute. Flehentliche Bitten, die Forderungen in dem Leistungsvermögen der Stadt gemäßen Grenzen zu halten fruchteten wenig. Man bat auch um Klarheit, wem man zu liefern habe. So ersuchte man, man möge schriftlich festsetzen, dass man nur an eine bestimmte Stelle liefern solle. „Allein“, so erläuterten Wilsters Vertreter am 22. Dezember,“ von allen Seiten werden wir durch Requisitionen gedrückt, bald fordert der eine, bald der andere, jeder will in Wilster haben, und jeder will Wilster zu seinem Distrikt ziehen. „Zuletzt setzte Bernadotte, Kronprinz von Schweden und Befehlshaber der alliierten Nord-Armee für das eroberte Holstein eine „provisorische Verwaltungs-Commission“ ein, der ein Verzeichnis aller für Heereslieferungen verwendbarer Sachen vorzulegen war. Diese Liste wurde erstellt, und so erfährt man denn, dass Wilster hatte damals: 59 Ochsen und Kühe, die keine Milch geben, Gewicht 27 450 Pfund; 79 Milch gebende Kühe, Gewicht 37 750 Pfund; 30 Schweine mit zu. 2450 Pfund; 34 Pferde (ein Zeichen dafür, wie gering Landfuhren für die Stadt waren) und 14 Wagen. Dann kam das Getreide: 264 Tonnen gedroschenen Weizen, 45 Tonnen Roggen, 180 Tonnen Gerste, 12 Tonnen Buchweizen, 775 Tonnen Hafer, dazu noch 12 360 Pfund Heu, 4600 Pfund Stroh. In einer zweiten Liste geht es weiter: 4 ½ Tonnen Wein bei den beiden Weinhändlern der Stadt, Kornbranntwein 11 Tonnen (43 ½ Tonnen waren schon geliefert worden). Und so geht es weiter über Erbsen, Bohnen, Kartoffeln, Grütze und Graupen, Leder und Häute, fertige Stiefel, Tuch, aufgeteilt in grobe Leinwand zu Säcken, zu Hemden, fertige Hufeisen, Stangen Eisen, Steinkohlen, die hier seit Jahren gar nicht vorhanden gewesen, Holzkohlen, Torfkohlen, Föhren-Balken und Bretter. Zu allem gibt die Stadt interessante, für die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Stadt bezeichnende Aufgaben. Bis zum Jahresbeginn hatte Wilster Lieferungen für einen Wert von 8685 ½ Rthlr. Aufzubringen, vorher noch für die Dänen, zusammen 10 212 rthlr. Jetzt hatte es Anfang des neuen Jahres weitere 1600 Rthlr. Aufzubringen, schaffte jedoch nur noch 1000 Rthler. Weitere Gelder behielt man zurück, damit die Handwerker sofort ihr Geld erhielten. Die Kanzleirätin Doose brachte allein 1800 Rhthler. auf. Am 14.1. 1814 wurde in Kiel dann der Frieden geschlossen. Dänemark verlor Norwegen an die Schweden, erhielt (auf Umwegen schließlich) dafür das kleine Herzogtum Lauenburg. Dänemark war nun kein Feind mehr, war nun Verbündeter der Alliierten, welche im Lande verblieben, da die Franzosen Hamburg, das besonders harte Tage durchmachen musste damals, als Festung zähe und rücksichtslos verteidigten. Am 26. Januar 1814 rückte ein sibirisches Ulanen-Rgt. In die Stadt ein, ein „verwildertes, völlig verlaustes Corps“. „Es finden militärische Requisitionen aller Art statt und unter Bedrohung von Exekutionen durch Uhlanen“, dazu gäbe es „Unordnungen allerley Art, Plünderungen und Nothzucht sind unzählige ……“, so eine Beschwerde vom 27. Januar. Am 29. Januar kam endlich ein dänisches Kommando hinzu, es wurde kaum besser. Die Große Stadtschule war Stall, Michaelsens Haus Wachstube, Lazarett und Schneiderstube. Am 6. Februar rückten die Russen ab. Jetzt waren 8000 Rthlr für die Belagerer von Hamburg aufzubringen, die man sich leihen musste. Für die Schuld stellten 15 Bürger einen länger laufenden Wechsel aus, Sicherheit für die Stadt gab Kanzleirätin Doose. Es gab bitteren Streit zwischen Rat, der andere Lösungsvorschläge gemacht hatte, und Bürgerschaft. Im Juli 1814 wurden dann „die Kantonementsquartiere der Kaiserlich Russischen Armee von Pohlen, unter Oberbefehl von General Graf Benningsen auf Wilster ausgedehnt wurden. Von Aug. bis Dez. 1814 lag dann das Orenburgische Ulanen Regiment mit 800 Mann in der stadt einquartiert. Ihr General Dujaskow wohnte bei Frau Kanzleirat Doose. Das Michaelsensche Wohnhaus wurde Lazarett. Es herrschte diesmal recht gute Ordnung. Das dänische Verbindungskommando unter einem Leutnant von Hansen war seiner Sache gut gewachsen. Damit war dann endlich das Ende der Besatzungszeit gekommen und am 9. Januar 1815 konnte sich der Rat bei Leutnant von Hansen „wegen seines ausgezeichneten, thätigen und jederzeit das Beste der Bequartirten und der Commune sorgfältig berücksichtigenden Benehmens“ bedanken.

Zurück blieben die hohen Ausgaben. Hierüber stellte die Stadt Wilster am 15. Oktober 1815 an die Deutsche Kanzlei in Kopenhagen einen Bericht auf, er war gegeben „über die wirtschaftliche Lage der Stadt nach dem großen Kriege.“ Kapitalforderungen der Stadt betrugen Ende 1812 433 Rthlr. 16 Sch.. Wegen der vom dänischen Staat ausgeschriebenen erzwungenen Anleihen wuchsen die Kapitalforderungen auf 11 317 Rthlr. 40 ¼ Sch. an. Die Summe sämtlicher Kapitalschulden betrug Ende 1812 10 216 Rthlr. 32 Sch. .1813 jedoch wuchsen die Schulden „durch die Zeitumstände“. Es „beträgt also“, es wird im Einzelnen belegt, wann und wieviel die Stadt schuldig bleiben musste, die Summe sämtlicher Schulden der Stadt bis jetzt 38 015 Rthlr. 34 ¾ Sch.. Guthaben hatte die Stadt durch Einnahmen aus Gebäuden, Häusergeldern usw. aus einer vermieteten Wohnung im Rathaus, in einer Wohnbude, im Wachthaus, dann aus den Böden „in dem im 4. Quartier Nr. 62 befindlichen Gebäude“, aus der Mädchen- und Vorbereitungsschule. Aber „von dem jetzt an die Stadt abgetretenen Hause des weiland H. Etatsrat Michaelsen hat die Stadt für jetzt noch keine Einnahme“. Dann gab es Landgebiet, das verpachtet war, zusammen 11 Morgen Landes (etwa 11 Hektar), dazu kam das Stadtmoor mit 50 Morgen Fläche. Die Stadt besitzt noch ein Stück Landes „am Ende zur Seite des zur Stadt führenden Steindamms“, weiter den Rosengarten als „Säge- und Zimmerplatz“, schließlich einen Gerber-Platz im Landrecht. „Das jetzt an die Stadt abgetretene Land des weiland Hr. Etatsrath Michelsen beträgt circa 1 ½ Morgen, der gleichfalls abgetretene Michelsensche Garten mag ungefähr ½ Morgen enthalten.“ Insgesamt betrugen „also jetzt die jährlichen Hauergelder 1034 Rthlr. 24 Sch.“ Eine große Beschwerde verschiedener Bürger gegen den Magistrat, besonders gegen „den Stadtsekretär“ Polemann, führte zu einer Untersuchung durch das Glückstädter Obergericht 1816. In dem 1818 gefällten Urteil stand der Magistrat im Allgemeinen völlig gerechtfertigt da, nur tiefgreifende Verstimmung und 172 Rthlr. Kosten waren die Folgen.“554)

„Die äußeren Schicksale Schleswig-Holsteins wurden nach einer langen Friedensperiode auch in der Zeit von 1625 bis 1721 durch die damaligen Weltereignisse bestimmt: durch den Dreißigjährigen Krieg, die kriegerischen Unternehmungen des Schwedenkönigs Karl X. Gustav, die Raubkriege Ludwigs XIV. und den Nordischen Krieg.“289) Dabei kämpfte der dänische Staat, mit dem die Herzogtümer durch Personalunion verbunden waren, oft sehr unglücklich gegen den jeweiligen Feind. Mochte es sich auch zur See behaupten, zu Lande kam es immer wieder zu Invasionen und zwar dort, wo Landheere eindringen konnten, das waren die beiden deutschen Herzogtümer. Hier war wieder ein Schwerpunkt königlicher Macht das Gebiet der Elbmarschen. Hier wurde immer wieder nachhaltiger Widerstand versucht, was den Feind ebenso häufig hierher gebracht hat. So litten die Elbmarschen besonders unter den Bedrückungen der Kampfhandlungen.

 Herrscher war zu Beginn dieser Epoche eine starke Persönlichkeit, König Christian IV. (1588 – 1648), der gewillt war, einmal (gegen die Schweden) eine Vormachtstellung zur See, das „Dominium maris Baltici“, zu gewinnen, andererseits erstrebte er eine starke Stellung in seinen deutschen Landen an. Er wollte Hamburg gewinnen, wollte seine Macht auch auf die Südseite der Niederelbe ausdehnen. Die Gebiete der Elbmarschen bildeten gegen Hamburg und zur Gewinnung des Südufers die Machtbasis. 1598 wurde zunächst die Festung Krempe verstärkt. Sodann folgte der Entschluss, direkt an der Elbe eine Stadt zu gründen. Glückstadt sollte die Gründung heißen und die Fortuna auf der Weltkugel ihr Wappen und ihre Devise sein. Nach Eindeichung der Wildnis 1615 folgte der Bau der Stadt, den Gründungsbrief stellte der König schon im Jahre 1617 aus. Eine starke Festung erwuchs hier. Zugleich fasste der König auch am jenseitigen Ufer Fuß, sein Sohn wurde hier Fürstbischof, er selber Führer des niedersächsischen Kreises. Das aber zog ihn in den großen Religionskrieg hinein, der in Deutschand seit 1618 tobte und nun immer mehr auch Norddeutschland einbezog. Schon 1623 begannen die Kriegssteuern. Wilster musste im Juni für jeden ihrer (fiktiven) 66 ½ „Pflüge“ (seine Wirtschaftskraft wurde mit über 66 Großbauernhöfen steuerlich gleichgesetzt) 1 Reichstaler (Rthlr.) zahlen, dazu je tausend rthlr. „zinssbahren geltess“ auch 1 Rthlr.. Im Dez. desselben Jahres folgte die nächste Kriegssteuer, diesmal 2 Rthlr. Je Pflug. 1625 kam die 3. Steuer, diesmal waren 6 Rthlr., denen in der 2. Hälfte 1626 4 Rthlr. Je Pflug folgen sollten. So sollte es weitergehen. Damit wurden Truppen angeworben, die sich in Dithmarschen und den Elbmarschen versammelten. Von diesem Heereshaufen, gekennzeichnet durch eine geringe Disziplin, lagen auch 2 Kompanien in Wilster im Quartier.290)

Am 25. August 1626 erlitt dieses Heer bei Lutter am Barenberge eine schwere Niederlage und strömte nach Holstein zurück, wo es noch einmal wie im Feindeslande hauste, ehe der Feind selber im Sommer 1627 erschien. Markanteste Persönlichkeit bei ihnen war der kaiserliche Generalissimus Wallenstein, so spricht man von dieser ersten Feindinvasion als vom „Kaiserlichen Kriege“ (1627-1629).

