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Neuteicher Stuben im Alten Rathaus Wilster
Neuteicher Stuben im Alten Rathaus Wilster

Interessante historische Geschichte der Partnerschaft wird in zwei Räumen des Alten Rathauses präsentiert

WILSTER Während der Sanierung des Alten Rathauses mussten alle Zeugnisse der Patenschaft mit dem einstigen Neuteich (heute Nowy Staw) eingelagert werden - jetzt erstrahlen sie in den Neuteicher Stuben im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses im neuen Glanz. Anschaulich eingerichtet von Archivar Christian Boldt in Zusammenarbeit mit dem früheren Stadtarchivar Harald Bürger. "Was beide hier erarbeitet haben, ist hervorragend", lobt Bürgermeister Walter Schulz. Mit großer Liebe zum Detail haben beide in den zwei Räumen ein Kleinod mit historisch interessantem Material geschaffen. Übersichtlich findet der Betrachter in Vitrinen und an den Wänden Urkunden und Fotos ebenso wie Becher, das Modell des Neuteicher Kleinbahnhofs von 1935 oder gar Kleiderbügel von anno dazumal. Besondere Hingucker: von Christian Boldt gestaltete geschichtliche Banner, die diversen thematischen Schwerpunkten gewidmet sind. Unter anderem der Freundschaft zwischen dem Heimatbund der Neuteicher und Wilster. Seit über 60 Jahren pflegt die Stadt Wilster die Partnerschaft zum Heimatbund der Neuteicher. Auch nach Auflösung des Heimatbundes vor sechs Jahren setzten die Neuteicher ihre Treffen in der Marschenstadt fort. Helmut Jacobs als Vorsitzender des Fördervereins der Städtpartnerschaft mit Nowy Staw, wie das heute polnische Neuteich heißt, erklärte sich bereit, sich um die Kontakte mit den Neuteichern zu kümmern. Auch in diesem Jahr ist wieder ein Treffen geplant, das am Wochenende 13./14. September stattfindet. Der Mangel an Nachwuchs lässt die Zahl allerdings schrumpfen, im vergangenen Jahr waren es neun Teilnehmer, die Jacobs in Wilster begrüssen konnte.

Bürgermeister Walter Schulz freut es besonders, dass ihnen jetzt die neuen Neuteicher Stuben präsentiert werden können. Die Wiederherstellung, Neustrukturierung und die Banner konnten aus dem Topf finanziert werden, der die hinterlegten Gelder des Heimatbundes enthält. Bei dessen Auflösung war das Barvermögen des Heimatbundes über rund 17.000 Euro an die Stadt Wilster zweckgebunden für den Unterhalt der Neuteicher Stuben geflossen.

Quelle: Ilka Rosenburg Wilstersche Zeitung 09.09.2014

Ein von dem Verfasser aufgestelltes Verzeichnis der Dooseschen Bibliothek bringt, nach den verschiedenen Wissensgebieten aufgegliedert, die einzelnen Werke mit Angabe der Verfasser, der Titel, der Anzahl der Bände, der Verleger, der Verlagsorte und der Erscheinungsorte. In besonderen Registern werden in alphabetischer Folge die Namen der Verfasser, der Verleger und der Verlagsorte aufgeführt. Erstdrucke sind in dem in der Bibliothek benutzten Verzeichnis hervorgehoben.

Bis auf einige Werke stammen alle Bücher aus der Zeit vor 1800. Zur Illustration verwandte man nur Kupferstiche oder Holzschnitte. Da es sich bei der Dooseschen Bibliothek um teilweise sehr kostbare Werke handelt, sind diese weitgehend illustriert. Über den Wert, den man den mit Kupferstichen illustrierten Werken früher beilegte, werden wir durch ein vierbändiges Auktionsregister unterrichtet. Es wurde um 1777 über den Büchernachlass des Glückstädter Etatsrates Michaelsen aufgestellt und ist heute noch in der Dooseschen Bibliothek vorhanden. Danach kamen damals etwa 23.000 Bücher zur Versteigerung. Für den Freund der Bibliographie dürfte es interessant sein, durch Blättern in den Registern, die Bücherei des hoch gebildeten Glückstädter Regierungsbeamten und Bürgers in der Goethe-Zeit kennen zu lernen. Leider verzeichnet nur ein Band der Auktionsregister auch den Preis verkauften Bücher sowie die Namen und Wohnorte der Käufer. Aus diesen Angaben ist zu erkennen, dass die seltenen und prachtvollen Werke mit "Kupfer" teilweise mit Summen bis zu 100 Reichsthalern bezahlt wurden. (Für einen Reichsthaler erhielt man damals 3 bis 4 Pfund Butter!)

