Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

 

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Im Obergeschoss des Alten Rathauses befindet sich die frühere Kämmereistube, von der aus das Leben und Treiben in der Halle durch ein kleines Fenster vom Stadtkämmerer gut zu überblicken war. Hier hat die Bürger‑Schützen‑Gilde von 1380 ihr Gildezimmer mit ihren vielfältigen Utensilien einrichten dürfen. Bemerkenswert ist die große Zinnhumpensammlung, gestiftet von altgedienten Gildebrüdern, Majestäten, Hauptleuten und Freunden der historischen Gilde.

Geschichte der Bürger-Schützen-Gilde von 1380

Im deutschsprachigen Raum gab es schon im 8. Jahrhundert Gilden. Steinburg war lange Zeit eine der gildenreichsten Landschaften ganz Deutschlands. Die Bezeichnung „ Gill", „Gild" oder „Gilde" wurde zu einem Sammelbegriff für einen Zusammenschluss zu einem besonderen Zweck.

Unter Gilde ist auch jede Art von Vereinigung zu verstehen. Hauptziel der Gilden war die gegenseitige Unterstützung und Hilfe. In Wilster gab es im Mittelalter zum Beispiel Gilden der Schuster, Fleischer, Schneider, Bäcker und Krämer. Es galt z. B. für Hausbesitzer, sich gemeinsam zu schützen gegen Feuersbrunst, gegen Wasser und vielleicht auch gegen feindliche Angriffe. Gildemitglieder halfen sich aber auch gegenseitig in wirtschaftlichen Notlagen. Im 16. und 17. Jahrhundert wandelten sich die Gilden zu Versicherungsvereinen. Es gab sie gegen jede denkbare Art von Unbill und Unglück. Es gab z. B. Gilden gegen Tierverluste, Todesfälle, Hagelschäden, Sturm und Brand. Noch heute gibt es z. B. Schweine-, Korn-, Pferde- und Schiffergilden. Außerdem pflegten Gilden die Gemeinschaft. Die jährliche Abrechnung war mit einer großen Feier verbunden.Die Gilden standen in der Regel in enger Verbindung zu den Kirchen.

Auch unsere Gilde war mit der Kirche verbunden. Als sie gegründet wurde, umfasste sie nicht nur die Stadt Wilster, sondern das ganze Kirchspiel. Vermutlich wurde ihre Gründung von Geistlichen vorangetrieben. Die Bruderschaft nannte sich zunächst „Fronleichnamsgilde" und wurde 1426 im Ratsbuch der Stadt als „broderscopp des Hilghen Lichnames der schutten" erwähnt. Das Wort Fronleichnam heißt wörtlich übersetzt „Herrenleib" und der Gildename sollte die Verbundenheit mit dem Leib Christi zum Ausdruck bringen. Die Gilde hatte einen eigenen Altar in der Kirche und finanzierte vermutlich mindestens einen Geistlichen. Übrigens: Das Fronleichnamsfest gibt es erst seit 1250 und wird am Donnerstag nach der Pfingstwoche als „Fest des Leibes Christi" gefeiert". Den besonderen Charakter erhielt Fronleichnam durch die Prozession durch die Städte. Luther lehnte 1527 Fronleichnam als schädliches Jahresfest ab und bezeichnete Prozessionen als Gotteslästerung. Nach der Reformation erhielt dieses Fest bei den Katholiken einen demonstrativen Akzent. Um 1400 gab es noch drei weitere Gildegründungen: Unsere Frauengilde oder Mariengilde von 1399, eine St. Nikolausbrüderschaft (eine Schiffergilde) von 1419 und die St. Ewaldsgilde von 1461. Die Mitglieder unserer Gilde sollten sich als christliche Brüder gegenseitig helfen und nur solche Dinge tun, die „zum Ansehen und Nutzen wie zum Heil der Seele dienlich" waren. Sie unterstützten sich bei Feuer, Deichbrüchen, Überschwemmungen, Viehsterben, Hagelschäden und gegen räuberische Banden.