Der König befahl für Wilster, dass „unsere Einwohner und Bürger, Man bei Man, aufgebotten worden, die sich dan auch zum Vortzueg und defension unßeres Vatterlandes gehorsamlich dahergestellet“. Der Rest „aus alten Mennern, frawen, Kindern und anderen im felde untauglichen partheien“ sollten für ihre Unterhaltung sorgen. Man bot dafür zu stellen einen Mann pro Pflug, und zwar einen solchen, „an welchen Uns in der contribution am wenigsten abgehen, im feld aber mit denen selben der Companie gedienett sein müege“. Bevor der König antworten konnte und angeordnete Schanzen erstellt sein konnten, war der Feind schon da, die Kaiserlichen besetzten ohne Schwertstreich unter ihrem Oberst Francke die Stadt (Sept. 1627).

Zwei wilde Jahre begannen nun. „Wallensteins Lager“ in Wilster. Die Kirchenbücher spiegeln die Lage wider. Die Soldateska und ihr Tross kam aus allen Landen weithin, und sie waren die Herren. „Ein wildes, lockeres Leben riss in Wilster ein; viele leichtfertige Heiraten zwischen Soldaten und fremden wie wilstrischen Mädchen und Witwen wurden geschlossen, von denen die Kirchenbücher berichten. „Ilsske Sommer“, eine Witwe, heiratete den Kutscher des kaiserlichen Obersten Altringer, eine andere, eine „malitiosa dertrix“ verließ ihren Mann böswillig und „ist mit thwen Soldaten dar von gelopen“. Silke Wilstermann heiratete 1628 einen kaiserlichen Profoß und wurde von ihm sitzengelassen, durfte dann 1634 wieder heiraten, aber auch dieser „ist ock van er gelopen“, der „Dehner“ des Obersten Francke heiratete seine „gewesene concubine Regina“, worauf gleich ihr gemeinsames Kind getauft wurde.291)

Die verbliebene Einwohnerschaft musste sich mit dem Kriegsvolk so oder so arrangieren, während rundum der Krieg weiterging, das Schloss Breitenburg erstürmt wurde (noch Sept. 1627), die Festung Krempe nach langer Belagerung zur Übergabe gezwungen wurde (14.11.1648), die Festung Glückstadt aber (auch Nov. 1628) durch die „Allerheiligenflut“, welche die Kaiserlichen zum Absetzen auf die Geest zwang, gerettet wurde.292) Die Oberschicht, der gesamte Rat und alles, was Mittel und Möglichkeit dazu hatte, hatte sich noch vor der Besetzung der Stadt in Sicherheit gebracht. Viele gingen nach Hamburg, das sich wenige Jahre vor dem großen Sturme in eine unbezwingliche Festung verwandelt hatte und so ungeschoren den ganzen Krieg überstand, andere, vor allem der Rat, begaben sich in die Festung Glückstadt und überstanden dort. Wieder andere trieb es bis Ostfriesland.293) Einige starben in der Fremde, andere verloren dort dennoch viel von ihrer Habe. Doch viele überstanden so die Notjahre sehr viel behaglicher als die Zurückgebliebenen, die „von dem Kriegsvolcke geplundert“ wurden, die die Kontributionen aufzubringen und die Einquartierung zu erdulden hatten in dieser Zeit.

Die Wilsteraner waren den Kaiserlichen ausgeliefert ohne eine eigene Repräsentation, die für sie hätte sprechen können, da der Rat sich abgesetzt hatte. So schritt die „gantze burgerschaft, so domahln verhanden“ zur Eigenhilfe. Das Ergebnis waren die „erwehlten acht bürger“. Freilich: „Die Notwendigkeit, dem im Herbst 1627 einsetzenden militärischen Stadtregiment des Obersten Franck ein bürgerschaftliches Vertretungs- und Verwaltungsorgan entgegenzusetzen, welches das „ratlose“ Wilster ja nicht mehr besaß, wurde nicht von der in der Stadt verbliebenen Bürgerschaft erkannt und in die Tat umgesetzt, sondern von der Obrigkeit. Ein Befehlsschreiben des Amtmanns zu Steinburg im Namen des Königs294) forderte die Bürgerschaft Wilsters auf, einen Bürgerschaftsausschuss von Acht Bürgern zu erwählen.“295) Diese sind ihres Handelns wegen später schwer angegriffen worden. „Die veränderte Herrschaftslage innerhalb der Stadt aufgrund der feindlichen Besatzung erforderte geschicktes Taktieren, ohne zu paktieren, was nicht immer gelang“.296) Das Offizierskorps wollte geschmiert werden, wenn es die Bürger vor Drangsalierungen ihrer Söldner schützen sollte. Generalmajor Mortagini ließ sich beschenken zum Beispiel mit 1500 Reichstalern und 6 guten Kutschpferden, „gele pferde vor de Rostwagen“.297) Vor allem warf man den Acht Bürgern nach Rückkehr des Rates in die Stadt vor, sie hätten sich an königlichen Geldern vergriffen, hätten dem Stadtdiener die Schlüssel zum Rathaus abgenommen, dort „die groeße Kaste“ durch einen Schmied aufbrechen lassen und die 1000 Reichstaler „zu ablegung der statt noturfft und beschwerdend“, aber auch, um sich selber den Besatzern gegenüber besser stellen zu können, zum Beispiel für Handgelder an die kaiserlichen Offiziere, verwandt.298) Der Rat verurteilte die Acht Bürger zur Erstattung der Summe, sie könnten jedoch die damals in Wilster befindlichen Bürger regresspflichtig machen, da diese diese Geldaufnahme durch eine „Acht“ gebilligt habe. Für die weitere Entwicklung der Stadt blieb wichtig, dass die „unter den außergewöhnlichen Bedingungen des Krieges zustandegekommene Institution der `Achtbürger` trotz dieses diskreditierenden Amtsmissbrauchs weiterlebte. Quartiersleute erscheinen in der Folgezeit nicht mehr. Ihre Aufgaben der Einquartierung und bürgerschaftlichen Kontrolle übernahmen nun die vereidigten Achtbürger“.299)

Noch bevor der Krieg zuende ging, glückte dem Stadtkommandanten von Glückstadt, Marquard Rantzau, ein Ausfall, durch den er im Mai 1629 Wilster durch einen Handstreich befreien konnte. Der kaiserliche Stadtkommandant fiel zu Tode verwundet in seine Hand. Bald darauf wurde zu Lübeck am 22. Mai Friede geschlossen. „Allhie ist der friid geschlossen“, meinte König Christian IV., „also dass ich nicht zu klagen habe“. Er erhielt alle seine Lande zurück, auch die südelbischen, hatte sich nur in Zukunft nicht mehr in die Auseinandersetzungen „Des Heiligen Römischen Reiches“ einzumischen. Der kaiserliche Krieg hatte die Elbmarschen und ihre Städte, von ihnen besonders Krempe, schwer getroffen. Auch die Wilstermarsch hatte sehr zu leiden gehabt. „Trotzdem ist die Wilstermarsch im kaiserlichen Krieg noch einigermaßen glimpflich davongekommen. In den Jahren danach erfolgte sogar ein neuer Aufstieg. Die Kornpreise stiegen auf eine bisher nicht gekannte Höhe, und auch die Handwerker hatten gute Tage“, so fasst Pastor W. Jensen zusammen.300) „Die Folgeerscheinungen des kaiserlichen Krieges“, schreibt Ruth-E. Mohrmann, „waren in Wilster wie in anderen holsteinischen Städten auch eine weit um sich greifende Verarmung, von der sich eine Anzahl ehemals reicher Familien nicht wieder erholte. Dass die Stadt insgesamt dennoch die Verluste schnell wieder aufzuholen vermochte, zeigt der nächste für Wilster wohl verhängnisvollere Krieg“, besser die gewaltigen Geldbeträge, die dann aus der Stadt herausgepresst werden konnten,301) die allerdings möglich gewesen seien infolge „der allgemeinen wirtschaftlichen Blüte in Schleswig-Holstein in den Friedensjahren 1629 – 43“.

Im Jahre 1631 verschwanden in Wilster die Stadttore; nicht etwwa schon im 16. Jahrhundert, wie Jensen meinte.302) Der Landschreiber, nicht also der Rat, ließ zwei der Tore innerhalb von zwei Tagen abreißen, was gewiss nicht für besondere Bedeutsamkeit derselben spricht, und ließ die Holzbauten zu „planckensühlen“ zurecht hauen für die Einfriedung von seinem Anwesen. Von den beiden anderen, dem Biscopper Tor (hier „Krumbteicher thoer“ genannt, auch einfach „thuer in der Achterstrassen“) und dem Neßtor in der Deichstraße, wird der Abbruch nicht vermerkt, aber auch von ihnen hört man in der Folgezeit nichts mehr. Erhalten ist von dem ganzen Vorgang nur ein Verhör der Zimmerleute, die diese Arbeit vollbrachten.303) Von großer Bedeutung waren die Tore also kaum mehr, als sie abgebrochen wurden.

Im Jahre 1640 erstand dann oder wurde fertiggestellt der sogenannte „Steindamm“, die Allwetterstraße von Wilster zur Geest.304) Bis dahin gab es nur einen Sandweg, den die Kirchspiele zu unterhalten hatten. Am 26. Februar 1530 erließ König Friedrich I. z.B. wegen drückender Deichlasten den 3 Kirchspielen Beidenfleth, Wevelsfleth und Brokdorf die Instandhaltung und Renovierung des Landweges nach der „Oldenburg“, zum Geestrand dort, wo die alte Esesfeldburg sich in Resten offensichtlich immer noch befand auf dem Geestrand.305) „1640 ist der Anfang des Steindammes gemacht und von der Wilster (die Ausfallstraße dort heißt heute noch so) und der Wilstermarsch bis zum Ende des Honigflethes im Stand gebracht“.306) Stadt und Land waren je zur Hälfte unterhaltspflichtig, dazu war der Damm in Schläge aufgeteilt. Er führte, etwa der heutigen Bundesstraße entsprechend, bis an die Bekau. Auf einem der Stadt gehörigen Grund dort war eine Büchsenschneiderkate, die, von der Stadt verpachtet, zur Gaststätte wurde, welche später „unsinnigerweise Büchsenkathe“ benannt wurde (heute ist das Gebäude an der Abzweigung der Straße nach Krummendiek – Hochdonn abgerissen worden. (Es steht dort eine Station für Rettungsfahrzeuge) Die Pflasterung des Steindammes war im Jahre 1656 abgeschlossen.307) Über die Bekau führte der Weg weiter beim Gut Beke (für die Brückenbenutzung konnte das Gut ein Brückengeld nehmen). Über den „Wichelweg“ (also etwas weiter nördlich als heute, auf den Kartenblättern noch als solcher vermerkt) gelangte man schließlich auf die Geest.