Mehrere solcher "Kupferbände" sind noch heute in der Dooseschen Bücherei im alten Rathaus vorhanden. Auch der Besitzer dieser wertvollen Bücherei, der Wilstersche Kanzleirat Doose, maß seinen Büchern mit den prachtvollen Bildern großen Wert bei. Das lässt auch das Testament der verwitweten Etatsrätin Doose von 1829 erkennen, in dem sie die ganze Bücherei, damals etwa 10.000 Bände umfassend, der Stadtschule schenkte mit der ausdrücklichen Bestimmung, die prächtigen "Kupfer" und Landkarten recht schonend und sorgfältig zu behandeln und nicht auszuleihen. Obgleich durch Verkauf vieler Werke, für den Erlös sollten damals "moderne" Bücher für die Schüler gekauft werden, der Bestand sich auf 2.700 Bände verringert hat - ohne die nun noch hinzugekommene Bücherei der Brüder Witt - ist die Anzahl der mit "Kupfer" gezierten Werke verhältnismäßig noch sehr groß. Das trifft besonders für die naturkundliche und geographische Abteilung zu. Hier finden wir "Kupfer", die "mit der Hand erleuchtet sind", also jeder Kupferstich durch Handmalerei mit Farbe überzogen ist. Es sei nur an die prächtigen Muschelwerke, die "Insektenbelustigung" und die "Dänische Flora" erinnert, die stets die Bewunderung und das Entzücken der Betrachter erwecken. Es sind Werke von Regenfuß darunter, der nach 1750 als Hofkupferstecher am königlichen Hofe in Kopenhagen im Hof- und Staatskalender verzeichnet ist. Aber auch die Geschichts- und Literaturwerke sind mit vielen Porträtskupfern, mit Titel-, Kopf-, Anfangs-, Text- und Schlussvignetten in Kupferstich und Holzschnitten versehen.

Stadtbilder und Festungsanlagen kommen hinzu. Wenn auch nicht immer, so sind doch viele Stiche in bescheidener, kleiner Form mit den Namen der Maler und Kupferstecher versehen. Die Genealogen dürften sich über die "Oeconomische Encyklopädie" von Krünitz freuen, bringt sie doch als Titelblätter des Werkes mit 124 Bänden über 120 "Porträtkupfer", darunter ein Bildnis von dem in der Bibliothek so oft vertretenen Daniel Chodowiecki. Es ist von seiner Tochter gestochen. Fast bei jedem dieser 120 "Porträtkupfer" sind Maler und Kupferstecher angeführt. Wie weitgehend der Inhalt dieser Kupferstiche ist, mag daraus zu entnehmen sein, dass das achtbändige Werk von Beeverell über Groß-Britannien und Irland (bei Vander in Leiden 1767 erschienen) sehr viele Städteansichten dieser Länder bringt.

 Namen vie Chodowiecki, Geyser, Gessner, Meil, Schmidt, Oeser u. a. treten einem oft entgegen. Vertieft man sich in die Werke dieser Meister in der Dooseschen Bibliothek, so gewinnt man Freude an der "unglaublich fruchtbaren Phantasie", an der "feinen Technik", an der "geistigen und künstlerischen Produktion« (Dr. Rümann) dieser Kunsterzeugnisse. Die Sache und die Freude vieler Besucher an diesen Schätzen rechtfertigen den Hinweis auf diese Werte, die sich über die Jahrhunderte gerettet haben und jetzt den Interessenten zugänglich sind.

Das aufschlussreiche Verzeichnis befindet sich in der Breitenburger Schlossbücherei. Die umfangreichen adligen Schlossbibliotheken ausgenommen, dürfte die Bücherei des Gottw. Müller neben der des Etatrates Michaelsen in Glückstadt und der des Kanzleirates Doose in Wilster zu den größten unserer Gegend gerechnet werden.

Quelle: Steinburger Jahrbuch 1973 (Autor: Otto Neumann)

Neben der Bibliothek des Kanzleirates Johann Hinrich Doos, die von seiner Witwe, der allerseits hoch verehrten Frau Etatsrätin Louise Doos, im Jahre 1829 der Stadt Wilster testamentarisch vermacht wurde und heute noch etwa 3.000 Bände umfasst, beherbergt das alte Rathaus von 1585 jetzt auch über 1.500 Bände aus dem Nachlass des 1928 verstorbenen Übersee-Kaufmannes Gustav J. J. Witt, Hamburg. Sein ältester Sohn Gustavus F. C. Witt, Arosa, gleich dem Vater der Wilstermarsch als Heimat des Geschlechtes stark verbunden, fügte seinen bisherigen Stiftungen für die St.Nikolaus-Kirche zu Beidenfleth diese Gabe an die Stadt Wilster hinzu.

