Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

Der Förderverein Historische Rathäuser in Wilster kann mittlerweile auf sechs Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Genau so alt ist auch der Internetauftritt. Inzwischen war die Website allerdings nicht mehr so ganz up to date. Das hat sich nun geändert. In mühevoller Kleinarbeit wurde die Homepage überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Das gilt auch für die rein technische Seite. Die Aktivitäten des Fördervereins kann man jetzt nämlich auch auf dem Smartphone verfolgen. Hier war die alte Website vom Format her bislang nicht so recht lesbar. So hat man den Förderverein unter www.rathausverein-wilster.de jetzt auch für unterwegs. Hineinklicken lohnt immer. Und sei es nur, um sich ein weiteres Mal die geschichtliche Bedeutung der Wilsteraner Bausubstanz vor Augen zu führen.

Hannes

Wer es mit historischer Bausubstanz zu tun hat, kennt das Problem: Man ist vor Überraschungen nie sicher. Zwar stehen viele jahrhundertalte Gemäuer besser da, als so mancher Neubau. Dennoch nagt der Zahn der Zeit an den einst eingesetzten Baumaterialien. Gerade in Wilster kann man ein trauriges Lied davon singen. Bei den Beratungen der vergangenen Jahre gab es in städtischen Ausschüssen denn auch immer mal wieder leise, aber unüberhörbare Alarmsignale. So stehe im Kellerverlies des Alten Rathauses das Wasser. Und im benachbarten Speicher habe man bei den Sanierungsarbeiten an der Aussenfassade verfaultes Holz entdeckt. Und das gerade erst umfassend und liebevoll sanierte Neue Rathaus geriet schon wieder in den sorgenvollen Fokus. Im Keller, so wurde berichtet, fielen die Fliesen von den Wänden. Entwarnung kommt aber nun aus dem Bauamt. Es handele sich bei den erkannten Mängeln, so hieß es von dort beruhigend, durchweg um kleinere Probleme, die im Zuge ganz normaler Bauerhaltung beseitigt werden könnten oder zum Teil sogar schon sind. Das ist doch mal eine gute Nachricht. Allerdings werden die Häuser ja auch nicht jünger. Die nächste Überraschung kommt bestimmt.

Hannes

Statue Bürgermeistergarten Wilster
Statue im Barockgarten (Bürgermeistergarten)

Wilster Die unbekannte Dame mit der Lyra blickt in eine bessere Zukunft – zumindest ein erster kleiner Schritt dafür ist getan. Die Ratsversammlung beschloss einstimmig, dass beim Landesamt für Denkmalschutz ein Förderantrag für eine Gestaltungsplanung des Bürgermeister-Gartens gestellt werden soll. Hintergrund: Das eingetragene Gründenkmal mit barock-französischen Elementen in Anlehnung an die Renaissance ist in die Jahre gekommen. Hecken und Gehölze sind holzig oder von Pilzen befallen, Bäume zum Teil zu groß und zu dicht beieinander. Und der Wassergraben ist nur noch schemenhaft erkennbar. Im Zuge der Sanierung des neuen Rathauses hatte die Denkmalpflegebehörde eine Förderung signalisiert. Sobald tatsächlich Geld fließen kann, will die Stadt gewappnet sein und einen fertigen Plan aus der Schublade ziehen können. vm

 Ein Haus für gute Laune (WZ 12.09.2017)

 

Stoßen auf eine gelungene Wiederherstellung des Obergeschosses des Neuen Rathauses an: Beate von Malotky und Berthold Köster (Denkmalpfleger) mit Restaurator Jarek Kulicki (r.) Foto: MEHMEL

Wilster Es riecht noch nach frischer Farbe, und dennoch hat man den Eindruck, die Hausherrin habe nach vielen Jahren des Wohnens nur einmal kurz die Möbel weggeschoben. Für den Restaurator Jarek Kulicki besteht die Kunst seiner Arbeit darin, dass man sie möglichst gar nicht bemerkt. Auch nach der Restaurierung leuchten noch feine Risse im Mauerwerk durch und zeugen davon, dass das im 18. Jahrhundert von der Familie Doos errichtete Palais ein im wahrsten Sinne bewegtes Leben hinter sich hat. Feine Schattierungen bei der Farbgebung greifen gewachsene Veränderungen auf. Und geschickt eingesetzte Patina verhindert, dass alles nach Neubau aussieht. Das Doos’sche Palais, nach angetretener Erbschaft schon lange im Eigentum der Stadt Wilster und inzwischen als Neues Rathaus ein Begriff, wurde anlässlich des Tages des offenen Denkmals jetzt auch offiziell für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben. Die letzten Feinarbeiten beendete Kulicki erst vor wenigen Tagen. Jetzt erstrahlt die gesamte erste Etage wieder in neuem (altem) Glanz.