Seit dem Kriege hatte auch Wilster die Last der Einquartierung königlicher Söldner zu tragen gehabt. Marquard Rantzaus Leibkompanie wird ständige Besatzung in der Stadt, die sie zusammen mit der Marsch zu unterhalten hatte.308) Ab 1636 folgten wiederum Auflage auf Auflage, sorgsam zusammengestellt vom rat der Stadt und endlich am 15. März 1651 der Regierung vorgelegt, „was in dem allgemeinen Holstein Land undt Lagekasten von Anno 1636 decurtieret sei“. Es herrschte ein anderer Geist. Der König betrieb eine ehrgeizige Politik und man lebte in einer turbulenten Zeit. Ernsthaften Widerstand der Stände gab es immer weniger; gab es ihn doch einmal, so lautete die Antwort des selbstbewussten Königs, dass „der Landesherr allein Gesetze gebe, der Unterthan aber den Gesetzen Gehorsam leisten müsse“.309)

Noch immer nicht hatte man auf Landesaufgebote Verzicht geleistet, obwohl diese im kaiserlichen Kriege ziemlich kläglich versagt hatten. Am 7. April 1638 forderte Amtmann Detlev Rantzau, man solle „alle und ledtwede in euer statt bottmäßigkeit vorhandene manschafft, so zwischen 16 (?) Jahre und 50 Jahren alt, undt Waffen tragen können, ohne Unterscheidt, Herren undt Knechte, meister und gesellen, Väter und Söhne, vorbeischeiden, wieviel derselben vorhanden richtig verzeichnen, und solche Verzeichnisse – meinem Amtsschreiber – einschicken.“ Aus ihnen soll “unter eine Companie mit gewehr und waffen“ unter einem „Statt Capitän“ gebildet werden. „Haben euch hiernach zu richten. Gott empfohlen.“310) Damit man die Marschen in Zukunft wirkungsvoller verteidigen könnte, wurden Schanzen angelegt: die „Kreuzschanze an der Mündung der Bekau in die Stör hatte den Steindamm zu sperren; eine zweite lag dort, wo dieser die Bekau überschritt; damit der Feind nicht von hinten hereinkam, gab es noch eine dritte am Holstengraben. Sonst schützten ja noch immer die Hochmoore.

Zunächst zwang der König den Hamburgern 1530 (1630?) einen Elbzoll auf, nachdem er sie auf dem Strome in einer Seeschlacht zurückgeworfen hatte.311) 1634 wurde des Königs Sohn Friedrich Fürsterzbischof von Bremen, so dass beide Ufer der unteren Elbe in dänischen Besitz kamen.312) Das waren gute Aussichten auch für Wilsters Handel, zumal 1640 auch die Herrschaft Pinneberg erworben wurde, die gesamten Elbmaschen nunmehr in der Hand des Landesherrn waren. Aber es kam ganz anders, denn im Oktober 1643 begannen die Schweden den Krieg.

In diesem ersten Schwedenkriege wurden wieder die Elbmarschen ein Hauptkriegsschauplatz, und man lernte hier einen Gegner kennen, der sich nicht nur durch seine Kriegstüchtigkeit auszeichnete, sondern auch durch eine unerhörte Beweglichkeit und Rücksichtslosigkeit zugleich. Die Schweden waren so schnell da, dass Gegenmaßnahmen nicht rechtzeitig ergriffen werden konnten. Ihr General Mortaigne erschien mitten im Winter, war schon am 17. Dezember in Itzehoe. Am 10. Jan. 1644 nahmen die Schweden die Schanzen an der Bekau und überrumpelten Wilster. Sie kannten ihr Handwerk, um hohe Summen in kurzer Zeit aus den Einwohnern herauszupressen, das Mittel hieß Brandschatzung. Wenn die Summe nicht in kurzer Zeit geliefert würde, drohte der Stadt erstens Plünderung, anschließend dann die Niederbrennung. Zu Krummendiek empfing Mortaigne die Marschauptleute und die 16 Gevollmächtigten der Stadt. Seine „Brandschatzung per vim et metu“ hatte zum Inhalt 21400 Reichstaler, davon seitens der Stadt 1/5, also 4281 Reichstaler. Die Stadtvertreter willigten ein, wenn „sie nicht loßkommen und gentzlich quitirt“ werden könnten. Als es an der zügigen Lieferung doch haperte, nahm der General 4 angesehene Bürger zu Geiseln auf die Breitenburg. Bevor Weiterlungen eintraten, begannen nun aus den Festungen Krempe und Glückstadt, wo der Graf Christian Pentz das Kommando hatte, endlich die dänischen Gegenmaßnahmen. Bei einem Ausfall nahmen sie die Breitenburg, wobei Mortaigne ihr Gefangener wurde und die Geiseln freikamen. Am 19. Febr. 1644 erschienen die Dänen auch in Wilster, nunmehr konnte die Marsch in Verteidigungszustand versetzt werden. Wilster blieb dann im weiteren Verlauf des Krieges feindfrei, während z.B. Itzehoe viel schwerer betroffen wurde, wurde es doch dreimal von den Schweden genommen, ebensoviel Male zurückerobert.313) In Wilster aber rief der kgl. Rat Dr. Dohrn, selber gebürtiger Wilsteraner, die Bürger auf, zu helfen, eine Rückkehr des Feindes zu verhindern, „sich ohnverweilt – des Feindes Einbruch möglichst mit helfen zu verwehren“. So ist die Bürgerwehr zur Schanze „bey der Bekebrücken“, wo sie „so lang selbiger Krieg gewehret“, „diese örter mit defendiren geholffen“.

Wilster blieb also feindfrei, aber dafür gab es nun eine „Contribution und Verteylungsordinantz“ nach der anderen. Wer die Auflagen nicht zahlte, dem drohte die „Exekution“, d.h. ihm wurden „Soldaten inß Hauß geschicket und für der betzahlung nicht wieder herauß genommen.“ Des Jammers war kein Ende, zu Steuerumlagen kamen Lieferungen aller Art, dazu kamen Repressalien durch die Truppe selbst. Das war der Einwohner „total ruin und verderb“, die „hiesige bürgerschafft ist am Vermügen sehr geschwechet worden“, in der Stadt hätten sie nur noch „ihre bloße heuser und wohnunge zu genießen“, viele hätten „diese Stadt verlaßen“, die Stadt drohe „wuest und öhde zu sein“. Aber diese Stadt hatte doch die Mittel, sich von Besatzung freizukaufen. Die Stadt habe sich, so berichteten die Kriegskommissare grimmig, „der Soldatexda gentzl. entzogen und die marsch unter der großen unerträglichen last alleine sitzen lassen“, obwohl sie „wol 400 Fewerstatten“ aufweise. Die Summe, welche die Stadt in diesem Kriege aufbrachte, zeigt den bisherigen Wohlstand derselben, in den zwei Jahren Schwedenkrieg wurde die Stadt um rund 42 000 Mark lübisch ärmer.314) „Während des 1. Schwedischen Krieges hatte allein Wilster in den Jahren 1944/45 die enorme Summe von fas 14000 Reichstalern aufgebracht, eine finanzielle Leistung, die nur aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Blüte in Schleswig-Holstein in den Friedensjahren 1629 – 43 zu verstehen ist. In wirtschaftlicher Hinsicht haben jedoch weder die Kriegsjahre 1627 – 29 noch 1643 – 45 einen entscheidenden Einschnitt bedeutet.“315) Am 13. August 1645 wurde der Friede von Brömsebro geschlossen, ein Verzichtfrieden, da Dänemark neben den Schweden auch den Holländern gegenüberstand und zuletzt auch die Seeherrschaft verloren hatte. Mit dem Elbzoll für Hamburg war es vorbei, und das Südufer der Elbe (Bremen/Verden) erhielten die Schweden. Der Fluß war zu einer Grenzlinie zweier feindlicher Nachbarn geworden. Beides nicht gerade günstig für Wilsters Handel. Die letzten Regierungsjahre Christians IV. waren unglücklich verlaufen. Er starb 1648.

Lange hat der Frieden auch jetzt nicht gehalten. Der dänische König selber erklärte den Schweden 1657 den Krieg, da diese sich in einem militärischen Konflikt mit Polen befanden. Die Gelegenheit erschien günstig, die südelbischen Gebiete wieder zurückzuholen. Aber in einem Gewaltmarsch erreichte der Schwedenkönig Karl X. Gustav mit seinem Heer schon im Juli Holstein mit dem Ziel, den dänischen Konkurrenten endgültig niederzuwerfen. „Ich hoffe, das dänische Wesen wird bald ein Ende haben“, schrieb er seinem Bruder auf dem Marsch. Aus dem Hamburger Raum gelangte er schon am 7. August vor Itzehoe, das von den Dänen verteidigt wurde. Der König ließ es bombardieren, er habe es „elendiglich in Rauch und Schmauch gen Himmel geschickt“, schrieb ein Zeitgenosse aus den Marschen.316) Danach wandte er sich nach Norden, auf sein Hauptziel, die Niederwerfung Dänemarks, bedacht. Die Festungen Glückstadt und Krempe ließ er seitwärts einfach liegen, nur eine kleine Heeresabteilung ließ er in Itzehoe zurück. Ein Anschlag auf die Wilstermarsch wurde allerdings versucht. Aber die Schanzen waren besetzt, der Vorstoß „vor die Beekbrügge“ wurde abgeschlagen bei einem Verlust von 800 Mann bei den Angreifern.317) „Die Wilstermarsch war also wie im dreißigjährigen Kriege verteidigungsfähig und blieb von der Kriegsnot verschont“.318) Der König hatte schon im Februar d. Jahres von Wilster verlangt, „dass ihr auch eures Ortes die Bürgerschaft euch mit gutem, tauglichem Gewehr versehet, imgleichen einen capablen, duchtigen, guten hauptman auß eurem mittell darüber bestellet.“ Auch sollten Wilsters Bürger die Schanzen anteilsmäßig in Verteidigungszustand versetzen.319) Der Eifer der Bürger war gering, der König musste im März mahnen „bey jetzigen gefährlichen Leufften“. „Höchstnötige defension“ sei auch für Wilster nötig, da diese „mitten in dieser Marsch an einem offenen Ort gelegen“ sei. Der Streit ging um Schanzen und Wachen zwischen den Marschbauern und den Städtern. Zuletzt leistete die Stadt 300 Rthlr., um sich freizukaufen.320) Die Schanzen taten dann aber ihre Schuldigkeit, zumal der Schwedenkönig nordwärts strebte.