Um das Verhältnis der Witts zur Wilstermarsch verstehen zu lernen, werfen wir einen Blick in ihre Familiengeschichte. Die Familie Witt-Warstede vermag ihren Stammbaum in der Folge von 15 Generationen bis ins 15. Jahrhundert in der Marsch nachzuweisen. Zu Anfang lebten sie auf einem Hof in Beidenflether-Uhrendorf, der zum Kirchdorf Beidenfleth gehört. Ein Teil dieses Besitzes war Wewelsflether Kirchenland mit der Flurbezeichnung "Warstede", nach dem sich diese Linie der Familie Witt benennt. Die Witts, weiter in die Zweige Fockendorf, Hamburg, Arentsee und Norder-Dithmarschen eingeteilt, waren allzeit als strebsame, angesehene Leute bekannt. Bürgermeister, Kirchenjuraten und Deichgrafen sind aus ihren Reihen hervorgegangen. Ihre Höfe, behäbig auf Wurten liegend, unterstreichen die Schönheit dieses Landstrichs.

Dass diese Familie, getreu ihrem Wahlspruch "In secundis modestus, in adversis fortis' (Im Glück bescheiden, im Unglück standhaft) auch Notzeiten zu überstehen vermag, ist aus der von Pastor Dr. Wilhelm Jensen nach den hinterlassenen Aufzeichnungen von Gustav J. J. Witt erarbeiteten Familienschrift "Die Witt-Warstede" zu ersehen (bei J. J. Augustin, Glückstadt 1935). Der 1786 auf dem Familienhof in Fockendorf geborene Marten Witt lebte mit seiner Frau Anna Stark von Uhrendorf und seinen 12 Kindern auf einem prächtigen Hof in Bischof (jetzt Reimer Heesch). Schuldenfrei hatte er diesen Besitz übernommen, doch zwangen ihn die schweren Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts (dänischer Staatsbankrott, feindliche Besatzung und die verheerende Sturmflut von 1825), ihn aufzugeben. Er eröffnete in Hamburg ein Vieh-Kommissionsgeschäft, das nach seinem frühen Tode (1837) von seinem Sohn Marten fortgeführt wurde. Dessen Bruder Marx Witt betrieb die Ausfuhr selbst hergestellter Fleischkonserven und Schiffsproviantierung. Mit dem jüngsten Sohn von Marx Witt, Gustav Johannes Julius Witt (1854-1928), sind wir wieder bei dem Begründer der Bibliothek Witt-Warstede angelangt.

Nach vortrefflicher Schul- und kaufmännischer Ausbildung und nach Absolvierung Einjährig-Freiwilliger Dienstzeit im Inf. Regt. Nr. 31 in Altona arbeitete Gustav J. J. Witt bei seinem Schwager Carsten Emil Bade in Shanghai und Hongkong. Mit 25 Jahren gelang es ihm, für eigene Interessen in den USA gute Geschäftsverbindungen anzuknüpfen. Ein Im- und Exportgeschäft großen Stils mit Niederlassungen in Rotterdam, Kopenhagen und Berlin sowie ein Bankgeschäft waren Zeugen wirtschaftlicher Tüchtigkeit. Ansehen und Vertrauen seiner Mitbürger fanden ihren Niederschlag in Ehrenämtern der Hansestadt Hamburg. Verheiratet war Gustav J. J. Witt mit MéIanie Barwasser, die einer angesehenen Hamburger Kaufmannsfamilie entstammte und zur Hüterin eines glücklichen Familienlebens wurde.

Der 1. Weltkrieg setzte der glänzenden Aufwärtsentwicklung des Unternehmens, das Beziehungen mit Nord- und Südamerika, Kanada, England, Australien, Holland und Dänemark unterhielt, ein jähes Ende. Jedoch nach dem Waffenstillstand bewiesen die alten Geschäftsfreunde ihr großes Vertrauen, so dass Gustav J. J. Witt im Jahre 1920 seinem Sohn Gustavus ein intaktes Geschäft übergeben konnte.