Eigentlich hatte unsere Gilde drei Aufgaben: Gegenseitige Hilfe, kirchlicher Dienst und frohes Festgelage. Die erste Aufgabe fiel im 18. Jahrhundert mit der Einführung der Zwangsbrandkassen und die zweite Aufgabe fiel mit der Reformation weg. Es blieb das frohe Festgelage. Wenn man sich die erste Satzung aus dem Jahre 1426 anschaut, dann könnte man meinen, die Gilde habe sich nur wegen eines jährlichen Festes gebildet. Es gibt nur Regelungen für die Durchführung eines Festes. Es heißt darin z. B., dass derjenige, der den aufgerichteten Vogel abschießt, eine Tonne Wilsteraner Bier ausgeben muss. Es ist weiter geregelt, wer was bezahlen oder ausgeben muss. Man muss fast annehmen, dass das jährliche Fest notwendig war, um zu Einnahmen zu kommen, mit denen sich die Gilde übers Jahr finanzierte. Man könnte es vielleicht mit einem Fußballverein vergleichen, der jährlich eine Maskerade durchführt und mit den Einnahmen im Jahresablauf einen großen Teil seiner Vereinsarbeit finanziert. Als die Gilde im Jahre 1380 gegründet worden ist, hatte Wilster bereits fast 100 Jahre das lübische Stadtrecht und mag etwa 400 Einwohner gehabt haben. Die Einwohnerzahl war wie überall durch die Pest im Jahre 1350 stark zurückgegangen.

Es war das Spätmittelalter, eine Übergangszeit, in der sich allmählich Neues formte. Die bisherige ständische Ordnung, in der jedem Menschen von Geburt an ein Platz zugewiesen war, zerfiel nach und nach. Hatte man bisher überwiegend auf dem Land in kirchlichen oder weltlichen Gutsherrschaften gelebt, so entstand mit der Herausbildung von Städten ein neues Machtpotenzial, denn die städtische Bevölkerung - Kaufleute und Handwerker - wollte sich selbst regieren. Deutlicher Ausdruck neuen städtischen Selbstbewusstseins war die Hanse, die 1241 formal zwischen Lübeck und Hamburg gegründet wurde. Praktisch alle bedeutsamen Städte im Norden schlossen sich im Laufe der nächsten Jahre diesem Bund an, der dann in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts seine größte Bedeutung erlangte. Die politische Welt, die über Jahrhunderte in ganz Europa von lokalen Fürsten geprägt war, führte wegen des neuen Selbstbewusstseins der städtischen Bevölkerung in vielen Ländern Europas zur Herausbildung von Nationalstaaten, beispielsweise Frankreich und England, aber auch Polen, Russland und die Schweiz. In Deutschland hingegen haben die Könige und Kaiser immer wieder einen großen Teil ihrer Kraft der Auseinandersetzung mit deutschen Fürsten opfern müssen. Formal war der 1361 geborene Wenzel von 1378 an König des Römischen Reiches (zur Kaiserkrönung ist es nie gekommen). Er war ein vergleichsweise schwacher Herrscher. Es gelang ihm beispielsweise nicht, die katholische Kirche zur Entscheidung für einen der zwei seit 1378 konkurrierenden Päpste in Rom und Avignon zu drängen. Einige Jahre gab es sogar drei Päpste zur gleichen Zeit. Wenzel wurde im Jahr 1400 nach zahlreichen weiteren Pannen von rheinischen Kurfürsten abgesetzt.

