
Wilster
Nach Jahrhunderten unter schattigen Bäumen erstrahlen Wilsters barocke Figuren wieder in neuem Glanz. Baudenkmalpflegerin Damaris Gorrissen (Foto) restaurierte die Marmorskulpturen im Bürgermeistergarten. Ein historischer Schatz, betont sie. Figuren aus Carrara-Marmor in dem Umfang in einer Parkanlage sind für den schleswig-holsteinischen Raum eine Seltenheit. Mit der Sanierung des englischen Gartenteils stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss.
Wie Wilster sein barockes Erbe wiederbelebt
Sanierungsarbeiten im Bürgermeistergarten bald beendet – doch die Meinungen beim einstigen Teichareal gehen auseinander
Ilke Rosenburg
Wilster
„Es war nicht nur eine wichtige Arbeit, es hat mir auch Spaß gebracht – definitiv“, sagt Damaris Gorrissen. Sie ist Baudenkmalpflegerin und Restauratorin und hat die historische Sanierung des Bürgermeistergartens in Wilster mit der Aufgabe begleitet, die Marmorskulpturen im Park wieder nahezu im alten Glanz erstrahlen zu lassen.
Nicht alle Spuren der Zeit lassen sich beseitigen, erfuhren die Mitglieder des Bauausschusses von ihr bei einer Begehung des Bürgermeistergartens. So weisen einige Skulpturen eine durch Witterungseinflüsse unter Bäumen über die Jahre entstandene dunkle Patina auf. Immerhin: Die Marmorskulpturen in der historischen Gartenanlage hinter dem Neuen Rathaus stammen aus dem Jahr 1700. Und das bedeutet: Die kleine Stadt Wilster verfügt über einen für Schleswig-Holstein außergewöhnlichen Schatz.
Schatz aus Drage gerettet
Denn Figuren aus Carrara-Marmor in dem Umfang in einer Parkanlage sind für den schleswig-holsteinischen Raum eine Besonderheit. Die zehn Skulpturen aus dem teuren, weil von weither gelieferten Material stammen aus einer Versteigerung Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Schloss Friedrichsruh in Drage, das damals abgerissen wurde. Kanzleirat Johann Hinrich Doos erwarb die barocken Plastiken für den Garten hinter dem von ihm gebauten Palais (heute Neues Rathaus) in Wilster. Seine Ehefrau, Etatsrätin Luise Charlotte Dorothea Doos, setzte nach seinem Tod die von ihm geplante Gartenerweiterung fort.
Hinter dem barocken Gartenbereich entstand der englische Garten, unter anderem mit einem Gartenhaus. Pläne aus dem Wilsteraner Archiv von 1914 zeigen die Aufteilung des gesamten Areals, das, nachdem die Etatsrätin Gebäude und Anwesen der Stadt vermacht hatte, zum Bürgermeistergarten wurde. Genau diese Pläne wurden nun zur Vorlage für die authentische Sanierung des Parks unter Einbindung der Denkmalschutzbehörde.
Momentan sind die Wege noch gesperrt, aber in etwa zwei bis drei Wochen, so Landschaftsplaner Hannes Rother, sollen die Arbeiten beendet sein. Dann können die Wilsteraner und ihre Besucher wieder durch den Bürgermeistergarten spazieren.
„Skulpturenfund“ im städtischen Bauhof
Von der Palaistreppe des Neuen Rathauses aus bildet nach wie vor das Rondell einen Ein- und Ausgang des Bürgermeistergartens – mit vier Skulpturen und Sitzbänken an den Rändern versehen. Eine der Figuren war noch im Bestand des städtischen Bauhofes zu finden – allerdings stark beschädigt. Damaris Gorrissen sorgte dafür, dass die Plastik ihren Platz am Rande des Rondells wieder einnehmen konnte. Die weiteren Skulpturen, vier an einem kleineren Rondell im barocken Parkteil neu ausgerichtet und zwei zurück am ursprünglichen Standort am einstigen Gartenhaus im hinteren englischen Gartenteil, bearbeitete sie vor Ort über den Sommer hinweg.
Eine Arbeit, für die laut der Kieler Restauratorin nur in wenigen Parks im Norden Gelegenheit sei. „Das macht man nicht jeden Tag“, sagte sie lächelnd. In Potsdam vielleicht, aber nicht in einer so kleinen Stadt wie Wilster. Umso bemerkenswerter sei es, dass sich die Wilsteraner dieser Besonderheit bewusst seien und sich für den Erhalt einsetzten. Gorrissen lobte genauso wie Rother die gute Zusammenarbeit im Verlauf dieses Projektes. Hannes Rother hob sowohl die Arbeit der Garten- und Landschaftsbaufirma Sievers aus Jevenstedt bei der Gestaltung nach geschichtlichem Vorbild als auch die Unterstützung durch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hervor.
Beim weiteren Rundgang wies Rother auf die Umgestaltung des Ein- und Ausgangs in Richtung Klosterhof, den Ersatz fehlender Zaunelemente, Veränderungen der Blumen- und Grünanlagen sowie gestalterische Besonderheiten hin. So wurde der Tisch mit Altarplatte aus der alten Kirche, Vorgängerin der ab 1775 erbauten St.-Bartholomäus-Kirche, aus einem Winkel des Bürgermeistergartens an prominenterer Stelle wieder aufgebaut.

Die Arbeiten für das nachempfundene Gartenhaus im englischen Garten laufen noch. Dort wird ein Areal geschaffen, das mit Sitzbänken versehen zum gemütlichen Verweilen einladen soll. Die einstigen Fenster werden durch Metallkonstruktionen imitiert, rundherum wird der Bereich, in dem vorher der Doos-Gedenkstein stand, begrünt. Dieser Gedenkstein wird am Ein- und Ausgang zur Langen Reihe hin aufgestellt.
Wie das einstige Teichareal dort gestaltet wird, ist weiterhin offen, da gehen die Meinungen von Denkmalpflegebehörde und Stadt Wilster noch auseinander. Die Kommunalpolitiker fordern eine Umzäunung des vom Denkmalschutz vorgesehenen künstlichen Gewässers (etwa 25 bis 30 Zentimeter tief) aus Sicherheitsgründen – insbesondere wegen des Weges von der Kita „Schwalbennest“ zum Erlebnisspielplatz im an den historischen Bereich angrenzenden Parkteil.
Wichtig war für die Bauausschussmitglieder das Fazit Rothers, das dieser auch in der abendlichen Sitzung wiederholte: Der Charakter des einstigen Barockgartens und des englischen Gartens werde mit dem Ende der Bauzeit erreicht sein. Das Projekt liege im Zeitplan, auch hinsichtlich der Fördermittelabrechnung. Die Kosten für die Wiederherstellung der etwa 2,4 Hektar großen Parkanlage werden vom Land Schleswig-Holstein mit 75 Prozent und rund 491.000 Euro gefördert. Für die Stadt Wilster beträgt der Eigenanteil rund 160.000 Euro.