Er selbst widmete sich in seinen letzten Lebensjahren der Familien- und Heimatforschung. Kurz vor seinem Tode beendete er "Die Geschichte der Wilstermarsch". Mit diesem Werk wollte er seiner Familie eine Übersicht über die Geschichte ihrer Heimat geben. Schon früh hatten ihn seine Söhne Gustavus und Cornelius auf heimatkundlichen Fahrten in die Wilstermarsch begleitet, wurden sie Zeugen seiner Stiftung für die Heimatkirche in Beidenfleth, lernten sie die Eigenart von Land und Leuten verstehen.

In Verehrung für seinen Vater und aus Zuneigung zum Ursprungsland seiner Sippe beschloss Gustavus F.C.Witt, seit 9.12.1962 Ehrenbürger von Beidenfleth, die auf ihn überkommene, reichhaltige Bibliothek seines Vaters der Familienheimat zu stiften. In Anwesenheit des Magistrats und einiger geladener Gäste nahm er am 10. Oktober 1967 im alten Rathaus zu Wilster die Übereignung vor. Nachdem Gustavus Witt seiner Vorfahren gedacht - ein Detlef Witt hatte bereits um das Jahr 1500 die Geschicke der Stadt als Ratsherr und Bürgermeister geleitet - und seinem Bruder Cornelius für umfangreiche Vorarbeiten zur Überstellung der Bücher gedankt hatte, sprach er die Hoffnung aus, die Bibliothek seines Vaters möge weiterleben und erzieherisch wirken, denn - nach einem Zitat der großen Königin Christina von Schweden - die Kenntnis der Vergangenheit sei ein großer Gewinn für die Zukunft.

Bürgervorsteher Karl Huusfeldt und Bürgermeister Johannes Handt dankten im Namen der Stadt Wilster für die hochherzige Stiftung und versprachen eine sorgfältige Pflege der Bücher. Pastor Lohse wies darauf hin, dass die Bibliothek ursprünglich habe in Beidenfleth, dem Heimat-Kirchdorf der Witts, aufgestellt werden sollen. Da hier jedoch Unterbringung und Betreuung nicht in dem Maße gegeben seien wie in Wilster, erkläre er sich mit der jetzigen Regelung gern einverstanden.

Die Bibliothek Witt-Warstede umfasst einige alte Bibeln, kirchenhistorische und juristische Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, wertvolle Konversations-Lexika, genealogische Kalender, Weltgeschichten, historische Schriften, national-ökonomische, naturwissenschaftliche und geographische Werke, Biographien, die deutschen Klassiker, englische und französische Literatur, einige Werke in chinesischer Sprache und zwei Specialsammlungen über Friedrich den Großen und Bismarck, denen die besondere Verehrung von Gustav J. J. Witt gegolten hatte.

Das Faszinierende an dieser Bücherei ist die Erkenntnis, dass sich hier ein aufgeschlossener Geist mit großer Hingabe dem Studium gewidmet hat. Viele Anmerkungen und beigefügte, einschlägige Zeitungsausschnitte zeugen dafür.

War die Stadt Wilster durch die Doos'sche Bibliothek bereits im Besitz der beispielhaften Bücherei einer gebildeten Familie des 18. Jahrhunderts, so schätzt sie sich jetzt glücklich, mit der Witt-Warstede-Bibliothek den Anschluss an das 19. Jahrhundert gewonnen zu haben.

Quelle: Steinburger Jahrbuch 1969 (Autorin: Karla Lammers)

Außer dem "Neuen Rathaus" trägt in Wilster noch eine Stiftung den Namen der großen Wohltäterin Louise Doos. Es ist ihre Bibliothek, die sie der "großen Stadtschule und der hiesigen Mädchenschule" vermachte, und die heute wohlgeordnet im "Alten Rathaus" aufbewahrt wird. Testamentarisch regelte die Etatsrätin Doos auch die Verwendung ihrer Bücher: "Diejenigen Werke, welche für die Jugend brauchbar und passend sind, so wie solche Werke, die sich durch ihre Seltenheit oder die Schönheit der Ausgaben auszeichnen, sollen ausgesucht und aufgestellt werden. Das nicht brauchbare soll allmälig verkauft und für das daraus gelöste Geld sollen wieder neue und für die Jugend paßliche Bücher angeschafft werden."