Angefangen habe alles mit einem Wasserschaden, erinnerte Bürgermeister Walter Schulz bei einer kleinen Feierstunde im Spiegelsaal. Aus dem Versicherungsschaden wurde eine Totalrestaurierung unter der Regie der Wewelsflether Architektin Christine Scheer. Fast 235 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege, 90 000 Euro von der Denkmal-Stiftung, 40 000 Euro aus einem Bundestopf und knapp 134 000 Euro aus der Stadtkasse flossen in den vergangenen Jahren in das Projekt. Hinzu kommen stattliche 10 000 Euro, die der Rathaus-Förderverein einsammelte. Für alle Beteiligten gab es von Schulz eines großes Dankeschön.

„Die Handwerker haben eine sehr gute Arbeit abgeliefert “, lobte Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege, wobei ausdrücklich immer wieder Restaurator Jarek Kulicki gewürdigt wurde. „Ich möchte dessen Job nicht machen, da würde ich verzweifeln“, schwärmte auch Walter Schulz von dessen scheinbar unerschöpflicher Geduld beim mühevollen Freilegen längst vergangener Bau- und Wohnkultur. Auf Nachfrage verriet Kulicki sein Geheimnis: „Ich habe eben den Ehrgeiz, es besonders gut zu machen.“

„Das, was man heute sieht, ist die Krönung von fünf Jahren Arbeit“, meinte auch Christine Scheer mit erkennbarem Stolz. Für sie strahlt das Gebäude in der Rathaus-Straße sogar eine Art Wohlfühl-Atmosphäre aus: „Man kommt hinein und hat gleich gute Laune.“ Auf große fachliche Erläuterungen verzichtete sie: „Wir sollten das schöne Haus heute einfach nur genießen.“ Immer wieder stand aber auch Jarek Kulicki gerne Rede und Antwort. „Wichtig bei meiner Arbeit war mir, dass die vielen kleinen Macken und Schäden erhalten bleiben. Nur dann ist es für mich auch ein Original. So wie ein altes Gesicht seine Falten zeigt.“ Bürgermeister Schulz stellte schlicht fest: „Da ist viel Herzblut reingeflossen.“ Nicht nur er hofft, dass möglichst viele Besucher sich das Juwel in der Innenstadt ansehen wollen.

Volker Mehmel

Was sagt eigentlich ...?
Berthold Köster,
Denkmalpfleger

Wilster Die Marschenstadt Wilster, so bekennt Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege, sei ihm inzwischen so richtig ans Herz gewachsen. Vom Neuen Rathaus schwärmt er besonders.

War die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten sehr schwierig?
Es war selten so leicht, an Fördergelder zu kommen. Sogar der Bund hat sich beteiligt wegen der überregionalen Bedeutung des Gebäudes. Und alle Handwerker und anderen Beteiligten haben auch eine sehr gute Arbeit abgeliefert.

Welche Bedeutung hat das Doos’sche Palais für einen Denkmalpfleger?Es ist im Norden wohl des schönste Beispiel großbürgerlicher Wohnkultur, trotz der Verluste des Mobiliars und auch des Gartenhauses.

Ist die Sanierung damit abschlossen?
Wir machen weiter. Im Dachgeschoss ist ja auch noch sehr viel Musik drin.

Denkmalpflege steht immer mal wieder auch in der Kritik. Kämpfen sie häufig mit Widerständen?
Am Beispiel Wilster hat man auch in Krempe gesehen, was bei einem Miteinander alles geht. Dort geht es um den Erhalt des alten Wasserturms. Auch in Glückstadt denkt man jetzt über eine Sanierung des Rathauses nach. Von Wilster aus ist so etwas wie ein Domino–Effekt für die ganze Region ausgegangen. Kaum ein Landkreis in Schleswig-Holstein hat auch so viele hochkarätige Kulturdenkmäler. vm