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 Ein Haus für gute Laune (WZ 12.09.2017)

 

Stoßen auf eine gelungene Wiederherstellung des Obergeschosses des Neuen Rathauses an: Beate von Malotky und Berthold Köster (Denkmalpfleger) mit Restaurator Jarek Kulicki (r.) Foto: MEHMEL

Wilster Es riecht noch nach frischer Farbe, und dennoch hat man den Eindruck, die Hausherrin habe nach vielen Jahren des Wohnens nur einmal kurz die Möbel weggeschoben. Für den Restaurator Jarek Kulicki besteht die Kunst seiner Arbeit darin, dass man sie möglichst gar nicht bemerkt. Auch nach der Restaurierung leuchten noch feine Risse im Mauerwerk durch und zeugen davon, dass das im 18. Jahrhundert von der Familie Doos errichtete Palais ein im wahrsten Sinne bewegtes Leben hinter sich hat. Feine Schattierungen bei der Farbgebung greifen gewachsene Veränderungen auf. Und geschickt eingesetzte Patina verhindert, dass alles nach Neubau aussieht. Das Doos’sche Palais, nach angetretener Erbschaft schon lange im Eigentum der Stadt Wilster und inzwischen als Neues Rathaus ein Begriff, wurde anlässlich des Tages des offenen Denkmals jetzt auch offiziell für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben. Die letzten Feinarbeiten beendete Kulicki erst vor wenigen Tagen. Jetzt erstrahlt die gesamte erste Etage wieder in neuem (altem) Glanz.

Angefangen habe alles mit einem Wasserschaden, erinnerte Bürgermeister Walter Schulz bei einer kleinen Feierstunde im Spiegelsaal. Aus dem Versicherungsschaden wurde eine Totalrestaurierung unter der Regie der Wewelsflether Architektin Christine Scheer. Fast 235 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege, 90 000 Euro von der Denkmal-Stiftung, 40 000 Euro aus einem Bundestopf und knapp 134 000 Euro aus der Stadtkasse flossen in den vergangenen Jahren in das Projekt. Hinzu kommen stattliche 10 000 Euro, die der Rathaus-Förderverein einsammelte. Für alle Beteiligten gab es von Schulz eines großes Dankeschön.

„Die Handwerker haben eine sehr gute Arbeit abgeliefert “, lobte Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege, wobei ausdrücklich immer wieder Restaurator Jarek Kulicki gewürdigt wurde. „Ich möchte dessen Job nicht machen, da würde ich verzweifeln“, schwärmte auch Walter Schulz von dessen scheinbar unerschöpflicher Geduld beim mühevollen Freilegen längst vergangener Bau- und Wohnkultur. Auf Nachfrage verriet Kulicki sein Geheimnis: „Ich habe eben den Ehrgeiz, es besonders gut zu machen.“

„Das, was man heute sieht, ist die Krönung von fünf Jahren Arbeit“, meinte auch Christine Scheer mit erkennbarem Stolz. Für sie strahlt das Gebäude in der Rathaus-Straße sogar eine Art Wohlfühl-Atmosphäre aus: „Man kommt hinein und hat gleich gute Laune.“ Auf große fachliche Erläuterungen verzichtete sie: „Wir sollten das schöne Haus heute einfach nur genießen.“ Immer wieder stand aber auch Jarek Kulicki gerne Rede und Antwort. „Wichtig bei meiner Arbeit war mir, dass die vielen kleinen Macken und Schäden erhalten bleiben. Nur dann ist es für mich auch ein Original. So wie ein altes Gesicht seine Falten zeigt.“ Bürgermeister Schulz stellte schlicht fest: „Da ist viel Herzblut reingeflossen.“ Nicht nur er hofft, dass möglichst viele Besucher sich das Juwel in der Innenstadt ansehen wollen.

Volker Mehmel

Was sagt eigentlich ...?
Berthold Köster,
Denkmalpfleger

Wilster Die Marschenstadt Wilster, so bekennt Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege, sei ihm inzwischen so richtig ans Herz gewachsen. Vom Neuen Rathaus schwärmt er besonders.

War die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten sehr schwierig?
Es war selten so leicht, an Fördergelder zu kommen. Sogar der Bund hat sich beteiligt wegen der überregionalen Bedeutung des Gebäudes. Und alle Handwerker und anderen Beteiligten haben auch eine sehr gute Arbeit abgeliefert.