Als die Etatsrätin starb, umfaßte die Doos'sche Bibliothek knapp 5.000 Werke in etwa 10.000 Bänden. Darunter waren auffallend viele "Kupferbände" und Werke, die Landkarten und Holzschnitte enthielten, Eine stattliche Bibliothek also, für die damalige Zeit aber nichts Ungewöhnliches. Zu Rang und Reichtum gehörte es in der Goethezeit, dass man umfängliche Familienbibliotheken nachweisen konnte. Zuweilen nur zur Repräsentation. Bei der Doos'schen Bibliothek war das nachgewiesenermaßen anders. Den Grundstock bildete alter Familienbesitz. Durch Erbschaften kamen geschlossene Bibliotheken mit ausgefallensten alten Werken dazu, und außerdem erwarb der Kanzleirat aus vielseitigem Interesse Bücher aus allen Wissensgebieten dazu - neu oder antiquarisch auf den großen Bücherauktionen jener Zeit. Zeitzeugenberichte belegen, dass die Bibliothek im Doos'schen Haus intensiv genutzt wurde. Die Naturwissenschaften und die Geschichte waren wohl die am meisten vertretenen Bereiche, viele Werke behandelten aber auch theologische und philosophische Fragen oder die Rechtswissenschaft und Pädagogik. Eine Fülle von Jugendbüchern aus den Jahren 1780 bis 1800 waren für den jungen Sohn angeschafft worden.

Die Doos'sche Bibliothek blieb jahrzehntelang in der Aufsicht der Schulmeister und Prediger. 1851 wurde zum ersten Mal der Bestand verringert. Im "ltzehoer Wochenblatt" war zu lesen, dass "für Rechnung der Dooseschen Bibliothek 2 bis 3.000 ältere Bücher" verkauft wurden. 1870 gab es in der Stadt Unruhe, weil Rektor Heyer als Bibliotheksverwalter rund 200 Werke verkaufen wollte. Lehrer und Bürger protestierten. Heyer verteidigte sich damit, dass er dem Testament der Etatsrätin entsprechend das "Interesse der Jugendbibliothek" vertrete, und dass ihm der Kieler Antiquar, dem er die Bücher zum Verkauf angeboten habe, den größten Teil ohnehin als "wertlose Makulatur" nicht abnehme. Noch 1897 war man in Wilster der Meinung, dass "eine ganze Reihe von Büchern mit der Zeit für unsere Einwohnerschaft fast ganz wertlos geworden sind und eigentlich nur noch antiquarischen Wert haben. Dass der Erlös aus solchen Büchern aber nur ein äußerst geringer ist, dürfte klar sein". Heute wird der Verlust so vieler Bücher bedauert ...

Viele Jahre hindurch ist die Doos'sche Bibliothek als Volksbücherei genutzt worden, für jedermann zugängig und laufend durch Auf- und Verkäufe aktualisiert. Im Zweiten Weltkrieg waren die Bücher ausgelagert. Als sie danach unversehrt wieder nach Wilster zurückkamen, machte sich der heutige Kreisarchivar Otto Neumann sehr verdient darum, die Doos'sche Bibliothek neu zu ordnen und zu katalogisieren. Rund 2.700 Werke konnten über die Zeiten gerettet werden. Darunter sind äußerst sehenswerte und seltene Kostbarkeiten, die es gilt, für künftige Generationen zu erhalten.

Quelle: 700 Jahre Stadt Wilster (erschienen 1982) - Jutta Kürtz


Bericht über das Alte Rathaus von 1585 der Stadt Wilster

Wilster besitzt zwei Rathäuser, das alte und das neue. Das alte Rathaus, 1585 erbaut, wird seit 150 Jahren hauptsächlich als Baudenkmal gepflegt, während das neue als Gebäude für die Stadtverwaltung dient. Das heutige alte Rathaus ist aber nicht das erste oder älteste Rathaus der Stadt Wilster gewesen. Bauspuren sind nicht mehr vorhanden, nur in den ältesten Schriften erfahren wir von einem noch früheren Vorgänger. Es dürfte nach 1282, als das frühere Dorf Wilster die Stadtgerechtigkeit erhielt, als Verwaltungsgebäude für die junge Marschenstadt erbaut worden sein. Seinen Platz hatte dieses Gebäude auf der Straßenecke, wo die lange Deichstraße und die Straße „Op de Göten" zusammentreffen, wie noch heute. An dieser Ecke stand auch der Schandpfahl oder Kaaks für die Bestraften.