Wilster war eine von der Außenwelt eher abgeschnittene Stadt. Es gab hier nur eine beschränkte Zahl von Zugangsmöglichkeiten. Während normalerweise jede Stadt eine Befestigung hatte, wurde Wilster von Wasserläufen umgrenzt. Während schon die Stadt selbst durch die Wilsterau in zwei Bereiche geteilt war - in die so genannte alte und neue Seite - waren diese beiden Stadtteile zusätzlich von zwei Burggräben umgeben. Der ältere, der vermutlich einem schon vorhandenen Wasserlauf folgte, umschloss im Nordwesten die alte Seite, während der neue Burggraben oder Bäckerstraßenfleet die nach Südosten liegende, weitaus größere neue Seite zusammen mit der Auschleife abgrenzte. So boten die Gewässer für die Stadt Begrenzung und Zugangsmöglichkeit zugleich, wobei die schiffbare Wilsterau für das mehr zu Wasser als zu Lande handeltreibende Wilster als Verkehrsweg eine wesentliche Rolle spielte. Dem zu Fuß oder mit Pferd und Wagen in seine Stadt heimkehrenden Wilsteraner eröffneten vier Stadttore den Zutritt. Aus nördlichen Richtungen kommend, konnte er durch das Neßtor in die schmale Deichstraße oder durch das Biscopper Tor in die Haferstraße mit ihren kleinen Häusern gelangen. Diese beiden Straßen bildeten die Hauptverkehrsadern der alten Seite. Die Deichstraße führte zu dem beengten kleinen Markt (Op de Göten), während man durch die Haferstraße von hinten auf den weiträumigen Kirchhof und die Kirche stieß. Den Zugang zur neuen Seite bot im Südwesten das Diekdorfer Tor beim Neumarkt und im Süden am Ende der Bäckerstraße das Damflether Tor.

Die Tore waren aus Holz und hielten mehrere hundert Jahre. Man weiß, dass zwei Tore 1631 abgerissen worden sind. Auf dem „Schwinebrook", dem Schweinebruch, der Platz auf dem die Wilsteraner im Sommer ihre Schweine trieben, östlich der großen Auschleife, schossen alljährlich die städtischen Gilden nach der Vogelstange. Später nutzte man den Rosengarten zum Ausschießen des Königs. Nach Abschluss des Schießens fand das Festgelage mit Bier im Rathaus statt. Später hatte man zu diesem Zweck auch auf dem Brook Zelte errichtet.

Es gab in Wilster die Bürger und die Einwohner. Das lübische Stadtrecht bestimmte, dass neben den erbgesessenen Bürgern jeder, der sich länger als drei Monate in der Stadt aufhielt und einer selbständigen Arbeit nachging, das Bürgerrecht erlangen konnte. Dieses Recht war nicht an den Besitz von Grund und Boden geknüpft. Allerdings bestand kein Anspruch auf das Bürgerrecht. Der Rat hatte die Möglichkeit, den Bewerber abzulehnen. Wer Bürger werden wollte, musste zwei Bürgen und ein Bürgergeld aufbringen. Das Bürger- oder Einstandsgeld betrug in Wilster um 1600 für den Bürgersohn 1 und für den Fremden 2 Reichstaler. Außerdem musste ein Bürgereid abgeleistet werden. Die Stadtbewohner ohne Bürgerrechte waren die „Einwohner". Es waren hauptsächlich Angehörige der ärmeren und lohnabhängigen Schichten. Sie bildeten aber keine einheitliche soziale Gruppe. Hausgesinde und Gesellen, Tagelöhner und allein stehende Witwen waren hier zuzurechnen. Nur Bürger konnten ehrenamtliche Aufgaben wie Vormundschaft, Begutachtung von Bausachen u. ä. übernehmen. Nur Bürger waren ratsfähig und gildewürdig.