Karl X. Gustav von Schweden erreichte in Gewaltmärschen die dänischen Meeresstraßen, überschritt sie in einem sehr harten Winter über das Eis mit seinem Heere und diktierte den Dänen, die am Ende waren, am 26. Februar 1658 den Frieden von Roeskilde vor den Toren von Kopenhagen, der die Besiegten Schonen und andere Provinzen kostete. Eine Bestimmung war auch, dass die Dänen 2000 gut ausgerüstete Reiter den Schweden zu übergeben hätten. Diese standen unter dem Generalfeldmarschall Ernst Albrecht von Eberstein, welcher Glückstadt und die Elbmarschen zu halten hatte.321) Die für den 15. Juli 1658 vorgesehene Übergabe bei St. Margarethen kam nicht zustande, da die Schweden an dem Zustand des Verbandes viel auszusetzen hatten. So wurde ein neuer Termin am 26. Juli anberaumt. Aber in der Nacht vom 26. Zum 27. Juli überrrumpelten die Schweden unter Generalmajor Arendsen die Wilstermarsch und nahmen die fragliche Truppe, das Leibregiment Ebersteins, 42 Offiziere und 198 Gemeine, gefangen. Vor allem waren Stadt und Marsch nun in Feindeshand. Die Schweden begannen zudem Anfang August 1658 erneut den Krieg gegen Dänemark und belagerten Kopenhagen. Für Stadt und Marsch begannen nun sehr schwere Zeiten. Die Kriegssteuer der Schweden war so schwer, dass die Achtmänner (der Rat hatte wieder einmal wie schon 1627 und 1644 das Weite gesucht) auch die „Hauerleute“, die Mieter, heranzogen. Die Schweden drohten die Brandschatzung an, ihre Vollstreckung unterblieb dann doch auf flehentliches Flehen der Bürger. Man beließ es bei einer gründlichen Plünderung durch die Soldaten. Weil er die Brandschatzung nicht durchgeführt hatte, wurde dem schwedischen General wegen Ungehorsam danach der Prozess gemacht.322)

Im September 1658 erschien in Holstein der Große Kurfürst von Brandenburg mit Brandenburgern, Kaiserlichen und Polen, um den Dänen zu helfen.323) Da die Polen es noch ärger trieben als selbst die Schweden, nannte die Bevölkerung diese Kampfhandlungen den „Polackenkrieg“. Für Wilster bedeutete diese Wendung den Abzug der Schweden. Der Rat verkündete: „Demnach nunmehro durch die Gnade Gottes diese Stadt von Schwedischen Völckern und deren ohnerträglichen Beschwerden entledigt – und dannenhero von hoher handt ernstlich anbefohlen worden, die abwesende Bürgere und Einwohner bey hoher, ohnvermeidtlicher straffe anhero zu citiren und die Anwesende beysahmen zu halten“, ein wichtiger, geldlich potenter Teil der Bevölkerung hatte sich also abgesetzt und sollte zurückkehren, darum befiehlt der Rat, „dass ein Jedtweder Bürger und Einwohner dieser Stadt, so des beschwerlichen Schwedtschen Unwesens und unerträglichen proceduren halben sich von hier an andere örtere begeben, bey denen gethanen --- Eyden, auch Vermeidung hoher willkürlichen straffe, foderlichst und sobald müglich, und zwar innerhalb 14 Tagen, anhero wiederumb verfuegen und einstellen --- sollen.“324) Hohe Kontributionen trieb nun der dänische Staat ein, 1659 z.B. 4780 Rthlr. Auch war wieder ein Bürgeraufgebot zu stellen, der Ausschuss. Die Belastungen gingen weiter, bis der Krieg 1660 sein Ende nahm im Frieden von Kopenhagen, der Dänemark nur wenige Erleichterungen gab.

Dieser Krieg gab der einst so blühenden Stadt gleichsam den Rest. Er beendete die 1. Blütezeit Wilsters, das niemals wieder wirtschaftlich die Bedeutung erlangen sollte wie vorher. In welcher Verfassung sich Wilster damals befand, beschreibt der Steinburger Amtmann Christian Rantzau im Jahre 1659. Es heißt in seinem Bericht: „Durch die große und vielfältige Anlagen, Contributionen, Einquartir- undt Verpflegungen, auch andere ohnzehlbare exactiones, insonderheit aber des Feindes invasiones, Brandt- und Plünderungs-Beschatzungen, überschweren Abnahmen, insolentien und beschwerungen, wie auch die noch tägliche fürfallende onera, Ihr ohne des in friedens Zeitten fas Nahloß Städtlein nicht allein aller Mittel und Bahrschafft entblößet, besondern auch in groeße Sülldenlast gesetzet worden. – Und ob sie zwar der Göttlichen Allmacht zu danken, dass sie ihre Häuser und Scheunen, welche dan, wan die Güte Gottes es nicht sonderlich abgewendet hette, nach vorhergangener gäntzlicher Plünderung alle in die Asche gelegt werden wären, biß Dato noch behalten --. Die Stadt (besteht) aber nur in bloßen Häusern, wovon doch ein großes antheil, und zwar der größesten und besten, ledig und unbewohnt – und dazu aller Nahrung privirt ist.“325)

Die schweren Schläge, welche der dänische Staat in den Kriegen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hinnehmen musste, vor allem aber der letzte Krieg, in dem der Gesamtstaat beinahe zugrunde gegangen wäre, führte zu einer staatlichen Umwandlung. Die „Lex Regia Danica“, das Staatsgrundgesetz oder Königsgesetz bestimmte, dass in Zukunft die Macht des Königs unbeschränkt war. Dänemark war eine Absolute Monarchie geworden. Diese Einführung der „Enevaelde“ in Dänemark wirkte sich natürlich auch auf Schleswig und Holstein aus, aber hier vollzog sich der Übergang nicht in so krasser Form. Zunächst einmal herrschte der König als Herzog nicht allein in den Herzogtümern. Der andere Landesherr war der Herzog von Holstein-Gottorf. Es gab einen königlichen Anteil, zu dem de facto Wilster gehörte, einen herzoglichen Anteil und einen „gemeinschaftlichen“ Anteil, das Gebiet der Ritterschaft und der Städte, zu dem de Jure Wilster gehörte. Beide Herrscherlinien waren zudem miteinander verfeindet, was ein gemeinsames Vorgehen beider gegenüber den Ständen (Ritter, Prälaten und Städte, die das Steuerbewilligungsrecht hatten) erschwerte, obwohl beide Linien den Absolutismus durchaus als erstrebenswert erachteten. So erfolgte in den Herzogtümer der Übergang in einem jahrzehntelangen Prozess.

Nach Friedensschluss 1660 behielten die Landesherren Soldaten unter Waffen in den Herzogtümern. Am 1. Sept. 1660 schrieb der König eigenmächtig Steuern zu ihrem Unterhalt aus. Das bedeutete zunächst freilich noch nicht, dass es keine Landtage der Stände mehr gab, sie hatten in der Folgezeit die Steuern jährlich zu bewilligen, wobei die Landesherren auf Auflagen hinwiesen, die ihnen durch Reichstagsbeschlüsse des Römischen Reiches, zu dem Holstein ja gehörte, auferlegt seien. „Offensichtlich war es das Bestreben der Landesherren, aus den jeweils geforderten Kontributionen eine reguläre Steuer zu machen“.326) Im Jahre 1675 brach wieder ein Krieg mit Schweden aus. Der König forderte vom Landtag Mittel für die Kriegsführung, während der Herzog, der sich weitgehend auf schwedischen Rückhalt stützte, sich weigerte, und zwar aus diesem Grunde, an den Landtagsver-handlungen teilzunehmen. Dieser Landtag war zugleich der letzte, an denen Vertreter der Städte, also auch Wilsters, teilgenommen haben. In Zukunft forderte man „auf königlicher Seite die Gelder, die man für militärische Zwecke beanspruchte, jetzt einfach ohne Landtag.“327) Im Jahre 1711 gab es allerdings noch einmal einen Landtag in Rendsburg, aber an ihm nahmen die Städte schon nicht mehr teil. „In der Instruktion der kgl. Kommissare wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Städte, im Gegensatz zu früher, nicht aufgefordert worden waren“. Der Landtag solle über den Rahmen einer Beratung nicht hinauskommen. Man wollte „sich das absolute Fürstentum, die Souveränität, von Seiten der Stände nicht beeinträchtigen lassen“.328) Der Absolutismus kam also in Form eine Reihe kleiner Schritte, das Ergebnis war dasselbe.

In diesem Prozess gehört auch der Ausbau des obrigkeitlichen Regierungssystems. Zuständig war in Kopenhagen die Deutsche Kanzlei einerseits, andererseits Fachressorts, die einfach für das gesamte Herrschaftsgebiet zuständig waren. An der Spitze der Behörden im Lande stand weiterhin der Statthalter. Unter ihm aber stand seit 1648 in Flensburg und schon 1649 nach Glückstadt verlegt die für die Herzogtümer zuständige „Regierungs-Canzley“ (Patent vom 17.4.1648 und Rescript vom 10.2.1649), die Verwaltungs- und Gerichtsaufgaben zugleich hatte. Ihre Kompetenzen wurden im Laufe der Zeit immer mehr ausgeweitet. Zunächst war für Wilster juristisch weiterhin Appellations-instanz das Vierstädtegericht, das im Verfall begriffen war. Man ließ es auch verfallen, bis dann 1727 es zum letztenmal als besonderes Gericht eingesetzt wurde.329)

„Im Gegensatz zu Dänemark und Norwegen wirkte sich die Einführung des Absolutismus in den Herzogtümern weniger krass aus. Die Städte behielten wohl weitgehend ihre ziemlich ausgeprägte Selbstverwaltung“, schreibt Hermann Kellenbenz.330) An Eingriffen der Obrigkeit hat es freilich nicht gefehlt. So waren schon für das 17. Jahrhundert kennzeichnend die sog. Polizeiordnungen. So wurde 1636 eine umfangreiche „gemeinschaftliche Verordnung erlassen.331) Die Auswirkungen in Wilster waren gering. Nicht ein einziger Verstoß gegen die detaillierten Kleiderbestimmungen ist für die Stadt belegt, „ein Umstand, der weniger auf eine strikte Einhaltung denn auf die stillschweigende Billigung derartiger Verstöße durch den Rat schließen lässt“.332) Verordnungen über Hochzeitsfeiern wurden jedenfalls anfangs beachtet. Bald jedenfalls erlahmte das Interesse des Rates an einer strikten Anwendung der Polizeiordnung. Dies konnte der Fall sein schon deshalb, weil die Vergehen, welche die Polizeiordnung aufführte, sehr oft auch schon Sache der städtischen Brüchdingung waren. Hier erhielt der Rat die Hälfte, bei Verstößen gegen die Polizeiordnung aber nur 1/3. Daher erschienen die Vergehen naturgemäß unter den Brüchdingungen. Auch war ja die Polizeiordnung eine Eingrenzung eines ursprünglich unumschränkten Rechtes des Rates, willkürlich aus eigener Machtvollkommenheit Verordnungen und Satzungen zu erlassen. Auch dieses ist ein Grund dafür, dass der Rat hier nicht sonderlich eifrig war.333)

„Der Wilsteraner Rat hat jeden eventuell geplanten oder tatsächlich stattgehabten Eingriff in seine städtische Jurisdiktion mit geradezu seismographischer Genauigkeit registriert und entsprechend lautstark dagegen protestiert.“ Er hat dabei niemals einen „harten Kollisionskurs gesteuert, sondern je nachdem, wie es ihm angebracht erschien, im devoten Ton mitleidheischender Untertanen oder aber im stolzen Selbstvertrauen auf die Privilegien der Stadt das Wohl des Gemeinwesens und das Auskommen der Bewohner zu wahren versucht.“334)

In Frage gestellt durch obrigkeitliche Behörden und verteidigt durch den Rat wurde auch das Präsentationsrecht der Wilsteraner Geistlichen durch den Rat. Im Jahre 1638 billigte Christian IV. in einem Schreiben an den Steinburger Amtmann den Gemeinden ohne Unterschied nur noch das „ius nominandi“ zu, der Amtmann solle jedoch für den Landesherrn den neuen Geistlichen präsentieren. Das wurde akut, als Pastor Franciskus Alardus im Jahre 1646 erst 46 Jahre alt am Scharlachfieber starb. Als der Amtmann einen Geistlichen präsentierte, wies der Rat darauf hin, „das alle mahl das ius praesentandi bei burgermeister und raht gestanden, das ius vocandi et eligendi aber bei dem gemeinen kirchspiel und dessen aussschoss gewesen.“335) Er setzte sich durch, ebenso als im Jahre 1656 noch einmal derselbe Versuch gemacht wurde.336) Dieses bedeutete freilich nicht, dass damit dergleichen Versuche aufhörten. Im Jahre 1693 wurde, was noch nie vorgekommen war, Friderich Philipp Piper gleich vom König Christian V. zum Pastor in Wilster ernannt.337) 1732 schließlich wurde Adam Christoph Höfer vom König zum Diakon ernannt, um ein Jahr später Hauptpastor zu werden. Schließlich wurde im Jahre 1785 der damalige Diakon der Kirche Valentin Michaelsen unmittelbar vom König zum Hauptpastor in Wilster ernannt. An Rückschlägen in der Folgezeit hat es also nicht gemangelt, aber sonst hat der Rat sein Präsentationsrecht durchaus zu wahren gewusst.