Der Straßenname „Deichstraße" ist leicht zu erklären. Es war die Straße, die sich an der Innenseite eines Deiches entlangzog. In dem unteren Ende hatte diese Straße den Namen Landrecht, wie noch heute. Die Straße hatte den „Burggraben" (Bürgergraben) überquert, der das Gebiet des Lübischen Rechtes für die Stadtbewohner von dem Gebiet mit dem alten Landrecht für die Landbewohner trennte. Die Deichstraße ging also, wie später auch, durch zwei Gebiete mit verschiedenem Recht. Das erste Rathaus lag natürlich im Lübischen Recht. Von der Deichstraße trennte sich auf der Ecke die Straße „Op de Göten" ab. Sie führte über die Au (Wilsterau) früher als „Furt", später dann als Brücke, zum südlich gelegenen Stadtteil „Neue Seite", während der Teil um die Kirche und das damals erbaute Rathaus auf der „Alten Seite" lagen. Die Straße „Op de Göten" fällt noch heute durch ihre Breite auf. Diese Straße vor dem Rathaus diente als Marktplatz. Bei der Kirche konnte der Markt nicht gehalten werden. Dort war der Friedhof, ferner auch der Versammlungsplatz der Dorfbewohner aus dem Landrecht, der Platz war nicht Eigenturn der Stadt, sondern des Amtes Steinburg. Auf diesem Platz dürfte auch schon in der Vorstadtzeit, also vor 1282, ein Markt stattgefunden haben. Denn schon in der „Dorfzeit" von Wilster, vor 1282, hatten die Leute aus der Wilstermarsch einen „Stapelplatz" in Hamburg, wo die Waren aus der Marsch den Hamburgern angeboten werden mussten. Danach hat also schon das Dorf Wilster vor 1282 Schifffahrt betrieben.

Das erste Rathaus nach 1282 können wir uns nur klein und beengt vorstellen. Der Bürgermeister mit dem gelehrten Stadtschreiber und die gewählten Senatoren hatten in der Hauptsache dieselben Arbeiten zu verrichten wie in späteren Jahrhunderten, als 1585 das zweite Rathaus erbaut wurde. Der Bürgermeister mit seinen Ratsherren hatte für Ruhe und Ordnung zu sorgen, Übeltäter mussten an Leib und Leben bestraft werden, peinliche Verhöre, Hinrichtungen durch den Scharfrichter mussten auf der Gerichtsstätte getätigt werden. Wie später diente der Rathauskeller als Raum für peinliche Verhöre mit den fürchterlichen Torturen, in der Gerichtsstube fanden die langen Verhöre der Zeugen statt. In der Kämmereistube mussten die Steuern, die Stadtabgaben, gezahlt werden. Es dürfte auch schon das erste wilstersche Rathaus einen Raum für die Ratswaage besessen haben, um das Gewicht der zu verzollenden Waren festzustellen. Sollte nach einem Vergehen, besonders bei Butterfälschungen, die Wahrheit festgestellt werden, dann wurde die Wasserprobe durchgeführt. Bis nach der Wilsterau war es ja nicht weit. Und schließlich dürfte auch bei dem ersten Rathaus nicht die Gaststube für die Handwerksburschen, für die einheimischen Burschen und Männer, gefehlt haben, wo sich bei Bier und anderen Alkoholika die Gemüter erregten  und wo es dann zu manchen „blodigen Schlägen", wie es das älteste Ratsbuch erkennen lässt). Doch nach einigen Jahunderten genügte dieses erste wilstersche Rathaus den Ansprüchen nicht mehr. 