Die Gilde wurde mindestens bis 1522 von einem Ältermann geleitet und zwei Geschworene verwalteten die Gelder. Die Mitglieder bezahlten Jahresbeiträge. Der Ältermann wurde später von einem Hauptmann ersetzt. König zu werden, war schon immer ein etwas zweifelhaftes Vergnügen. Er erhielt zwar von den Schützenbrüdern etwas Geld und beim Festgelage die erste Kanne Bier frei, aber seine finanziellen Verpflichtungen wie Tonne Bier ausgeben, zum Festschmaus einladen oder den nächsten Vogel zu stiften übertrafen bei weitem die Einnahmen. Weil das immer so war, kann man davon ausgehen, dass nicht jeder seine beste Schießkunst offenbarte. Im 18. Jahrhundert musste der König, bevor er seine Regentschaft antrat, zwei Bürgen benennen. 1643 wurde ein silberner Vogel als äußeres Gildezeichen angeschafft. 31 Gildebrüder hatten dafür Geld gestiftet. Der damalige König weigerte sich aber 10 Jahre, dieses Königsabzeichen herauszugeben. Erst als man ihm zusicherte, dass mit der Rückgabe kein Bierausgeben verbunden ist, gab er seinen Vogel ab. Um 1653 hatte man festgestellt, dass bei den Gildefeiern sich die Unsitte eingerissen hatte, dass einige Gildebrüder im Gildehause Karten spielten. Das wurde bei Strafe verboten. Was konnte wohl die Strafe sein? Wer gegen das Verbot verstieß, musste den Nichtspielern Bier ausgeben.

Über alle Gildefeiern gibt es Jahresabrechnungen. Diese geben u. a. Aufschluss darüber, wie ausgelassen, wie schön oder wie teuer das jeweilige Fest war. Die in den Abrechnungen aufgeführten zerbrochenen Gläser und Stühle waren jeweils ein Maßstab dafür, wie das Trinkgelage außer Kontrolle geraten war. Die Jahresrechnungen geben aber auch Aufschluss darüber, wer von der Gilde alles bezahlt wurde. Die Spielleute, Geistliche, die Kellner, die Zapfleute, die Dienstmädchen u. a. erhielten Geld. Es gehörte aber auch eine regelmäßige Gabe für die Armen dazu. Da die Einnahmen aber meistens höher waren als die Ausgaben, ist davon auszugehen, dass die Gilde immer wohlhabend war. Sie soll sogar eigene Grundstücke besessen haben. So gehörte das so genannte Stadtmoor in der Nähe der tiefsten Landstelle Deutschlands zeitweise der Gilde.

Die Gilde hat auch wegen der Reformation und wegen Zerstrittenheit im 16. Jahrhundert einige Jahre nicht existiert. Die Gilde war insbesondere deshalb zerstritten, weil man sich über die Gewehrfrage nicht einigen konnte. Es wurde bereits länger nicht mehr mit der Armbrust, sondern mit Feuerwaffen geschossen. Über die Ungleichheit der Rohre herrschte viel Streit. Ein Treffer aus einem Riesenrohr konnte den ganzen Vogel zerfetzen. Außerdem war das Hantieren mit diesen Riesenwaffen unter Einfluss des Hamburger Bieres nicht ungefährlich. Die Gilde wurde 1588 als Stadtgilde neu gegründet. In ihr versammelten sich auch die Reste der anderen katholischen Brüderschaften. Sie nannte sich jetzt „Neue Brandtgilde und Brüderschaft" oder nach dem Tage ihres Festes auch „Pfingstgilde". Sie wurde auf neue Grundlagen gestellt, hatte aber alles, was gut war, von ihren Vorgängergilden übernommen.

Um 1600 lag die Bevölkerung bei ca. 1500 - 1700. Es gab in Wilster 340 Bürger. Davon widmeten sich 50 dem Bierbrauen. Wilsteraner besaßen 26 größere und kleinere Schiffe, eine Weinstube und drei Hamburger-Bier-Schenken. Außerdem existiert seit 1585 das Alte Rathaus, das als Mehrzweckbau diente. In ihm waren die Weinschänke, die Gerichtsstube, der Festsaal, die Markthalle, die Kämmereistube, die Stadtwaage und der Folterkeller. Erinnern möchte ich daran, dass in diesem Hause 1622 die kräuterkundige Sile Lakemans angeklagt war, eine Hexe zu sein. Sie wurde zur Wasserprobe verurteilt und ist vermutlich ertrunken. Außerdem gab es hier 1677 den letzten Hexenprozess in einer zivilisierten Stadt. Die Frau des Totengräbers Trinke Evers wurde ebenfalls angeklagt, eine Hexe zu sein. Sie wurde im Rathauskeller gefoltert und 1678 auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt. Die hierfür Verantwortlichen waren alles angesehene Mitglieder des Rates und Bürger der Stadt.