Ein wichtiger Punkt waren die finanziellen Leistungen von Stadt und seiner Bürgerschaft der Landesherrschaft gegenüber. Es gab da Reichssteuern, als da waren der „Türkenschatz“ (erschienen doch noch im Jahre 1683 die Osmanen vor Wien), dann der „Römerpfennig“, schließlich noch Kreissteuern (Holstein gehörte dem niedersächsischen Kreis an). Dann kamen die landesherrlichen Abgaben, als da waren der „Pflugschatz“, die „Bede“, der „Fräuleinschatz“, wenn eine Prinzessin heiratete. Es gab da noch Brüchgelder, Donativen, Lizenzen und die Akzise. Dann gab es noch Naturalleistungen an den Amtmann von Steinburg, über die es aber für Wilster keinerlei Quellenbelege gibt. Die Stadt könnte sie durch eine Geldleistung abgelöst haben, es könnte auch daher rühren, weil Wilster ja juristisch gesehen nicht zum Amt gehörte.338)

Bei den Veranlagungen litt die Stadt oder fühlte sich Wilster anderen Städten gegenüber benachteiligt, worauf der Rat immer wieder, freilich ohne Erfolg hingewiesen hat. Die Stadt besaß kaum Land, sie war ja 1282 ausdrücklich auf das Gebiet der Siedlung begrenzt worden, auch hatte es in der Folgezeit (nach Süden bis zu den Sielwettern und den Schweinebrook im 16. Jahrhundert) nur wenig Land erwerben können. Grundbesitz der Bürger lag daher meist im Landrecht. Holsteinische Städte hatten nun ihren „acker by den huesern beholden und verschattet“, die Wilsteraner aber mussten für ihre im Landrecht belegenen Ländereien den Marschbauern gleich sämtliche Auflagen tragen, wie man schon beklagte seitens des Rates im „memorial war de stat Wilster in den schwedischen Krige ao 1567 und 1568 etc vör uncostungen gedahn.“339)

Der Rat musste den Verteidigungskampf für städtisches Recht gegenüber obrigkeitlichen Instanzen anscheinend weitgehend allein führen, ohne größeren Rückhalt durch die Bürgerschaft. Es scheint auch hier also die Ansicht Paul von Hedemann-Hespens zutreffend gewesen zu sein, dass „Landesherrschaft und Bürgerschaft – überall gemeinsam gegen die Ratsmacht“ arbeiteten.340) Gerne jedenfalls wandten sich Wilsteraner Bürger mit Beschwerden über den Rat der Stadt an den Amtmann, ja sogar an den König. So wandte sich „de gemeine borgerschup“ schon 1550 an Christian III. und beschwerte sich über „etllike des rades und van borgern“, ein 1502 ausgestelltes Privileg über Hamburger Bierausschank nur zu eigenem Gewinn benutzten, statt „tho nüth und profith“ der Stadt. Der König stellte sich voll auf ihre Seite.341) Ebenso fanden 1598 und 1620 die gegen den Rat klagenden Krämer der Stadt Rückhalt bei König Christian IV. .342)

„Während zum einen die Selbstregierung des Rates beschnitten wird, drängt dieser selbst das Mitbestimmungsrecht der Bürger zurück – eine durchaus zeittypische Erscheinung“.343) Die Bursprake sei, so hieß es 1636, „in langer Zeit nicht mehr verlesen worden“.344) Und nach diesem Jahr ist kein weiterer Bursprakentermin mehr belegt. An ihre Stelle traten „die nun verstärkt einsetzenden landesherrlichen Polizeiordnungen“, dann die „nunmehr vom Rat allein und ohne Hinzuziehung der Bürgerschaft verfassten Erlasse und Verordnungen der Gemeinde“.345) Kanzelabkündigungen machen sie bekannt. Bürgerversammlungen fanden unregelmäßig statt, vor allem wenn der Rat Erleichterung der Verantwortungslast erstrebte, wie es z.B. 1627 der Fall war, kurz bevor die Kaiserlichen die Stadt besetzten. Man konnte sich damals nicht über kgl. Geldforderungen einigen, was sich dann ja erübrigte. Ein echtes kommunales Anliegen führte die Bürger 1640 auf Wunsch der Achtmänner zusammen. Der Amtsschreiber Jakob Stein beabsichtigte für das Landesrecht den Bau einer eigenen Brücke über die Au, was den Wert der städtische Au-Brücke (Op de Göten) natürlich herabgemindert hätte. Dieses Vorhaben rief einmütige Ablehnung der Bürgerschaft hervor.346) Den Achtbürgern stand zu die unbequeme Aufgabe der Einquartierung, dann hatten sie die bürgerschaftliche Kontrolle des Rates in Finanzangelegenheiten zu sein. In der Zeit der Besetzung durch die Kaiserlichen, als der Rat sich nach Glückstadt abgesetzt hatte, und die Bürgerschaft ihrem Schicksal überlassen worden war, waren sie die „von der gantzen Bürgerschafft uff des königl. Herrn Amptman im nahmen ihr könich. may. schreibendt erwelte achtbürger“.347) Der Rat vermochte diese Entwicklung aber nach seiner Rückkehr alsbald zurückzuschrauben. 1632 waren es nur noch die „wegen der gemeine verordnete acht burger“.348) Diesen Achtmännern wurden in Krisenzeiten von der Bürgerschaft weitere 8 Bürger beigeordnet. Das geschah, als Anfang 1644 die Schweden die Stadt in ihre Gewalt gebracht hatten, der Rat wiederum das Weite gesucht hatte. Die 16 Männer verhandelten dann zu Krummendiek mit dem Gegner, bis die Dänen wieder in Wilster erschienen. Diese 16 Männer sind jedoch, so der Stadtsekretär im 18. Jahrhundert, „niemals ein beständiges, oder ununterbrochen fortwährendes Collegium gewesen, sondern diese Berufung der 16 Männer ist nur in ganz extraordinairen Fällen gebräuchlich gewesen.“349) Bei der Auswahl der Achtbürger hatte der Rat das entscheidende Wort, Vertreter der Bürgerschaft waren sie nur sehr bedingt. Mancher dieser Achtmänner ist in der Folgezeit selber Ratsherr geworden, sie kamen jedenfalls aus den Kreisen, die für ratsfähig erachtet wurden. Im Jahre 1683 wurde der Wahlmodus für diese Achtmänner dann schriftlich fixiert.350) Alle 2 Jahre gingen 2 ab, dafür wurden 2 neu gewählt, und zwar „bleibet desfals beym alten Gebrauch, dass bey Herren Bürgermeister und Rathe die Praesentation, bey denen Acht-Männern aber die Wahl stehte“. Im selben Jahr gab es für die Einquartierung der zum Dauerzustand gewordenen Militär-Garnison eine Regelung.351) Der Rat stellte aus seiner Mitte den Quartiersherrn, ihm beigegeben waren nunmehr 2 „Quartierbürger“.

Intakt blieb in Wilster in diesem Jahrhundert der Kriegsnöte im Wesentlichen noch das Niedergericht der Bürger. Freilich wurde diese Bürgerpflicht offensichtlich immer mehr ebenfalls als Last empfunden, obwohl es doch quartiersweise gebildet wurde. So heißt denn wohl, dass ein Bürger, „obgleich er als Gerichtsperson ordentlich angesagt worden, dennoch ungehorsamblich ausgeblieben“.352) Aber während in anderen holsteinischen Städten der Verfall schon voll einsetzte, während in Itzehoe, Rendsburg, Heiligenhafen und Oldesloe diese Niedergericht im 18. Jahrhundert vollends zu bestehen aufhörten, setzten die Niedergangserscheinungen in Wilster erst im 18. Jahrhundert ein, hat dieses Niedergericht offensichtlich bis 1867 bestanden. „Einer der Gründe dürfte für Wilster“, meint Ruth E. Mohrmann, „in der dem Wilsteraner Niedergericht verbliebenen Kriminalgerichtsbarkeit gelegen haben, die dem Niedergericht und seinen Urteilern Würde und Ansehen verlieh wie in kaum einer anderen holsteinischen Stadt.“353)

Das 16. Und 17. Jahrhundert ist auch die Zeit, in welcher der Hexenglaube seinen Höhepunkt erreichte. So hat auch die Stadt Wilster ihre zwei großen Hexenprozesse gehabt. Der Ausgang des ersten in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts bleibt ungewiss, weil die Kriminalgerichtsakten der betreffenden Zeit fehlen. Aus den Gerichtsprotokollen vom 29.5., 3.6. und 18.7. 1622 erfahren wir jedoch genügend, erfahren wir unter anderem auch, dass der Bildschnitzer Jürgen Heitmann d. Ältere unter anderen gegen die „Hexe“ aussagte.354) Diese, die Wilsteranerin Sile Lakemans, Frau eines Krügers, kannte sich offenbar bei Tierkrankheiten gut aus, kam wohl gerade deshalb in den Verdacht der Hexerei. Die Glückstädterin Barber Kröger sagte dort unter Tortur aus, dass Sile sie das Zaubern gelehrt habe. So kam der Prozess ins Rollen. Wir erfahren von drei peinlichen Halsgerichten, dass man einmal eine juristische Fakultät zu Rate zog, zweimal wurde standhaft leugnende Sile der Folter unterworfen. Am 18. Juli 1622 fällte das Bürgergericht den Beschluss, dass sie „erstlich zuer wasserprobe und unangesehen, sie schwemme“, was für eine Hexe sprechen würde, „oder sincke“, was dagegen spräche, „folgens“, also ohne Rücksicht auf den Ausgang dieser Wasserprobe, zuer dritten tortur geführet werde“. Die Durchführung dieser dritten und schwersten Tortur hat Sile Lakemans möglicherweise nicht überlebt. Sie war schon durch die 2. Tortur „von verstand kommen“, es war damals schon „periculum mortis zuebesorgen“ gewesen. In diesem Prozess treten Ratsmitglieder eher mäßigend auf, während sich bei den Mitgliedern des Niedergerichts sehr stark der Hexenglaube auswirkte.355) Der zweite Hexenprozess fand in den Jahren 1676/77 statt gegen die erst 15jährige Stincke Ritzers und zwei alte Frauen, die sie verleitet haben sollten.356) Auch hier zögerte der Rat. Ein Aufruhr der Bürger war die Folge, die den Rat im Rathause bedrängten. Er wandte sich darauf an den König. Dieser aber befahl, dass der Prozess den gesetzlichen Lauf nehmen möge. Trienke Ewers wurde verbrannt, die beiden anderen erhielten „ewige Landesverweisung“.357) Es war der letzte große Hexenprozess in Wilster. Anfang des 18. Jahrhunderts nahmen Hexenprozesse in Schleswig-Holstein überhaupt ein Ende.