1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Das wirkte sich bis in die kleine Marschenstadt Wilster aus. Durch die kleine Wilsterau, durch die Stör und die Elbe hatte Wilster einen vorzüglichen Wasserhandelsweg. Hatten die wilsterschen Handelsleute elbabwärts die Elbmündung erreicht, dann konnten sie nach Norwegen, nach England und Schottland und südwärts ihre Schiffe bis nach Andalusien und Italien schiffen, Waren hin und her transportieren. Auch für Wilster war nach 1500 durch den ausgedehnten Handel das "goldene Jahrhundert" angebrochen. Das „Rechenbuch" oder „Handelsbuch" des Ritters Heinrich Rantzau auf Krummendiek zeigt den Handel der Stadt Wilster in den Jahrzehnten vor 1500. Es war der Vater von Johann Rantzau und Großvater des berühmten Heinrich Rantzau auf Breitenburg. Die Marschenstadt Wilster stand danach mit ihren Schiffen an vierter Stelle im Lande Schleswig‑Holstein. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die wilsterschen Schiffer einen reichen Auftraggeber: Den eben erwähnten Schlossherrn auf Breitenburg, Heinrich Rantzau, der auch Arntmann auf Segeberg und Statthalter der beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein war.Seine Briefe, die er mit dem Herzog Ferdinand von Toscana wechselte, künden von diesem Handel zwischen Holstein und Italien. Als der junge Heinrich Rantzau mehrere Jahre am Hofe des Kaisers Karl V. in Innsbruck weilte, lernte er auch später zu hohen Würden emporsteigende Herren kennen. Es waren Herzöge und Kardinäle, an die er Briefe und Sekretäre und Freunde schickte. Peter Lindeberg, sein Freund und Vertrauter, und sein Sekretär Fabricius wurden in Rom und Florenz freundlich empfangen und mit reichen Geschenken für Heinrich Rantzau wieder entlassen. Der Statthalter der Herzogtümer im Norden erhielt köstliche Vasen von einem hohen italienischen Würdenträger als Geschenk, von dem Florenzer Herzog einen glänzenden Alabastertisch. Die Schiffe brachten weiter Marmorblöcke in den Norden, aus denen die Statuen für die Kirchen, für die Figuren der Planeten und Hemmelszeichen für die Gärten gemeißelt wurden. 1592 bietet Heinrich Rantzau den Medicär ein schneeweißes Reitpferd, einen Prachthut mit ausländischem Pelzwerk und ein Buch über die Genealogien des sächsischen Adels als Geschenk an. Als Gegengabe erbittet er sich Marmorblöcke, die die Schiffe von Wilster als Fracht mit zurückbringen können. Für den Handel mit dem Norden hatte der Florenzer Herzog einen besonderen Agenten. Er hieß Dominus Himenius. Durch diesen lässt der Herzog an den Amtmann und Statthalter übermitteln: Und wenn (außer Marmorblöcken) etwas anderes in unserem Lande sein wird, was Du haben willst, so lass es mich wissen, denn es wird uns zum Vergnügen gereichen, Deiner Erwartung zu entsprechen. Wenn Du von hier Marmorbildwerke, Gemälde oder ähnliche Gegenstände aus Marmor haben willst, so schreibe darüber kühn und sorglos. Als der Herzog das Buch über den sächsischen Adel ablehnt, schickt ihm Heinrich Rantzau zwei Holsteiner Reitpferde, den Pelzhut, ein Porträt des dänischen Königs und ein Fass Braunschweiger Bier, das man in Deutschland „für eine Wonne hält". Mit Korn, Pelzwerk und Holz beladen fahren die Schiffe aus unserer Heimat südwärts. Mit Waren aus Italien, Spanien und Portugal, wohin diese aus Indien kamen, kehren sie zurück. 

Es können hier nur Streiflichter aus diesem Abschnitt unserer Heimatgeschichte gebracht werden. Aber es dürfte doch bemerkenswert sein, dass der Statthalter und Breitenburger Schloßherr Heinrich Rantzau nicht nur billig Holz für die beiden neuen, stattlichen Rathäuser in Krempe (1570) und Wilster (1585) aus den Wäldern des Rendsburger Amtes besorgte, den Wilsteranern außerdem aus eigener Kasse größere Geldsummen für den Bau vorschoss, sondern ihren Schiffen auch Frachtgut und Einnahmen für die weiten Seefahrten verschaffte. Diese „goldene Zeit" mit den hohen Einnahmen aus dem Handel und den Schifffahrten ermöglichte es also, dass die Wilsteraner ihr erstes Rathaus abbrachen und 1585 jenseits der Wilsterau das zweite Rathaus erbauten. Leider sind keine Akten über die Handwerker vorhanden bis auf eine Nachricht, die einen vermuten lässt, der am zweiten Rathaus mitgearbeitet haben könnte. Aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts besitzt Hamburg zwei Stadtpläne mit bildlichen Darstellungen, gezeichnet von Braun und Hogenberg (1574‑1578) und von Daniel Frese (1587). Daniel Frese muss ein sehr rühriger und begehrter Meister gewesen sein. Wir treffen ihn in den achtziger Jahren in den verschiedensten Städten. Die Lüneburger Ratsherren übertrugen ihm z. B. Malerarbeiten in ihrem Rathause. Der Salzhandel führte die Wilsterschen Kaufleute oft nach Lüneburg. Durch diese Kaufleute hat Daniel Frese vielleicht von dem Bau der beiden stattlichen Rathäuser in Krempe und Wilster erfahren. Vielleicht stand er als bekannter Hamburg Maler auch mit dem Herrn Rantzau auf Breitenburg in Verbindung, der durch Fürsprache bei dem dänischen König nicht nur billiges Bauholz vermittelte, sondern auch selbst größere Summen als Baudarlehen nach Wilster gab. Nach Mitteilungen aus dem wilsterschen Brüchbuch (Strafbuch) hat Daniel Frese mit den Krempern Streitigkeiten gehabt. Das wird ihm von den Wilsteranern vorgehalten. In Wilster wird er in den Jahren erwähnt, als das Rathaus errichtet wird. Man kann darum annehmen, dass er in diesem prächtigen Bau Malerarbeiten durchgeführt hat. 