In der Gilde gab es immer wieder Veränderungen und Verbesserungen. Ab 1593 konnten nur Hausbesitzer, die auch in ihren Häusern lebten, Gildebrüder werden. 1648 wurden auch Besitzer von vermieteten Häusern aufgenommen. Ab 1681 wurden auch Bürgersöhne, die kein eigenes Haus besaßen, aber auch keine Gesellen mehr waren, aufgenommen. Bei allen Gildeaktivitäten spielte immer wieder das Bier eine besondere Rolle. Wenn Gildebrüder zu bestrafen waren, dann hieß es in der Regel „er muss eine Tonne Bier ausgeben". Es konnte Bier aus Wilster oder aus Hamburg sein. Das Hamburger Bier soll zwar besser geschmeckt haben, war aber auch wegen der Frachtkosten erheblich teurer. Da neben dem Gildefest der Brandschutz eine wichtige Aufgabe der Gilde war, möchte ich an dieser Stelle einmal einige Gildeartikel zum Feuerschutz aus dem 17. Jahrhundert zitieren: Wenn ein Feuer in der Stadt unter diesen Gildebrüdern (welches Gott gnädiglich verhüten möge) entstehen würde und es vermutlich weit um sich fressen möchte, so soll die Anstalt gemacht werden, dass an jeder Seit ein Haus nieder gerissen werde...

Wenn jemand Feuer bemerkt, muss er solches sofort durch ein Geschrei kundtun und Anstalt machen, die Rats- und Sturmglocke zu läuten und die Trommel zu rühren. Er soll aber keineswegs versuchen, es aus Furcht vor Strafe zu vertuschen und versuchen, es mit seinem Gesinde allein zu dämpfen. Bei einem Feuerzeichen müssen sofort alle Gildemitglieder mit ihren männlichen Domestiquen, mit ihren ledernen Not-Eimern, Feuerleitern, Haken usw. nach der Brandstätte eilen. Jeder muss nach besten Kräften sich bemühen, die Sachen zu retten und das Feuer zu dämpfen. Insbesondere muss der Gildevorstand sich unverzüglich dort einfinden und durch fleißiges Zureden die Umstehenden zum Wasserholen aufmuntern. Mit der Neugestaltung des Immobilienversicherungswesens wurden 1769 die Brandgilden aufgehoben. Die Gilde hörte auf, eine Zweckgilde zu sein.

1796 wurde sie offiziell in eine Schützengesellschaft umgewandelt.

Das ist sie bis heute geblieben. Alljährlich auf dem Gildefest wird mit einer Armbrust auf den Holzadler geschossen und der beste Schütze ermittelt. Während inzwischen die Feuerwehr, die Polizei, Sielverbände und Versicherungen frühere Gildeaufgaben übernommen haben, ist das alljährliche Gildefest geblieben.

Das Fest dient der Geselligkeit und der Förderung der Lebensfreude.

Mit der jährlichen Gildefeier wird die Geschichte der Stadt Wilster lebendig gehalten.

Die plattdeutsche Sprache wird gepflegt.

Es werden alte Sitten und Gebräuche bewahrt.

Das gesamte Exerzierreglement ist noch wie vor mehreren hundert Jahren erhalten. Ebenso wird die gleiche Tracht getragen.

Weitere andere alte Bräuche werden gepflegt. Am Gildesonntag gibt es einen plattdeutschen Gottesdienst. Am späten Nachmittag wird vor dem Neuen Rathaus ein Spiel um die Etatsrätin Doos aufgeführt. (Frau Doos lebte von 1758 – 1829 und gilt als Wohltäterin der Stadt. Sie hat der Stadt z.B. das Neue Rathaus und wertvolle Bibliotheken vermacht.)
Abends um 18.00 erfolgt dann im Alten Rathaus das traditionelle Hauptmannsfrühstück. Die Gilde ernennt jährlich einen langjährigen Gildebruder zum Hauptmann p. t. (auf Zeit). Dieser ist neben dem Gildeschreiber und der Majestät der wichtigste Mann während eines Gildejahres.