Auch die Wilsteraner Handwerker haben den regelnden Eingriff königlicher Obrigkeit in für sie höchst erregender Form zu spüren bekommen. Im Jahre 1615 erfolgte eine gemeinschaftliche Verordnung, „kraft welcher alle schraen, gilde und zunftordnung caßiret und niedergelegt“ wurden, besser gesagt annulliert werden sollten.358) Die Erregung unter den Handwerkern war sehr groß. Eine Flut von Bitten traf bei den Landesherren ein, die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nun bekräftigte Christian IV. die Aufhebung der Zünfte, jedoch erließ er eine Regelung über die Niederlassung neuer Meister in den Städten,359) worauf es den Mitgliedern der Handwerksämter vor allen ankam, das heißt, praktisch waren die alten Verhältnisse innerhalb derselben wiederhergestellt. Schon im Januar 1619 erließ der Könige eine bis ins einzelne gehende Amtsordnung für Wilsters Goldschmiede.360) Christian hatte allerdings die „Unstrafbarkeit“ der Meisterstücke verlangt in seiner Anordnung über Niederlassung neuer Meister in den Städten. Dies wurde von Wilsters Rat dahingehend ausgelegt, dass er das Recht hatte, in Zukunft über diese Unstrafbarkeit zu urteilen. Der Rat hatte eine neue Einnahmequelle erschlossen. Schon 1619 tauchen im Brüchregister erstmals Meister auf, die in ihrem „meisterstück straffbahr befunden“. Die Ämter, die ihre Selbstkontrolle beeinträchtigt sahen, wandten sich an den König, der jedoch die Kontroll- und Strafgewalt des Rates voll anerkannte.361)

Andererseits hatten die Ämter, Handwerker und Krämer, den Rückhalt des Landesherrn sehr nötig. Im Landrechts war unmittelbar anschließend an die Stadt (in Verlängerung der Deichstraße) eine Konkurrenzniederlassung erstanden, die sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, die aber immer ärgerlichere Ausmaße annahm. Eine kgl. Verfügung vom 7. August 1620 bestimmte, dass Krämer und Tuchhändler im Kirchspiel Wilster außerhalb des Stadtgebietes überhaupt nicht länger zu dulden seien, wobei allerdings diejenigen, die im Landrecht schon vorhanden seien, bleiben dürfen, es sollten nur keine neue hinzukommen dürfen.362) Die Wirkung dieser Verfügung war wohl gleich Null. Die Stadt hatte nicht das Recht, sie selbst durchzusetzen. Die Instanzen im Amt und Landrecht werden sich aber kaum sonderlich hier engagiert haben. Am 24. Juli 1646, genau zwischen 12 und 1 Uhr mittags, durfte der „offenbahliche Kayderliche Notar“ Johannes Hasse zusammen mit zwei Wilsteraner Bürgern das Landrecht dahingehend überprüfen, ob die kgl. Verfügung Beachtung gefunden habe. Was man dabei feststellte, war für die Stadt schockierend und wurde protokollarisch vom Stadtsekretär festgehalten.363) „Erstlich, dass in Jacob Brandes hauße eine offne Kraehmladen vnd auff vndt vnter den fenster, vndt für der thuer, allerhande steinern gut, Item Pflaumen, Rosinen, Reiß, Erbßen, Dobach, Heringen vdt ander gesalzen fisch, neben anderen wahren zu verkauffen, außgesetzet gewesen. Fürß andere, so ist vff Clauß Martenß fenster gsrob Rgken Brodt, Kringell xndt licht. ..“. So ging es weiter. Worauf denn der Amtmann ein neues Verbot erlassen musste, das ohne Wirkung blieb. Eine kgl. Verordnung vom 18.9.1646 bedrohte Übertreter mit 500 Rthlr. Strafe. Der König bestimmte weiter in ihr, dass „in dieser Stadt wo wenig, als außerhalb derselben, biß an den Casenorth und Duckunder auch sonsten ¼ Meil Weges rings umbher, sich Niemand unterstehen solle, ohne Vorbewust und Bewilligung des hiesigen Rahts annitzo franschen Brandtwein und frembd Bier, das Hamburger, als mit dessen Schenkung diese Stadt privative gegnädigst ausbeschieden, bey wirklichen Verlust solchen Brandtwein und Biers, und anderer unnachläßiger Straefe auszuschenken und zu verkaufen“. Doch hier wie überall kehrte sich niemand daran.364) Besonders das Beidenflether Bier erfreute sich steigender Beliebtheit. In Wilster bestand die Polizeistunde um 22 Uhr, „dass keiner im Sommer nach 10 Uhr, und im Winter nach 9 Uhr respektive sitzende Gäste haben oder sich in Wein-, Bier- und Brandtwein-Schenken aufhalten solle“. Eine solche Polizeistunde gab es im Landrechts, also in unmittelbarer Nähe, nicht, dort zechte man daher gern einfach weiter. Verordnung folgte auf Verordnung. Am 5.8. 1658 wurde die von 1646 bestätigt. Die „Eingesessenen des Kirchspiels Wilster“ sollten sich „alles Wanddt- und Seidenhandels, auch Kramer und Höherey gäntzlilch enthalten“, besonders galt dieses für Essig, Mehl, Meth, Latten und Salz. Und im Jahre 1658 zählte das Land dennoch 526 Handwerker und Gewerbetreibende, die Stadt aber nur 233 an der Zahl.

Diese Verhältnisse können nicht nur für die Wilstermarsch charakteristisch gewesen sein, waren hier allerdings besonders ausgeprägt. 1686 wurde, fast könnte man sagen, wieder einmal eine kgl. Verordnung erlassen, „dass hierführo in allen Ämtern - - in der Marsch auf eine Meile umb jede Stadt - - keine Kaufleute, Brauer, Becker, auch keine anderen Handwerker, als Grobschmiede, Rademacher, Böttger, Bauer, Schuster und Schneider mehr geduldet werden, sondern, da die übrige ihren Handel und Handthierung fortzusetzen gemeynet sind, sich in den Städten niederlassen und bürgerliche Onera mit tragen helfen sollen.“365) Aber schon am 29.11.1687 erfolgte eine Abänderung auf Vorstellung des Steinburger Amtmanns Friedrich von Ahlefeldt, der sich für seine Marschbevölkerung einsetzte und eine Regelung erwirkte, die für die Folgezeit Gültigkeit haben sollte, zugleich die durch schwierige Verkehrsverhältnisse belastete Marsch kennzeichnete.366) „Bey Winters-Zeit einfallenden tiefen Wegen und anderer Umstände halber“ wurde zu Gunsten der Marschbevölkerung bestimmt, „dass zum Behuf derjenigen, welche sich einen Vorrath (für den Winter) zu verschaffen nicht vermögen, bey einem jeglichen Kirchspiel in erwehnten Cremper- und Wilster-Marschen von Michaelis an bis Ostern, ein Brauer, ein Grob-Becker, ein Höcker, welchem letztern jedoch allein mit fetten Waren zu handeln vergönnet seyn soll, so dann, damit Mühlen, Schleusen und andere Gebäude, auf begebende Fälle unverzüglich repariret werden können, ein Zimmermann und Meister gelassen, nicht weniger denen Leinewebern so alt und gebrechlich seyn, solch ihre Hanthierung ferner auf dem Lande fortzusetzen, verstattet werden.“ Alle anderen Handwerker aber hätten in die Stadt zu ziehen (was auch nicht befolgt wurde, wie sich zeigen sollte). Barbiere der Städte aber werden „bey Verlust ihrer Privilegien“ angehalten, auch bei schlechten Wegeverhältnissen für die Fürsorge von „Bresthafte und Patienten“ durch „tüchtige Gesellen“ zu sorgen.

Im Jahre 1696 entschied der König in dem jahrhundertalten Konflikt der Stadt Wilster mit der Stadt Itzehoe, besser über die Handhabung von dessen „Störbaumgerechtigkeit“, hier wieder auf dem für Wilster so wichtigen Holztransport die Stör abwärts. Der König bestimmte hier folgend: „Alles Holtz ohne Unterschied, wenn sie (d.h. die Einwohner Glückstadts, Krempes und Wilsters) von Jeden Ohrts Obrigkeit ein eidliches Attestatum produciren, dass selbiges - - zu der Einwohner eigenen Nutzung soll würklich verbrauchet, und – von dem Handwerks Mann verarbeitet, nicht aber außerhalb der Stadt, rohe und unverarbeitet weiter verhandelt werden, in Durchfahrt des Störbaums ungehindert passiren“ zu lassen. Zollfreies Holz durfte also nicht unverarbeitet Handelsgut etwa von Wilster aus sein, nur mit dem daraus verarbeiteten Gut durfte man dieses tun. Damit war natürlich der Kampf Wilsters gegen das Itzehoer Stapelrecht nicht zu Ende.367)

Größere Klarheit erlangen wir aus dieser Zeit auch über die Märkte in der Stadt. Anfangs, noch Ende des 14. Jahrhunderts, gab es nur einen einzigen Jahrmarktstermin, ein „forum annuum“, wie aus den Amtsrollen der Krämer im Alten Ratsbuch hervorgeht.368) Im 17. Jahrhundert haben wir dagegen ihrer zwei, wobei unklar bleibt, wann der zweite hinzugekommen ist. Der erste fand im Jahre am St. Bartholomäustage statt, am 24. August, und er wird der ältere gewesen sein, denn der heilige Bartholomäus war der Schutzpatron der Kirche. Der zweite Jahrmarkt war am Tage des hl. Dionysius (am 9. Oktober). Erwähnt ist letzterer am 24. November 1646, dann am 4. Dez. 1648 in Gerichtsakten.369) Die zu diesen Märkten kommenden auswärtigen „Wand-Schneider, Seiden-Krämer und andere Handels-Leute“ durften ab 28.8.1680 „nicht länger als vier volle Tage mit ihren Waaren anstehen und solche verkaufen“, sie sollten „den fünften Tag aber einpacken, und bei Confiscation derselben, weiter nichts feilbieten – .“370) Am 22. Mai 1680 wurden noch zwei Pferdemärkte gestattet, die stattfinden sollten am 23. Mai und am 6. Dezember. Sie sollten auf die Dauer keine größere Bedeutung gewinnen. Dann fanden die wichtigen Wochenmärkte statt, es gab ihrer 2 am Mittwoch und am Freitag, so wurden sie jedenfalls am 6. Juli 1697 festgelegt.371) Da an diesen Tagen Gottesdienst war, durfte keiner vor 10 Uhr morgens mit dem Verkauf beginnen.