Dieses Rathaus erhielt übrigens ein kleines Nebengebäude, was man bei anderen Rathäusern aus dieser Zeit nicht findet. Betrachten wir die Straßenseite des Rathauses. Wir erkennen deutlich, dass sie bis auf zwei Ausnahmen nur gerade Linien zeigt, senkrecht, waagerecht, schräg. Nur die Eingangstür im Erdgeschoß hat als Abschluss einen kreisförmigen Bogen, die Uhr im Dachgiebel hat als Rand einen Kreis. Das Erdgeschoß links und rechts der Eingangstür ist verschieden hoch, links zwei Etagen, rechts nur eine. Dadurch haben die Fenster eine dreifach verschiedene Höhe, sie sind aber alle dreiflügelig. Balkenwerk fehlt in dem Erdgeschoß. Das Mauerwerk im untersten Geschoß ist massiv. Ganz anders gestaltet ist das obere Stockwerk. Es ist ein regelmäßiges Balkenfachwerk, das runenförmige Gestalten zeigt. Auch der Giebel mit der Uhr zeigt Balkenfachwerk. Dieses Fachwerk und die geradlinige Fensterumrahmung lässt diesen alten Bau als ein Werk der Renaissance erkennen. Dieser Eindruck verstärkt sich im Innern des Gebäudes durch die prachtvolle „Rathuustür" und die Deckenbemalung. Die rückwärtsliegende Langfläche des Rathauses zeigt eine andere, einfachere Gestaltung. Treten wir durch die Vordertür, dann befinden wir uns in einem großen Raum, der ein Lagerraum mit der Ratswaage war. Die Decke besteht aus sehr starken Balken mit darüberliegenden Brettern. Balken und Belag zeigen eine großförmige Bemalung, die noch aus der Erbauungszeit stammen dürfte. Bemerkenswert ist das Bild des verlorenen Sohnes. Das Bild wird von Kennern in die Jahrzehnte nach 1600 datiert. Es zeigt deutlich den Rembrandtstil. (Von 1648 bis 1657 arbeitete auf Schloss Breitenburg der Rembrandtschüler Franz Wulfhagen als Schlossmaler bei dem Reichsgrafen Christian zu Rantzau. Vielleicht ist von diesem Maler das Bild mit dem verlorenen Sohn gemalt.) Die Hintertür des Rathauses zeigt eine üppige Barockschnitzerei. Neben diesem Raum war ursprünglich die Rathausgaststube. In diesen ist inzwischen die Rademannsche Stube eingebaut worden. Die fehlenden Fliesen, blau‑weiß, sind durch neue ersetzt worden, so dass die Fliesenwände verschiedene Bilder zeigen.

Die beiden Innenwände zeigen sehenswerte Barockschnitzereien. Auf einer Treppe gelangen wir in die Kämmereistube, die heute von der Gilde zu ihren Zusammenkünften benutzt wird und darum mit Gildesachen bestellt ist. Dieser Raum hat als Bodenbelag farbige Fliesen. An den Wänden lesen wir in plattdeutscher Sprache die Bursprake, die wir heute als Stadtverfassung bezeichnen. Die Decke zeigt wieder die sehr starken Balken. Die darunter liegende Gaststube und die Kämmereistube zusammen erreichen nur die Höhe des Raumes, in der früher die Waage gestanden hat. Eine Treppe führt von der Kämmereistube nach oben in das zweite Stockwerk, das auch zwei Räume hat. Der kleinere Raum hat bis etwa 1830 als Gerichtszimmer gedient, in diesem Raum versammelten sich die Ratsherren, die als Richter fungierten. Der größere Raum stand bereit für Kläger, Beklagte und für die vorgeladenen Zeugen. In diesen Räumen ist heute die Doosesche Bibliothek untergebracht.

Als die Etatsrätin Doos der Stadt ihr Haus übereignete, das nach ihrem Tod 1829 von der Verwaltung bezogen wurde, blieb das alte Rathaus als sehenswertes, viel bewundertes Baudenkmal bestehen. Häufig renoviert ‑ aber ganz im ursprünglichen Stil erhalten.

OTTO NEUMANN