Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

Der Streifen zeigt einen der letzten Hexenprozesse Schleswig-Holsteins in Wilster. „Am 13. Mai 1676 wurde die 14-jährige Stinke Ritzers zum Verhör in das Rathaus gebracht“, erzählte Holger Stamm. Schließlich kam heraus, dass die Frau des Totengräbers, Trinke Evers, die junge Stinke die Heilerkunst gelehrt haben soll. Unter der Folter soll Trinke Evers wiederum erklärt haben, dass die 79-jährige Trinke Kuhlmanns ihr 14 Jahre vorher alles beigebracht habe, führte Stamm weiter aus. Der Vorsitzende des Fördervereins Historische Rathäuser spielte in dem Film den Richter, der veranlasste, das Trinke Evers 1678 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus verbrannt wurde. Stinke Ritzers und Trinke Kuhlmann wurden des Landes verwiesen. 

Starten Sie hier den Film "Das letzte Feuer" (YouTube). 

Neuteicher Stuben im Alten Rathaus Wilster
Neuteicher Stuben im Alten Rathaus Wilster

Interessante historische Geschichte der Partnerschaft wird in zwei Räumen des Alten Rathauses präsentiert

WILSTER Während der Sanierung des Alten Rathauses mussten alle Zeugnisse der Patenschaft mit dem einstigen Neuteich (heute Nowy Staw) eingelagert werden - jetzt erstrahlen sie in den Neuteicher Stuben im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses im neuen Glanz. Anschaulich eingerichtet von Archivar Christian Boldt in Zusammenarbeit mit dem früheren Stadtarchivar Harald Bürger. "Was beide hier erarbeitet haben, ist hervorragend", lobt Bürgermeister Walter Schulz. Mit großer Liebe zum Detail haben beide in den zwei Räumen ein Kleinod mit historisch interessantem Material geschaffen. Übersichtlich findet der Betrachter in Vitrinen und an den Wänden Urkunden und Fotos ebenso wie Becher, das Modell des Neuteicher Kleinbahnhofs von 1935 oder gar Kleiderbügel von anno dazumal. Besondere Hingucker: von Christian Boldt gestaltete geschichtliche Banner, die diversen thematischen Schwerpunkten gewidmet sind. Unter anderem der Freundschaft zwischen dem Heimatbund der Neuteicher und Wilster. Seit über 60 Jahren pflegt die Stadt Wilster die Partnerschaft zum Heimatbund der Neuteicher. Auch nach Auflösung des Heimatbundes vor sechs Jahren setzten die Neuteicher ihre Treffen in der Marschenstadt fort. Helmut Jacobs als Vorsitzender des Fördervereins der Städtpartnerschaft mit Nowy Staw, wie das heute polnische Neuteich heißt, erklärte sich bereit, sich um die Kontakte mit den Neuteichern zu kümmern. Auch in diesem Jahr ist wieder ein Treffen geplant, das am Wochenende 13./14. September stattfindet. Der Mangel an Nachwuchs lässt die Zahl allerdings schrumpfen, im vergangenen Jahr waren es neun Teilnehmer, die Jacobs in Wilster begrüssen konnte.

Bürgermeister Walter Schulz freut es besonders, dass ihnen jetzt die neuen Neuteicher Stuben präsentiert werden können. Die Wiederherstellung, Neustrukturierung und die Banner konnten aus dem Topf finanziert werden, der die hinterlegten Gelder des Heimatbundes enthält. Bei dessen Auflösung war das Barvermögen des Heimatbundes über rund 17.000 Euro an die Stadt Wilster zweckgebunden für den Unterhalt der Neuteicher Stuben geflossen.

Quelle: Ilka Rosenburg Wilstersche Zeitung 09.09.2014

Ein von dem Verfasser aufgestelltes Verzeichnis der Dooseschen Bibliothek bringt, nach den verschiedenen Wissensgebieten aufgegliedert, die einzelnen Werke mit Angabe der Verfasser, der Titel, der Anzahl der Bände, der Verleger, der Verlagsorte und der Erscheinungsorte. In besonderen Registern werden in alphabetischer Folge die Namen der Verfasser, der Verleger und der Verlagsorte aufgeführt. Erstdrucke sind in dem in der Bibliothek benutzten Verzeichnis hervorgehoben.