Einen Wandel oder besser einen Versuch eines Wandels gab es auch in Wilsters Gildewesen, das ja nicht mehr einen religiösen Kern hatte wie bis zur Reformation, das, abgesehen vom geselligen Aspekt, dem Brandschutz durch Feuerschauen und der Feuerversicherung diente. Es gab hier neben der Großen Stadtgilde („Nyes Brandtgilde und Broderschafft“) von 1588 noch die „Mittlere Gilde“ (1590), die sich ebenfalls halten konnte, dabei dieselben Aufgaben hatte. Dazu ergab es sich, dass viele Bürger beiden Gilden angehörten. Anfangs war letztere eine „Schivengilde“ gewesen, aber seit 1615 schoss man in ihr ebenfalls nach dem „Papegoyen“. Von Gewicht war zweifelsohne, dass in der Großen Stadtgilde der Rat den bestimmenden Einfluss ausübte, während man in der Mittleren Gilde diesem zu entgehen trachtete, jedenfalls bestimmten in ihr über Aufnahme „semptliche Gildebröder“. In der Großen Stadtgilde aber sollte nach Punkt 8 „Nemandt Inn ditt gillde gelatenn und gestadiget werden, ahne Wetenn und Willen eynes Erbarn Rades“ neben Hauptmann und Geschworenen und 6 Gildebrüdern. Ein gewisser militärischer Wert darf anfangs noch nicht übersehen werden. So durfte beim „Papagoyen“-Schießen in der Großen Stadtgilde nach Punkt 3 niemand „größter und sterker Büsse gebruckenn, allse dar ne Unsernn gnedigsten Hern p. mede tho Vellde dehnenn kann“. Am 17. Mai 1692 schlug der Vorstand der Großen Stadtgilde die Vereinigung beider damals bestehenden Gilden vor, „weiln die Stadt itzo leider nicht in dem Stande, als sie vorzeiten gewesen, dass das sogenandte Millelste Gilde inskünfftige mit diesem sog. Großen Stadt-Gilde in eins möge gebracht werden.“ Bis 1695 einigte man sich auf Grund der Satzungen der Großen Stadtgilde oder „Pfingstgilde“ zur nunmehrigen Vereinigten Großen Stadtgilde. Auch diese Vereinigung blieb Stückwerk. Daneben existierte jedenfalls noch bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1745 eine „kleine Scheiben-Gilde“.372)

Die Stadt war „itzo (1692) leider nicht in dem Stande, als sie vorzeiten gewesen“. „Wirklich ins Mark getroffen wurde die blühende Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg, die Schwedischen Kriege und ihre vielfältigen Folgeerscheinungen. Die aufwendige und kostspielige dänische Politik der zweiten Jahrhunderthälfte ließ durch ihre gerade den Städten abgezwungenen finanziellen Leistungen nicht nur Wilster, sondern auch manch andere holsteinische Stadt verarmen und Handel und Gewerbe darniederliegen.“373) Krempe, dieser unglückseligen Festungsstadt, erging es übrigens noch schlechter; die Stadt machte 1696 konkurs und musste ihr Rathaus meistbietend veräußern.374)

Drei Kriege mit Feindinvasionen hatten den Wohlstand zerbrochen, eine ehrgeizige und dazu noch weitgehend erfolglose Politik des dänischen Staates vervollständigte den Ruin. Zweimal (1675-79 und 1684 -89) streckte der König seine Hand aus nach dem schleswigschen Anteil des Herzogs von Holstein-Gottorf; beide mal war er genötigt, seine Beute wieder herauszurücken, da er die falschen Verbündete hatte. 1675-79 nahm Dänemark an einem Krieg gegen Schweden teil, wobei der Versuch gemacht wurde, Schonen und auf der anderen Seite das Fürstbistum Bremen zurückzugewinnen. Da man aber auf die falschen Verbündeten gesetzt hatte, blieb 1679 im Frieden von Fontainebeau und Lund alles beim Alten, die Schweden erhielten das Ihrige wieder. 1679 wandte sich der König gegen Hamburg, 1686 erschien er gar mit 17000 Mann vor der Stadt, konnte sie aber nicht nehmen. Auch im Herzogtum Lauenburg hatte man keinen Erfolg, es fiel vielmehr nach Aussterben des dortigen Herrschergeschlechtes an Hannover (1689). Zum Glück blieben jedenfalls Invasionen aus. Nur einmal, 1676, landeten Schweden von Stade her kurz in der Kollmarer Marsch. Es war dies jedoch nur ein kurzer Plünderungszug.375) Wichtiger waren die jetzt laufenden Besteuerungen. „Von jedem Pfluge wurden monatlich eine Kontribution von 3 Rthlr. Gezahlt.“ Die Kremper Marsch zählte 203 Pflüge, die Wilstermarsch gar 276. Im Jahre 1686 musste man, was nicht ohne Grund geschah, die Pflugzahl für die Wilstermarsch auf 235 ¾ herabsetzen.376) Und ähnlich erging es der Stadt Wilster. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts scheint die Bevölkerungszahl der Stadt gegenüber dem Beginn des Jahrhunderts um etwa ein Drittel zurückgegangen zu sein. So trug dann ein königliches Dekret dem im Jahre 1682 Rechnung. Sie verringerte nämlich die Steuerlast um eben ein Drittel. Wurde die Stadt bisher auf 66 ½ Pflüge veranlagt, so waren es seitdem nur noch 44.377)

Die Stadt Wilster zählte also um diese Zeit nur noch gut 1000 Einwohner. Da „die Stadt anjetzo in einem gar schlechtem Stande“, man nur hoffen könne, dass sie „durch Gottes Seegen wiederum in Flor kommen und populeuser werden sollte“, kam es am 19. Juli 1683 zu einem Vergleich zwischen dem Rat und den Achtmännern, ohne deren „consent“ ja „in einigen der gemein betreffenden sachen nichts geschlossen werden“ konnte.378) In dem Vergleich wurde festgelegt, „bey Ihrer Königl. Majestät allerunterthänigst zu suchen, dass die Zahl des Raths, so anjetzo nur in 5 Personen bestehet, nicht weiter extendiret und mehr erwehlet werden möchten.“379) Die Obrigkeit bewilligte diese Begrenzung auf 5 Mitglieder in einem kgl. Dekret vom 29. Juli 1686.380) Auch in der Zusammensetzung des Ratsregimentes änderte sich allmählich einiges. Eine sachgemäße juristische Beratung und Vertretung wurde immer wichtiger. Fähige Stadtsekretäre sind seit dem 17. Jahrhundert kennzeichnend. So war 1601-49 Johannes Hasse „verordneter sekretaqrius der statt Wilster“. Ihm folgte 1649-68 Petrus Schele, der Sohn eines Bürgermeisters; sodann amtierte 1668-95 Joachim Schnobel, auch er zugleich „notarius publicus“, der als erster Stadtsekretär 1688 zugleich auch Ratsmitglied wurde.381) Juristen im Rat waren keineswegs unerwünscht, im Gegenteil, sie wurden immer mehr eine Notwendigkeit. Der Jurist im Rat, der dann auch Bürgermeister wurde, kein Vertreter alter wilsterscher ratsfähiger Familie, aber wegen akademischer Kompetenz doch sehr schnell ratsfähig, wurde also 1639 der „juris utriusque licentiatius“ Martinus Steinhaus, der schon 5 Jahre später, im Jahre 1644 ältester Bürgermeister wurde.382)

Am Ende dieser Kriege und Wirren reichen Zeit gab es dann doch noch einmal eine Feindinvasion und eine Befreiung durch ebenso plünderungsliebende Verbündete, im großen nordischen Krieg. Im Jahre 1699 schloss Dänemark mit einer Reihe von Staaten einen Geheimvertrag gegen Schweden, der diesen Staat vollkommen einkreiste. Als die Dänen gegen den Freund des Schwedenkönigs, den Herzog von Holstein-Gottorf, im April 1700 vorgingen, erfolgte die erste schwedische Invasion. Unter anderem drang schon im Mai ein schwedisch-hannoverianisches Heer in Holstein ein. Die Dänen verlegten ihnen aber bei Elmshorn den Weg in die Elbmarschen. Inzwischen zwang König Karl XII. von Schweden mit der Hauptmacht Dänemark zum Frieden von Travendal (18.8.1700), durch den dieses aus der Koalition ausschied. Im Jahre 1709 wandte sich das Kriegsglück, der Schwedenkönig erlitt bei Poltawa gegen die Russen eine vernichtende Niederlage. Darauf trat Dänemark erneut in den Krieg ein. Anfangs gab es auch einige Erfolge; 1711 drangen Dänen bis Wismar vor, 1712 wurde Stadt belagert und zur Übergabe gezwungen. Doch dann erschien aus Pommern der schwedische General Stenbock, schlug im Dezember 1712 die Dänen bei Gadebuschd und drang gegen Jahresende in Holstein ein, während in seinem Rücken schon Russen unter ihrem Zaren Peter dem Großen folgten. Der Schwedengeneral hatte es also eilig, aber kannte das Mittel, um das Land im Hindurchziehen schonungslos auszuplündern. Das Mittel hieß Brandschatzung. Als die Stadt Altona nicht sogleich zur vollen Zufriedenheit die horrenden Leistungen aufzubringen vermochte, wurde die Stadt am 8. Januar 1713 niedergebrannt. Und am 10. Januar schon erschien der General in den Elbmarschen.383)

Der Rat Wilsters verhielt sich auch in diesem Kriege nicht gerade rühmlich. Schon im Jahre 1700, als der Feind nur bis in die Nähe gekommen war, floh fast der gesamte Rat hinter die Festungswälle von Glückstadt und überließ die Stadt ihrem Schicksal. Über die Verfassung derselben hatte er noch am 1. Februar des Jahres dem General-Kommissariat berichtet, dass „gestalt die Bedrängniß der Bürgeschaft fast durchgehende so groß, dass auch ein Nachbar bey den andern, weil die Nahrung gahr schlecht, und hingegen alles, so zum unterhalt nötig, ganz theuer, seinen benötigten Haußraht bey der gossen verkaufen, undt also Kisten und Kasten erledigen, auch an statt des Bettes mit ein Bundt stroh vorlieb nehmen muss, dennoch aber schwerlich die abgifften“, um die es natürlich dem Kommissariat angesichts des heraufziehenden Krieges ging, „ertragen, und das truckene Brodt mit Weib und Kindern dabey übrig haben kann, wie diese Woche einige Junge Bürger in Eydt genommen, und acht derselben nur einer gewesen, der dem Secretario seine 2 Schilling Schreibgebühr“, auf die dieser als Notar Anspruch hatte, „erlegen können“. Am 8.Mai des Jahres bot der König den „Ausschuß“ auf. Es seien „in den Städten und Ambten an staht des Ausschusses von jeden dreyen Pflügen ein tüchtiger, untadelhaffter wehrbarer Mann mit einem guten Boy-rock, Huet, nötiger unter Montierung und Seitengewehr versehen“ zu stellen, oder, worauf man wohl schon vorher spekulierte, „an staht dessen –20 Rthler. –gefordert werden“sollen. Flehentlich bat die Stadt am 18.5.1700 „allergnädigst zu allen Zeiten“ vom Ausschuss „verschont, auch anstaht dessen niemals einige Gelder“ aufbringen zu müssen. In einem Bittgesuch aus dem Jahre an den König heißt es, dass „auch die bemittelst gewesene Bürger bey nacht schlaffender Zeit davon gehen, undt nichts alß die sehr verfallene Häußer und viele schülden hinterlaßen, theils durch die so schwere Einquartierung sich auß der Stadt machen, undt vor derselben Steinburgischer Ambtsjurisdiction“, im Landrecht also, das keine Einquartierung hat, „sich niederlaßen, wodurch dann die übrige Bürger schafft, so auß schlichten Handtwercksleuten und taglöhnern, auch alten erlaßenen Soldaten bestehet, die fast nichts anders haben, alß was sie zu ihren höchstnötigen unterhalt täglich kümmerlich erwerben, sehr geschwächet“ wird. Dennoch forderte der kommandierende General am 13. Juni das Aufgebot nach Uetersen „auffs Lengste in zweyemahl vier und zwanzig Stunden a dato zur gemeinen Landes defension“. Der Frieden von Travendal machte der Kriegsnot damals ein Ende. Aber es folgte Einquartierung, dass „5 bis 6 Soldaten in machem Hause einquartiert“ waren. Und im Oktober 1700 erfolgte die militärische „Exekution“, das heißt das Militär holte nicht geleistetes, da ja die Stadt die „Ausschußgelder“, nämlich 484 Rthlr., nicht bezahlt hatte.384)