Welche Bedeutung hat das Doos’sche Palais für einen Denkmalpfleger?Es ist im Norden wohl des schönste Beispiel großbürgerlicher Wohnkultur, trotz der Verluste des Mobiliars und auch des Gartenhauses.

Ist die Sanierung damit abschlossen?
Wir machen weiter. Im Dachgeschoss ist ja auch noch sehr viel Musik drin.

Denkmalpflege steht immer mal wieder auch in der Kritik. Kämpfen sie häufig mit Widerständen?
Am Beispiel Wilster hat man auch in Krempe gesehen, was bei einem Miteinander alles geht. Dort geht es um den Erhalt des alten Wasserturms. Auch in Glückstadt denkt man jetzt über eine Sanierung des Rathauses nach. Von Wilster aus ist so etwas wie ein Domino–Effekt für die ganze Region ausgegangen. Kaum ein Landkreis in Schleswig-Holstein hat auch so viele hochkarätige Kulturdenkmäler. vm

 

Wilster Der Husumer Schlossgarten ist für die Stadt Wilster Ansporn und Vorbild zugleich: Dort hatten die Stadtväter fertige Sanierungspläne zehn Jahre lang in der Schublade liegen – bis plötzlich Geld auftauchte. Die Husumer griffen zu und brachten ihre schmucke Grünanlage in Schuss. In Wilster will man für eine grundlegende Überarbeitung des als Gründenkmal eingestuften Bürgermeistergartens deshalb zumindest ein Gestaltungskonzept erarbeiten. Im städtischen Bauausschuss gab es grünes Licht, um dafür schon einmal einen Förderantrag beim Landesamt für Denkmalschutz zu stellen.

Vor 200 Jahren dürfte Hausherrin Charlotte Doos ihre helle Freude an ihrer an ihr Palais angrenzenden Grünanlage gehabt haben. Vermutlich hat die betuchte Dame aber auch Heerscharen von Gärtnern beschäftigt. Seit Jahrzehnten wird die Gartenanlage mit barock-französischen Elementen in Anlehnung an die Zeit der Renaissance von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs mit gehegt und gepflegt. Das Schmuckstück und vor allem die Bepflanzung sind allerdings in die Jahre gekommen. Hecken und Gehölze verholzen immer mehr oder sind von Pilzen befallen, Büsche und Bäume zum Teil viel zu groß und zu dicht beieinander. Und der vorhandene Wassergraben ist nur noch schemenhaft zu erkennen.

Große Eingriffe verbieten sich von selbst. Ohne die Zustimmung der Denkmalpfleger läuft da gar nichts. Den Stein ins Rollen brachte jetzt der Verkauf des leer stehenden ehemaligen Stadtwerkegebäudes (siehe Infokasten). Das Backsteinhaus grenzt unmittelbar an den Bürgermeistergarten an. Der Anschlussbereich soll im Zuge der Veräußerung angepasst, versiegelte Flächen zurückgebaut und der Grünanlage wieder angegliedert werden. Auch hier: Die Gestaltung muss der Gartenarchitektur entsprechen und mit dem Denkmalamt abgestimmt werden.

Für ein Gesamtkonzept soll nun ein Landschaftsarchitekt eingeschaltet werden. Dieser soll den Bestand erfassen und verschiedene Vorschläge entwickeln. Die Umsetzung, so die Vorgabe, soll allerdings schrittweise möglich sein. „Wenn wir da die ersten Zahlen auf den Tisch kriegen, bekommen wir Schweißausbrüche“, sieht CDU-Fraktionschef Mark Dethlefs die Stadt vor einer unübersehbaren Kostenlawine. Deshalb richten sich alle Hoffnungen – wie schon bei der gelungenen Sanierung des Neuen Rathauses – auf irgendwann sprudelnde Fördergelder. „Deshalb wollen wir eine Expertise ja auch in der Schublade liegen haben, um dann schnell reagieren zu können“, erklärt Bürgermeister Walter Schulz die Strategie der Stadt. Roman Stöckmann, Leiter Technisches Bauamt, pflichtet der Vorgehensweise bei: „Man kann, wenn was geht.“ Bisher sei alles ja auch nur ein Gedankenspiel. Die Umsetzung werde allein schon beim Auftrag für Planungsarbeiten spannend, da Architekten-Honorare nach dem Umfang der Arbeiten bemessen werden. Niemand aber könne heute sagen, wie hoch die Investitionen ausfallen. Da auch völlig unklar sei, ob es Fördermittel gebe und in welcher Höhe, sei auch der städtische Eigenanteil im Vorfeld nicht zu ermitteln.

Volker Mehmel