Bis auf einige Werke stammen alle Bücher aus der Zeit vor 1800. Zur Illustration verwandte man nur Kupferstiche oder Holzschnitte. Da es sich bei der Dooseschen Bibliothek um teilweise sehr kostbare Werke handelt, sind diese weitgehend illustriert. Über den Wert, den man den mit Kupferstichen illustrierten Werken früher beilegte, werden wir durch ein vierbändiges Auktionsregister unterrichtet. Es wurde um 1777 über den Büchernachlass des Glückstädter Etatsrates Michaelsen aufgestellt und ist heute noch in der Dooseschen Bibliothek vorhanden. Danach kamen damals etwa 23.000 Bücher zur Versteigerung. Für den Freund der Bibliographie dürfte es interessant sein, durch Blättern in den Registern, die Bücherei des hoch gebildeten Glückstädter Regierungsbeamten und Bürgers in der Goethe-Zeit kennen zu lernen. Leider verzeichnet nur ein Band der Auktionsregister auch den Preis verkauften Bücher sowie die Namen und Wohnorte der Käufer. Aus diesen Angaben ist zu erkennen, dass die seltenen und prachtvollen Werke mit "Kupfer" teilweise mit Summen bis zu 100 Reichsthalern bezahlt wurden. (Für einen Reichsthaler erhielt man damals 3 bis 4 Pfund Butter!)

Mehrere solcher "Kupferbände" sind noch heute in der Dooseschen Bücherei im alten Rathaus vorhanden. Auch der Besitzer dieser wertvollen Bücherei, der Wilstersche Kanzleirat Doose, maß seinen Büchern mit den prachtvollen Bildern großen Wert bei. Das lässt auch das Testament der verwitweten Etatsrätin Doose von 1829 erkennen, in dem sie die ganze Bücherei, damals etwa 10.000 Bände umfassend, der Stadtschule schenkte mit der ausdrücklichen Bestimmung, die prächtigen "Kupfer" und Landkarten recht schonend und sorgfältig zu behandeln und nicht auszuleihen. Obgleich durch Verkauf vieler Werke, für den Erlös sollten damals "moderne" Bücher für die Schüler gekauft werden, der Bestand sich auf 2.700 Bände verringert hat - ohne die nun noch hinzugekommene Bücherei der Brüder Witt - ist die Anzahl der mit "Kupfer" gezierten Werke verhältnismäßig noch sehr groß. Das trifft besonders für die naturkundliche und geographische Abteilung zu. Hier finden wir "Kupfer", die "mit der Hand erleuchtet sind", also jeder Kupferstich durch Handmalerei mit Farbe überzogen ist. Es sei nur an die prächtigen Muschelwerke, die "Insektenbelustigung" und die "Dänische Flora" erinnert, die stets die Bewunderung und das Entzücken der Betrachter erwecken. Es sind Werke von Regenfuß darunter, der nach 1750 als Hofkupferstecher am königlichen Hofe in Kopenhagen im Hof- und Staatskalender verzeichnet ist. Aber auch die Geschichts- und Literaturwerke sind mit vielen Porträtskupfern, mit Titel-, Kopf-, Anfangs-, Text- und Schlussvignetten in Kupferstich und Holzschnitten versehen.

Stadtbilder und Festungsanlagen kommen hinzu. Wenn auch nicht immer, so sind doch viele Stiche in bescheidener, kleiner Form mit den Namen der Maler und Kupferstecher versehen. Die Genealogen dürften sich über die "Oeconomische Encyklopädie" von Krünitz freuen, bringt sie doch als Titelblätter des Werkes mit 124 Bänden über 120 "Porträtkupfer", darunter ein Bildnis von dem in der Bibliothek so oft vertretenen Daniel Chodowiecki. Es ist von seiner Tochter gestochen. Fast bei jedem dieser 120 "Porträtkupfer" sind Maler und Kupferstecher angeführt. Wie weitgehend der Inhalt dieser Kupferstiche ist, mag daraus zu entnehmen sein, dass das achtbändige Werk von Beeverell über Groß-Britannien und Irland (bei Vander in Leiden 1767 erschienen) sehr viele Städteansichten dieser Länder bringt.

 Namen vie Chodowiecki, Geyser, Gessner, Meil, Schmidt, Oeser u. a. treten einem oft entgegen. Vertieft man sich in die Werke dieser Meister in der Dooseschen Bibliothek, so gewinnt man Freude an der "unglaublich fruchtbaren Phantasie", an der "feinen Technik", an der "geistigen und künstlerischen Produktion« (Dr. Rümann) dieser Kunsterzeugnisse. Die Sache und die Freude vieler Besucher an diesen Schätzen rechtfertigen den Hinweis auf diese Werte, die sich über die Jahrhunderte gerettet haben und jetzt den Interessenten zugänglich sind.