Der Hauptgildetag ist der Gildemontag. An dem Tag gibt es Umzüge durch die Stadt und die Gilde zeigt ihre Fahnen und Utensilien. Ein eigener Spielmannszug führt die Gilde an. Am Vormittag finden sich die Bürgerinnen und Bürger auf dem Marktplatz ein. Alle Schulkinder sind dabei, wenn das historische Fahnenschwenken auf dem Marktplatz gezeigt wird. Es ist nicht bekannt, wie lange es das Fahnenschwenken in Wilster gibt. Es gibt es aber mindestens seit 1758, weil Abrechnung vom Verzehr der Fahnenschwenker die Rede ist. 1784 gibt es Aufzeichnungen darüber, dass eine Ausgabe von Zitronen erfolgt ist. Ein Höhepunkt des Fahnenschwenkens ist das Durchteilen von Zitronen mit einem Säbel während eines Hochwurfes der Fahne. Nach einem Kommers der Gilde erfolgt am Nachmittag das traditionelle Armbrustschießen auf den (Holz-)Adler, um die neue Majestät zu küren. Der König lädt zum Ausklang zu einem Umtrunk ein und wird in aller Regel mit Musikbegleitung nach Hause gebracht. In früheren Jahren fand am gleichen Tag der Königsball statt. Da die Beteiligung aber immer schlechter wurde, weil die Gildeteilnehmer einen harten Tag und immer weniger Kräfte hatten, hat die Gilde vor einem Jahrzehnt flexibel reagiert. Der Königsball findet jetzt regelmäßig am Sonnabend des Gildewochenendes statt. Neben dem eigentlichen Gildefest gibt es noch weitere Aktivitäten. Es gibt einen Exerzierabend, Schießwochen, eine generale Zusammenkunft, die Inthronisation der Majestät, die Proklamation der Gildebeamten und vieles mehr.

Die Gilde hat auch viele Kontakte zu anderen Gilden oder ähnlichen Vereinigungen. Sie wirkt somit als Werbeträger der Stadt Wilster. Auch Bewohner unserer Partnerstadt Nowy Staw in Polen waren bereits Gäste der Gilde.
Früher konnten nur Hausbesitzer der Gilde beitreten. Anders als in Krempe war die Gilde lange Zeit nicht bereit, sich weiter zu öffnen. Heute ist sie offen für jedermann. Ich selbst hatte 1980 und 1981 als amtierender Bürgermeister die Aufgabe, zu Ehren der Gilde das Bürgermeisterfrühstück auszurichten. Selbstverständlich war ich dann auch an allen anderen Gildeveranstaltungen dabei und hatte viele lobende Worte für die Gilde übrig. Damit man meine guten Worte als Funktionsträger auch ernst nahm, bin ich schließlich selbst der Gilde beigetreten und war inzwischen auch schon 2. Vollmacht und 1. Geschworener. Ich weiß, dass die Gilde stets bemüht ist, neue und auch junge Mitglieder zu gewinnen, damit sichergestellt ist, dass auch in Zukunft die alten Traditionen fortgesetzt werden.

Die Bürgerschützengilde von 1380 hat heute eine soziale Funktion.

  • Sie unterstützt jährlich die Schulen.
  • Sie fördert das gute Verhältnis zwischen Stadt und Land.
  • Sie pflegt das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Bürgern.
  • Sie ist ein idealer Verein zur Integration von Neubürgern.
  • Die Gilde kann nur überleben, wenn ihr verstärkt junge Menschen beitreten.

Wer möchte, dass sie überlebt, sollte in die Gilde eintreten!

Möge die Gilde ein langes Leben und immer genug Mitglieder haben, vor allem auch solche, die bereit sind, ihre Arbeitskraft für die Gilde einzusetzen.

Helmut Jacobs