Im Jahre 1712, ein Jahr bevor General Stenbock erschien, kam die Pest. Der Staat war jedoch damals schon nicht mehr ganz hilflos gegen eine solche Seuche. Der König ließ die Städte durch Militär abriegeln. Auch der Rat der Stadt gebot am 15.8.1712, „dass bei itzigen gefährlichen läufften einem jededen bey harter Straffe verboten seyn solle, sich keineswegs nach Itzehoe, oder andere verdächtige Ohrter zu begeben, auch keinen Umbgang mit ihnen zu haben, vielweniger Sie zu beherbergen noch einiges Guth von dorten her einzunehmen.“ Stadtsekretär J. G. Ploen, eine der Hauptquellen für das 18. Jahrhundert, berichtet 1782 über die Pest: „Ao 1712 ist auch in hiesiger Stadt die Pest eingerissen, woran jedoch – nicht über 25 Personen gestorben. Wie nachgehends, nachdem die Pest aufgehört, zu Angang des Jahres 1713 mit der Räucherung und Reinigung der inficirten Häuser hieselben verfahren worden.“ Erhalten ist auch eine Abrechnung eines Dr. med. J. H. Kieserling aus dem Jahre 1722 an die kgl. Regierung, weil er „auf ordre des gewesenen Hl. General-Kriegs-Commissarie von Platen“ zur ärztlichen Versorgung „der Pest Behaffteten Kranken, welche Ao. 1712 in und vor der Stadt Wilster verleget waren“ eingesetzt worden war, wofür ihm „Monahtlich Versprochen 20 Rthlr.“ Neben ihm waren zur selben Aufgabe eingesetzt worden die beiden Wilsterschen „Chirurgen Christian Harmenß und Matthias Low“. Dabei war wiederum Krieg. Die Stadt hatte Getreide (Roggen und Hafer) zu liefern und selber anzutransportieren, was Schwierigkeiten bereitete, da sie bezeichnenderweise weder Korn noch Fuhrwerk in nennenswertem Umfange besaß. Juni 1712 wurden sämtliche Wilstersche Schiffe zum Transport von „Korn, Vivres und anderen Sachen“ beschlagnahmt. Im Juli desselben Jahres waren 44 Bauernwagen zum Transport von Artillerie von Friedrichsort nach Itzehoe zu stellen. Im November wurden Ever für das Übersetzen von Kavallerie und Infanterie über die Elbe eingesetzt. Dabei besaß Wilster an Wasserfahrzeugen damals nur noch 3 Schiffe zu 13 bis 14 „Lasten“ und „8 große Kahnen“. 9 Wilsteraner Schiffer haben damals „Würcklich in Königl. Dienst gestanden.“386)

Am 10. Januar 1713 näherten sich die Schweden, während sich die Dänen in die Festung Glückstadt zurückzogen. Noch am selben Tage erfolgte von Krempe aus durch einen Oberst von Bassewitz die Androhung der Brandschatzung. „Bei Vermeidung harter militärischer execution und der Verbrennung ihrer Häuser“ hätte die Stadt zu liefern „so viel victualien an Brot, Speck, Butter, Käse, Fleisch und Bier, alß immer aufzubringen stehet“ nach Itzehoe. General Stenbock hatte noch am 30. Dez. aus der Umgebung von Lübeck angeordnet, innerhalb von 8 Tagen habe die Stadt Wilster zu liefern für jeden der (einst) 66 ½ Pflüge: 80 Rthlr., weiter 120 Pfund Brot, 120 Pfund Fleisch, 60 Kannen Bier, 30 Pfund Butter, eventuell dafür Speck und 7 ½ Kannen Grütze und Erbsen. Der Gesamtbetrag dieses „Stenbockschen universals“ betrug 5320 Rthlr.. Oberst von Bassewitz drohte schärfer und erschien dann am 13. Januar mit seinem Dragonerregiment selber in der Stadt, aus der wie immer bisher Bürgermeister und Rat entflohen waren. Das wirkte. Die Brandschatzung musste am 18. Januar den Schweden nach Meldorf nachgeliefert werden. Die Kosten, die der Stadt durch den schwedischen Durchzug erstanden waren, legte diese im Juli 1713 dem Kriegskommissar von Platen vor. Es waren, bei 153 Bürgern, welche die Stadt damals noch zählte, für Einquartierung 2580 Mark lübisch, als Brandschatzung 80 Rthlr. Je (einstigen) Pflug, zusammen 15960 Mark, eine „discretion“ (Schmiergeld) an General Stenbock (hier „Graf Steinbrock“ benannt) 700 Mark und an Oberst von Bassewitz noch einmal 600 Mark, alles mit „einer excorte Reuter“ nach Meldorf zu 87 Mark, Verwüstungen durch die abziehenden Schweden 120 Mark. Das ergab 20247 Mark lübisch. (Die Abrechnung vom zurückgekehrten Rat am 7. Mai belief sich auf 19045 Mark lüb.).387)

Die Schweden hatten es eilig, denn nun nahten die „Moskowiter“ des Zaren Peters des Großen als Befreier. Vor ihnen hatte man eine besonders große Furcht. Dem russischen General Bauer leistete man daher, damit diese „Moskowiter“ die Stadt mit Einquartierung verschonten, 900 Mark, weiter 264 Mark für Heu, dann am 17. Januar 44 t Hafer, 528 Pfund Fleisch und 880 Pfund Brot. So zogen die Russen weiter. Und dann kam die eigene Regierung. Kriegskommissar von Platen forderte am 23. Januar pro Pflug 40 Brote, am 24. Januar pro Pflug 160-170 Pfund reines Fleisch und 4 t Roggen (oder entsprechendes) und 4 t Gerste oder Hafer.388)

Der General Stenbock zog sich vor seinen dänisch-russisch-sächsischen Gegnern in die Festung Tönning zurück, wurde in ihr eingeschlossen und am 16. Mai 1713 zur Kapitulation zu Oldensworth gezwungen. Der Krieg dauerte noch bis 1720. Die Einquartierungslasten waren hoch und drückend. Besonders das „Fünsche geworbene Regiment zu Fuß“, das mit 16 Offz., 535 Mann und 66 Pferden
(5 Kompanien) und dem Regimentsstab mit 6 Offz., 7 „Knechte“, 4 „Hautbois“ (Spielleute), 1 Wagenmeister und 16 Pferden in der Stadt lag, führte sich übel auf. „Die Klagen der Bürger über dieses Regiment füllen beinahe ein ganzes Buch“.389)

Im Jahre 1720 wurde Frieden zu Frederiksborg geschlossen. In ihm wurde dem än. König freie Bahn gegeben, den schleswigschen Besitz der Herzoge von Holstein-Gottorf endlich doch zu annektieren. Durch die „Erbhuldigung“ am 3./4. September 1721 wurde hier der Gottorfer Anteil mit dem königlichen Anteil vereinigt. Weniger wurde an der Elbe erreicht. Zwar verlor der Gegner Schweden endlich wieder das Fürstentum Bremen mit Stade. Aber nicht der dänische König gewann das Gebiet, sondern der Kurfürst von Hannover. Die Niederelbe blieb Grenze, trennte nun Holstein von der „hannöverschen Seite“. Eine Vormachtstellung des dänischen Gesamtstaates zu beiden Seiten der Elbe gab es niemals wieder. Keine gute Möglichkeit für ein erneutes Aufblühen Wilsters.

Das 17. Jahrhundert wurde zu einem Jahrhundert größter Drangsal. Es war auch eben deshalb ein Jahrhundert tiefer Glaubensinbrunst. Die verfallende alte Kirche wurde damals allerdings noch nicht durch einen Neubau ersetzt, obwohl immer wieder daran gedacht worden ist. Schon im Jahre 1603 war der Zustand des Bauwerkes derartig, dass der Rat einen Neubau plante,390) da „das gewelb in der kirchen allhie eingefallen“, wie später darüber berichtet wurde.391) Doch man behalf sich immer wieder mit Ausbesserungen. Spätestens seit 1632 hatte die Kirche eine Turmuhr;392) 1669 kam eine Sonnenuhr hinzu.393) Reichlich für eine immer mehr verarmende Stadt erfolgten in dem Jahrhundert Stiftungen. „Schaffet recht dem armen und dem waisen unde helpet dem elenden unde nodttroftigen than recht, Reddet den geringen unde vorloseten uth der godtlosen gewalt. 82 Psalm. Anno 1585“ stand ja auch an der Vorderseite des Rathauses, womit man freilich in diesem Falle an das Recht dachte, das hier gesprochen wurde. Es waren ja individuelle Leistungen, durch welche die Versorgung der Armen gesichert wurde. Zu dem ursprünglich der Kirche vermachten Stiftungen kamen nun weitere hinzu. Die Witwe Margarethe Vincke stiftete 2500 Mark,394) Pastor Hinricus Winsen stiftete je 100 Mark für das „Gasthaus“ und den „armecasten“,395) Clauß Boltens gab 200 Mark dem Armenhaus,396) Tewes Möllers 20 Mark,397) 1645 gab der Bürgermeister Joachim Uthermark 300 Mark dem Armenhaus,398) 1646 weiter der Bürgermeister Albertus Francke (und seine Witwe)399) vermachte 400 Mark der Schule Wilster, 400 Mark armen Studenten der Stadt und 200 Mark dem Gast- und Armenhaus. Am bedeutendsten wohl war die Stiftung des Pastors Michael Boie, 1684 – 93 im Amt, Sohn eines Wilsteraner Goldschmiedemeisters, sein Großvater war schon Pastor der Stadt. Da er kinderlos starb, vermachte er 2000 Mark der Kirche Wilster, 2000 Mark den Pastoren dieses Kirchspiels, 1500 Mark den Lehrern der Stadtschule, 300 Mark dem Küster, 500 Mark waren für Beschaffung von Büchern für arme Stadtknaben gedacht, 1000 Mark galten dem Gasthaus, weitere 100 Mark für die Armenkiste, 400 Mark für Predigerwitwen und –waisen, 300 Mark schließlich galten dem Münsterdorfer Konsistorium.400)