Das aufschlussreiche Verzeichnis befindet sich in der Breitenburger Schlossbücherei. Die umfangreichen adligen Schlossbibliotheken ausgenommen, dürfte die Bücherei des Gottw. Müller neben der des Etatrates Michaelsen in Glückstadt und der des Kanzleirates Doose in Wilster zu den größten unserer Gegend gerechnet werden.

Quelle: Steinburger Jahrbuch 1973 (Autor: Otto Neumann)

Neben der Bibliothek des Kanzleirates Johann Hinrich Doos, die von seiner Witwe, der allerseits hoch verehrten Frau Etatsrätin Louise Doos, im Jahre 1829 der Stadt Wilster testamentarisch vermacht wurde und heute noch etwa 3.000 Bände umfasst, beherbergt das alte Rathaus von 1585 jetzt auch über 1.500 Bände aus dem Nachlass des 1928 verstorbenen Übersee-Kaufmannes Gustav J. J. Witt, Hamburg. Sein ältester Sohn Gustavus F. C. Witt, Arosa, gleich dem Vater der Wilstermarsch als Heimat des Geschlechtes stark verbunden, fügte seinen bisherigen Stiftungen für die St.Nikolaus-Kirche zu Beidenfleth diese Gabe an die Stadt Wilster hinzu.

Um das Verhältnis der Witts zur Wilstermarsch verstehen zu lernen, werfen wir einen Blick in ihre Familiengeschichte. Die Familie Witt-Warstede vermag ihren Stammbaum in der Folge von 15 Generationen bis ins 15. Jahrhundert in der Marsch nachzuweisen. Zu Anfang lebten sie auf einem Hof in Beidenflether-Uhrendorf, der zum Kirchdorf Beidenfleth gehört. Ein Teil dieses Besitzes war Wewelsflether Kirchenland mit der Flurbezeichnung "Warstede", nach dem sich diese Linie der Familie Witt benennt. Die Witts, weiter in die Zweige Fockendorf, Hamburg, Arentsee und Norder-Dithmarschen eingeteilt, waren allzeit als strebsame, angesehene Leute bekannt. Bürgermeister, Kirchenjuraten und Deichgrafen sind aus ihren Reihen hervorgegangen. Ihre Höfe, behäbig auf Wurten liegend, unterstreichen die Schönheit dieses Landstrichs.

Dass diese Familie, getreu ihrem Wahlspruch "In secundis modestus, in adversis fortis' (Im Glück bescheiden, im Unglück standhaft) auch Notzeiten zu überstehen vermag, ist aus der von Pastor Dr. Wilhelm Jensen nach den hinterlassenen Aufzeichnungen von Gustav J. J. Witt erarbeiteten Familienschrift "Die Witt-Warstede" zu ersehen (bei J. J. Augustin, Glückstadt 1935). Der 1786 auf dem Familienhof in Fockendorf geborene Marten Witt lebte mit seiner Frau Anna Stark von Uhrendorf und seinen 12 Kindern auf einem prächtigen Hof in Bischof (jetzt Reimer Heesch). Schuldenfrei hatte er diesen Besitz übernommen, doch zwangen ihn die schweren Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts (dänischer Staatsbankrott, feindliche Besatzung und die verheerende Sturmflut von 1825), ihn aufzugeben. Er eröffnete in Hamburg ein Vieh-Kommissionsgeschäft, das nach seinem frühen Tode (1837) von seinem Sohn Marten fortgeführt wurde. Dessen Bruder Marx Witt betrieb die Ausfuhr selbst hergestellter Fleischkonserven und Schiffsproviantierung. Mit dem jüngsten Sohn von Marx Witt, Gustav Johannes Julius Witt (1854-1928), sind wir wieder bei dem Begründer der Bibliothek Witt-Warstede angelangt.

Nach vortrefflicher Schul- und kaufmännischer Ausbildung und nach Absolvierung Einjährig-Freiwilliger Dienstzeit im Inf. Regt. Nr. 31 in Altona arbeitete Gustav J. J. Witt bei seinem Schwager Carsten Emil Bade in Shanghai und Hongkong. Mit 25 Jahren gelang es ihm, für eigene Interessen in den USA gute Geschäftsverbindungen anzuknüpfen. Ein Im- und Exportgeschäft großen Stils mit Niederlassungen in Rotterdam, Kopenhagen und Berlin sowie ein Bankgeschäft waren Zeugen wirtschaftlicher Tüchtigkeit. Ansehen und Vertrauen seiner Mitbürger fanden ihren Niederschlag in Ehrenämtern der Hansestadt Hamburg. Verheiratet war Gustav J. J. Witt mit MéIanie Barwasser, die einer angesehenen Hamburger Kaufmannsfamilie entstammte und zur Hüterin eines glücklichen Familienlebens wurde.

Der 1. Weltkrieg setzte der glänzenden Aufwärtsentwicklung des Unternehmens, das Beziehungen mit Nord- und Südamerika, Kanada, England, Australien, Holland und Dänemark unterhielt, ein jähes Ende. Jedoch nach dem Waffenstillstand bewiesen die alten Geschäftsfreunde ihr großes Vertrauen, so dass Gustav J. J. Witt im Jahre 1920 seinem Sohn Gustavus ein intaktes Geschäft übergeben konnte.

Er selbst widmete sich in seinen letzten Lebensjahren der Familien- und Heimatforschung. Kurz vor seinem Tode beendete er "Die Geschichte der Wilstermarsch". Mit diesem Werk wollte er seiner Familie eine Übersicht über die Geschichte ihrer Heimat geben. Schon früh hatten ihn seine Söhne Gustavus und Cornelius auf heimatkundlichen Fahrten in die Wilstermarsch begleitet, wurden sie Zeugen seiner Stiftung für die Heimatkirche in Beidenfleth, lernten sie die Eigenart von Land und Leuten verstehen.

In Verehrung für seinen Vater und aus Zuneigung zum Ursprungsland seiner Sippe beschloss Gustavus F.C.Witt, seit 9.12.1962 Ehrenbürger von Beidenfleth, die auf ihn überkommene, reichhaltige Bibliothek seines Vaters der Familienheimat zu stiften. In Anwesenheit des Magistrats und einiger geladener Gäste nahm er am 10. Oktober 1967 im alten Rathaus zu Wilster die Übereignung vor. Nachdem Gustavus Witt seiner Vorfahren gedacht - ein Detlef Witt hatte bereits um das Jahr 1500 die Geschicke der Stadt als Ratsherr und Bürgermeister geleitet - und seinem Bruder Cornelius für umfangreiche Vorarbeiten zur Überstellung der Bücher gedankt hatte, sprach er die Hoffnung aus, die Bibliothek seines Vaters möge weiterleben und erzieherisch wirken, denn - nach einem Zitat der großen Königin Christina von Schweden - die Kenntnis der Vergangenheit sei ein großer Gewinn für die Zukunft.

Bürgervorsteher Karl Huusfeldt und Bürgermeister Johannes Handt dankten im Namen der Stadt Wilster für die hochherzige Stiftung und versprachen eine sorgfältige Pflege der Bücher. Pastor Lohse wies darauf hin, dass die Bibliothek ursprünglich habe in Beidenfleth, dem Heimat-Kirchdorf der Witts, aufgestellt werden sollen. Da hier jedoch Unterbringung und Betreuung nicht in dem Maße gegeben seien wie in Wilster, erkläre er sich mit der jetzigen Regelung gern einverstanden.

Die Bibliothek Witt-Warstede umfasst einige alte Bibeln, kirchenhistorische und juristische Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, wertvolle Konversations-Lexika, genealogische Kalender, Weltgeschichten, historische Schriften, national-ökonomische, naturwissenschaftliche und geographische Werke, Biographien, die deutschen Klassiker, englische und französische Literatur, einige Werke in chinesischer Sprache und zwei Specialsammlungen über Friedrich den Großen und Bismarck, denen die besondere Verehrung von Gustav J. J. Witt gegolten hatte.

Das Faszinierende an dieser Bücherei ist die Erkenntnis, dass sich hier ein aufgeschlossener Geist mit großer Hingabe dem Studium gewidmet hat. Viele Anmerkungen und beigefügte, einschlägige Zeitungsausschnitte zeugen dafür.

War die Stadt Wilster durch die Doos'sche Bibliothek bereits im Besitz der beispielhaften Bücherei einer gebildeten Familie des 18. Jahrhunderts, so schätzt sie sich jetzt glücklich, mit der Witt-Warstede-Bibliothek den Anschluss an das 19. Jahrhundert gewonnen zu haben.

Quelle: Steinburger Jahrbuch 1969 (Autorin: Karla Lammers)

Außer dem "Neuen Rathaus" trägt in Wilster noch eine Stiftung den Namen der großen Wohltäterin Louise Doos. Es ist ihre Bibliothek, die sie der "großen Stadtschule und der hiesigen Mädchenschule" vermachte, und die heute wohlgeordnet im "Alten Rathaus" aufbewahrt wird. Testamentarisch regelte die Etatsrätin Doos auch die Verwendung ihrer Bücher: "Diejenigen Werke, welche für die Jugend brauchbar und passend sind, so wie solche Werke, die sich durch ihre Seltenheit oder die Schönheit der Ausgaben auszeichnen, sollen ausgesucht und aufgestellt werden. Das nicht brauchbare soll allmälig verkauft und für das daraus gelöste Geld sollen wieder neue und für die Jugend paßliche Bücher angeschafft werden."

Als die Etatsrätin starb, umfaßte die Doos'sche Bibliothek knapp 5.000 Werke in etwa 10.000 Bänden. Darunter waren auffallend viele "Kupferbände" und Werke, die Landkarten und Holzschnitte enthielten, Eine stattliche Bibliothek also, für die damalige Zeit aber nichts Ungewöhnliches. Zu Rang und Reichtum gehörte es in der Goethezeit, dass man umfängliche Familienbibliotheken nachweisen konnte. Zuweilen nur zur Repräsentation. Bei der Doos'schen Bibliothek war das nachgewiesenermaßen anders. Den Grundstock bildete alter Familienbesitz. Durch Erbschaften kamen geschlossene Bibliotheken mit ausgefallensten alten Werken dazu, und außerdem erwarb der Kanzleirat aus vielseitigem Interesse Bücher aus allen Wissensgebieten dazu - neu oder antiquarisch auf den großen Bücherauktionen jener Zeit. Zeitzeugenberichte belegen, dass die Bibliothek im Doos'schen Haus intensiv genutzt wurde. Die Naturwissenschaften und die Geschichte waren wohl die am meisten vertretenen Bereiche, viele Werke behandelten aber auch theologische und philosophische Fragen oder die Rechtswissenschaft und Pädagogik. Eine Fülle von Jugendbüchern aus den Jahren 1780 bis 1800 waren für den jungen Sohn angeschafft worden.

Die Doos'sche Bibliothek blieb jahrzehntelang in der Aufsicht der Schulmeister und Prediger. 1851 wurde zum ersten Mal der Bestand verringert. Im "ltzehoer Wochenblatt" war zu lesen, dass "für Rechnung der Dooseschen Bibliothek 2 bis 3.000 ältere Bücher" verkauft wurden. 1870 gab es in der Stadt Unruhe, weil Rektor Heyer als Bibliotheksverwalter rund 200 Werke verkaufen wollte. Lehrer und Bürger protestierten. Heyer verteidigte sich damit, dass er dem Testament der Etatsrätin entsprechend das "Interesse der Jugendbibliothek" vertrete, und dass ihm der Kieler Antiquar, dem er die Bücher zum Verkauf angeboten habe, den größten Teil ohnehin als "wertlose Makulatur" nicht abnehme. Noch 1897 war man in Wilster der Meinung, dass "eine ganze Reihe von Büchern mit der Zeit für unsere Einwohnerschaft fast ganz wertlos geworden sind und eigentlich nur noch antiquarischen Wert haben. Dass der Erlös aus solchen Büchern aber nur ein äußerst geringer ist, dürfte klar sein". Heute wird der Verlust so vieler Bücher bedauert ...

Viele Jahre hindurch ist die Doos'sche Bibliothek als Volksbücherei genutzt worden, für jedermann zugängig und laufend durch Auf- und Verkäufe aktualisiert. Im Zweiten Weltkrieg waren die Bücher ausgelagert. Als sie danach unversehrt wieder nach Wilster zurückkamen, machte sich der heutige Kreisarchivar Otto Neumann sehr verdient darum, die Doos'sche Bibliothek neu zu ordnen und zu katalogisieren. Rund 2.700 Werke konnten über die Zeiten gerettet werden. Darunter sind äußerst sehenswerte und seltene Kostbarkeiten, die es gilt, für künftige Generationen zu erhalten.

Quelle: 700 Jahre Stadt Wilster (erschienen 1982) - Jutta Kürtz